verdanken,
verb. dank wissen, mhd. verdanken,
verstärktes danken (
vgl. theil 3, 736, 6). 11)
in älterer zeit, dem gefühle der dankbarkeit vollen ausdruck geben, besonders durch die that, daher durch dank vergelten, heute in dieser bedeutung wenig üblich: wer einen lieplich stroffen duot, ob ers joch nit hat glich für guot, so würd doch ettwan syn die stundt, das es jm zu verdancken kundt. Brant
narrensch. (104) 25
Zarncke; den wil ich in seim tron dort oben mein leben lang preissen und loben mit gedancken, wercken und wortten, wo ich aus schwachheit an den ortten ihm nit genugsam verdancken kan. H. Sachs 1, 3 (1, 26, 37
Keller); es wurde dem verehrten dichter und der schätzbaren künstlerin aufs lebhafteste verdankt (
applaudirt).
briefe von Rochlitz an Göthe (1807).
heute meist nur danken.
mit acc. der sache: wer kans dem vater verdancken, der uns verwundten und krancken gesant hat den Samarithan? Wackernagel
kirchenl. 3, 241; wie soll ichs doch, o herr, verdancken deiner güte? Opitz 3, 86; wer disz bei hofe hat gethan, was man ihm nicht verdancken kan: der geh bei zeiten selbst davon, der hasz ist sonst gewisz sein lohn. Logau 2, 106, 37 (318
Eitner); da wil ich eure treu und müh und was ihr eurem krancken erwiesen habt, im himmel hie sobald ihr kommt, verdanken. P. Gerhard 99, 84
Gödeke; und ihr, ihr habt mit all dem guten, das wir euch nicht genug verdanken können, nicht feuerkohlen blosz auf euer haupt gesammelt. Lessing 2, 317; denn kein Lykier wird hinfort mit Danaern streiten, eure stadt zu schützen, dieweil es keinem verdankt ward. Stolberg 12, 168; (
wenn er) kalt erwägt, dasz noth gesetze bricht, so musz er die aufopferung dir als der liebe theuersten beweis verdanken. Gotter 2, 219; o du müsztest, wär er noch so selten, doch den herrn bald finden, der fortan freund, wie ich, dir sei und das vergelten, was ich leider nur verdanken kann. Gökingk 1, 224; das dank ich dir und will es gern verdanken. Göthe 9, 215; ich freue mich mit ihnen über ihre so glückliche reise und verdanke es allen den guten menschen, die ihnen den aufenthalt angenehm zu machen gewuszt haben. Gellert 6, 152; ich kann es ihr ewig nicht genug verdanken, so sehr hat sie meine partei genommen. 3, 275; der kampf des widerstandes war zuweilen grosz, ward mir aber später doch verdankt. Heyne
briefe an Joh. von Müller 66; meine frau verdankt die ihr gemeldeten grüsze. Meyer
in Böttigers liter. zustände 2, 310. 22)
der begriff des vergeltens tritt zurück, daher verdanken
von urtheilenden wesen ausgesagt, einen als urheber, von sachen als veranlassung von etwas (
dankbar)
anerkennen, im acc. steht dasjenige, wofür man dank empfindet. diese bedeutung ist heute die geläufige, mit sinnlichem objecte: den damen haben wir also dieses stück zu verdanken. Lessing 7, 67; eben diesem conflict verdanken wir die aufsätze über naive und sentimentale poesie. Göthe 50, 53; (
es) ist gleichsam das äuszere ereignis, wovon die innern offenbarungen bedingt sind, denen wir die kunstwerke des dichters verdanken. H. Heine 3, 174.
übersinnliche dinge als object: es war ein gutes thier .., dem ich in jenen hypochondrischen stunden meiner reise manche nützliche betrachtung verdankte. Thümmel 2, 150; schriftsteller, .. denen ich doch im grunde dienste verdancke, die mir der gesuchteste autor .. nicht halb so gut würde erwiesen haben. 3, 104; er sei aus der schule des Gonzaga, dem er, was er zu machen verstehe, zu verdanken habe. Göthe 43, 39; in diesem unserm neuen verhältnisz, dessen einleitung wir ihnen verdanken, ergeben sich .. vortheile. 22, 148; (
manche provinzen Groszbritanniens) verdanken doch das reelle gute, das sie besitzen, weit eher John Bulls beharrlichem knurren als der nachgiebigen philosophie des Schotten. H. Heine 3, 43; ich darf es nicht mit ihr verderben, ihr verdanke ich meine ganze praxis unter der Leipziger christenheit. Heyse
novellen (10.
samml.) 232; das hohe wohl verdankt euch unser reich. Göthe 41, 68; dir, Carl, verdanken diese szene dein hof, dein volk und deine söhne dir, Carl, und deinem Teck-Athen. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 51; und verdankt man nicht den störchen die erfindung der klystiere? H. Heine 17, 26;
ironisch: (
er ist) besonders zärtlich für die schöne Zarewna, welcher zärtlichkeit wir vielleicht die cholera ... schönstens verdanken. 8, 32.
von dingen ausgesagt heiszt verdanken
oft nur zur veranlassung haben: ein erkenntnisz, soweit es der speculativen philosophie verdankt werden soll. Kant 11, 324; dem umstand, dasz der schmetterling viele eier schmeiszt, hat er seinen namen zu verdanken. Campe 4, 215; die form seiner jetzigen bahn verdankt er (
der komet) vielleicht seiner groszen annäherung an den Jupiter. Humboldt
kosmos 1, 115.