verderbnis,
f. n. das verdorbensein (
zustand),
mhd. verdërpnisse,
in den glossarien der übergangszeit verderpenisz,
z. b. des meres (
gefährdeter zustand des meeres durch klippen). Dief.
nov. gloss. 7
a;
nhd. verderbnisz
daneben verderbnusz Maaler 416
b,
so auch schon mhd. (
s. u.);
das geschlecht schwankt schon mhd. zwischen fem. und neutr., nhd. ersteres z. b. Maaler, Steinbach 1, 322,
später Wieland, Schiller, Fichte
u. a., letzteres Steinbach (1724) 55, Frisch 1, 193, Pauli, Winckelmann, Göthe
und Lessing
schwankend; mhd. eine ursache, daz die landt gemeinlichen zu unfrede und in vorderpnusse quemen. Weizsäcker
reichtagsacten 1, 224, 9 (
vom j. 1378); grosze geverde gescheen ... lenden und manigen luten zu verderbnusse und zu scheden. 1, 539, 28 (
vom j. 1387); wir haben ew vormals geschriben und zu guotermasz zu erkennen geben solich beschedigung, smech und verderbnss der lande, die das franczoysisch volk in dem heiligen römischen reiche und in deutschen landen unerberlich begeen. Janssen
reichscorr. 2, 75;
nhd. wenn du lust suchst so hast du lieb dein verderbnusz. Pauli 7
a; die künstler verlieszen das alterthum ... durch die beiden Zucchari fing das verderbnisz
an. Winckelmann
empf. d. schönen § 40; dieses verderbnisz einzusehen brauchte man eben nicht der feinste und gröszte geist zu sein. Lessing 6, 41; das alte gerüst aber von vorurtheilen, von missbräuchen und verderbnissen in allen geschäften und ständen stehet in vielen ländern und provinzen Deutschlands noch so da, wie es zu des guten Andreä zeiten dastand. Herder
z. lit. u. kunst (1821) 13, 274; die republik hat nun einmal den grad der verderbnisz erreicht, der eine veränderung ihrer regierungsform unvermeidlich macht. Wieland 33, 137; damit jedoch keine babylonische verwirrung, keine verderbnisz entstehe, so wird das jahr über monatweise nur eine sprache im allgemeinen gesprochen. Göthe 22, 156; das mannichfaltige wirken in dieser welt, wodurch fortzeugung und verderbnisz entsteht. 53, 99; (
es) kommen zur darstellung die einfachste unschuld, wie die naturwidrigste verderbnisz. Schiller
hist.-krit. ausg. 15
2, 147 (
kinder des hauses, vorerinn.); von der verderbnisz, welche den ganzen staatsrath ergriffen, hatte sich der geheime rath und finanzrath ... rein erhalten. 7, 143; wenn sich dadurch die cameralisten wollten verleiten lassen, die mahlerei fabrikenmäszig ... arbeiten zu lassen, so wäre der verfall der kunst und die verderbnisz des geschmacks unvermeidlich. Lessing 11, 132; da Hippias eine historische person ist und mit den übrigen sofisten derselben zeit sehr viel zur verderbnisz der sitten unter den Griechen beigetragen hat .. Wieland 1
vorrede xxi; die klägliche verderbnisz desselben (
des weiblichen geschlechts) war, ihrem urtheile nach die wahre und einzige quelle alles unheils in der welt. 11, 7; (
ich) sehe bei der allgemeinen verderbnisz unserer sitten es noch für ein glück an, dasz .. 33, 135; als berühmter arzt war er vorzüglich in den höheren ständen beschäftigt und hier kam die verderbnisz der zeit durch verweichlichung und übergenusz jeden augenblick zur sprache. Göthe 26, 343; das verderbnisz der Römer schwebt ihm fürchterlich vor. 53, 72;
als zusammensetzung: so muszte die sittenverderbnisz bald allgemein werden. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 139.