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unthat

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unthat f.

Bd. 24, Sp. 1927
[]unthat, f. , ags. undâd; afries. undād; an. údáð; isl. ódæði; ahd. mhd. untât; mnd. undât; mnl. ondaet; nl. ondaad; n. udaad. wie mhd. ungetât (Lexer 2, 1875): hat er dann ein ungethat gethan Meichszner land- u. lehenrecht (1566) 18a; vgl.gethat; umgelautet: ungetät Terenz (1499) 78a; vgl.gethät (gethat 1 c); veraltet. wie bei that kommen im frühnhd. noch st. pluralformen vor: wie sich derselbe vil vermessener, unrumlicher untate gebraucht chron. d. st. Eger 324; man hilfft in ir unthatte (gen. plur.) H. Sachs bei Ph. Wackernagel d. kirchenlied 3, 65. II. mit un improbativum (un IV B); vgl. misse-, übel-, überthat; frevel-, greuel-, laster-, schandthat. I@11) rechtssprachlich, strafbare that; maleficium, flagitium, scelus, nefas, q. d. facinus nefarium, abominabile, infame. qua voce prisca modestia (vgl. Jac. Grimm gramm. 2, 782) notavit delicta graviora illa, quae contra pacis tendunt securitatem Haltaus 1962; mnl. wb. 5, 297 f.; Fischer schwäb. wb. 6, 233. I@1@aα) strafthat, das thun wie das gethane: theten sein jegerhoren schellen und uber ihn ein urtheil fellen, das man zu straff umb sein unthaten ihn solt an eynem spisze praten H. Sachs 5, 160, 36 K.; Hayneccius Hans Pfriem 506 ndr.; warum sollen wir beede wegen einer u. sterben? Abele gerichtshändel 133; es giebt unthaten, die als gesetzlich erlaubt im schwange gehen Bode Montaigne (1793 ff.) 5, 20; Immermann 2, 141 H.; 4, 38 H.; Varnhagen v. Ense tageb. 1, 143. voll unthaten stecken, die u. rächen, einem die u. schenken, die u. entdecken, anzeigen, üben, begehen, beginnen, vollbringen, sich an unthaten betheiligen, seinen unthaten die krone aufsetzen u. s. f. H. Sachs 19, 158, 11 G.; 2, 311, 25 K.; 15, 79, 29 G.; Göthe 25, 98 W.; G. Freytag 14, 53; 17, 180; O. Ludwig 1, 351; G. Hauptmann weber 89; Meisl theatr. quodlibet 1, 186. die u. jährt sich Geibel nachl. 135; unthaten gehören nicht zum adel Graf-Dietherr d. rechtssprichwörter (1864) 342; die früchte der u. ernten Schiller 2, 147 G.; Mommsen m. gesch. 2, 262. attribute: grosze, frechste, schwere u. dgl. u. Meichszner land- u. lehenrecht (1566) 17b; Eschenburg beispielsammlung z. theorie 4, 296; Fr. Kind gedichte (1817 ff.) 5, 188. insbesondere: die u. eines vergeblichen eides M. Mendelssohn 3, 294; unthaten wieder die kriegesarticul v. Fleming soldat (1726) 321; zauberei Nigrinus v. zäuberern (1592) 15; Tieck ges. novellen 7, 110; brandstiftung Lenau 704 B.; unterschlagung Seidel Leberecht Hühnchen 69 u. dgl. zusammensetzung unthatzeichen (mörderstein) D. v. Liliencron 8, 120; untatsangedenken Löns m. blaues buch 6. abbildung von mordthaten: ich weisz nicht, ob im Elsasz jene sänger noch sehr lebendig sind, die ... wachstuchtafeln mit sich führen und darauf fürchterliche unthaten schauen lassen Scherer kl. schr. 1, 543; vgl.mordthat am ende. β) der gegenstand, an dem oder mit dem die u. geschehen ist; res furtiva, delicti corpus Haltaus 1963; mnd. wb. 5, 24b. veraltet. γ) persönlich: gott ... macht, dasz die unthat oft den thäter lenkt Gries rasender Roland 1, 141; lasz nicht die unthat mit verwegner hand des höllensamens blutge früchte brechen M. Beer s. w. (1835) 208. δ) schon der Frankfurter druck des renners änderte u. an 4 stellen: Warlies d. Frankf. druck des renners (1912) 73a. als t. t. ist u. in der heutigen rechtssprache veraltet; Günther recht u. sprache (1898) 229; geschichtliche darstellung verwendet es noch (Graf-Dietherr rechtssprichwörter 343); für die mundart bezeugt es z. b. Dähnert 505a. gemeinsprachlich gehört u. hauptsächlich der gehobenen rede an, die bed. 2 b einmischt. I@22) in sittlicher beurtheilung. I@2@aa) im engern sinne der kirchenspr. sünde, missethat: Otfrid 3, 17, 14; Hartmann Gregorius 522 L.; mnl. wb. 5, 298: also folgt, dasz im (gott) glychsnery ob allen