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unthätig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unthätig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1930
unthätig, adj. adv. ; mhd. untætec, -ic, mnd. undedich, mnl. ondadich, nl. ondadig, alle in bed. 1; nl. ondadig in bed. 2 gilt als germanismus (nl. wb. 10, 1181). 11) adjectivibildung zu unthat I. vgl. unthätlich. 1@aa) untetiger nefandus vel nepharius K. v. Heinrichau 397b Gusinde; Haltaus 1963; Crecelius 851: ich hon auch gestifftet under en (den juden), dasz sie en (Jesus) nit woln horen adder sehen und vorsmehen en als ein untedigen man Alsfelder passionsspiel 292 Grein; es sol auch niemer mer von Hutten gehört werden, das er ... dem untAetigen babst dienstbar ... sey Hutten 1, 399 B.; unthetige laster Thurneisser nothgedrungenes ausschreiben (1584) vorr. 17; adv.: untetig tun d. rote b. d. st. Ulm 99; substantiviert: ein untediger Frankfurter zunfturk. 1, 19. nur noch in geschichtlicher darstellung, z. b. Graf-Dietherr rechtssprichw. (1864) 346. 1@bb) nach unthat I 5: von untedigem fleische Mainzer metzgerordnung bei Crecelius 851; adv.: darin schöpfet ein groszes rad ein wasser kotig und unfletig. gantz trüb, und schmecket gar unthetig H Sachs 17, 378, 27 G. veraltet. 1@cc) mundartlich ondeidech 'schlecht' luxemb. wb. (1906) 314a; 'störrig, unumgänglich' Gangler (1847) 316. vgl. thätig 1 b. 'hin und wieder sagt man ein unthätiges wort wie unschönes wort' Heynatz antibarb. 2, 538. 22) gs. zu thätig (s. d.). a) die beispiele des 16. jahrh.s haben vielfach noch nicht die heutige bed.: Gorgias war, der sich berümet, er wust alle ding und im war nichts unverborgen (!), und alle dingsachen und hendel solcher unthetigen (unfähigen, eitlen) berümer foll waren Erasmus Sileni Alcibiades (1525) a 2b; der glaub macht die schlussel tettig und tuchtig, der unglaub macht sie untettig (ungeeignet) und untuchtig Luther 7, 423 W.; so ist gemeiniglich das urteil und verstant ... derselben unvormöglich und unthetig Barth weiberspiegel (1565) K 4b; du wölst mit gewalt nur thun ein predig, und warst darzu so gar unthetig Fischart nachtrab 2934 Kurz; jedoch wollen sie an diesen allen verlauf ... untheilhaftig undt vor gott undt der gantzen welt in allen unthätig (etwa unbetheiligt) undt unschuldig sein chron. d. st. Olmütz 17 Dudik. doch auch schon in der nhd. hauptbed.: tugend ist nit müssig oder untAetig Frisius 653a; durch welche (beschäftigung mit den wissenschaften) die geschwind, unthAetig stercke der sinnen und des leibs nit geschwecht, sondern erleuchtet und bekrefftiget werde Fronsperger kriegsb. 1, 174a; so können ja die kurtze (schritte) anderst nichts denn einen unthätigen oder unkräfftigen bedeuten J. B. Porta physiognomy (1601) 400. b) sonst scheint die nhd. hauptbed. im 17. jahrh. kaum bekannt; belege fehlen, u. fehlt bei Stieler und Frisch. erst im 18. jahrh. kommt es in aufnahme, vielleicht in zusammenhang mit inactuosus (Augustin), mlat. inactivus und den entsprechungen der westlichen cultursprachen. α) u. sein: den verstand hält man höher als die sinnlichkeit, ohne die doch der verstand u. wäre Hippel lebensläufe (1778) 1, 411; Philipps politik war künstlich, aber u. Schiller 4, 96 G.; indessen wollt ich für den jungen mann, der mir wirklich am herzen liegt, nicht ganz u. seyn Göthe IV 42, 180 W.; diese freie A (a a a a) und freie C (c c c c) sind nicht u. in der mischung Liebig handb. d. chemie (1843) 1, 49; bei leerem magen sind sie (labdrüsen) u. Muspratt chemie (1898) 6, 11. u. scheinen, sich befinden, bleiben, werden, einen u. machen, glauben, finden, lassen u. dgl. Wieland Lucian (1788) 1, 36; Göthe IV 15, 152 W.; Herder 15, 149 S.; Mozart bei O. Jahn 3, 180; Stolberg 1, 133; Göthe 30, 19 W.; Lichtenberg briefe (1901) 2, 141 L.; Ramler einleitung in d. sch. wissensch. 