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unwissenheit

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unwissenheit f.

Bd. 24, Sp. 2243
unwissenheit, f. , mangel der wissenheit (s. d.) und ihr gs.; ahd. unwiʒʒentheit, -wiʒʒenheit; mhd. unwiʒʒenheit, -wiʒʒentheit, -wiʒʒenkeit; mnd. unwetenheit, -wetentheit; mnl. onwetenheit, -wetentheit; nl. onwetenheid, -wetendheid; n. uvidenhed; schwed. ovetenhet. im stammwort mit Wilmanns gramm. 2, 387, 3 den inf. zu sehen, würde schon zu bed. 2 nicht passen; näher liegt es an das part. adj. unwissen anzuknüpfen, das sich regelmäszig mit unwissend gemischt hat (Paul gramm. 5, 86; mnl. wb. 5, 1577). der auch frühnhd. noch auftretende dental (Keisersberg passion [1514] 52d; Albertinus Lucifers königreich 100, 7 L.) ist wie bei unbedeutenheit u. ä. unfest gewesen. unwussenheyt Morgant 260 B. für ignoranz Spanutius, Kinderling, Campe. vgl. unwissen, n., unwissende, f., n., unwissenschaft. 11) unwissend I 1a entsprechend, nichtwissen, unkenntnis, 'abwesenheit der wissenschaft oder kenntnis von einer sache' Adelung; bisweilen von 2 kaum zu trennen: das sol man miner u. ... zuolegen Richental Constanzer concil 189 lit. ver.; in gott ist kein u. Keisersberg postill 2, 7a; die war doch eyn mutter gottis. noch kompt sie yn die u., das sie nicht weysz, wo sie Christum finden soll Luther 12, 415 W.; 19, 424 W.; wiltu jetzundt dein schändtliche that mit u. verantworten? b. d. liebe (1587) 181c; Albertinus zeitkürzer 7; A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 128; o lasz mich nicht in ... u.! neue schauspiele (1771 ff.) 7, 1, 24; weil niemand vortheil davon hat, den fremden zu unterrichten, vielmehr von u. und ungeschick zu profitiren ist Göthe IV 8, 293 W.; unwissenheit allein kann ihm die geistesfreyheit bewahren, die den herzog sicher macht Schiller 12, 82 G. (Piccolomini 1, 3); stellen, die man nicht versteht, lasse man unerklärt und gestehe lieber seine u. Jung-Stilling 3, 440; 'ich denk? ich glaub? ich mein?' ei, gott behüte, nein! das würd unwissenheit in andrer wendung sein Rückert 8, 221. concret: ein irrthum ist ... an und für sich nicht lächerlich, so wenig als eine u. Vischer ästhetik 1, 361; Auerbach 5, 72; plur.: W. v. Humboldt an Schiller briefw. (1830) 181; Fichte 7, 389. bildlich und persönlich: so ein mensch wandlet in der finsternisz der u. Keisersberg postill 2, 97a; u. ist die mutter der tollen hoffart J. Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 121; unschuld und u. sind schwestern Novalis 2, 283 M.; hinter ihm stand ignorantia, jungfrau Unwissenheit Herberger Jesus Sirach 117b. mit gen. subj.: die u. meines arztes Bismarck gedanken u. erinn. 1, 260 volksausg.; allgemein. m. gen. obj.: u. der gotheit Albr. v. Eyb d. schr. 1, 75 H., der sprachen Luther 15, 39 W., rechtes hails Eberlin v. Günzburg 1, 27 ndr., des lands S. Franck sprichw. (1541) 2, 58b, gutter künste Butschky kanzlei 236, etlicher sterne Lohenstein Arm. 1, 267b, des styls der persischen kunst Winckelmann 3, 152, ihres schicksals Ramler einl. in d. sch. wissensch. 