Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
vespern
vespern
Vesper f. ursprünglich auf den frühen Abend fallendes, später bereits für den Nachmittag vorgeschriebenes kanonisches Gebetsopfer, vorletztes der täglichen Stundengebete (in der katholischen Kirche), auch ‘Gottesdienst am Nachmittag oder frühen Abend’ (so in der evangelischen Kirche, vgl. Christvesper), dann ‘Zeit des vorletzten Stundengebets, Nachmittagszeit’ (vgl. Vesperstunde, -zeit, mhd. vesperstunde, -zīt), ahd. vespera (um 900), mhd. vesper ‘vorletzte kanonische Stunde’, Übernahme (zunächst im klösterlichen Bereich) von gleichbed. mlat. vespera (auch in der Pluralform vesperae), lat. vespera ‘Abend, Abendzeit, Abendgegend, Westen’, dem substantivierten Femininum von lat. vesper ‘abendlich’ (als Maskulinum substantivisch ‘Abendstern, Abendzeit, Westen’). Landschaftlich (obd. und md.) ist Vesper außerdem in der Bedeutung ‘kleinere Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder frühen Abend’ gebräuchlich (seit Anfang 18. Jh.; neben öst. Jause, s. d.), wohl verkürzt aus vorausgehendem obd. md. Vesperbrot (15. Jh.), daher vielfach mit neutralem Genus. – vespern Vb. ‘die Zwischenmahlzeit am Nachmittag oder frühen Abend einnehmen’ (in regionaler Verwendung, besonders obd. md., 2. Hälfte 18. Jh.).