1, 223. unthätigeitel machen Herder 22, 280 S. β) attributiv: kein unthätiger und figürlicher freund Winckelmann 10, 15; unthätiger mensch, bürger, zuschauer allg. d. bibl. anh. 53/86, 103; Schleiermacher II 4, 10; Immermann 18, 25 H.; drei dumme, unthätige gesichter (bei der kreuzigung) H. Heine 3, 399 E.; unthätige kindheit, kleinmüthigkeit, verzweiflung, unthätiges wissen, wohlgefallen, leben, betrachten, verhalten, unthätige religion, beschaulichkeit, unthätiger genusz, jammer u. s. f. discourse der mahlern (1721) 2, 14; Wieland I 2, 275 ak. ausg.; K. Ph. Moritz reise eines deutschen in Italien 3, 5; Schwabe belustigungen (1741 ff.) 5, 95; Kant 5, 10 H.; Göthe II 12, 49 W.; I 47, 302 W.; Moltke 3, 29; J. H. Voss gedichte (1802) 1, 92; Häuszer d. gesch. 1, 166; Rückert 8, 309; O. Ludwig 1, 293. mir ist der kopf wüste, von meinem heutigen einsamen, thätig unthätigen tage Göthe III 1, 295 W.; superlativ: von dem würksamsten enthusiasmus zur unthätigsten gleichgültigkeit übergehen Wieland Agathon (1767) 2, 84. terminologisch: unthätiger glaube (ohne die werke) Ranke s. w. 2, 63, boden Ratzeburg standortgewächse (1859) 171; vgl. oben die beispiele von Liebig und Muspratt. γ) substantiviert: J. P. Porta unter α; oder meintet ihr, dasz die freiheit und ein gesetzliches gedeihen von oben herab dem unthätigen in den schosz fallen würde? G. Freytag 15, 93; nichts unthätigeres Nestroy 6, 212. δ) adverb: und sein schwerdt, das nie unthätig sich verweilt, nimmt rach an ihm Zachariä (1763 ff.) 3, 170; stumpf, u. ... dahin brüten Göthe 24, 123 W.; sich u. verhalten Büchner kraft u. stoff (1856) 7; u. daliegen Stöckhardt chem. feldpredigten 1, 121; ra. u. zuschauen, zusehen: er (gott) schaut der bewegung des ganzen nicht unthätig nur zu und müszig. er ordnet sie selbst an Giseke (1767) 42; ganz Europa gleicht der schmiede des Vulcan. nicht länger kann Deutschland u. zuschauen Gutzkow (1872 ff.) 10, 344; Ranke s. w. 3, 260; ein peinlicher zustand, welchem ich nicht länger u. zusehen darf Holtei erz. schr. 7, 223; Mommsen m. gesch. 1, 346; 2, 61; ich begreife nicht, warum man so lange u. zusieht Ebner-Eschenbach 2, 54. comparativ: J. G. Forster 2, 88. ε) zusammensetzung: das unthätigsein Büchner kraft u. stoff 7; das unthätigwerden allg. d. bibl. 11, 37. —
6021 Zeichen · 173 Sätze

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    Neuhochdeutsch
    Unthätig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unthätig , adj. et adv. -er, -ste, der Gegensatz von thätig, doch nur in dessen engerer Bedeutung, keine oder wenig pfli…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unthaetig

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Ableitung von unthaetig 3 Analysen

un- + thaetig

unthaetig leitet sich vom Lemma thaetig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+that+-ig unthat+-ig

unthaetig‑ als Erstglied (1 von 1)

unthätigkeit

DWB

unthaetig·keit

unthätigkeit , f. vom vorigen adj.; veraltet zu unthätig 1: undedicheit nephanditas Diefenbach gl. 378 c . zu unthätig 2 seit dem 18. jahrh.…