verfinstern,
verb. dunkel, finster machen, mhd. vervinstern, vorvinstern
obtenebrare Dief. 6
a (15.
jh.).
zusammensetzung zu finstern
theil 3, 1669,
dessen bedeutung ver
verstärkt, jedoch nur transitiv. 11)
machen, dasz etwas nicht scheint, glänzt, sei es durch eignen lichtverlust, sei es durch vorschieben eines dunkeln gegenstandes. von selbstleuchtenden gegenständen: den lichten kranz, der sich bei totalen sonnenfinsternissen um die verfinsterte sonne zeigt, habe ich für diesen glänzendsten theil des zodiacallichts gehalten. Humboldt
kosmos 1, 413; ja ich hab disz vierhornig thier erst bracht ausz thieffstem abgrund für, dasz es erst komm zur letzten zeit und verwirr zur letz alle leut, verfinster auch der sonnen klarheit und untertruck das liecht der warheit. Fischart
dicht. 2, 259, 685
Kurz; ir werdt drinn finden auch deszgleichen von unglaublichen wunderzeichen, die lang schon auffgehöret haben, die jetz fürbringen diese raben, als sonn verfinstern, todten wecken, die leut mit feur vom himmel schrecken. 1, 68, 2568
Kurz; dasz sie im schellengeklirr den orkan und den donner aufweckt, sonne verfinstert und mond. Voss 2, 180;
einem beleuchteten gegenstande die beleuchtung entziehen: denn sie (
die heuschrecken) bedeckten das land und verfinstertens. 2
Mos. 10, 15; verfinsteren, eim vor dem liecht sein,
praeumbrare Maaler 418
b; die landschaft war verfinstert. Heyse 12, 136; die köchin rupft zornig tauben und andere wilde thiere, mehl und federn verfinstern die luft. Gotthelf
käserei 213;
bildlich: die sonne macht mir kalt, der tag verfinstert mich. Opitz 2, 246; verfinster deinen glantz nicht in so düstrer höle, die ersten regungen in einer zarten seele sind keine wolken nicht, nur leichter hägerauch, den sonn und witz bald tilgt. Lohenstein
Sophon. 2, 367; du rissest ihn und dich in einen verfinsternden gefühlorkan. J. Paul 3, 24. 22)
in übertragener bedeutung, von dingen gesagt, die man sich als glänzend denkt (
vorzüge, ruhm u. s. w.),
während man das es behindernde als wolkenartig verdunkelnd auffaszt, daher unbemerkbar, unerkennbar machen, zurücksetzen, erniedrigen: unterstehest dich darnach weiter mit deiner lügen und triegerei die göttlich warheit und erkentnis zu vertunckeln und verfinstern. Luther 7, 28; lasset uns mit keinem blinden griff der vernunfft (
den lext) meistern noch verfinstern. 6, 175
b; seine (
Alexanders d. gr.) überherrliche tugenden wurden durch das laster der trunkenheit übel verfinstert. Butschky
Patmos 167; wird sein rühmliches gerücht und guter nahme etwas verfinstert. 414; er besorge sehr, der eselsschatten, über welchen jetzt mit so vieler hitze gestritten- werde, möchte den ruhm der republik auf viele jahrhunderte verfinstern. Wieland 20, 57; er war nach kurzem in allen seinen angenehm-geselligen eigenschaften wieder hergestellt, die ihn der schönen witwe ... auf eine zeit lang nothwendig gemacht hatten und nur durch eine peremtorische forderung ihrer hand für immer verfinstert worden. Göthe 22, 97; eh als ihr solt verfinstert leben, musz ein tyrann ans liecht euch heben. Lohenstein
Agripp. 1, 21, 679; wär ich nicht schon, da der ewige rief, da ihr glänzend hervorgingt, heller als ihr, da ihr jetzt aus der hand des schöpfers herabkamt? und nun steh ich da verfinstert, verworfen, ein abscheu dieser herrlichen welt! Klopstock
Mess. 2, 785.
zorn, ernst, sorge, verdrusz verfinsternd gedacht, daher verfinstern
in der bedeutung '
bekümmerten ausdruck geben, verstimmen': ein halbes dutzend ernste züge verfinsterten ihr angesicht. Gellert 1, 150;
particip: und Julius preszte mit strömenden verfinsterten augen den schluchzenden athem in die flöte. J. Paul 10, 73; erröthend und mit verfinsterten augen erzählte sie, man habe ihr nicht ruhe gelassen, bis sie der bewuszten malerin ... für eine studie hingestanden. Keller
sinnged. 132; furchtsame, bebt vor dieser versammlung, hüllt euer antlitz in verfinsternde scham! Klopstock 2, 451;
unsichtbar, daher unbenutzbar, unbrauchbar machen: aber solche gabe ist durch Adams fall verfinstert und unnütze worden. Luther 3, 511
b. 33)
unfähig machen etwas zu sehen, erkennen, in sinnlicher bedeutung: ob nicht, wenn man das mühlenross verfinstert, damit es besser umlaufe und ziehe, umgekehrt der schnellere umlauf und zug eben so gut verfinsterung und schwindel verspreche? J. Paul 20, 190;
in abstracter bedeutung: sie wusten das ein gott ist und haben jn nicht gepreiset als einen gott noch gedancket, sondern sind in jrem tichten eitel worden und jr unverstendiges hertz ist verfinstert.
Röm. 1, 21; (
die andern heiden wandeln) in der eitelkeit jres sinnes, welcher verstand verfinstert ist und sind entfrembdet von dem leben, das aus gott ist.
Ephes. 4, 17; eine traurige nacht, die alle köpfe verfinstert, hängt über Europa herab. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 220; oh, sagte Victor und blutströme schossen verfinsternd durch sein gehirn und über sein angesicht. J. Paul 9, 148; die völker werden leichter vergiftet als verfinstert. 34, 220. 44)
reflexiv: die sonne verfinstert sich; schon vorgestern verfinsterte sich das wetter, die schönen tage hatten uns trübe gebracht. Göthe 28, 5;
übertragen: die glänzenden glücksumstände des herrn Olthoff hatten sich indessen sehr verfinstert. 37, 117;
in der bedeutung '
undeutlich werden': wenn sich die kunde des erschrecklichen raubes verfinstert hat. Tieck
novellenkranz 4, 212.