vermerken,
verb. bemerken, eine bemerkung machen. zeitwort schon im spätern mhd. bekannt. das im mhd., besonders md. beliebte mirken
läszt sich auch im ältesten nhd. nachweisen: hirczog Christoffel von Beiern .. wurdet uff hute komen, hab ich von seinem canczeler vermirgt. Janssen
reichscorresp. 2, 454.
gewöhnlich im nhd. zusammensetzung mit dem einfachen merken,
dessen bedeutung es verstärkt und durchaus transitiv macht. 11)
mit genitiv als object: er lässet sich einiger feindschafft nicht vermerken, wenn er nicht gelegenheit, sich würklich zu rächen, in händen hat. Butschky
Patmos 298.
mit accusativ als object: zum andern, wo auch solchs im heiligen evangelio gegründet, so würden ungezweifelt, das auch mehr leut daraus vermercken, und dem anhengig werden. Luther 2, 6; derwegen auch ein jtzliche christliche oberkait, wo sie solchs vermerckt und verstehet, für zu komen und abzuwenden schuldig ist. 2, 85; darumb werdet jr euch derselben aufflage und zumessung ewer notdurfft nach auff das ewer unschuld vermarckt, durch ewer schreiben zu verantworten haben. 6, 6; ich vermerken mag din zuonemen. Zwingli 2, 5; den schwermer Thersitesz an welches person und geberden seine untugend und boszheit vermerckt ward. Alberus
Esop. 1; dieses gewächs zeucht ein wenig zusammen und wird keine schärfe darinn vermerket. Tabernaemont. 552; wie der vater das vermerckt, lobt er seines sohns erfindung, vermöchte doch .. Kirchhof
wendunm. 4, 82
Österley; alle billigkeit vermerken oder abnemen.
Aimon bog. l 2; welches ich mir zum gedächtnis vermerket habe. Schweinichen 1, 50; alles, .. wie es mir in meinem leben gehen werde .. zu vermerken. 2, 1; mein camerad war noch keine woche tod gewesen, als ich ein ungeheur um meine wohnung herum vermercke.
Simpl. 2, 239, 5
Kurz; aber ich betrog mich vor diszmal selbsten, dann als ich an einem abend abermal etwas vermerckete, das sich hören liesz, ging ich vor meine hütte. 2, 239, 22; ich befande endlichen und im auszkehren, dasz alles dasjenige, so ich daselbsten in den büchern von der welt und ihrem wesen gelesen, auch under und bey den mänschen .. absehen und vermercken könne, mir dergestalt vorkome ... Philander 6; und hatten sie eben wohl bey ihrem alter noch mancherley einfälle und anfechtungen, so dasz man ihre thorheit unschwer vermercken kundte. 142; als er seines vaters unwillen hierüber vermerckte.
pers. rosenth. 1, 4; wenn sie selbige (
kunst und tugend) an uns vermercken.
ebenda; wil daher der zuversicht leben, es werde der herr dieses, so ich in guter meinung erinnert, in ungutten nicht vermerken. Butschky
kanzl. 341; konte extraordinari wol rechnen, und wol buch halten. als das der fürst vermerckte, braucht er ihn. Schuppius 30; (
ich frage) ob er nicht selbst vor der offentlichen feilbietung darin geblättert und gelesen und den inhalt darin vermercket? 621; mit unterdienstlicher bitte, diese meine also intitulirte abgenötigte ehrenrettung im besten vermercken. 624; ich weisz zwar wohl, versetzte die prinzessin, wie man den schlusz des himmels verehren soll, allein hier kan ich keinen befehl, noch anlasz zur liebe vermercken.
Banise 108; vermerckte sie bald darauf die anzeigungen ihres herannahenden todes.
