vermengen,
verb. untereinander mischen, mhd. vermengen,
mnd. vormengen.
der stamm entspringt im nd. wie oben 6, 2015 (mengen)
nachgewiesen. 11)
aus mehreren dingen durch mischen ein einziges machen: und ist abermal ein lesterwort, das er sagt, er vermenge den leib und blut Christi unternander: ich wolte gerne wissen, wie man den leib und das blut mengen künde. Luther 2, 510; das himelreich ist einem sauerteig gleich, den ein weib nam und vermenget in unter drey scheffel mehls, bis das es gar durchsewrt ward.
Matth. 13, 33; aber gott hat den leib also vermenget und dem dürfftigen glied am meisten ehre gegeben. 1
Cor. 12, 24; wie aber erd oder asche und das fette und efere wasser zu einer guhr vermenget und temperirt werde, das weysz gott allein. Mathesius
Sar. 42
b (1562); ist ein jrrdischer leyb, wie jhn S. Paulus nennet, den unser gott inn klüfften, gengen, fletzen und stöcken schafft oder wircket ausz subtiler oder gedistelirter erde und fetten dichten dünsten und prodemen, die er durch natürliche hitz ausz erd und wasser zusamen zeucht, und temperirt und vermenget erd und wasser in einander. 39; am 26. wirdt des wassers gedacht, damit der erden staub vermengt wirdt. 44; Varro meinet, dasz ein anderer römischer comicus gewesen sei, mit namen Plautius, dessen stücke man mit den seinigen vermengt habe. Lessing 3, 10; der tod ist unser vater, von dem uns neu empfängt das erdgrab, unsre mutter, und uns in ihr vermengt; wann nun der tag wird kommen und da wird sein die zeit, gebiert uns diese mutter zur welt der ewigkeit. Logau 2, 6, 16 (228
Eitner); das du aber gesehen hast die füsze und zee, eins teils thon und eins theils eisen, das wird ein zerteilt königreich sein, doch wird von des eisens pflantze drinnen bleiben, wie du denn gesehen hast eisen mit thon vermengt.
Daniel 2, 41; zu letzt endeten sie ihre mahlzeit mit eim catoniatconfect, oder küstenlatwerglin mit korkraut vermengt.
Garg. 338 (1590); Gurgelstrozza ... fraget, ob man nit kropfflattich gehaben möge, ein kröpffelsalat mit köl vermengt zu machen. 463 (1590); weiter zancken sie auch, ob das wasser, das sie mit dem wein im kelch vermengen, erstlich in wein verwandelt werde und darnach inn blut. Fischart
bienenk. 88; was für eine beleidigung für einen tugendhaften dichter, seine unschuldigen empfindungen unter priapeische ausruffungen vermengt zu sehen! Lessing 3, 236; sie wolt des weins nicht trincken mehe der vielleicht wer böszlich vermengt, das er die stulgeng so verlengt.
Froschm. G V
b; da keine nachtigal sich in die luft erschwinget, und singt ihr liebes lied. da stete demmerung mit nebel ist vermengt, doch stille lufft genung. Fleming 2; wo bleibt der könig denn? die schlacht war so erhitzt, die schaaren so vermengt: dasz ich nicht wahr genommen wo der behertzte fürst im treffen hin sey kommen. Lohenstein
Soph. 1, 239; so viel nur sagt sie ihm: weil die vermengte schaar, die ihn begleitete, zu hören wachsam war. J. E. Schlegel 4, 20; alles ist in staub vermengt; ich kann nicht unterscheiden. Schiller
jungfr. v. Orl. 5, 11.
bildlich: denn zu der zeit waren die christen unter den ungläubigen vermengt, darumb muszt alle ir wesen allenthalben öffentlich, besserlich, löblich und unstrefflich sein. Luther 2, 122
b; das ist die verwirrete und vermengete sprache, daraus folget auch ein zurtrennet wesen. 4, 70; und vermengen zuweilen das futer mit griechischen und hebräischen worten, das es nit alleyn nit das gemeyn volck, sonder auch die pfaffen und bischoff selbs nit verstehn. Fischart
bienenk. 19; ja vermengen dann darmit die lieben fabeln von einem Dionisio, die sie Areopeditan nennen. 58
b; dasz er nach geschaffenheit dieser vermengten verdechtlichen zeugen person genugsam ursach hab sich fragstück zu machen. Ayrer
proc. 2, 7; die unter den lehen vermengten erbgüter.
Weim. staatsarchiv 1672; in diesem cabinet solten an der einen wand etliche fenster sein, mit weisz in schwartz vermengten vorhängen bedeckt. Schuppius 49; ein eigen fabelbuch mit groszer vernunfft zusammengebracht, welches nun durch grobe und unverständige leute mit ungeschickten und unzüchtigen reden und mährlein vermenget und besudelt wäre. 828; so muszte ich befürchten, dasz man sie nach meinem tode in dieser mangelhaften gestalt nur ausgäbe, vielleicht gar vermengt mit korrespondenzen, die meiner feder gänzlich fremd sind. H. Heine 9, 6; den ander (
mönch) wie ein winterkrae ein kapp vermengt von schwartz und weisz gleich wie die atzeln und die leus. Fischart
dicht. 1, 153, 785
Kurz; dann also musz man es vermängen den klang mit worten und gesängen, auff das eins helff dem andern fein und gang den leuten süszer ein. 3, 20, 429
Kurz; das waren jung und alte mann, närrische gippen hettens an von farben bunt und fein vermengt, hinden und vorn mit schellen bhengt. Kirchhof
wendunm. 4, 241
Österley; nun solcher wein wächst hier, der nicht den leib erhitzet, von dem nicht da ein punkt, hier wieder einer sitzet umb nasen, stirn und maul, bald berg, bald wieder thal mit roth und weisz vermengt, wie ein Frantzosen mahl, Opitz 1, 132, 165. 22)
übertragen, vermischen, zusammenwerfen: man sehe nur den wehr- und regier - stand an, wie einer damit bestehen wolle, so er nicht die gewalt mit list vermengt. Butschky
Patmos 90; so feyret die alte listige schlang auch nicht ... so von anfang ... die reyne lehr mit jrem sawerteyg ... vermenget und verunreiniget. Mathesius
Luther (vorr.) 2; wer hiesz Skrivern, mit der sinnlichen empfindung sogleich ein urtheil verbinden und beide hernach mit einander vermengen? Lessing 8, 486; und offt die besten bleiben sitzen, die schlimmsten stellt man an die spitzen oder vermengts, das man nicht weisz, welcher koch oder kelner heisz.
