verschupfen,
verschüpfen,
verb. ,
mhd. verschupfen Lexer
mhd. handwb. 3, 221;
ahd. verscupfen Graff 6, 458; verschupffen, ein ding verwerffen,
abdicare. Maaler 430
b;
schweiz. verschupfe, ferschüpfe. Seiler
Basler mundart 112
b; verschupfen, verschüpfen. Stalder
schweiz. idiot. 2, 354;
schwäb. verschupfen Schmid
schwäb. wb. 481.
bair. verschupfen. Schmeller
bair. wb. 2, 442;
ebenso schles. Drechsler
W. Scherffer 238;
über das eintreten des umlautes vgl. schupfen th. 9,
sp. 2006;
nld. verschuppen,
abjicere, rejicere, contemnere. Kilian (1777) 2, 724
a,
niederd. verschüppen, verleiten. Schambach
wb. d. niederd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 266
a. ferschüppen,
verschüppsen, mit den füszen fortstoszen. Stürenburg
ostfries. wb. 315
b, ten Doornkaat Koolman
ostfries. wb. 1, 462
b. verschüppen,
rejicere. Alberus
dict. Rr 1
a; Frisch 2, 234
a ver-, zeichnet verschupfen,
rejicere, als einen könig oder herren eines meinung verschupfen,
offenbar aus Maaler; Campe
bringt: verschuppen,
in die ferne von sich wegschuppen, mit einem schuppe stoszen; verschüppen,
mit der schüppe stoszend wegwerfen, mit der schüppe vergraben; die beiden zu verschüppen
gegebenen bedeutungen sind wohl nur construiert. 11)
die ursprüngliche bedeutung des wortes ist mit einem stosz fort bewegen, '
einen schups geben' (verschupfen, verschüpfen,
mit einem stosz schieben. Stalder
a. a. o.). verscupfenten stupfes,
volucris momenti. Graff 6, 458;
einen so wegzustoszen ist das zeichen schärfster verachtung; die mittelalterliche rechtspflege erfindet sogar ein instrument, mit dem diese demütigende handlung zur strafe in empfindlicher weise vorgenommen wird, z. b. bei ausweisungen (
vgl. schippe th. 9,
sp. 206, schupfe
sp. 2005); verschupfen
wird daher sehr gern, besonders im alemannischen sprachgebiete, in übertragenem sinne gebraucht mit der bedeutung '
verstoszen'; einen frömbden künig und fürsten verschupffen, verachten hindersich stossen, verwerffen; eins andern meinung verschupffen, verachten, und nichts darauff halten; verschupfft,
fastiditus. Maaler 430
b; die gotts gebot _.. verachtend und verschupfend. Zwingli
deutsche schriften 1, 12; darum, dasz jr das wort ... verschupft hand und üwer truwen in lugenen und unruow gesetzt. 37. e ferschupfts chind,
das jedermann im wege ist, das wenig gilt. Seiler
Basler mundart 112
b; weil eyn sunderer fluoch und blindtheyt (wie Paulus anzeygt) ob jnen schwebt, ja sprich ich, weil sy Christum verschupfft haben. Franck
weltb. 159
a (1542); also muosz es gehn, so man gott verschupfft. 155
a; und seind all mit jrem opffer verschupfft in gotes ungnad gestanden.
chronica (1531) 85
a; verschupfft die völcker so zu kriegen lust haben.
kriegb. d. friedes (1550)
vorwort; wann die weyber also verschupfft werden. Münster
cosmographey (1564) 1322; als nun apt Richardus gebetten ward, das er jn unter die münche wöllen auffnemmen, ists jm abgeschlagen, weil er ein hurenkindt war. solcher hohn treib jn gehn Parisz, da er wol studierte, das er nicht mehr verschupfft wurde, darumb er endtlich eyn münch wardt. G. Nigrinus
papist. inquisition 427; wie er Henbergam sein gemahel so schmechlich verschupfft. Stumpf
schweiz. chron. 214
a (1606); got hat die unedlen und verschpften diser welt erwelt. Tschudi
chronicon (1734) 1, 102
b; sie und ihre kinder waren in gefahr, ihres vaters und ihrer hütte beraubt, getrennt, verschupft, ins äuszerste elend zu sinken. Pestalozzi 1, 4 (1819); o gott! verschupft, an fremden tischen brod suchen müssen. 1, 7.
dazu die anmerkung: verschupfen, welches den fall bedeutet, da ein mensch von einem orte zum andern mit einer art von drucke und von verachtung verstoszen wird.
harmloser: weil sie (
die kinder) allenthalben sein durften, ohne verschüpft und mit schlägen bedroht zu werden. Gotthelf 1, 17 (
volksausgabe 1898); gott verschupfft, verdirbt, verlässt die bösen nit. Schmid
schwäb. wb. 481; nach dem auf meiner seit' ich sie so brünstig liebte, sie aber mich verschupft'. W. Scherffer
gedichte 385 (1647).
vgl.schupfen 3,
b th. 9,
sp. 2009. 22)
der nachdruck liegt darauf, dasz etwas aus der richtigen lage gebracht, verschoben, verdreht wird: die das recht verschupffen, die auch andere jrr und sündigen machen. Franck
kriegb. d. friedes 211 (1550);
verleiten: worümme het hei sek dâtau verschüppen lâten. Schambach
wb. d. niederd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 266
a;
verdrehen, irr machen, vom verstand: Staudenrausch soll umb seines unrichtigen und verschupften kopfs willen hinab in das spital gefürt und im capellin oder sonst an ain köttin, wo er aber so gar ungeschickt sein wurd, zu den unsinnigen gelegt werden.
quelle bei Schmid
schwäb. wb. 481; du bist ein wenig verschupfft,
non tibi sanum est sinciput. voc. von 1618
bei Schmeller 2, 442.
vgl.geschupft,
närrisch oben unter schupfen 4,
c th. 9,
sp. 2010. 33)
verstopfen: sie tuont, alsô der slange, so der êrst vernimt daʒ blat, ein ôre leget er ûf einen stein, daʒ ander er verschupfet hât mit dem zagele an der stat, daʒ ers niht hœren müge.
minnes. 3, 75
a Hagen. verschlieszen: (
die frauenklöster sind den verwandten der nonnen) an vil orten verschupfft, aber den münchen zu visitieren vorbehalten.
quelle bei Schmidt
hist. wb. d. els. mundart 400
a;
hier berührt sich das verbum mit verschopfen, verschoppen, das hauptsächlich in dieser bedeutung (
verstopfen)
gebraucht wird; vgl. oben sp. 1145. verschoppen, verschopfen
wird in manchen gegenden neben verschuppen, verschupfen
mit getrennter form und bedeutung angewandt. 44)
die brotrinde ist erschupft, verschupft,
wenn sie vom brod absteht. Schmid
schwäb. wb. 481;
zu grunde liegt die bedeutung des wegstoszens. der ausdruck wird dann auf das brod selbst, das verbacken ist, übertragen. verschupft-brodt,
abgebackenes brot (
aus Ulm). Jacobsson
techn. wb. 8, 81
a; erschupft brot,
das durch zu grosze backhitze aufgedunsen, unter der obern rinde hohl geworden ist. Schmeller
bair. wb. 2, 441.