Felsenb. 1, 78; damit man ein beispiel habe, davon man diese begriffe desto deutlicher vermerken könne, so nehme man die vierfache feder a. b. c. d
an. Kant 8, 160; ihr liesz der gast seine verwunderung über eine so hübsche lebensthätige colonie vermerken. Göthe 21, 187; da er bei mir gleichen trieb, gleiches naturell vermerkte, so war er bemüht, nach und nach mir dasjenige mitzutheilen, was ihn so innig beschäftigte. 23, 175; wirdt man ein wenig deinr lieb vermerckn, so wirdt einer den andern sterckn, dich und sie in als unglück bringen. H. Sachs 2, 3, 72 (8, 271, 23); und da der ain gefallen wolt, wie man das kindlein taylen solt: das doch die andre zayget rew, vermergkt er natürliche trew. Schwartzenberg 108, 2; dasz keyser, könig und regenten auch die in hohen regimenten stetig dadurch wurden ermant, dasz nicht zeitlichs hie het bestand, leszt gott disz schreiben und vermercken. Kirchhof 4, 8
Österley; drumb kehr mich umb und schauen will, ruf hin mit ganzer stärke; da bleibts (
das echo) an jener seiten still, kein wörtlein ich vermerke. Spee 12, 131
Balke; lieb, in deinen feuer-wercken sind viel schwermer zu vermercken. Logau 3, 24, 3 (
Eitner 462); an dem sich gut verstand und tugend wird erzeigen, der redet nicht, bisz er vermercket ein stillschweigen.
pers. rosenth. 4, 7.
durch ein zugesetztes adjectiv näher bestimmt: gleich wie nun aber meines knäns hauszwesen in allen stücken sehr adelich vermerckt wird.
Simpl. 1, 12, 16.
durch adverb oder ähnlichen zusatz wird der begriff des zeitworts weiter ausgeführt: wollet nicht für übel haben noch auch vermercken. Luther
briefe 5, 208; vermerken sie es im besten! Gotter 3, 391; einzusehen, dasz die gekrönten häupter sein freches unternehmen nicht wohl vermerken ... würden. Göthe 19, 116; 'der mond scheint betrübt in der welt herein' — wenn sie es nicht ungnädig vermerken wollen, so musz es heiszen: in die welt. Tieck 5, 190; nim weg die eitelkeit von allen unsern wercken, was wird dir übrig seyn und gültig zu vermercken? Logau 3, 18, 79 (
Eitner 458); viele (
töne) verklingen da unten zu hauf, andere mit geistes flug und lauf wie das flügelpferd des propheten, steigen empor und flöten drauszen an dem thor. kommt dein gespielen so etwas vor, so sollen sies freundlich vermerken. Göthe 5, 260.
mit dem accus., eine person: soll sich nieman darob ergern, als ob ich welle den thalmud hoch preisen; nain furwar, dann in demselben hatt man mich hievor anders und wol vermerckt. Reuchlin
verstentn. 7
a; (
der Erfurter rath schreibt) uff das wir nicht parteisch oder verdechtig vermargkt uff aller theyl furbringenn uns eyns rechts pruchs bey unverdechtigen rechtsgelerten mit aller parthey verwilligung belernen lassen.
gem. archiv 1535 (
Erfurt); du schalck, hastu nicht gesagt, du habst nur einen menschen auff dem marckt vermerckt? Er. Alberus 13; hör und bewahre sechs liebespaare ... hast du sie wohl vermerkt, bist im lieben gestärkt. Göthe 5, 47.
auf die worte jemandes hören: Jona, Jona, vermerck mich eben! meinstu, du zürnest gar billich? H. Sachs 3, 1, 161 (11, 94, 10
Keller); ir liebn getreuen, vermerckt mich ebn, wenn wir acht auff uns selber gebn, dieses kriegs umbstend übersummen, seind in demselben umbkomen beeder seit etlich hundert mann. J. Ayrer
trag. v. bel. v. Alba 25
c (1, 141, 29
Keller). 22)
mit inf. (
acc. c. inf.)
oder partic.: ich hab euch diese zeit weynen vermerckt.