unthaten miszfallt Zwingli d. schr. 1, 319; wie er (Moses) einen jeden hat bezalt, sein sünd und unthat vorgemalt Hayneccius Hans Pfriem 2547 ndr.; [] im wesentlichen veraltet; missethat ist der häufigste ersatz. nachklang: gute werke sind der einzige trost dessen, der sich grosze unthaten nicht verzeihen kann Göthe 41, 2, 142 W.; der gedanke, dasz äuszerlicher und irdischer wandel zu sünde und u. führt Gervinus gesch. d. d. dichtung (1853) 1, 401. I@2@bb) die nhd. hauptbed. stellt das allgemeinsittliche als maszstab auf, ohne dasz es natürlich ausgeschlossen ist, dieselbe that auch strafrechtlich und moraltheologisch zu beurtheilen. untat nephas K. v. Heinrichau vocab. 397b Gusinde; facinus horrendum, abominandum, foedum Stieler 2353. u. allgemein ... verletzung des sittengesetzes Kant 5, 375 H. α) als nomen actionis: Hugo v. Trimberg renner 10823 (böses handeln); das dieselb allerliebligist gesellschaft (einer reinen frau) alle verzaghait, alle untat (unedles thun, beginnen) und alles lait aus dem herzen treibt Wilwolt v. Schaumburg 64 lit. ver.; im frauendienst mhd. wb. 3, 148b; Hätzlerin 208; er sasz als eyn mensch vol unthat oder boszheyt quellende Aymont (1535) l 5a; es kan sich keiner mit eines andern u. schön machen Lehmann florilegium (1662) 1, 203; die leut betriegen ist kein u., sondern ein geschwindigkeit 1, 108; in u. sucht man lob v. Birken fortsetzung d Pegnitzschäferei (1645) 40; ihr könnt dann, wenn eure geister vielleicht an der asche schweben, mit einander über eure unthaten trauren Klopstock 10, 286; einer u. fähig Raupach dram. werke ernster gattung 15, 148; eben ritt herr Gessler hinaus, um in der umgegend einige unthaten zu begehen G. Keller 1, 369; zu unthaten anreizen Scherer literaturgesch. 125; so hat die süddeutsche auffassung ... Kriemhilds persönlichen unthaten ein anderes ziel gegeben 105; wie der wahnsinn des argwohns die beiden stammeshäupter ... fortreiszt von u. zu u. Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 90. bewusztsein der u.: was kan aber der in gefahr für vor- und zuversicht haben, welcher von seinen unthaten in seinem gemühte ... genaget wird? Lohenstein Arm. 2, 539a. β) das gethane: sô manige untât (so viel böses) Hugo v. Trimberg renner 22 074 E.; als diese u. erschollen Harsdörfer gesprechspiele 2, 92; so fern die untaht nicht offenbar Butschky Pathmos 509; wird mir ... der schauder durch unthaten eines bösewichts erpreszt, ... so ist mein gefühl schauder vor dem abgrunde Herder 22, 265 S.; Müllner 1, 157; Schopenhauer 1, 456 Gr.; rächeramt gehäufter u. Platen 1, 225 R.; die sage scheint an dieser u. (ermordung des Remus) keinen anstosz zu nehmen Jhering geist d.m. rechts 1, 91; herr St. beweist, dasz die selbstmorde und andere unthaten seit erfindung der schwefelhölzer zugenommen haben G. Freytag 4 62; es giebt unthaten, über welche kein gras wächst Hebel 2, 136 B.; collectiv: dasz L. an allem leiden und aller u. im stücke schuld ist O. Ludwig 5, 209. zusammensetzung: unthatenvoll E. Dühring die gröszen der modernen lit. 1, 60. o u.! (schauderhaftes) Göthe 16, 31 W.; greuelvolles G. Keller 6, 163; schandthat Herder 6, 10 S. γ) besonderheiten: von ablaszwucher und pfründenschacher Murner an d. adel 4 ndr.; des bapsts onthatten S. Franck chron. Germ. (1538) 150a; Fischart bienenkorb 135b; unzucht Sandrub kurzweil 37 ndr.; menschenopfer Niebuhr m. gesch. 