Froschm. Z 1; du immergrüner waldt, ihr bäume Jupiters, der hirschen auffenthalt ... ihr wiesen, pusch und feldt, ihr ort der einsamkeit, wer euch besuchen kan, wer seine stille zeit mit eurer lust vermengt ... den musz man selig schätzen. Opitz 1, 61; der kühne Magellan lieff weiter in die see, entdeckte seine bahn, die nord und süd vermengt. 1, 109, 791.
particip. und participialconstruction: dein wort vermenget sind mit heidenischen fragen. Wackernagel
kirchenl. 3, 78, 39; dein speis mit zucker ist besprengt, aber mit gfar auch sehr vermengt. Fischart
dicht. 2, 53, 1968
Kurz; ihr laget nun beysammen im hause Mulcibers vermengt mit süszen flammen und hiengt den brünsten nach. Opitz 1, 90. 33)
verwechseln: ist mir genug, das er sie nicht beiszet und stehen lassen mus, und gauckelt daher, es sey kein wesen wirdig, das mit solchem wesen vermenget werde. Luther 2, 155
b; letzlich wann dich der fuhrmann des leibes das gemüthe, durch so viel festungen, städte und länder führen wird, wann du augen und sinnen zum genügen füllen, und die müdigkeit des weges mit ergetzung, diese mit jener vermengen wirst, so schaue zu .. Opitz 2, 259; ihr erfahrt ja heut wol, dasz es desz besser inn der welt steht und geht, weil man cantzel und cantzelei vermenget.
Garg. 290; mich däucht, sie vermengen das gar zu bequeme mit dem ruhigen. Gellert
loos 3, 205; o! vermengen sie mich ja nicht, mein prinz, mit der närrin, deren wort ich führe — aus mitleid führe. 2, 122; was nennst du, sie verlieren? sie in den armen der liebe zu wissen? vermenge dein vergnügen an ihr, nicht mit ihrem glücke. Lessing 2, 133; übrigens musz ich noch bemerken, dasz diese ironische art zu fragen nicht mit einer andern vermengt werden musz, deren er sich gewöhnlich .. bedient. Wieland 33, 95; ich vermengte ... wie ein schwärmer ... die abendröthe mit der morgenröthe. J. Paul
biogr. belust. 1, 16; mancher, der sie (
die morgensonne) mit der abendsonne vermengen will, thut die augen wieder zu, aber die lerchen erklären alles und wecken die tauben. J. Paul 26, 29; der lebensbeschreiber glaubt seines orts alles recht gern; aber Klotilden, die bisher aus jedem schmutznebel weisz strahlend herausging und an der man, wie an der sonne, so oft wolken mit sonnenflecken vermengte, kann er so lange nicht tadeln, bis sie es selber vorher thut. 8, 239; die mutter stellte sie ihm vor und die zarte wange blühte röther auf — denn sie hatte ja die gleichen stimmen des gastes und des bruders vermengt. 22, 35; die männer vermengen so leicht den reiz einer neuen liebe mit dem werth und der dauer derselben. 23, 163; wenn ich in meines eifers strenge, den pfuscher in der kunst, den meister, der sie kennt, auf einen augenblick, dem scheine nach vermenge. Gotter 1, 396. 44) sich vermengen,
sinnlich, gemeinsam zusammensein: wir vermengten uns mit kindern von geringem stand, ohne dasz das unsre sitten verderbt hätte. Göthe 57, 106; des morgens früh, wie auch des abends so verhelet kan sie der könig sehn, wie sie sich ängst und quelet, weil er vermenget sich stets in der heerd' aufhelt. D. v.
d. Werder
Ariost 17, 53, 3; nun hab' ich beide brüder zu versöhnen, Polynicen vermocht, auf treu und glauben sich bei dem bruder friedlich einzufinden, eh sie im treffen feindlich sich vermengen. Schiller (
Phönic.) 240
a; das (
meer), das die kalten stürme peitschen, wo der Normanne fische fängt, wo das eismeer mit des deutschen meers gewässern sich vermengt. Freiligrath 21 (1838).
vom geschlechtlichen umgange: im capitel (
Bonis), das ist ochsze, leszt er zu, es sei nicht wider die natur, sich mit knaben und weibern vermengen. Luther 8, 18; ich rathe dir nämlich, mit deinem gewesten bräutigam, dem herrn Voxhoved, dich nicht weiter zu vermengen. J. C. Schlegel 2, 457.
übertragen, von geistigem zusammenführen: ich bin so ein thor nicht, dasz ich die neubegierde eines mädchens, das schon weis, was lieben ist, zu ersticken versuchen wollte. ich vermenge mich mit dem unmöglichen nicht. Lessing 2, 457; mit blitzesschnelligkeit vermenge sich der homerische Nefelegereta Zeus mit dem huldreichen fidiassischen göttervater. Wieland 33, 47.