unmündig,
adj. adv. ,
gth. von mündig.
mhd. unmündic.
mnd. unmundich,
daher dän. umyndig,
schwed. omindig;
an. úmund, úmyndr;
mnl. onmondich,
nl. onmondig.
veraltet: unmünd (Wackernagel
kirchenl. 4, 427, 595,
mnd. unmunde), -mündisch (Schedel
gerthlein der seele 51
b, Herberger
trawrbinden 6, 66), -mündlich (J. Heroldt
adel weibliches geschlechts a 3
b, Fabricius
bew. hist. 548,
mnd. unmuntlik
nd. jb. 43, 83
b). 11)
ohne gewalt, macht, vollmacht, fähigkeit, gültigkeit. vgl. ungewaltig,
unkräftig,
unmächtig.
meist undeutlich und durch 3 (4)
beeinfluszt: das es (
das fleisch) auch stumm und onmündig sei,
die gütthaten und herrligkaiten gottes ... auszusprechen, zu loben und zu erhöhen Schwenckfeldt
v. d. werken Christi A z
b;
vgl. unmundikeit zu erfullung aller guten werck
b. geistlicher gnaden (1503) 88
a; u., so zu lieben Rückert 1, 417; diesem armen unmündigen wercklein Moscherosch
insomnis cura 8
ndr.; so lange ihme der beutel noch etwas u. ware Lindenborn
Diogenes 2, 156; den offenbaren verstand und die klaren worte der h. schrift unmündig und aus weisz schwarz machen Claudius 7, 169 (
vgl. altschwed. omyndogher
ungültig).
veraltet. 22)
mentis non compos, mnd. '
unvernünftig, unzurechnungsfähig'; Woeste
westfäl. 281
a; Wander 4, 1466.
schriftsprachlich veraltet. in neueren beispielen nach 3
gewendet: qui vere sunt unmundig, tol, alber, simpel Luther 17
1, 40, 20
W.; ein gar unmündliche sach Heroldt
adel w. geschlechts a 3
b; indem er ... etliche unmündige ubern tölpel geworffen
Harnisch a. Fleckenland 37.
nach 3 b
umbiegend: mein unmündig geschwätz Bettine
briefe 2, 154; Frenssen
Jörn Uhl 370; Hebbel I 11, 41.
nach Matth. 11, 25 (ich preise dich vater ... das du solchs den weisen und klugen verborgen hast und hast es den unmündigen offenbaret.
dazu Luther
bei Zedler 49, 1897) D.
F. Strausz 3, 257
u. o.; nach Matth. 18, 3: Seiler fuhr fort für unmündige u. zu werden Herder 5, 269;
nach Matth. 21, 16: Voss
antisymb. 4 (
vgl. 3, 4). 33)
gth. v. mündig
in seiner nhd. hauptbedeutung. 3@aa)
mit bezug auf die rechtsverhältnisse. J. Grimm
rechtsalt. 1, 567
ff. vgl. unjährig,
minderjährig, minorenn. pupille, ein mündel, unmündiger Kinderling 321.
zur sache s. die rechtsgeschichte: Kilian v. E. sambt seines unmündigen bruders
weisth. 6, 42; den unmündigen und unvogtbarn kindern
Nürnberg. reform. 233
a; Schmeller 1, 1623; Hohberg
georg. 1, 47.
statutenb. 29
a; 62
a; Minerophilus 679; E.
th. A. Hoffmann 6, 12; Bernhardt
waldeigenthum 1, 15. Graf-Dietherr 172, 180; unmündiger kan kein bürg werden Ayrer
processus reg. X x x 4
b. Thomasius
gedancken (1720) 2, 197;
sub tutela esse in den unmündigen jahren seyn
nomenclator Hamb. (1634) 461; A. Gryphius
trauersp. 475
P.; das unmündig alter Schönsleder O o 1
b; Göthe 48, 97
W.; wie infantia u. impubertas, infans u. impubes werden unmündig (
bis zur pubertät)
u. minderjährig (
von da bis zur volljährigkeit)
geschieden: unmündig kind, das noch under siben jaren ist Golius (1585) 81; indem ich nemlich noch minderjährig, ja fast u. Birken
Pegnitzschäferei (1645) 15; Göthe 36, 304
W.; preusz. landr. 1, 1, 25
ff.; Weigand
syn. 2, 390.
