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ungebühr

nhd. bis GWB · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungebühr f.

Bd. 24, Sp. 630
ungebühr, f. (n.); nicht späte rückbildung aus ungebührlich (ob. sp. 7), sondern mit gebühr (s. th. 4, 1, 1, 1882) alte zusammenhänge theilend. davon zeugen unburt Götze frühnhd. gl. 123a, das erneuerte ungebürde Rückert 2, 261, das vollere ungebüre M. Beuther 1589 vorr. 2b, Lenau 209. das neutr.: ein ungebür uben Guarinonius 205; Albertinus Luc. 4, 23 neudr.; Lehman flor. 1, 155; zum ungebühr ertappet Göchhausen not. 323; Sanders erg. 122c. unbür Handel-Mazzetti Stephan. Schwertner 151, 175. der von Adelung geleugnete seltene plur.: mit ungebühren Gries ras. Rol. 4, 20; freud' an ungebühren Rückert 5, 217; Herwegh ged. e. leb. 164; Dahlmann n. 2, 41, 6. vgl. ungebührlichkeiten. zur beurtheilung aller formerscheinungen s das grundwort. vgl. ungebührlichkeit, ungebührnis. von der sprachkritik des 18. jhs. miszachtet. 'die ungebühr wird im hd. nur noch in der redensart zur ungebühr, d. i. mit unrecht, gebraucht' Heynatz antib. 2, 320. 11) gegentheil von gebühr 2 c, zahlung, die zu empfangen einem nicht zusteht: ersatz einer empfangenen ungebühr v. Alten handb. 3, 416. auch lästige abgabe Staub-Tobler (1619) 4, 14. 1531. vgl.ungelt. nicht häufig. 22) gegentheil von gebühr 3, was einem sittlich oder rechtlich, nach recht und billigkeit nicht zukommt. syn.: unfug, unbill, unfuhr. das neuere sprachgefühl mischt oft sich gebühren ein: ist kein sünd oder ungebür so grosz, drinn nicht der teuffel führ Kirchhof wend. 2, 233; wer nicht so gros die ungebür, dis buch käm nicht herfür Fischart reveille 73, 3 Kurz; je mehr die buben sauffen, je mehr sie unlust und ungebür mit schlagen und rauffen unter sich anrichten werden Schütz Preuszen 1, B 2a. von verfehlung durch worte (vgl. ungebührlich in den weistümern): einst mit rauher ungebühre sprach ihm eines was zu leid Lenau 209; allgemeiner ungebühr vor gericht: personen, welche sich in der sitzung einer u. schuldig machen gerichtsverf. ges. § 179; Judith ... zu verhoffter u. verleiten Harsdörffer secr. 2, 22 wie Schiller 14, 297, 550 (zu frecher u. miszbrauchen Tell 1, 4); milde für zoterei Heine 3, 233; Gerhard ak. abh. 2, 319; feindes schreiben in kriegsläuften aufzufangen, ist keine u. Buchholtz Herk. vorr. vii; schmach: zu sondern jhrem ruhme oder verweiszlicher ungebüre M. Beuther 1589 vorr. 2b; Abele unordn. 4, 251; beleidigung Zend. a Zendoriis 684; ihm (dem starrköpfigen, der unrecht hat, aber es nicht einsehen will) seine u. in den busen treiben Hohberg 1, 33; u. oder unrecht Henrici 1, 13; die u. rächen Pfeffel 8, 44; eine u. begehen, begehren, einer u. beschuldigen Kramer, Adelung; dumpf brüllten sie, als hätten sie gefühl der ungebühr Schiller 14, 295 (Tell 1, 4); thätliche Meyr a. d. Ries 3, 374; parlamentarische Roon denkw. 2, 239; scheinbare (verunglimpfung) Pückler briefw. 3, 316; durch gräuliche ungebühren (beeinträchtigungen) der deutschen kaufleute Dahlmann n. 2, 41, 6; gegenüber der u. der armeen François Reckenburg. 1, 171. schwächer und äuszerlicher: abstellung einzelner ungebühr Varnhagen tageb. 1, 152; hiedurch (durch seine behauptung) begeht er u. Schopenhauer briefe 414; zu rasches fahren Auerbach 12, 4. kommt mehr der zustand oder die beurtheilung als der inhalt der handlung in frage, so ziehen wir heute ungebührlichkeit vor; doch auch das bezeichnet ungebühr: der sachen u. vorstellen Adelung. wie beim grundwort ist der gesichtspunkt der schicklichkeit, sitte, wohlanständigkeit, des sich gebührens (vgl. 3) von dem der sittlichkeit und des rechtes nicht immer zu trennen. alterthümelnd: also zu steuern solchen ungebühren Herwegh ged. e. leb. 164. 33) gegentheil von gebühr 4: kein ungebühr soll dich von mir, mein trautstes kind, betrüben Neumark fortgepfl. lustw. 391; dem herausgeber seine u. mündlich oder schriftlich verweisen Göthe IV 27, 185 Weim.; bitte sie ... wegen aller meiner u. um verzeihung Bismarck br. a. s. braut 175. wie unfug veräuszerlicht und auf 2 zurückweisend: im wirthshaus leidet man alle erdenckliche u. Abr. a St. Clara etwas f. alle 1, 623; ein haufen vermummter ... hat heut in den gassen u. geübt Freytag 11, 21; 1, 151. ungebühr der zeit der umstand, dasz die zeit eigentlich sich nicht gebührt, nicht paszt Brentano 6, 260. für ungebührlichkeit Gutzkow 12, 399. wortspielerisch die gebühr der u. Bastel v. d. Sohle 15. 44) reichliche präpos. verbindungen (vgl.gebühr 5) bestätigen und runden die unter 2 und 3 entwickelten bedeutungen ab. bes. zur ungebühr; schmählich: damit der feind durch diese mittl dir nicht vorehr ein plotzen kittl, noch etwa sonst zur ungebür dich in ein gros betrübnis führ Ringwaldt lauter warheit 72. im engern sinne von der verletzung der weibesehre: fremder weibes-personen zur ungebühr begehret Opel-Cohn 301; Abr. a St. Clara Jud. 3, 272; vgl. 2 und in u. begehren, stehen. widerrechtlich: mein kleid, so er mir zur u. arrestiret Schweinichen 121; zur u. (ungebührlich) gescholten Corvini fons 253; ob er schon .. mit solchem ehren-titul z. u. beleget wird Hahn staatshist. 1, 242; so er in seinem geheege zum u. (bei widerrechtlicher that) ertappet Göchhausen not. 323; zölle ... zur u. entstanden Alexis Woldemar 3, 205. unrichtig: wiewol man aus eben den zeitungen, jedoch zur u., erfaren zeit.-lust 24; Wieland 5, 179 Hempel; nhd. mengen wir beide thauen z. u. J. Grimm kl. schr. 3, 126. unbilligerweise Opitz (1690) 1, 74. unverdient: z. u. vergessen E. Th. A. Hoffmann 4, 91. unschicklich Voss ged. 6, 174. verunglimpfender, höhnender unfug wird gemeint: da wird ... von gedungenen buben unter den fenstern des fürsten z. u. victoria geschossen Görres 3, 345. während alle diese verwendungen heute ziemlich unüblich geworden sind, erhält sich bis zur u. (z. u.) in der bed. ungebührlich, in ungebührlichem übermasz, unverhältnismäszig: du schmähst zur ungebühr Lessing 1, 188, 32; er wird z. u. nicht strenge sein Rabener 3, 153 (beides würden wir nicht mehr sagen können); zur höchsten u. Heilmann pel. krieg 90; bewegt, geängstigt und zerrüttet seit drei jahrhunderten sind alle völker z. u. Arndt 2, 147; vielleicht dasz die .. sinnesart .. diesen hang ... bis z. u. nährte und steigerte Schreyvogel 1, 2, 15; dasz ihr schnabel ... sich .. zuweilen z. u. biegen mag, ist nicht unwahrscheinlich Naumann vögel 7, 538; so würden wir die grenzen dieses artikels bis zur u. überschreiten Nitzsch d. stud. 74. veraltet in u.: ihr (eines weibes) in u. zu begehren Hartmann fluchsp. 167; mit welchem sie in u. zuhielte A. U. von Braunschweig Oct. 1, 558. alterthümelnd: von eines herzogs wegen, mit dem sollte sie in u. stehen Grimm sagen 2, 98; in u. kleiden Prätorius anthrop. 1, 284. mit: dasz sie nicht fiel mit ungebür griech. dram. 1, 221 Dähnhardt; mit grober ungebühr Zesen rosentahl 96; doch sie betrug sich gegen ihn mit .. ungebühren Gries ras. Rol. 4, 20; und wieder rüttelt an der thür der hauch der glut mit ungebühr Keller 9, 246. ohne: und dasz er könnt' auf allen wegen streichen, für seine hohe würd' ohn' ungebühr Gries ras. Rol. 1, 224. —
7069 Zeichen · 226 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungebühr

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Ungebühr , plur. car. der Gegensatz von Gebühr, doch nur, so fern dieses Wort im weitesten Verstande ehedem alles be…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ungebühr

    Goethe-Wörterbuch

    Ungebühr [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungebuehr

6 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungebuehr

un- + gebuehr

ungebuehr leitet sich vom Lemma gebuehr ab mit Präfix un-.

ungebuehr‑ als Erstglied (6 von 6)

ungebührend

DWB

ungebuehr·end

ungebührend , part.-adj. adv. , gegentheil von gebührend ( th. 4, 1, 1, 1896). wie dieses allgemein gebührlich zurückdrängte, trat umgekehrt…

ungebührlich

DWB

ungebuehr·lich

ungebührlich , adj. adv. spätmhd. ungebürlich. wie in der mundart bürlich neben gebürlich ( Staub-Tobler 4, 1532 ), stehen in älterer zeit f…

ungebührlichkeit

DWB

ungebuehrlich·keit

ungebührlichkeit , f. , gegentheil von gebührlichkeit, in den bed. des adj. ungebührlich, abstract und concret. mnl. ongeboorlijcheit. ungeb…

ungebührnis

DWB

ungebuehr·nis

ungebührnis , f. ( n. ), gegentheil von gebührnis th. 4, 1, 1, 1899. Sanders erg. 122 c. für das n., das von Adelung , Campe, Sanders verzei…