2, 169, künstlicher bedürfnisse Wieland 15, 56 Gr., der wahren beschaffenheit Kant 8, 233 H., der erhabenen vortheile Klinger 10, 201, des namens Scheffel (1907) 1, 226; die sehnsucht weckt uns jeden morgen, und die unwissenheit der sorgen versüszt uns jeden augenblick Hagedorn (1768) 3, 94; verkennung Steinhöwel spiegel menschlichs lebens (1479) 17b. u. in, über, von: u. in unbekannten dingen Schwarzenberg Cicero (1935) 52; Leibnitz d. schr. 2, 53; M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 144; u. über das problematische dieser verdienste H. Heine 3, 109 E.; Dahlmann franz. revolution 239; O. Ludwig 2, 523; u. von den dingen der natur A. v. Humboldt kosmos 1, 20. in präpositionsverbindungen: vor, durch, aus, in u. dgl. u.: fur groszer u. Luther, 18, 184 W.; durch u. Dietemberger miszbrauch d. messe (1526) E 3; Stumpf Schweizerchron. 425b; mediz. maulaffe 275; usz unwissentheit Keisersberg passion (1514) 52d; aus u. Luther 18, 462 W.; Chemnitz schwed. krieg 1, 2, 2; Lessing 8, 20 M.; Göthe 45, 256 W.; M. Meyr erz. a. d. Ries 2, 94; in u. G. Freytag 14, 137; kinder- u. hausmärchen (1812) 2, anh. 12. für die unwissende person: ein neuer zusatz der u. Winckelmann 5, 266; fragen der lehrbegierigen u. S. v. Laroche frl. v. Sternheim 1, 230; ich unterrichte eure u. Göthe 17, 194 W.; Tieck (1828 ff.) 3, 153; Stifter 5, 1, 237; Justi Winckelmann 1, 141; G. Keller 1, 62. attribute: unsorgfältige, wahrscheinliche, grobe, unverantwortlichste, vorgeschützte, erstaunende, bestialische, blindeste, frohe u. meiner selbst, einbildische, begrifflose, glatte, glückliche, gänzliche, astronomische, kindische, selige, kummerfreie, untermenschliche, unglaubliche, höchste, grenzenloseste, bedauerliche, historische u. s. w. u. Lohenstein Arm. 1, 107a; Thomasius gedanken u. erinn. 1, 97; discourse d. mahlern 2, 47; vern. tadlerinnen 1, 39; v. Fleming soldat (1726) 142; Liscow vorr. 62; Winckelmann 10, 375; Gerstenberg recensionen 217 lit. dkm.; Wieland 13, 53 Gr.; Agathon 1, 120; Herder 22, 8 S.; 6, 82 S.; Göthe 19, 108 W.; Niebuhr m. gesch. 1, 193; 1, 198; Klinger 6, 57; Lichtenberg nachlasz (1899) 20; Schiller 6, 184 G.; Schleiermacher I 3, 67; Pfeffel pros. vers. 2, 6; Bettine frühlingskranz 253; Allmers marschenb. 1, 2, 96; H. v. Barth Kalkalpen 188; Ranke s. w. 1, 8; auch lobende epitheta sind möglich: edle, unschuldige, liebenswürdige u. theater d. Deutschen (1768 ff.) 12, 364; S. Geszner 1, 146; Kotzebue 43, 48. im ausruf: o u.! o dollheit! theatrum amoris 1, 41; o du liebe u.! Nestroy 5, 259. speciell: rechtsunwissenheit Graf-Dietherr (1869) 24; u. hilft nicht, entschuldigt ebda 22; geschäftssprachlich Sattler phraseologey (1631) 384. bei den mystikern und allgemein geistlich: mhd. wb. 3, 791a; mnl. wb. 5, 1580 (vgl.onwete 1576, onweten 1577); so der wone und u. zu eym wissen und bekantnus der warheyt wirt, so velt das annemen ab theologia deutsch 14 M.; J. Arndt theologia 7; die ... vermessene u. unsers hertzens Luther 10, 2, 473 W.; zu dieser sunde gehört auch mutwillige u., als der heiden und der pharisäer war Hermann v. Wied reform. (1545) 71a; bekenne deine u. J. Arndt nachfolge Christi (1631) 4; sie wollen die gleichheit gottes erlangen, aber