ungeschmack(t),
adj. adv. ,
gth. v. geschmack,
dessen formen zu vergleichen sind (ungeschmacke bücher Schweickhart zu Helfenstein
Bas. 614; das ungeschmagest ding Keisersberg
narrensch. 12
b; das letst gebet ist eben als ungeschmack oder etwann ungeschmackter weder das erst
irrig schaf 18, ungeschmeckt scharpff ... sind die samen Bock
kreutterb. 1 xxx i y,
vgl. mhd. ungesmecket; ungeschmacket Ryff
confectb. 111
b; Adelung
verwarf das schlieszende t).
ahd. ungasmach
ahd. gl. 2, 229, 27;
mhd. ungesmac;
mnl. ongesmaect
wb. 5, 685; Schmeller 2, 541; Fischer 3, 480; Crecelius 845.
schriftsprachlich im 18.
jh. veraltend, von Heynatz
antib. 2, 521
zu gunsten von geschmacklos
verworfen, von Campe
nur noch als landschaftlich aufgeführt; '
das wort u.
hat etwas ungelenkiges und möchte daher wohl nicht in die jetzige hd. spr. zurückkehren' Krünitz 196 (1848), 299;
dennoch entbehrt es nicht des eigenwerthes und deckt sich mit schmacklos, geschmacklos, unschmackhaft, abgeschmackt, abschmeckig, abschmeckend
nicht völlig. vgl. auszerdem überschmack, wohl-, gut-, feingeschmack, ungeschmackhaft, ungeschmackig, -lich, -voll.
für fade Campe
verd. (1813) 310
b nach Heynatz. 11)
wie mhd. übelriechend: ein ungeschmackter sauerlechter geruch Thurneisser
prob. d. harnen 8; geschmack
m. alch. 2, 76; mund Lehman 2, 734. 22)
wie mhd. unschmackhaft, kraftlos: suppen Keisersberg
bilger 16
b; Crecelius
oberh. 845; mit thränen musz ich mischen den ungeschmacken trank Fleming 1, 10 (I 5, 23),
dafür var. ungeschmackten; Treuer
Däd. 1, 246; gewisse speisen zu essen, und all die andern ungeschmackt zu finden
disc. d. mahlern 2, 142; Triller
betr. 4, 420; dasz die nennung ihrer nahmen diese vor uns stehende goldblühende butter ungeschmack und abgeschmackt machen könne Tieck
g. n. (1835) 7, 28. drumb will er, das seine apostel nicht ein thumb oder verlegen oder vermodert oder ungeschmack saltz sein Mathesius
Sar. 179
b; Harsdörffer
secr. 1, lii v
a.
keinen appetit, keine lust oder ekel erregend, zuwider: schlaff, speisz und tranck mir ungschmack ist Sachs 7, 213, 27
K.; personen ... welche biszweilen ihre zungen so verwehnet haben, dasz sie an kalck, kreyde, kohlen und andern ungeschmackten dingen eine ergötzlichkeit finden
vern. tadl. 1, 34; Fr. der thet eschen in das muosz, das es im ungeschmack wer Keisersberg
ev. (1515), 207
d.
ekel empfindend, mit störung der geschmacksempfindung verbunden: ist der mund fieberig und ungeschmack, so ist jm wol das honig bitter Franck
sprüchw. (1541) 2, 181
b; Wirsung
artznb. 40 a. 33)
übertragen a)
wählerisch, urtheilslos, schlechten geschmack zeigend: ungeschmacke welt, zu klein hast du meinen guten wein geehrt Rückert 5, 164. b)
widerwärtig, leidig, unangenehm (
wie mhd).
zur übertragung: die edele warheit ein ungeschmackte artzney bey allen mänschen Moscherosch
g. 1, 687 (1650); seelenspeise H. Müller
erquickst. 163. darumb so wil ich eingeen zu den haiden, in der mund ich ietz bin pitter und ungesmach (
insipidus)
off. d. h. Brig. 1, 57; wie es bischoff und pfaffen so ain ungschmack krut wird sein, das .. A. Blaurer
briefw. 2, 750; desz daucht dich ungschmach und unbillig Sachs 10, 399
K.; denn so künstlich und schönes die verderbten prediger zu machen suchten, so ungeschmackt und verdrieszlich war es denen armen seelen Arnold
ketzerhist. 2, 117
b; wie ungeschmackt kommen mir alle freuden dieser welt vor!
n. schausp. (1771) 8, 1, 1, 16. c)
an abgeschmackt
absurdus, ungereimt 2 a
γ heranreichend, doch diesen in ihrer unsinnlichkeit nicht gleich, vielmehr regelmäszig mit ursprünglichem bezug auf die sinnesempfindung ohne würze, salz, dann werth, eigenart, kunst, bedeutung u. dgl. (die gantz welt faul worden und ungeschmackt
M. Bucer
bericht h 4
a; gleich wie aber eine ungeschmackte würtze in gemein überzuckert und belieblicher gemacht wird ..., also habe ich dahin getrachtet, wie ich etwan meinen ungeschmackten liedern eine liebligkeit durch die music anstreichen könte Schirmer
singende rosen 1; dieweil dein mund mein ungeschmacktes küssen hat künstlich zu versüszen wissen Hoffmannswaldau
getr. schäf. 41; Breitinger
dichtk. 1, 6; ein ungeschmacktes laues mittelding Stilling 3, 91).
von personen: salsitudo illi non inest, ein ungschmackter mensch Franck
sprüchw. (1541) 2, 98
a;
Garg. 58
ndr.; pöfel C. Dietz
annales 72; ein ungeschickter und ungeschmackter geifferer Comenius
janua 272;
insulsus, fatuus, insipidus ... ein ungeschmackter, ungeschmaltzener mensch Aler 2, 2086
a; Trissin und Tasso schienen alt, ganz kraftlos, ungeschmackt und kalt Gottsched
n. ged. 9; dieser kleine mann schien freilich denjenigen, die nicht ganz seine zuckersüszen empfindungen nachempfinden konnten, etwas ungeschmackt Nicolai
Noth. 1, 190.
von sächlichem: Keisersberg
irrig schaf 18
s. oben; wirdt es uns nit ungeschmach oder törecht geduncken?
M. Müller v. Westendorff (1541) a 3
b; unkräfftige, ungeschmackte, lehre wort Zinkgref
ap. a 5; grob und ungeschmach reden Nas
antip. 4, 91
b;
adv. insulse Reyher; schertz, so etwas ungeschmacktes mit sich führet Olearius
rosenth. 1, 35; eines ungeschmackten pur-diatonischen clavieres Heinichen
generalb. 85; wodurch solche bildung frostig und ungeschmack zu erscheinen pfleget Winckelmann 3, 125; immer dasselbe ... wird endlich ungeschmackt und kühl Wieland 21, 39; und die natur ist ungeschmack, ist leer an lust für ihn Zachariä
hinterl. schr. 13; ungeschmackte nachahmungen Nicolai
reise 4, 571; postillengeschwätz
Noth. 2, 272; Kölle
aufz. e. nachgeb. prinzen 68; so muszten ihm (
Lichtenberg) dagegen die älteren (
productionen) zu nüchtern und ungeschmackt seyn
bl. f. liter. unterhaltung 1846, 882, 2. —
dazu ungeschmackheit, f. vapiditas, insipiditas. gemma gem. d 1
a; Adelung. ungeschmacktheit Kramer-Moerbeek.
unüblich. —