Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Verlies n.
Verlies n.
Verlies n. ‘unterirdischer Kerker’ (in mittelalterlichen Befestigungsanlagen) und Burgverlies werden in der 2. Hälfte des 18. Jhs. bei der dichterischen Darstellung mittelalterlicher Verhältnisse in der Literatursprache geläufig. Es handelt sich um eine Übernahme von nd. Verlies ‘Ort, wo man verloren ist, unsichtbar wird, Abgrund, Keller’ (vgl. in’t Verlies kamen ‘unsichtbar werden, verschwinden’), älter ‘Verlust’, vgl. mnd. vorlēs, vorlies ‘Verlust, Schaden, Nachteil, Schädigung’, mhd. verlies ‘Unterlassung, Sünde’, mnl. nl. verlies ‘Verlust, Schaden, Verderben’, Abstraktbildung zu dem unter verlieren (s. d.) behandelten Verb. Die vorübergehend geltende Schreibung (besonders bair.-öst.) Verließ knüpft irrig an verlassen an (s. lassen).