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verruchen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verruchen verb.

Bd. 25, Sp. 1018
verruchen, verb. absehen, sich um etwas nicht bekümmern, mhd. verruochen, trans.: der hât gar verruochet dirre werlte valschen hort. Mart. 252, 68; intransitiv: noch beʒʒer ist der mensche vil, der dicke zürnet und ouch wil vergeʒʒen balde und ouch dâbî hulde suochen, denn der sî, der selten zürnet, und verruocht daʒ er gnâde selten suocht. Boner edelst. 34, 33; mnd. vorroken, selten. über stamm des wortes und entwicklung s. theil 4, 1, 3762. die bedeutung des einfachen ruchen, ruhen ist 'wofür sorge tragen', 'sich um etwas kümmern'. ver hat hier nun eine verneinende kraft, 'aufhören zu sorgen', 'sich um etwas nicht kümmern'. 11) so hette ich (der teufel) zuvor den groszen hauffen in der welt mit gewaltigen exempeln, als Türcken, Persern, Tattern, Jüden und Heiden, das sie zuletzt würden verruchen und sagen: was tauffe? was Christen? wo der hauffe bleibt da bleibe ich auch. Luther 5, 186b; jhe mer er auff das guot verruocht wird, jhe besser glück hat er. S. Frank 5, 29. bei weitem herrscht vor und ist heutzutage einzig gebräuchlich geblieben das part. prät. 22) von menschen gebraucht: ein verruchter mensch ist ein solcher, der sich um nichts bekümmert hat und sich bekümmert: denn sie auch nicht werd sind so ein gering guts zu thun, sondern dafür, als die verruchten Epicurer beide gott selbs und seines worts und seiner kirchen spotten und verlachen. Luther Hans Worst 40; solche leute, die so gar nichts fülen noch sich annemen, die heiszen rechte bogdim und apilgicotis, verrucht, das kein schmecklin noch rüchlin da ist blieben .. zum andern das gott zu solchen verwegenen, verrüchten so gar nichts thut, das er schlecht schweiget und sie gleich damit stercket als sey er so gar nichts, wie sie halten, und ist auch verrücht uber sie gleich wie sie über jhn sind (bekümmert sich nicht um sie), fület auch nicht, und nimpt sichs auch nichts an. 3, 238. bald nimmt nun verrucht eine allgemeine bedeutung an 'verwerflich', von menschen und dingen gesagt: Suetonius nennet ihn (den Caligula) ein monstrum, d. i. ein wunderbösen, schädlichen, verruchten und verzweiffelten menschen. Kirchhoff 4, 130 Österley; sonst wurde Cambyses ein verruchter mensch, der allen ubelthaten ... nachhengt. wendunm. 10a; davon ward ich endlich so gottlosz, verwegen und verrucht, dasz kein schelmstück in der welt war, welches zu begehen ich mich nicht unterstehen hätte dörffen. Simpl. 1, 249, 2; nun geht mir erst ein licht auf, dasz der verruchte säufer auch nur den jungen mann verführt hat, mir den Salvator zu verkaufen. Tieck 17, 44; wäre der hunger zu solcher höhe gestiegen, dasz er mit gras und verruchter nahrung gestillt ward. Niebuhr 3, 477; wer kranck ist, der wer gern gesunt, und acht nît wo die hilff her kunt. den tüfel rüfft gar mancher an das er der kranckheyt möcht engan, wan er von jm hülff wartend wer und nit müst sorgen grösser schwer. der würt jnn narrheyt gantz verruocht, wer wider gott gesuntheyt suocht. Brant narrensch. 38, 41 Zarncke; und macht manchen jm prassz verruocht, des vatter nye kein wyn versuocht. 66, 93; marschalck, wie seyt ir so verrucht, das ir solchs bey der köngin sucht? H. Sachs 2, 3, 15 (8, 57, 26 Keller); da erlag sein kriegszvolck verrucht, wurdt geschlagen und gab die flucht und wardt der schnöde könig gfangen. 2, 3, 125 (8, 480, 3); ich stan hie wie kriegisch ich well und bin doch ein verruochter gsell. Berner fastnachtsp. (1522) B 8b; Adramelech kam erst, ein geist verruchter als Satan und verdeckter. Klopstock Mess. 2, 301; ja seine verruchten verfolger haben ihn endlich gewisz ergriffen! 