verwachen,
v. ,
spätmhd. Lexer 3, 291, Jelinek;
vom 16.
jahrh. an oft belegt, seit dem 17.
gebucht. schweiz. Seiler
Basler ma. 114
b;
els. Martin-Lienhart 2, 782;
schwäb. Fischer 2, 1398;
vorarlberg. Frommann 3, 214;
öst. zeitschr. f. d. wortf. 9, 62;
cöln. Hönig 195;
mnd. vorwaken Schiller - Lübben 4, 495;
mengl. forwake Stratman-Bradley 245. 11)
die älteste, heute nicht mehr gebräuchliche bedeutung ist: durch eigenes wachsein oder durch das stellen einer wache beschützen, behüten, bewachen: guarder, guardar Hulsius-Ravellus (1616) 360
a;
custodire Kramer 2, 1225, Rädlein, Dentzler, Aler;
garder Frisch
nouv. dict., Braun; im 16.
und 17.
jahrh. sehr gewöhnlich, im 18.
seltener werdend, im 19.
nur gelegentlich in mundartlich oder alterthümlich gefärbter sprache. 1@aa)
bewachen: so sollen ime die armen leute do selbst aus L. zwene ausz der gemeinde alle nacht schicken und bestellen, di solich schlos getreulichen behüten und vorwachen, als oft des not geschicht (1468)
weisthümer 6, 64; beschlossen wurden hin und her die stadtthor, verhütt und verwacht beyde bey tag und auch bey nacht H. Sachs 7, 416
K.; deren keuschheit von ihrer mutter mit luxaugen verwacht wurde Grimmelshausen 4, 628
lit. v.; sie unentdeckt durch die verwachten thore herauszuführen Wieland I 1, 349
akad. ausg.; nachdem die kinder versprochen hatten, das müetti gut zu v., damit es nichts lätzes mache Gotthelf
ges. schr. 19, 308; und nun führt er seine knechte nach S., den galgen v. E. v. Handel Mazetti
in deutsche rundschau 155, 11.
übertragen sein gewissen v. Stieler 2397.
österreichisch den auerhahn v., '
fortwährend beobachten und gegen unrechtmäszige nachstellungen hüten'
zeitschr. f. d. wortf. 9, 62.
als gefangenen bewachen: in Gaza Samson wird verwacht Fischart 2, 301
Kurz; Genovefa, die sitzt in ihrem zimmer jetzt verwacht maler Müller 3, 182. 1@bb)
absolut, wache halten, wachsam sein: der hat ... beym grab v. helfen Ayrer
hist. proc. juris 533; ist sie vom adel gut, so thut sie was sie will. ist leibes schönheit da, so hat man zu verwachen Opitz
poemata 235
ndr. 1@cc)
behüten, beschützen, sichern: (
das haus) verstüren und v. (1356) Fischer
schwäb. wb. 2, 1398; (
einen hof) verschossen und vorwachen (
Eisenach 14.
jahrh. in abschrift a. d. 16.)
thür. geschichtsqu. 9, 24. vor etwas v.: seinen weinberg fleiszig vor den dieben, raubvögeln und wilden thieren behüten und v. lassen Hohberg
georg. cur. aucta 3, 269
b; die heiligste stätte ist nicht genug für diesen thoren verwachet, und die Paulskirche ist nicht sichrer für ihnen als der Paulskirchhof Bodmer
crit. poet. schr. 1, 80;
freier: dasz die köchin glut anzünd und das morgensüpplein mache, dasz den herrn, die frau, das kind denn vor böser luft verwache Scherfer
ged. (1652) 539. mit jemandem v.: und darnach stecken sie (
die pfaffen) es (
das crucifix) ins grab, verwachens mit etlichen andächtigen mütterlein Fischart
binenkorb (1588) 164
a; dasz das gemach mit etlichen von der leibwacht des fürsten verwahret und verwachet ware Widmann
Fausts leben 253
K.; darumb hatte feldmarschalck K. ... die ... passagen und furten ... mit der reuterey verwachet v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 51.