Aimon bog. n 1; nun aber doctor Ecke .. unehr suchen vermerkt wird. Luther
briefw. 1, 237; er uberscheuszt auch zu zeiten das garn, so er vermerckt uberzogen syn. Forer
fischb. 36
a; darausz (
aus einem schreiben) er aber onzweyfenlich vermergkt, vor genänts boten anzaigen war zu sein. Schwartzenberg 149, 1. 33)
mit folgendem abhängigem satze (dasz): wen sie nu christen weeren, und gottis ehre lieber hetten den yhr eigenn, wurd der bapst nymmer frolich werden, wo er gwar wurd, das gottis ehre vorachtet, und seine eygene erhabenn were, wurd auch niemant lassen yhn ehren, bisz her vormerckt, das gottis ehr widder erhaben, und groszer den sein ehre were. Luther
adel 40
neudr.; also hat dr. Martinus aus dieser handelung klerlich vermerckt, das der legat lauter nichts hat wollen haben, denn ein widerspruch. Luther 110
b; ich vermercken, das es frembd ritter seint.
Aimon bog. D 1; ich vermerck, das wir all bezaubert seint gewest. T 2; ich vermerck, das ir umb .. meinetwillen in ungnaden seindt. X 1; nachdem er .. vormerckte, das ein rhat jme zu predigen nicht gestatten wolte. Sastrow 1, 32; ich narr wuste nicht, was ich gedachte; dann so bald ich in die welt kam, vermerckte ich, dasz .. beynahe jeder wert mensch einen besonders neben gott hatte.
Simpl. 1, 83, 23; wo mein herr war .. der aber indessen aufgestanden war und alsobald vermercket, dasz sein beutel zwar zugegen, aber das geld daraus gefischet wäre. 2, 302, 23; also ruffete mir der alte ausz treuer wolmeynender fürsorge zu, als er vermercket, dasz ich mich so leichtsinniger weise bethören lassen. Philander 1, 94; ich habe viel vornehmer cavallierer gefragt, ob sie den obristen
N. nicht gekannt haben? allein ich hab vermerckt, dasz er in keinem krieg in Europa, sondern in bello grammaticali gedient hab. Schuppius 255; wenn du das grab hast, so räume es getrost auf, ob du saure arbeit daran thust, wirst du doch vermerken, dasz die erde mit fleisz darein geschüttet sei. Musäus
volksm. 706; derwegen, als die sonn vermerkt, das nur jr manhait wurd gestärkt und sah allweil das schiff forteilen, da sorgt sie, sie möcht sich verweilen. Fischart
dicht. 2, 196, 649
Kurz; da sprach der könig Philippus: ausz dem ich gewis vermercken musz, das du wirst könig nach mir sein, wie mir auch die hausgötter mein haben gewis anzeiget vor. H. Sachs 2, 3, 103 (8, 390
Keller).
mit folgendem abhängigen satze, ohne dasz: es ist von einem recht vermerckt worden, er seye mit groszer mühe zu kleinen, und schier mit keiner mühe zu groszem reichthumb kommen. Schuppius 738; wenn er sein eignes lob wie wider willen zahlt, so macht ers nicht zu grob, er braucht bescheidenheit, gibt aber zu vermercken, es stecke mehr im sack und er sey nach den wercken, nicht nach den worten werth. Logau 3, 217.
oft fehlt das object überhaupt, wenn der satz in einen andern eingeschoben ist: als ich von ern Pfillipsen vermergk, haben die fursten vor auch wyderumb yn beschwerungh gegen die stette anzuzeygen.
gem. archiv 1523. 44)
die zusammenstellung sich vermerken lassen,
zulassen, machen, dasz man mich vermerkt: glych als ouch du dich vermerken last. Zwingli 2, 24;
mit weiterer ausführung, im accus. oder früher im gen. beigesetzt: liesz er nichts feindliches sich gegen ihn vermercken. Lokman
fab. 5; er lässet sich einiger feindschafft nicht vermerken, wenn er nicht gelegenheit, sich würklich zu rächen, in händen hat. Butschky
Patmos 298. 55)
das wort vermerken
war bisher nur ausgesagt von denkenden wesen. manchmal (
selten)
wird es auch auf nichtdenkende dinge übertragen: von den fundationibus und wenn diese jtzige mesz erstlich angefangen haben zu reden, wie der dritte und vierdte artikel vermerckt, so finden wir .. Luther 2, 7.