unsinnigkeit,
f. ,
in wenigen fällen gth. der sinnigkeit
oder mangel daran, meist der entwicklung des adj. unsinnig
folgend. ahd. unsinnicheit;
mhd. unsinnecheit;
mnd. unsinnicheit;
mnl. onsinnicheit;
nl. onzinnigheid.
dän. afsindighed,
schwed. ursinnighet. unsinheit
s. o.; unsinkait Diefenbach
n. gl. 20; unsinikait
N. v. Wyle
transl. 34, 13
K.; Bellin
rechtschreibung (1657) 50; unsintkeit J. v. Watt 1, 128; 132
wie unsindekeyt Diefenbach
gl. 247
a; 300
a.
vgl. unsinn, -sinnlichkeit. 11) unsinn 1, unsinnig 1
entsprechend; Lexer 2, 1937;
mnd. wb. 5, 78
a;
mnl. wb. 5, 932, 1;
nl. wb. 10, 2243 a; Nemnich
lexicon nosol. (1801) 17
c; Blancard
wb. (1788) 1, 123
a; Höfler 651
a; Staub-Tobler 7, 1071, 1; Fischer
schwäb. wb. 6, 221;
synonyma bei Fischart
podagr. trostbüchlein 49, 26
H.: doch so nam er (
der gefangene) sich einer u. an, vermeint dadurch sein sach zuo einem bessern end zuo bringen H. Gebweiler
beschirmung des lobs Marie (1523) 25
a; wenn einer aus u. ... sich ums leben bringt
quelle bei J. Grimm
rechtsalterth. 2, 326; in u. fallen Zinkgref
apophthegmata (1628) 111, gerathen maler Müller 1, 195; in u. zu grunde gehen Fr. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 178; kluge u. Chr. Weise
erznarren 160
ndr.; plötzliche u. Lessing 6, 170
M.; Wieland
Agathon 2, 71; der zustand des gestörten kopfes, der ihn gegen die äuszeren empfindungen fühllos macht, ist u. Kant 10, 18.
von zorn
unterschieden: Staub-Tobler
a. a. o.; von unsinn Adelung, Sanders
syn. (1882) 44 (unsinnigkeit
bezeichnet mehr zustand und eigenschaft, unsinn
den ausbruch der unsinnigkeit und unsinniges)
; im gebrauch der bibelübersetzer: Teller
vollständige darstellung u. beurtheilung d. d. spr. in Luthers bibelübers. 1, 186; Fischer 6, 221;
erste d. bibel 7, 300, 4
var.; cod. Tepl. 3, 67
var. 44.
heute durch geisteskrankheit, geistesgestörtheit, wahnsinnigkeit
zurückgedrängt. übertragen: ihrer vermessenheit, hoffart und verachtung göttliches worts frucht und ende wird sein u. und blindheit Luther
tischreden (1568) 1, 9;
vgl. 3. kopfunsinnigkeit Höfler 651
b.
lycanthropia oder hydrophobia und rabies hydrophobica heiszt die u. von einem tollen wolffsbisse
Noel Chomel öcon. phys. lexicon (1750) 6, 338; wolfsunsinnigkeit Höfler
a. a. o. hündische u.
hundswut ebda; bienen u. Sebiz
feldbau (1579)
reg. u. d. w. bienen;
von pferden: Seutter
hippiatria 75;
allg. haushalt. lex. (1749) 3, 611;
auch bei thieren durch speciellere bezeichnungen verdrängt. 22)
wie unsinn
und unsinnig 2: in unsinnicheiti han ih gesuntot Graff 6, 231; Seneca ... spricht auch '
ebrietas voluntaria insania est' trunckenheit ist eine mutwillige u.
M. Friedrich
sendbrief an d. vollen brüder q 1
b; S. Franck
sprichw. (1545) 1, 59
b; der anfang des zorns ist u. A. Olearius
pers. baumgarten 111.