freier: hier Trojaner, und hier tapferer Griechen reihn, stark mit thürmen verwacht Herder 27, 26
S. reflexiv, sich in acht nehmen, sich hüten: wo ir euch nit verwachen Regkmann
lüb. chron. (1619) 132. 1@dd)
beobachten: (
der landsknecht) wird also innen, das der pfaff dem würth an seiner tochter hienge; welchen er oft verwachet, aber er kundt im nye werden Schumann
nachtbüchl. 235
B.; als ein könig aufgesessen, mit meiner heereskraft, wol von dem feind vermessen hab ich die schlacht verwacht
lieder a. d. winterkönig 73
Wolkan. 22)
in älterer zeit, vereinzelt noch im 18.
jahrh., wach sein, wachen; fast ausschlieszlich der substantivierte infinitiv: bald zuo nacht wurt dich din v. zuoher triben (
mox noctu te adiget horsum insomnia)
Terenz (1499) 42
b; schadet sie nicht durch überflusz und unordnung, durch spätes v. und unzeitige ruhe der gesundheit ihres verwöhnten körpers
der freimüthige (1751) 21.
sonst nur vereinzelt: der morgen kommt, ist mittag, ist nacht, und stets noch immer in sorge verwacht, gehofft nun wieder auf morgenfrist, bis er am morgen gestorben ist Herder 25, 363
S. 33)
erwachen; reflexiv: wenn sich solche leute v. und aus dem schlaf kommen Herberger
trawrlieder 2, 316.
mundartlich intransitiv: basl. Seiler 114
b;
els. Martin-Lienhart;
schwäb. Fischer;
vorarlb.: druf sêt sie lîs: 'i gô gnôt z' wald, mi kind, derwîl verwach mer nit Frommann 3, 214; und s würmli usem ey verwachts, s het geschlofen in sim winterhus Hebel 2, 232
B. 44)
erhalten geblieben ist die bedeutung durch wachen verbrauchen, hinbringen, erschöpfen: durch wachen verzehren Voigtel 3, 544
a;
daneben vereinzelt durch wachen versäumen: bald haben wirs (
das glück) verwacht, bald haben wirs verträumt Rückert 8, 351. 4@aa)
seit dem 17.
jahrh. sich v.,
sich durch wachen erschöpfen, überanstrengen: mit wachen sich kränken, sich ausmärgeln Rädlein; warüm ihr euch verwachet, mit sorgen quälet und aus dem geschirr schlaget Butschky
rosenthal 478; dasz ich nicht ruhn mag finden, dasz alles sich an mir verwacht, auch die gebeine schwinden Opitz
opera (1690) 3, 157; (
der mittagsschlaf) kan aber denen, die sich verwachet oder alt und schwach ... sein, dennoch zugelassen werden
medic. paszconsilium (1680) 13; ich hab mich krank und bleich bei ihm verweint, verwacht Brentano 1, 415. 4@bb)
lebendiger ist das part. prät. verwacht,
durch wachen erschöpft, übermüdet; mengl. forwaked
exhausted with watching Stratmann-Bradley; sehet, wie die saat sich bücket, die verwachte rose nicket und tut wie ihr auge zu P. Fleming
deutsche ged. 1, 299
L.; das buch aus ihrer hand, der leib aufs lager sanck, weil der verwachte fleisz vom schlaf gefesselt worden Pyra
u. Lange
freundsch. lieder 84
lit.-denkm. nun gute nacht, nun guten tag, ich bin verwacht, nichts mehr vermag Arnim 7, 209
Grimm. übernächtig: T. sagte heute, meine augen seyen so v. Brentano
Godwi 1, 239; du wärst nicht v. und verweint Fontane I 4, 440; ein frauenzimmer, ... mit blassem verwachtem antlitz Storm 6, 60. 4@cc)
wachend verbringen: verwachte nächte Krünitz 218, 495; Anna, die schrecklichste nacht hab ich in qualen verwachet Bürger 1, 244
Bohtz; wie hab ich doch so manche sommernacht, du düstrer saal, in deinem raum verwacht! Droste-Hülshoff 1, 201
Sch.; welcher, keine schlaflust verspürend, in angenehmer träumerei noch ein stündchen allein verwachte G. Keller 5, 267.
prägnanter: als wächter verleben: wenn du wie ich dein leben verwacht hättest auf der Kronenburg Arnim 2, 73
Gr. —
dazu verwacher, m. Treuer
Dädalus 1, 258. —