stürzen sich in die gröste u. Reinike fuchs (1650) 331; heiden und diejenigen christen, die in unverschuldeter u. hinsterben Schubart leben 2, 264; aus u. sündigen, unwissenheitssünden Adelung; unwissenheitsbekenner für agnoeten Campe verd. wb. (1813) 95b. sprichwörtlich (Wander 4, 1491): wie weyszhait ain hoch guot, also ist u. das schädlichste ding G. Mayr sprichw. (1567) b 7 β (vgl. 2); gewalt neben u. gebirt allzeit unsinnigkeit Eyering 2, 706; Petri V v 6a; ein schneller richter offenbahret seine u. selbsten Lehmann florileg. 2, 598; es ist keinem die u. eine schande als dem, der nichts lernen will Hoffmann polit. Jesus Sirach (1740) 50; die gröszte und schlimmste armut ist die u. (wahlspruch Paolettis) hwb. d. staatswiss. 62, 10. zs.: unwissenheitsapostel F. v. Baader tageb. 125, -bekenner s. o., -fehler M. Mendelssohn 4, 2, 326, -frage D. Fr. Strausz 3, 287, -karte C. Vogt polit. briefe 51, -lehre F. H. Jacobi 3, 55, -sünde s. o. 22) unwissend I 1 b entsprechend, als bleibende wesenseigenschaft, dummheit, thorheit, verblendung, blindheit, mangel an bildung, unbildung, barbarei, uncultur u. ä., ruditas B. Faber (1587) 699b: zewundern ist der menschen u., wir wölten nit leyden kurze arbait umb lengste fröid N. v. Wyle transl. 50, 16 K.; die blödigkait, u. und leuchtmütikait ... in dem geschöpft der weiber Fortunatus (1509) 131 ndr.; den das ist der wille gottes, das ir mit wolthuon verstopft die u. der thörechten menschen Eberlin v. Günzburg 3, 277 ndr.; meiner jugend u. Ph. Wackernagel d. kirchenlied 4, 236; der eifer für diese religion muszte also die u. begünstigen M. Mendelssohn 1, 5; die sitten der Granader sind eine ... mischung von ... stolz, u. und aberglauben allg. d. bibl. anh. 1/12, 27; Lavater physiognom. fragm. 1, 156; u. und barbarei Herder 23, 8 S.; sänger und sängerinnen wagen auf die u. (ungebildetheit) des publikums endlich gar so viel, dasz sie ... Heinse 5, 117 Sch.; eigensinniges verharren in der u. und geistesträgheit G. Keller 5, 140; bischöfe, stiftsgeistliche und alte mönchsorden sind ... in wüstes schwelgen, in rohheit und u. zurückgefallen G. Freytag 18, 111. veraltet für unkunst H. v. Trimberg renner 4021 E. 'böses, bosheit' im Frankfurter druck 23a (Warlies 72b); mnl. onwetentheit schandelijk gedraag, onbestamelijkheid (mnl. wb. 5, 1581, 2); onwetenheit dwaasheid, dolheit (mnl. wb. 5, 1580, 2). attribute: torliche, romische, barbarische, erbarmenswürdige, finstre, gröbste, tiefste, stolze, sonderbarste, vierfüszige, anmaszliche, vielwissende, krasse, bäurische, himmelschreiende, bemerkenswerte u. s. w. u.: A. v. Pforr b. d. beispiele 2 H.; Luther 7, 8 W.; Happel ak. roman 297; vern. tadlerinnen 1, 43; Gottsched d. neueste 8, 220; 1, 168; Nicolai lit. briefe 5, 170; Herder 27, 332 S.; 5, 141 S.; Heinse 3, 18 Sch.; Göthe 43, 133 W.; A. v. Arnim 7, 44 Gr.; Hegel 15, 225; G. Freytag 11, 44; 15, 8; hwb. d. staatswiss. 