urlauben,
v. ,
mit erlauben
ursprünglich identisch, ist erst seit mhd. zeit aus dem subst. urlaub
zurückgewonnen und mit dessen bedeutungen ausgestattet. mhd. urlouben;
mnd. orloven;
mnl. orloven;
nl. oorloven.
die heutige spr. kennt das auch in den mundarten veraltete wort nur noch in be-, enturlauben.
die frühnhd. formen entsprechen denen des subst. urlaub;
umgelautet erscheint orlöubte J. Arndt
Thomas a Kempis (1631) 162; geurlaibt Schwarzenberg
Cic. (1535) 82; ane urlaubt = unurlaubt (un- I B 2)
Nürnberger polizeiordn. 14
Baader. 11) urlaub A 1
entsprechend, gestatten (Fischer 6, 300, 1): do es im also von got geurlobet ward, do trank er furbaz win H. Seuse
d. schr. 51, 15
B.; ane urlaubt
ohne obrigkeitliche erlaubnis Nürnberger polizeiordn. 14
B.; Reutter v. Speir
kriegsordnung 76; hat ... uns ... ain jeden in sein haimet zuo ziehen geurlaubt Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 10
b; er ... orlöubte ihm alle andere früchte J. Arndt
Thom. a Kempis 162.
gestatten, etwas zu unterlassen, dispensieren Fischer 6, 300. 22) urlaub A 1 b
γ entsprechend, entlassen, ausweisen: e si aus der stat ... geurlaubt werden
städtechron. 4, 181 (
Augsburg); Hartlieb
Alexander (1473) 7
b; darinnen er ihn ermant, dasz er dise jugend, so zuo den studiis nit tauglich weren, urlaubet und faren liesze Hörwart v. Hohenburg
kunst der reiterei (1581) 18
b. 33) urlaub A 2
entsprechend, dimittere coetum ein gemeind lassen hingon oder urlauben Frisius 240
b; urlauben, feyerabend geben Schöpper h 5
a. 44) urlaub B 1
entsprechend, sich u.
sich verabschieden (
vgl.beurlauben 2): er urlaubt sich von seinem volk
Tristrant 181, 15;
Aimon (1535) v 4
b.
den abschied geben: mein schatz, jetz wirst urlouben mir Tob. Stimmer
comedia 303.
abschied nehmen Erhart Grosz
Grisardis (
zs. f. d. alt. 29) 374. 55)
wie urlaub B 2
von entlassung der soldaten, beamten u. s. w., meist mit acc., seltener mit dat. exauthoro, auszmustern, urlauben, desz eyds erlassen, einen seiner pflicht erlassen Frisius 493
a;
avocare milites a signis, die knächt abmanen ze urlauben 143
a;
sacramento absolvere militem ..., geurlaubte soldaten,
caussarii milites Schönsleder (1647) L ll 7
b: alle soldener wurden abgedanket und geurlaubet Eschenloer
gesch. d. st. Breslau 1, 159; D. hatte allem kriegsvolk geurlaubet 1.
Makkab. 11, 55 (
omnes exercitus quos disperserat D. vulg.); zu rosz und fusz man mustern lisz, sie alle urlaubt und bezalt H. Sachs 2, 402, 36
K.; Fronsperger
kriegsb. 1, 3
a; 1, 85
b; Dilich
ungar. chron. (1606) 170; könig C. urlaubet sein volk, wider nach hausz zu ziehen P. v.
d. Aelst
Heymonskinder (1604) 59; der kaiser hett mich urlobt und mich von im getan
N. v. Wyle
translat. 54
K.; das ein raht on wissen und willen ires pfarrherrs keinen prediger, kirchen- oder schuldiener urlauben oder verstoszen sollen Luther 6, 352
a Jena u. ö.; S. Franck
chron. Germ. (1538) 30
a; den diensten urloben
quelle (1525)
bei Staub-Tobler 3, 960; jederman urlobet die dienst, als wit er emberen mocht (
der teuerung wegen) Tschudi
chron. 2, 263; eins teils gsind ich urlauben wil H. Sachs 20, 551, 28
G.; und wo eynicher deszhalb (
wegen zutrinkens) geurlaubet wurde, so sol in kein ander fürst oder oberkeyt inn dienst annemen Schwarzenberg
v. zutrinken 11
ndr.; und da die glock schon uber mich gossen und ich geurlaubt war Mathesius
Sarepta (1571) 229
a; der hauptman hies ihn (
d. stadtschreiber) u. Rätel
Curäi chron. (1607) 361; obschon er präceptor geurlaubet ward Grimmelshausen
Simpl. 349
Kögel; da befunden, dasz einer (
e. advocat) ... ungeschickt oder unfleiszig wäre, soll derselbe vom hofgericht geurlaubet und an seine statt ein anderer angenommen werden
hinterpommer. hofgerichtsordnung (1683) 12, 8.
ähnlich in übertragung: dir alle creaturen auszgeschlossen und geurlaubet seyn, du allein mit ihm vereiniget werdest J. Arnd
Thom. a Kempis 52. 66) urlaub B 3 b
entsprechend: dann es ist nit möglich, wo es dem menschen fleyschlich wolgeh, dasz er ... von seim eigentumb und art lasz, die welt urlaube und feinde S. Franck
sprichw. (1541) 2, 140
a; den tempel, geiz u. (
meiden) Staub-Tobler 3, 960; die weil sind immerzuo neu vocabulen hereingeschlichen, die alten geurlaubt (
abgethan) S. Franck
bei Fischer 6, 300. 77) urlaub B 3 c
entsprechend: er urlaubet dem leben (
starb) Wurstisen (1580)
bei Staub-Tobler 3, 960;
vgl. Jean Paul
unter beurlauben.
vielleicht auch: auf dasz sie (
d. gottlosen) mit einem verdrusz urlauben S. Franck
sprichw. (1541) 2, 141
a. —