heute ziehen wir i. a. (noch) nicht mündig
vor. ein blödsinniger bleibt zeit lebens u.; ein verschwender wird für u. erklärt (entmündigt) Sanders
syn. (1882) 472;
im weiteren sinne: der könig betrage sich bubenhaft und verdiene u. erklärt zu werden Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 370. 3@bb)
ohne rücksicht auf rechtsverhältnisse. 3@b@aα)
mit bezug auf das alter und darin begründete unentwickeltheit, unreife, hilflosigkeit, unerfahrenheit, haltlosigkeit u. dgl.; oft an 2
grenzend: da die seuglinge und unmündigen auff den gassen ... verschmachten
Jerem. 2, 11; vier unmündige würmer Weichmann
Niedersachsen 1, 211; da kam seine verwittwete stiefmutter mit vier unmündigen, ohne geld Herder 23, 546; unmündge greise Schubart
gedichte 1, 233; Stifter 3, 17; des käysers unmündige jugend Schupp
schriften 528.
von thieren Tieck 19, 155; G. Keller 5, 187. 3@b@bβ)
ohne altersvorstellung mit ähnlichem begriffsinhalt wie α: herr Jesu, wir sind unmündisch (
vgl. 1, 3 a
und mnd. mundelôs
ohne schutz), ach rede du uns das wort bei deinem vater Herberger
trawrbinden 6, 66; Schönaich
neol. wb. 360, 15
K.; politisch u. Wieland
Agathon 2, 134; ich u. zum glück (
vgl. 1) J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 287; dem ewig-unmündigen (
publicum) vormünder setzen Herder 17, 306; geistig u. H. v. Kleist 5, 42, Immermann 5, 139, am geiste Knigge
umgang 2, 67, hierin Nicolai
literaturbriefe 5, 35, wissenschaftlich u. Scherer
kl. schr. 1, 29
u. s. w.; unmündige und bärtige studenten Göthe IV 31, 236
W.; deine wuth macht dich unmündig Lenz 1, 37
Tieck (
vgl. 2); mich unmündgen sohn Apollens Mörike 1, 28; macht ihr euch denn nicht um jeden preis u.? G. Hauptmann
einsame menschen 60. Pansner
schimpfwb. 73
b. ihre unmündige (
unreife) muse
literaturbriefe 11 (1761) 108; mein unmündig glück A. W. Schlegel
Shakesp. 5, 205; als noch das denken in mir u. war Bräker 2, 161; den noch unmündigen zustand der kunst Meyer
gesch. d. bild. künste 1, 41.
mit unverblaszter altersvorstellung: milch für unmündige philosophen Nicolai
Nothanker 1, 13; jeder gelehrter unmündiger säugling Triller
betrachtungen 1, 581; Raabe
Horacker 196. 3@b@gγ)
nach sp. 26, 3: Eichendorff 2, 438. 44)
mit anlehnung an mund
1. 4@aa)
wie bei mündig (
ende),
oft doppelsinnig (
vgl. 2, 3):
Matth. 21, 16 (
dafür unredenden Luther 63, 238
Irmischer)
; mutus stumm, unredbar, u., unredend Schöpper c 6
b;
nescius fari Maaler, Plantijn; unmündige creaturen (
die natur) Parac. 1, 362 A; gott u. machen Luther 28, 25, 7
W. s. th. 6, 1791 i,
vgl. Lessing
th. 6, 2688, kindtheyt Franck
mor. enc. 24, 22
Götzinger; in verbindung mit 2: Luther 23, 685, 11
W.; unfähig zu reden, von einem fürsprecher Staub-Tobler 4, 323;
vgl. übermündig. im geiste hab ich schon viele unmündige gespräche mit diesem merkwürdigen manne gepflogen Bräker 2, 177; unmündige scham (
infans pudor) Voss
Horaz sat. 1, 6, 57.
wortspielend: unmündiger mund Göthe 5, 69
W.; unmündig alter hat nicht mund im rath Müllner 3, 184. 4@bb)
astomus: mit denen astomis oder ohnmündigen leuten Happel
relationes curiosae 2, 82
a;
vgl. ohnmund; un-
sive ohnmund
inoris, inorus Stieler 1307.
veraltet. —