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unverständig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unverständig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2101
unverständig, adj. adv., nicht verständig (th. 12, 1, 1571). spätmhd. unverstendic; mnd. unvorstendich neben unvorstendel; mnl. nl. onverstandich, -ig neben unverstandel; n. uforstandig; schwed. uförstndig. a) an verständig 1 anklingend: wie denn z. b. gerade das unverständigste (widersinnigste) in der ganzen geschichte der römischen ehescheidung ... in den art. 230 aufgenommen ist Savigny beruf unsrer zeit (1814) 64. b) verständig 2 a entsprechend, ohne eigentlichen verstand: disze thyer ..., welche so gar keins (blut) haben, seind gantz unverstendig Eppendorf Plinius (1543) 220; spricht: seit nicht wie mäuler und rosz, welliche seind gar unverstendig H. Sachs 18, 138, 37 G.; fisch Fischart Garg. 188 ndr.; sogar meine unverständigen böcke lachen und tanzen um mich maler Müller 1, 128. vernunftlos: eine blinde, unverständige kraft Reimarus wahrheiten d. n. religion (1766) 600. c) verständig 2 b entsprechend: junge kindel und ander unverständig ... von wegen ires unschuldigen unverstands werden sy gerecht ... on würchlichen glaub B. v. Chiemsee 36; ein heymgezogen kind unverstendig blieb als ein rind Rollenhagen froschmeuseler (1595) H 3b; jugend Sattler phraseologey (1631) 449; Moscherosch insomnis cura par. 62 ndr.; einen solchen unverständigen idioten (quacksalber) mediz. maulaffe (1719) 181. ohne besinnung: so folget tieffer schlaff und ligen als sinnlose und unverstendige leute B. Mithobius wie man sich für d. pestilentz bewaren sol (1552) N 1a; veraltet. d) die hauptbed. entspricht verständig 2 c: mit jungen, unvorstendigen, unerfaren regenten Luther 6, 72 W.; etliche unverstendige geister 34, 2, 387 W.; mensch, volk, haufe, eltern, eiferer, künstler, geselle u. s. f. H. v. Cronberg 57 ndr.; Eberlin v. Günzburg 1, 7 ndr.; Ambach v. tanzen (1543) ba; Treuer Dädalus 4, 6; Schubart leben 2, 108; Göthe 44, 71 W.; A. v. Arnim 3, 130 Gr. auch seyt ihr u., dasz ir im euwer gelt also zu tragen geben habt b. d. liebe (1587) 9a; klagen wir, so schilt der strenge mann uns u. Klinger n. theater 1, 52. als rüge und schelte: ein unverstendig welf bistu ackermann a. B. 20 B.; esel, bengel, weibsbild Luther 26, 577 W.; Lichtenberg briefe (1901) 2, 137; Beck verirrung ohne laster (1793) 103; wollt ihr zurück, ihr unverständigen menschen Tieck (1828) 1, 88; Pansner schimpfwb. 74b. substantiviert: weish. Salom. 3, 2; ein sieger trägt den palm, poetenvolk den krantz; dem unverständigen gehört ein kälberschwantz Neumark lustwald (1657) zuschrift 4; wenn zwei unverständige zusammen kommen, so zerreiszen sie eiserne ketten Hebel 2, 7 B. syn. unvernünftig, s. d. sp. 2076 h; Joli war ein so unverständiges, ja, ich darf sagen, so unchristliches geschöpf Göthe gespr. 1, 11 B. e) verständig 2 d entsprechend. veraltet m. gen.: damit eyn yeglicher der müntz unverstendig betrogen wirdt Frankfurter münzverordn. (1505) ztschr. f. bücherfreunde 11, 230; das meiste volck des lateins unverstendig Luther 26, 224 W.; dasz sie der sache ganz u. seyen schreiben der universität Wittenberg bei Melanchthon op. 1, 493 Br.; vgl. sachunverständig Oppenheim bei Sanders 3, 1176c; denen, so dieses grundts u. (die diesen grund nicht einsehen) Fronsperger kriegsb. 2, 26b; Lehmann florileg. (1662) 1, 455; die unverständigen der zauberey Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 115. mit präpos.: u. in der schrift Luther 18, 197 W.; u. in diesem punkte, in dieser beziehung; veraltet: u. auf Günther 601. m. inf.: die (leibliche creatur) was ... u., got zuoerkennen B. v. Chiemsee 178 (veraltet). ohne solche best.: kein unfleisziger, unverstendiger (sachunkundiger) oder ungetrewer schichtmeister Lori bergrecht 169 (1515); Luther 23, 191 W.; schiffmeister Nicolai reise 2, 423; substantiviert: Wilwolt v. Schaumburg 59 lit. ver.; Heinichen generalbasz 4. f) adv. (verständig 2 e): u. handeln, leben, sich benehmen, reden u. s. w. Luther streitschr. 