1, 313; vom zauberblick des mädchens J. H. Voss ged. (1802) 3, 221; was wars? die u., mich zu lieben Müllner 7, 232; sie (die welt) betrachtet den tod Napoleons als die entsetzlichste u. Heine 3, 454 E.; und nun plötzlich diese u.! (der mahnbrief an Römer, der so unbeabsichtigte folgen hatte) G. Keller 2, 61. δ) persönlich und im bilde: jede unthat trägt ihren eignen racheengel schon Schiller 12, 236 G.; kein mensch, kein gott löset die bande, mit denen die unthat sich selber umstrickt Grillparzer 5, 41 S.; der letzten unthat rauch dämpft erste wolthatsflammen Lohenstein Agrippina 12; also war kein gold so dichte angeleget ..., dasz nicht der unflath aller verdammlichen unthaten durchgedrungen wäre Weise polit. redner (1677) 479; das erdrückende [] gewicht der u. auf der seele tragen O. Ludwig 2, 142; wie ein stein fiel meine ganze u. mir wieder aufs gewissen Storm (1899) 4, 59. für den unthäter: so voll kunstlosen argwohns ist u. Herder 25, 292 S. I@33) in gegensätzlichen verbindungen: thaten und (oder) unthaten Kant 2, 287 H.; Göthe 27, 120 W.; Fichte 2, 188; Ebner-Eschenbach 1, 174; gs. tugendliche thaten v. Birken ostl. lorbeerhain (1657) 17; wolthaten Lehmann florilegium (1662) 2, 830; Lohenstein Agrippina 12; grosztat H. v. Kleist 3, 102 Schm.; das synonyme übelthat steigernd: viel ubelthaten, ja grosze unthaten ... findt man ... zu Wien Abr. a s. Clara merks Wien (1680) 41. verbrechen, bubenstück, frevel, missethat, u. Weigand syn. 3, 932. I@44) der durch die u. verursachte schaden, das unheil, die zerstörung: Hugo v. Trimberg renner 9230 E.; wann mir groszer schad und untate (vgl. zur form Haltaus 1962) darausz entstanden ist privatbr. d. m. 1, 64 St.; da nun die predicanten endtlich gesehen, was für u. darausz entspring Nas eins u. hundert 1, 93b; sprach der alt: weistu keinen rath, mich zu trösten in der unthat? H. Sachs 7, 437, 28 K.; die langen bauerboten kamen von allen seiten herbei und erzählten von den unthaten der wasser Laube 8, 181; sonst veraltet, da die heutige spr. z. b. u. und unglück scharf scheidet: keiner wuszte, war es u. oder unglück Fontane I 4, 203. I@55) deformitas, macula Graff 5, 330; mhd. ungetât häszlichkeit Lexer 2, 1875 (gethat 1 b forma, species). besonders erhalten in unthätchen, unthätlein (s. d.). die bed. scheint aus der vorhergehenden abgeschwächt; es ist nicht nöthig, u. als eine von dämonischen wesen verübte beschädigung (Höfler krankheitsnamenb. 736a) aufzufassen. inficierende unsauberkeit bei wunden: würm, fleugen oder spinnen oder welcherlay hant untat das sey, das der wunden schad sey wundsegen bei Schmeller-Fr. 1, 630; unsauberkeit überhaupt: zeigte sich an einem dieser stücke die geringste u., ... so war ... die erste begrüszung eine derbe tracht prügel Bräker (1789) 1, 132. makel, fehler, unvollkommenheit: darumb wer meyn gedichten strafft, do es mit unthat ist behafft, des danck im gott, dem frummen man Murner narrenbeschwörung 291 ndr. häszliches: Morolf: doch seh ich einem den ars blecken, womit soll ich das bedecken? Salomon: den schlafenden hund soll man nicht wecken, alle unthat soll man bedecken Simrock deutsche volksbücher 1, 14. veraltet. IIII. mit un IV D (intensivum). II@11) erstaunliche that, miraculum: ganz umgekehrt sind sie (die wunder) dem wunderthäter ... gar keine prodigien und unthaten mehr, sondern dinge seiner welt ... Herder 9, 440 S. veraltet. II@22) mundartlich ist undoot ein auszergewöhnlich groszer oder ein widerlicher gegenstand; aus der Neumark zeitschr. f. d. mundarten 1910 35. —
10823 Zeichen · 321 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unthat

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Unthat , plur. die -en, eine lasterhafte, boshafte That, ein Verbrechen, wo dieses Wort einen noch härtern Nebenbegr…

  2. Sprichwörter
    Unthat

    Wander (Sprichwörter)

    Unthat 1. In vnthaten muss man den willen straffen, nicht das missrathen. – Lehmann, 898, 38. 2. Unthaten gehören nicht …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unthat

1 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unthat

un- + that

unthat leitet sich vom Lemma that ab mit Präfix un-.

Zerlegung von unthat 2 Komponenten

unt+hat

unthat setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

unthat als Zweitglied (1 von 1)

Graunthat

Campe

graun·that

◬ Die Graunthat , Mz. die — en , eine Grauen erweckende, eine gräuliche That, eine Gräuelthat. Außer mir sie verfolgend im Blachfeld' über d…