3, 349; indess ein dicker pestaushauchender qualm graugelb emporqualmt: der wie einst des Tobias fauler fischdampf .. selbst die teufel verscheucht, und weht ein düftchen ihr ins maul, die verruchte hexe kizelt, bis sie hustend die schwarze seel herauswürgt. Voss 3, 113; Niobe, Niobe! Atlas riesentochter, die brut des verruchten Tantals, Niobe hat altar und tempel mir heute geraubt. Fr. Müller 2, 216; substantivbildung des particips: wer vom verruchten lohn für sein verdienst begehrt, der sündigt zwiefach. erstens, weil er um verruchte sich verdient gemacht und lohn begehrt, wo er kaum ungestraft entkommt. Herder zur lit. u. kunst 11, 176 (1821); ha! in wolkigter nacht, wenn er herunterfährt, wenn des weltgerichts wag durch den Olympus schallt, dich, verruchter, zu wägen zwischen himmel und Erebus. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 43; von gegenständen, handlungen und gefühlen gesagt: oft waren sie mir verdächtig; aber wenn man sie bei mir solcher verruchter handlungen wegen angeklagt hätte, ich hätte sie gegen jedermann in schutz genommen. Göthe 14, 220; mit recht hat dich heute der domherr als einen schüler verlacht, mit recht der graf deine gutmüthigkeit auf eine verruchte weise miszbraucht. 222; was soll aus Ottilien werden, die unser haus verlassen, in der gesellschaft unserer vorsorge entbehren und sich in der verruchten kalten welt jämmerlich herumdrücken müszte. 17, 351; das mögen wohl die spielbälle sein, die sich die bösen geister einander zuwerfen in der Walpurgisnacht, wenn hier die hexen .. einhergeritten kommen, und die abentheuerlich verruchte lust beginnt. H. Heine 1, 74; lassen sie ihre verruchten lügen, die bei mir nicht verfangen. Spielhagen plattland 3, 85; den heuchlern, die im schmeichlen kunten, mit im lagen oben und unden, mit den, da thet er sich ergeben auf ein weltlich und verrucht leben, auf allen wollust, stoltz und bracht. H. Sachs 2, 3, 166 (8, 649, 8 Keller); durch jhr verbubtes thun, durch jhr verruchte sprach. Weckherlin 164 (ps. 44, 19); jedoch versichert euch, beschimpffung todter leichen ... ist so verruchte that, die brand und pest zur straff und gott zum rächer hat. Lohenstein Agripp. (91) V, 543; auch ihr, die stolz und wahn um jenes licht gebracht worin die gottheit sich den geistern sichtbar macht, die ein verruchter trieb selbst gegen gott empöret, die ihr das wesen schmäht, das euer wesen nähret, hört meinem singen zu. Wieland 37, 19 (Suppl. 1); er fühlt sich selbst nicht mehr, sein starrend auge schlieszt auf ewig sich dem lichte, und den verruchten geist, von frevelthaten schwer, schon schleppen teufel ihn zum schrecklichen gerichte. Oberon 3, 37; wir sollten eine schwärzre nacht erwarten mit unserm frevel gegen die musik; verruchte thaten lieben finsternisz. Uhland 172; das ist ja verrucht, gnädiger herr, rief Pedrillo, sapperment! das heiszt den spasz zu weit treiben. Wieland 11, 358; das part. (adj.) adverb. genommen: welches sie warlich thuon, mit so ainer säligen frechhait, so schandtlosz und verruocht, das zum dickern mal die recht fürer den schrifftweysen darumb neidisch sind. Erasmus lob der thorh. von Frank 64; sich verruchen, von jemand absehen, keine rücksicht nehmen, rücksichtslos benehmen: es hatt sich aber disz volck (der landsknechte) verruocht in der gmein, dasz es sich keiner boszheit schämbt. S. Frank chron. 217b; dann glücksal der zugenglicheyt eyn zeychen ist und underscheyt, das gott des menschen sich verruocht den er zuo zytten nit heymsuocht. Brant narrensch. 23, 5; das pferdt lieff was es leibes mocht zuletzt sichs on gefehr verrücht. B. Waldis Esop 1, 33, 19 (soll wol heiszen: zuletzt hörte es damit (gen.) auf, sah es davon ab, nämlich vom laufen).
7300 Zeichen · 96 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verruchenv., intrs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Verruchen , v. intrs . * * nicht sorgen, gering achten. Oberlin. Von diesem veralteten Worte ist nur noch das Mittelwort…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verruchen

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Ableitung von verruchen 2 Analysen

ver- + ruchen

verruchen leitet sich vom Lemma ruchen ab mit Präfix ver-.

Alternativen: ver-+ru+-chen

Zerlegung von verruchen 2 Komponenten

ver+ruchen

verruchen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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