unmächtig,
adj. adv. ,
gth. v. mächtig.
g. unmahteigs;
an. úmáttigr (
neben úmeginn,
isl. úmagi),
altschwed. omäktogher,
dän. vanmægtig,
schwed. vanmäktig;
ags. unmeahtig, -mehtig, -mihtig (
neben unmaga);
ahd. unmahtig (
neben unmag),
as. afries. unmachtig;
mhd. unmehtic, unmahtic (
neben unmaht Lexer 2, 1911;
vgl.ohnmächt neben ohnmächtig, unkräft
neben unkräftig
u. dgl.; unmahtlich Lexer
a. a. o.)
; mnd. unmechtich;
mnl. onmachtich (
neben onmacht, -machte),
nl. onmachtig.
umlautlos unmachtig
noch Verantius
dict. (1595) f 4
a und mundartlich, z. b. Loritza 136.
adv. unmächtiglich Keisersberg
pred. 149
b, Hulsius - Ravellus, Wiederhold, unmächtigklichen
Fortunatus 125
ndr., beides veraltet. das verhältnis zu ohnmächtig (
s. d.; Stieler
und Kramer
setzen sie gleich, in der einbändigen Schiller
-ausgabe 162, 302, 308
findet sich u.
für ohnmächtig 3, 84; 5
2, 421. 449
G.; 13, 435
hat die hs. A ohnmächtige
für unmächtige)
ist dasselbe wie das von unmacht (
s. d.)
zu ohnmacht.
vgl.a-, am-, anmächtig, machtlos; ungewaltig, unkräftig. 11) mächtig 1
entsprechend. a)
wie unmacht 1 a: alle glider sein kranck und unmechtig Luther 10
3, 399, 4
W.; vgl. nit machtig Schöpf 408; der beste fechter .. wurde dadurch u. Laube 1, 57; physisch u.
jahrb. der Grillparzerges. 3, 164; der jüngere (
sohn des Laokoon) strebt u. Göthe 47, 112
W.; Holtei
erz. schr. 1, 4; dein unmächtiger arm Tieck 4, 187; das alter, das unmächtige Schiller 13, 435 (
Turandot 4, 1).
impotent gesta Rom. 116
Keller; Lohenstein
Ibrahim h 5
a;
mnd. wb. 5, 64
b;
castratus Diefenbach
n. gl. 78
b;
celebs 32
b;
vgl. ohnmächtig 2
ende; veraltet. b)
wie unmacht 1 b, ohnmächtig 1: darnach ... ward sy u., das ist, das ir geschwand Keisersberg
spinnerin a 5
a; dem Simplicio darüber u. wird
Simpl. 5
Kögel; ich ward u. bey der botschaft Schiller 2, 168 (
räuber 4, 5); u. niedersinken J. P. Hebel 2, 199, 2
B.; wie u. ... lehnte sie gegen die herdmauer Storm 15, 104.
sonst ist schriftsprachlich hier ohnmächtig
durchgedrungen (
die mundart, z. b. Loritza [1847] 136,
hält es fest). 22) mächtig 2 d
entsprechend: wie u. erscheint das schiff ... in diesen massen Stifter 14, 25. 33)
wie mächtig 4
von stimme und ton: unmächtige stimme Uhland
ged. (1864) 162; psalmen, die in einem unmächtigen amen und halleluja erstarben Schubart
leben 1, 266; das unmächtige rauschen des Bingerlochs J. Weitzel
br. v. Rhein 164; u. verhallen Gutzkow 6, 9. 44)
wie mächtig 5: seinen unmächtigen grimm
disc. d. mahlern 2, 3; drohungen
samml. v. schausp. 6, 48; hasz Göthe 44
2, 349, 13
W.; kunst (
gs. allmächtige natur) Tieck
Sternb. wand. 1, 5; thränen Chamisso 4, 95; das soll ist das unmächtige musz Gutzkow 5, 144; er versuchte es, seinen zorn zurückzuhalten, weil er wuszte, wie u. er war 6, 316. 55) mächtig 6
entsprechend von personen oder persönlich vorgestelltem: der unmächtigen weiber Haller
Usong 21; der empörten zeiten unmächtiger, bangender sohn Chamisso 3, 298; gespenst Mörike 3, 57;
adv. Storm 4, 33;
subst. Hölderlin 2, 232, 467. vorhin prächtig, jetzt u. Binder 155. 66)
gth. v. mächtig 8,
vielfach an 4
rührend: die ersten liquores ... unmechtig und unkrefftig sind Parac.
chir. 745
B.; von wurzeln und kräutern Grassaeus
kl. bauer 203; und ist (
die feuersqual) gegen dem geiste als stumm, tod oder u. J. Böhme 4, 18; es (
des lebens urstand, das centrum) ist eine dürre, unmächtige stätte worden 4, 91; glieder (
der sprache) Zesen
rosenmand 176; bemühungen Sonnenfels 3, 38; gewalt Fouqué
held d. nord. 1, 19; begriffe
F. H. Jacobi 6, 200; widerspruch Gutzkow 5, 138; 12, 84; war nun auch ... dieser furchtbar angelegte aufruhr wunderbar schnell u. geworden Laube 2, 49.