2, 19 ndr.; v. Fleming soldat (1726) 4; Herder 19, 38 S.; Göthe 8, 249 W.; u. (verständnislos) ansehen Polenz Büttnerbauer 3, 348. veraltet: unverständiglich Luther 20, 519 W.; J. Arndt Thomas v. Kempis theologia (1631) A 6b; Butschky Pathmos 791; Frisch (1730) 637. g) verständig 2 f entsprechend: nerrische, tholle und unverstendige reden Luther 33, 14 W.; eifer, gesetz, muthwilligkeit, wahn, zufall, regel, widerwillen, wort (absichtlich sinnloses), ausfälle, wirthschaft, tadel, resultat, meinung, verzweiflung, gewaltthat, augen (verständnislose) u. s. f. Fischart die gelehrten d. verkehrten 1952 K.; Harsdörfer gesprechsp. 1, 38; Schottel haubtspr. 52; Butschky Pathmos 23; Breitinger krit. dichtkunst 1, 63; Herder 22, 198 S.; Hippel kreuz- u. querzüge 1, 53; Göthe 3, 305 W.; Görres ges. schr. 1, 330; E. M. Arndt (1892) 1, 6; O. Jahn Mozart 4, 464; Holtei erz. schr. 7, 178; Mommsen m. gesch. 1, 43; Raabe Abu Telfan 1, 105; Bismarck gedanken u. erinn. 1, 101 volksausg.; Polenz Büttnerbauer 3, 341; die unverständigsten bitterkeiten Kotzebue 31, 150. so etwas darinnen (in d. buche) u. möcht erfunden werden Paracelsus (1616) 1, 316 C H.; wie u. war es, als du ehemals auf eine nation schaltest Göthe 22, 105 W.; wenn diese procedur ... nicht in sich u. ist Mommsen m. staatsrecht 1, 495. das eigentlich unverständige sonst verständiger menschen ist, dasz sie nicht zurechtzulegen wissen, was ein anderer sagt Göthe 42, 2, 137 W.; gibt es etwas unverständigeres, als jemanden seinem wahren beruf entziehen? Schnitzler kakadu 142. h) verständig 3 entsprechend, unverständlich, nicht zu verstehen; mnl. wb. 5, 1494, 2; veraltet: wie wol die Böhem mit Teutschen ringszweisz umbgeben seind, reden sie doch eine unverständige eigne sprache S. Franck weltb. (1567) 79a; wort, namen, abbreviaturen, zeug, mummeln und lispeln Heyden Plinius (1565) vorr. 4a; Stumpf Schweizerchron. 197a; Frankfurter reform. (1578) 7b; Bräker 1, 137; Göthe 40, 125 W.; meine mir selbst unverständigen gedanken Bettine frühlingskranz 180. darumb sein beschreibung den leyen gants u. ist Paracelsus (1616) 2, 542 H.; ihre (der trinker) haut ist bleych, ... ihr ... ruffen u. Ambach v. zusaufen C 2a; unser redner und schreiber ... machens (unsere sprache) mit groszen umbschwaifen u. Aventin chron. 1, 5 L.; H. Sachs 12, 137, 36 G.
6287 Zeichen · 198 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unverständig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unverständig , -er, -ste, adj. & adv. der Gegensatz von verständig, Unverstand habend, verrathend und darin gegründet. U…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unverständig

    Goethe-Wörterbuch

    unverständig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Sprichwörter
    Unverständig

    Wander (Sprichwörter)

    Unverständig Je vnuerstendiger, je hartnäckiger. – Wicelius, Dialogorum. [Zusätze und Ergänzungen] 6. Unverstand macht a…

  4. Spezial
    unverständig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|ver|stän|dig adj. nia da capí.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unverstaendig

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unverstaendig 3 Analysen

un- + verstaendig

unverstaendig leitet sich vom Lemma verstaendig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+verstand+-ig unverstand+-ig

Zerlegung von unverstaendig 3 Komponenten

unver+(staen+dig)

unverstaendig setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unverstaendig‑ als Erstglied (2 von 2)

Unverständiget

Campe

Unverständiget , adj . u. adv . nicht verständiget.

unverständigkeit

DWB

unverstaendig·keit

unverständigkeit , f. , mangel der verständigkeit ( s. d. ) und ihr gs.; mnl. onverstandicheit, nl. onverstandigheid; dän. uforstandighed. u…