32, 15; J. G. Forster unterscheidet erworbene und natürliche u. 4, 5. im bilde: die timbern vinster der u. H. Seuse d. schr. 471, 28 B.; die vinsternusz der unkunst und u. A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) b 2b; nacht der u. Zesen rosenthal 2; nebel der u. Scheibe crit. musicus 5; Ratzel völkerkunde 2, 227; grosze eselische u. regiert in den klösteren Eberlin v. Günzburg 1, 60 ndr.; knaben von 100 jahren ..., die ... u. in die grauen haar lassen wachsen Dannhauer catechismusmilch 1, 6; joch der u. Herder 16, 21 S.; diese krankheit hiesz unsittlichkeit und u. E. M. Arndt (1845 ff.) 3, 39. dann wer nit fleisz hat, dasz er lern, ... der kumpt auf keinen grünen zweig, unwissenheit zeigt im die feig Scheit heimfart 3076 Str.; für die person: die tugend und geschickligkeit kan oft bey fürsten stehen, hergegen musz unwissenheit nur dort von weiten gehen G. Neumark lustwäldchen (1652) 41; unwissenheit mag hassen, die hölle neidiseh seyn S. v. Birken lorbeerhayn 363; Pyra-Lange 57; Stephanie d. j. lustspiele (1771) 224; da reiten sie hin! wer hemmt den lauf! wer reitet denn? stolz und unwissenheit Göthe 3, 241 W.; thätige u. 42, 2, 160 W.; vorurtheil stützt die throne, u. die altäre M. v. Ebner-Eschenbach 1, 68. 33) unwissend I 3 entsprechend, geistesstörung: darausz dann vil ein schwerere krankheit entspringt des gemüts wann des leibs, namlich unverstand und u. Ryff spiegel d. gesundheit (1544) 16b. 44) dem passiven part. adj. unwissen a, unwissend II entsprechend: ... ist ... mit der zeit in ein u. kommen (vergessenheit) Paracelsus (1616) 2, 385 H.; in diser ... scena ist ein schimpfige und fröliche verwirrung der u., welchers doch sey, der die junkfraw hab geschwechert Boltz Terenz (1539) 47b; ein heimlicher schrecken und eine heilige u. sind daher stets über das gebreitet, was nur diejenigen anschauen, die gleich darauf sterben br. Grimm d. sagen (1891) 2, 9. unwissenheitswüsten Kuhlmann geschichtherold (1673) c 1b. vgl. mnl. onwetelijcheit (wb. 5, 1577). —
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unwissenheit

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Unwissenheit , plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes, und der Gegensatz des veralteten Wissenheit, welcher do…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unwissenheit

    Goethe-Wörterbuch

    Unwissenheit [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Unwissenheit

    Schweizerisches Idiotikon

    Unwissenheit Band 16, Spalte 2064 Unwissenheit 16,2064

  4. Sprichwörter
    Unwissenheit

    Wander (Sprichwörter)

    Unwissenheit 1. Der Unwissenheit entgehet manche Freud'. Schwed. : Ovett hugnar intet. ( Grubb, 659. ) 2. Unwissenheit e…

  5. Spezial
    Unwissenheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|wis|sen|heit f. (-) ignoranza (-zes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unwissenheit

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Ableitung von unwissenheit 3 Analysen

un- + wissenheit

unwissenheit leitet sich vom Lemma wissenheit ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+wissen+-heit unwissen+-heit

unwissenheit‑ als Erstglied (1 von 1)

Unwissenheitssünde

Campe

unwissenheit·s·suende

Die Unwissenheitssünde , Mz. — n , eine Sünde, welche man aus Unwissenheit, da man nicht weiß, daß es Sünde sei, begeht oder begangen hat, d…