rechtlich (Richthofen 1105
a,
mnl. wb. 5, 809, 1 c,
mnd. wb. 5, 64
b): kraftlos, u. und ewig todt J. Grimm
rechtsalt. 1, 24; so dasz derselbe richter das urtheil aus klage und antwort mechtig oder unmechtig möge sprechen
M. C. Schütz 4, g g 4
a;
allgemeiner: woverr nun die vorgemeldt bedeuter alle unmächtig, verhindert oder verunglückt sein werden Pegius
geburtstundenb. f f 4
a;
veraltet. 77)
gth. v. mächtig 9,
mit näheren bestimmungen. im genitiv: so ist er gantz unmechtig mein Auerswald
ringerkunst c 2
a; sein selbs unmechtig
lehnsurk. Schles. 2, 581 (1407);
mnl. wb. 5, 810, 3; dise frow ... ist ir selbs unmechtig
N. v. Wyle
transl. 66, 7
K.; Solger
nachg. schr. 1, 35; ich .. wurde meiner selbst je mehr und mehr unmächtiger A. U. v. Braunschweig
Oct. 2, 1197; den seiner sonst unmächtigen O. Ludwig 5, 185; seiner arm unmechtig E. W. Frisius
de furoribus gallicis d 1
a; der hat kein lust zu frewd und wollust, der ihrer müd und unmächtig ist (
vgl. 1 a
ende) Lehman
floril. 2, 922; u. der vernunft Ayrenhoff 2, 62; ihrer fünf sinne u. Holtei
erz. schr. 5, 194; der altnordischen sprache u. J. Grimm
kl. schr. 4, 91; der ruderführung u. Holtei
erz. schr. 26, 189; des worts nicht u.
Münchner allgem. ztg. 114, 585;
häufiger nicht mächtig.
rechtlich: das er des heuptgeldes unmechtigk ist (
kein verfügungsrecht darüber besitzt)
stadtr. v. Eisenach 31;
veraltet. mit präpositionen: zu dienst unmechtig Zobel
lehenrecht 22
a (
veraltet); wider diese versuchung u.
vern. tadl. 1, 57; gegen so viele hände u. Stifter 3, 24.
mit inf. und zu: wie ein schelm (
leichnam) hat weder entpfindlichkeit noch bewegung, er ist unmechtig zu wirken sin werck, die im zuogehOeren Keisersberg
bilger 12
d; Grimmelshausen 4, 867, 26
Keller; u. zu reden oder eine nerve zu rühren Wieland I 3, 79; Holtei
erz. schr. 18, 55. 88) mächtig 10
entsprechend: das der mensch so klein ist und so unmechtig
ew. w. betbüchlin (1518) 152
b; Zinkgref
apophth. (1628) 88; Schubart
ged. 1, 21;
von gott, göttern, götzen, heiligen, teufel u. s. w. B. v. Chiemsee 263; J. Grimm
myth. 1, 5; Dannhawer
catechism. 1, 96; Nas 1, 138
a; Prätorius
Blockesb. verr. 121;
vom gewissen Goltwurm
bedeutungen d. 1.
b. Moysi 203
b. unmechtig vor den menschen
b. d. geistl. gnaden (1503) 20
a.
politisch u. gesellschaftlich: warum aber kann aus ... unmächtigen gliedern ein mächtiger staat zusammengesetzt werden? Mendelssohn 2, 201; kaiser, anhang
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 144; 5, 18; dein freund, sei er auch noch so u., hätte dir .. dienlich sein können R. Wagner 1, 134;
adv. Herder 18, 458; O. Ludwig 1, 104;
subst. R. Wagner 9, 324. 99)
in ä. spr. zügellos, impotens =
nimis potens, vehemens (
mnl. wb. 5, 810, 4;
frifolis ahd. gl. 4, 309, 12; unmächtigkeit
distemperantia): hochfertige menschen unmechtigs gemütes
N. v. Wyle
transl. 343, 11
K.; das der gnante von S. ... in (
seinen bruder) losze uud unmechtig hilte Cammermeister
chron. 23.
auch delirus Diefenbach
n. gl. 129
b; demens, excors
mlat.-hd.-böhm. wb. 91, 113;
amens gl. 29
c;
mnl. auch blödsinnig. vielleicht steigernd: was aber diesem gram einen unversöhnlichen stachel verlieh, das war der unmächtige hasz gegen den ungestraften treulosen Mörike 2
6, 286 (
Lucie Gelmeroth).
vgl. ohnmächtige schmerzen
der Göttinger umgangsspr.; unmächtig (
sehr, überaus) grosz Fischer
schwäb. wb. 6, 201. 1010) '
unmöglich' (
vgl. mhd. unmaht, unmahtlich,
das g., an., ags., mnl. adj.): dieselbige (
hauptstadt) mit gewalt einzunehmen vor u. gehalten würde Grimmelshausen 4, 867, 26
Keller. veraltet. —