veraltet. 33) unsinn
und unsinnig 3
entsprechend; der gs. sinnigkeit
in maa. th. 10, 1, 1184;
auch synnekeyt
acerbitas ebda wie sinnig
zornig; furor ... eine wütende u.,
plus enim est quam insania Corvinus
fons lat. (1646) 375: Keisersberg
geistl. spinnerin e 2
c s. oben unter unsinnig 3; ich wurd eynen büttiger bestellen, der dir ein reyff odder tzween umb den kopff legt, das er nit fur groszer, voller unsynnickeit zursprünge Luther 7, 665
W.: impetus S. Franck
Turckey (1530) b 1
b; die u. des kriegs Agricola-Bech
bergwerckb. (1621) 17; denn sie (
luftgeister) pflegen sich hefftig mit ungestüme und u. zu erzeigen J. Prätorius
anthropodemus pluton. 2, 8; der affect musz aber nicht zur u. getrieben werden A. G. Kästner
verm. schr. 1, 249;
von der ausgelassenheit zu fastnacht: dann man das gantz jar nit solich u. erzeigte als vor fastnacht Eberlin v. Günzburg 1, 20
ndr.; von liebe (S. Franck
moriae encomion 76
a),
tracht (Moscherosch
gesichte 2, 153),
zügellosigkeit bei götterfesten (Ickelsamer
gramm. d 3
a)
u. dgl. von unsinniger that: u. üben 2.
Makkab. 15, 33; ist das nicht u., so weys ich auch nicht, was u. sey Alberus
widder Jörg Witzeln mammelucken k 1
b; Butschky
kanzelley 824; diese plünderung ... wird bei den Niderländern genandt die spanische furie oder u. E. v. Meteren
beschreibung des niderl. kriegs (1614) 311
a;
plur.: dann vil oberkeitten wehren nit huoren noch sauffen, spilen, finantzen, mit dem judenspiesz stechen und andere unsinnigkeitten
M. Ambach
von tantzen (1543) d 1
a.
heute verblaszt die bed., wie in Kästners
beispiele. 44)
nach unsinnig 4, unsinn 4;
gs. gute sinnigkeit
th. 10, 1, 1183;
mnl. wb. 5, 933, 2; Staub-Tobler 7, 1071, 2.
für die stärke des ausdrucks zeugt: freud diser welt ist ein zeichen nit allein der narrheit, sunder auch der u. Keisersberg
narrenschiff 96
a. Plinius der meyster seitt, das es sy eyn unsynnikeit, wellen die grOesz der welt verston und uszer der by wilen gon S. Brant
narrenschiff 66, 60
Z.; das ist der grösten ertznarheyt eyne ... daraus alle andere u. erfolget ist Luther 15, 126
W.; habend gemeynt ... ir lAeben sye eyn u.
Züricher bibel (1531)
sap. 5
A.; Albertinus
hirnschleiffer (1664) 118; es wäre u. ... mit dem verhängnüsse ringen Lohenstein
Arm. 2, 847
b; so bildete er sich in seiner u. ein, er hätte durch selbiges geld sich diesen hochwürdigen beruff angeworben Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 741; die u. zu heyrathen begehen Lessing 2, 30
M. idolomania die u. uff die abgötterey Alberus (1540). 55)
wie unsinn, unsinnig 5. 5@aa)
übergänge von bed. 4
zu 5
liegen in älterem gebrauch und in der ma. vor: darumb es mich von dir (
Luther) ein unsinnikeit dunckt, nit für ein warheit und löbliche gewonheit zuozuolassen, dan das in dem evangelio geschriben stand Murner
a. d. adel 15
ndr.; noch viel mehr dergleichen unsinnigkeiten brachte er vor Grimmelshausen 2, 340, 22
Keller; die schuld aller solcher thorheiten und unsinnigkeiten (
zauberei; vgl. bed. 4
ende) wird nachmahls den verführischen schrifften .. beygelegt Marperger
kaufmannmagazin (1708) 738; das wäre doch eine wahre u., so schwer verdientes geld so leicht vergeuden Rosegger (1895) 4, 441;
widersinniges gebahren luxemb. wb. 319
a. 5@bb)
absurdität, nonsensicality: unsinnige, im höchsten grade der vernunft widersprechende handlungen Adelung: es ist eine sammlung von unsinnigkeiten
allg. d. bibl. 4, 289; dasz durch die abgeschmacktheit oder verkehrtheit oder u. ... gute köpfe ... zurückgeschreckt werden Schopenhauer 4, 211
G.; darunter kommen dinge von bodenloser u. vor Hebbel
tageb. 3, 140; R. Wagner 5, 35; diese ouvertüre war der kulminationspunkt meiner unsinnigkeiten 1, 7; die u. der behauptung, des urtheils, planes, betragens, gedichtes, romanes
u. s. w. —