unerfahren,
part.-adj. adv. ,
gegentheil von erfahren.
mhd. unervarn;
mnl. nl. onervaren;
dän. uerfaren;
schwed. oerfaren; Staub - Tobler 1, 896;
lux. 314
a.
mit eingeschobenem d: unerfarender Murner
bei Hutten 5, 433; Braunschweig
chir. (1539) 13
b u. ö.; unerfahrendste Tieck
nov. kr. 2, 220. 11)
passiv und meist noch ohne spur der adjectivierung erscheint unervarn
im mhd. für unertappt, unbescholten, indiscussus, unaufgelöst Lexer 2, 1825.
lange erhalten, wenn auch heute veraltet, hat sich die bed. unbekannt, noch nicht erfahren: wort einer geberenden, die den unerfarnen schmertzen von erst enpfyndt
Ter. (1499) 109
a; von zukünftigen unerfarnen sachen Luther (1556) 5, 506
b; fürwitz unerfarens lusts Eberlin v. Günzburg 1, 25
neudr.; eine grosze unerfahrne kälte Schweinichen 504; die störche wo sie herkommen .. ist noch bis auf diesen tag unerfahren Prätorius
winterfl. 22; ich schwatze .. von unerfahrnen sachen Günther 600; Staub-Tobler
a. a. o. unerprobt, unbewährt: dort leret die gewisz erfarung, hie leren die unerfarene, ungewisse wort Luther 6, 261; nichts bleibt unerfahren Paracelsus 2, 416; unerfaren ding
chir. 224
A; ein unendliches .. von uns unversucht, unerfahren Herder 22, 232.
in neueren beispielen klingt bed. 2
mit: diese unerfahrne tugend Lessing 2, 351, 10; meine unerfahrene philosophie Keller 1, 290.
vereinzelt bleibt sinnlich ursprüngliches unerfaren
unwegsam Tschudi
bei Staub-Tobler 1, 896. 22)
activ, und zwar 2@aa)
in älterer zeit auch noch mit bezug auf den einzelnen fall; ohne sich durch untersuchung vergewissert zu haben: wo richter oder oberkeit so schnell und gech ein urteil geit unerfahren und unverhört Sachs 8, 130, 12
K.; vgl.erfahren
th. 3, 790 6
und 5 c; gantz unerfahrn
ohne irgend etwas erfahren zu haben Ringwald
ev. E 3
a; seine (
des steinbocks) sprüng sind den unerfarnen (
wer sie noch nicht gesehen hat) kaum gläublich Stumpf 609
a. 2@bb)
verallgemeinert ist aber auch schon mhd., wie der für unerfahrenheit
gegebene beleg des 14.
jhs. erkennen läszt, unerfahren
in der heute üblichen bedeutung inexpertus, imperitus bekannt. man fühlt noch die herkunft: ungewanderte und unerfarne Hayneccius
H. Pfriem 3
neudr.; die andern all unwissend, unerfarn, ungelert
[] (gewesen sint)
N. v. Wyle
tr. 214, 19
K.; unerfaren regenten Luther 6, 72
Weim.; ein son ... grob, ungeniet und unerfaren Sachs 9, 506, 7
K.; in irer blüenden unerfarenen iugent Eberlin v. Günzburg 1, 24
neudr.; einen unerfahrenen stimpler Hohberg 1, 96; das unerfahrne herz Cronegk 2, 79; das unerfahrne aber reizende bild Herder 1, 7; der unerfahrenste jüngling Nicolai
litbr. 5, 66; ziegen Immermann 2, 67; glieder Heine 1, 241; je unerfahrner er ... entgegentrat O. Jahn
Moz. 2, 32; das u. wort gottes Raabe
hungerp. 2, 12.
mit näherer best.; gen.: und wer des orden regel unerfaren Luther 10, 3, 347, 11
Weim.; gott ist dieser sachen nicht unerfahren Abr. a St. Clara
etwas f. alle 2, 74; man konnte .. des kriegswesens nicht unerfahrner seyn, als ich es war Wieland
Ag. 1, 340; andrer künste unerfahren Grimm
sag. 2, 182.
veraltet. sonst durchweg mit präpos. in, bei (gegenüber, mit): ynn geistlichen sachen unerfaren Luther 26, 334
Weim.; im rechnen nicht ganz u. Göthe 21, 236, 24
Weim.; er ist noch sehr u. besonders mit fremden III 1, 92
Weim. vereinzelt mit inf. oder abh. satz: unerfaren zu erkennen Sebiz 45; weil viele unerfahren seyn, was hurerey, was ehe sey Zinzendorf
ged. 56. —