verdriesz,
m. taedium, fastidium. mhd. verdrieʒ,
in den glossarien des 15.
jahrh. vertriesz, vertrist
geschrieben, in denen des 16.
jahrh. verdries,
tedium Dief.-Wülcker 549,
mhd. nicht sehr häufig, dann gern von Luther
gebraucht und im 16.
jahrh. auch sonst nachgewiesen, im 17.
und 18.
jahrh. sehr selten, heute aus der schriftsprache verschwunden, dafür verdrusz.
die wörterbücher führen es nicht auf, nur Frisch 1, 206
c aus ältern quellen, Adelung 4, 1402
nennt es veraltet. 11)
das mir zugefügte verdrieszliche leid: mhd. der (
Thalman) tat der stat vil vordriessis bis uff einen tagk .. do was her gesucht bei Melchindorf. Rothe 662;
nhd. sihe nur zu, das du an stat des verdrieszes, so du von jnen erschepffest, ubest diese lust und wolgefallen in göttlichem willen. Luther 3, 290; und war ihm das ein grosz verdriesz, dasz sich der hauff so narren liesz. E. Alberus 74
b;
mit andern gleichbedeutenden wörtern zum theil formelhaft zusammengestellt: darumb mus einer wider solchen unlust und verdries gerüstet sein. Luther 5, 341; das das böse flugs hinweg gehe ob es gleich stanck anricht, das der leib den unlust und verdries leiden ... mus. 7, 128; weil viel mehr leute ... durch trieb und verdriesz der händelschichter und mittelmänner umbkommen, als durch die medicos selber. Philander 1, 192;
gegensätzlich: in einem weiberrocke, in einem bienenstocke steckt schaden und geniesz, ergetz und auch verdriesz. Logau 1, 133, 74 (132
Eitner); zum verdriesze, zu verdriesz: aber gott zu verdienst und dem Heintzischen teufel zu verdries, bekennen wir die warheit. Luther
wider Hans Worst 43
neudruck; daran thut er dem rechten, waren, allmechtigen gotte zu gefallen und dem teufel dem grosmechtigen abgott zu verdries.
werke 3, 95; er ist ein freiledig mensch: darumb niemands widerwärtig oder zu verdries. 3, 415
b; also sitzen die christen hie auff erden, der welt zu trotz, und heiszen gottes wohnung, dem teufel zu verdries. 7, 108; der teufel aber kehrets um, gott zu verdriesz braucht gar einer widersinnigen weise.
tischreden 2, 32; verdrosz den statthalter von Genua .. dasz die Griechen ihnen zu verdriesz also spöttlich waren gestrafft worden. Frey
gartenges. 66
b; du hast mirs zu verdriesz gethan. E. Alberus 23; etlich hieng man an die füs, gleich wie die juden zu verdris. Fischart
dicht. 2, 45, 1657
Kurz; nur schlecht gesindel läszt sich sehn und schwenkt uns zum verdriesze die zerlumpten mützen. Schiller
Tell 3, 3; verklere deinen heiligen namen zu wider und verdries den feinden deines seligen, heilsamen wortes. Luther 3, 404; wo er (
der teufel) nur etwas kan erdencken oder erregen, das wort auffs allerschendlichst zu lestern, schmehen und verfolgen, dem herrn Christo zu leid und verdries, da ubet er alle seine macht und krafft. 6, 186
b; des rhüme ich mich, gott zu lob und danck, dem teufel und allen meinen tyrannen und feinden zu leid und verdries. 6, 9; wollet der argen welt ... zu leid und verdries ... euer christlich hertz beweisen. 4, 373
b; (
die welt) richtet jm zu trotz und verdries alle falsche gottesdienst und eigen heiligkeit
an. 6, 58; gott zu lobe und ehren, dem teufel und seinen gliedern zu trotz und verdries. 6, 11
b; (
wenn eine magd) jr gut verwarloset und verseumet .. zu trotz und verdries herrn und frawen. 4, 402; gott zur schmach und verdriesz. Melanchthon
ord. ex. 848 (
corp. doctr. christ.);
mit verben verbunden: und ob sich begebe, das wir ungeferlich funf tagh uber die zehen tag von den Franzosen auszen beleiben, welle eur maj. dem de la Pellisse schreiben, darob kain verdries oder unwilligkait zu empfahen. Chmel
urk. Max. 333 (
von 1511); den leuten mach ich fraid und mut, das sy mich halten auch für guot und ab mir nemen kain verdriesz. Schwarzenberg 141
a; wie viel verdries dem alten herrn auch täglich sein böser sohn gebracht, so blieb er doch sein sohn. Wieland
Oberon 1, 41. 22)
die verdrieszliche stimmung, der zustand der verdrossenheit, nicht immer vom vorigen streng zu scheiden: das wir billich gottis zorn furchten sollen, szo wir solchir hoffart schmeichlen und unsern vordriesz nit mercken lassen. Luther
an d. adel 40
neudruck; ein feldscherer musz ein nichtern, keusches leben führen, damit er seine patienten nicht in verdriesz oder verderben bringe. Reutter v. Speir
kriegsordn. 6; wie man dan demselben hatt vorgehalten, der hatt es mit vordrisz angenomen.
ernest. ges.-archiv 1522; von groszem verdriesz antwort er dapfferlich.
Aimon bog. p 11; die alten hättens nie geglaubt, dasz die ihn sollten kommen nach, annehmen würden sollich sach. drum komm ich wieder, da ichs liesz sie ubermachens mit verdriesz, man mags nit leiden forder mehr. Hutten 5, 89
Münch; suoch des crütz nagel on verdriesz. Wackernagel
kirchenl. 2, 885 (
von 1501); das merkt ir herren on verdriesz. Schwarzenberg 122, 2; wir hören täglich mit verdriesz, dasz man uns trotzt und saget ... Soltau
volksl. 465;
mit beigefügter näherer bestimmung: mhd. ich kom ab dâr, als er mich hieʒ, mîn tohter hat mîn hie verdrieʒ.
gesammtabent. 2, 414, 203
Hagen; nhd. denn der gemeine man, in bewegung und verdries seiner beschedigung am gut, leib und seel erlidden, zu hoch versucht .. Luther 2, 65
b; denn solches ist alles ein göttlicher zorn und verdris wider das böse. 5, 376; verdriesz haben, tragen: wer ob dem übel hat verdriesz. Schwarzenberg 153
a; darab ich mergket kain verdriesz. 150
b; dergleich auch unser falsch propheten und priester haben desz vertriesz, weil in abgeht an irem gnies. H. Sachs 3, 1, 142 (11, 25, 27
Keller);
halbniederdeutsch: Gralher im dat gefallen leis und hat der sachen kein verdreisz. Soltau
hist. volksl. 395; hab ich also gethan, doch kein abschrifft do von gethan, des er vordrisz getragen.
ernest. ges.-archiv 1522; wolle daneben auch dencken, das wiewol ich ein geringer christen bin, dennoch nicht unbillich verdries habe uber den satan. Luther 3, 473; sie werde hieran keinen verdries oder beschwer tragen oder haben.
kurze underr. von dem dreyding (1582) a 2.