unachtbar,
adj. adv. ,
mhd. unachtbære,
gegentheil von achtbar;
mnl. onachtbaer Verdam 395
a;
mnl. wb. 5, 202;
nl. onachtbaar
nl. wb. 10, 899.
das mnd. bevorzugt unachtlik Schiller-Lübben 5, 14
b.
oberdeutsches p
erscheint in der schreibung achtpar;
nachklang der mhd. umgelauteten form ist achtper;
im superlativ erhält sich alemannisch suffixales i: achtbarist;
durch ekthlipsis fällt t: unachbar (Xylander) Wilmanns 1, § 158; Weinhold
mhd. gr. § 193;
al. gr. 138;
Luzerner form únàΧpęr Staub-Tobler 1, 81;
vilis .. vnachtbar Schöpper eiijc; unachtbar
humilis, obscurus, inhonorus Schönsleder (1647) A 8
b; unachtbar
v. verächtlich, gering Kramer (1678) 1146
a.
literarisch lebt das wort bis ins 18.
jh. Dentzler (1716) 321
b; Steinbach 1, 5; Frisch 1, 8
c; Adelung
und Heynatz
bekämpfen es: 'unachtbar
und unachtbarkeit
zwey im hd. ungewöhnliche wörter, welche von einigen als gegensätze von achtbar
und achtbarkeit
gebraucht werden' Adelung 4, 829; Heynatz 2, 510.
mundartlich noch heute entwickelt Staub-Tobler 1, 81,
deutsche mundarten 6, 402
und von J. v. Müller
gebraucht. Campe
verzeichnet unachtbar
ohne jede einschränkende bezeichnung als adj. und adv. 5, 119
a: '
nicht achtbar, keine achtung verdienend'.
heute zieht man in der schriftsprache andere wörter vor und sagt etwa nur noch von nicht unachtbaren eltern, nicht unachtbarer herkunft
u. dgl. 11)
die hauptbedeutung ist passivisch: gering, unscheinbar, wenig schätzbar, unangesehen, unansehnlich, unwerth, werthlos, verachtet Staub-Tobler 2.
synonym werden gebraucht: schlecht, schnöde, nider, gewöhnlich, klein, gering, thöricht, verworfen
u. dgl.; nitsOellig, losz, vnschetzlich Schöpper. 1@aa)
von personen: in prädicativen verbindungen: wie wol er vor wære pleich und unahtpære Heinrich von Neustadt
von Gottes zukunft 3416; wann dise menschen seind diemtig vnd inwendig, vnd ausswendig klain vnd vnachtbar Tauler
sermones (1508) XXVI C b; das alles wider
die natur ist, das sich selbs ein mensch soll dermassen vnachtbar halten Paracelsus
op. 2, 356;
attributiv: wer puochin lab tregt, maint, das er ain unachtpern puolen hab und den nur behelt für müssig gan, bis er es gepessern mag Hätzlerin 171; ein unachtbar oder schlechter mensch Stainhöwel
Esopus 102; vnd ist daʒ von schnöden nidern vnd vnachtbaren vättern vnd mütern ettwenn süne vnd kind geboren werden grosser eeren wert Niclas von Wyle
translationen 305, 35; wrde ich billich vor einen vnachtbaren ritter gescholten
Aymont (1535) d I b; jetzt ist es ein armes vnachtbares volck, von jedermann verlassen Seb. Franck
chronicon 302
b; gleicher mas auch müessen sich doch etlich veracht und unachtpar völker erheben Aventin 4, 58, 16; auch der sohn (
Christus) vnachtbar leut zu seinen aposteln erwehlt Paracelsus
op. 1, 366; unachtbar und achtbar
formelhaft für alle; s. un III C 3,
sp. 26: wie Gott durch mancherlei vOelcker, vnachtbar vnd achtbar, viel gewürckt hat 1, 366. 1@bb)
von thieren und sachen, prädicativ: daʒ die wînreben sô gar unachtbære sind Berthold von Regensburg 49, 19; die sach mag sin zimlich, vnzimlich, zweyformig, vnachtbar oder wundersam Riederer
rhetoric a VI
a; es seind auch vor zeiten gewesen etliche lAender, die .. gar onachtbar worden seind Münster
cosm. XLV; mancher hoffertiger narr .., wenn er zu einem wercke durchausz nicht geschicket noch tauglich ist .., so helt er es alsdenn für sehr schlecht und unachtbahr Rist
rettungen (1642) D 8
a.
attributiv: vnser furwitzigkeit teg lichen würt angefochten ... in vil vnachtbaren cleinen torechten dingen Geiler von Keisersberg
passion (1514) 54
c; der do umb eyn sölche snöde vnachtbare war gibt so grosz edle gter
bilger 53
a; gar vndter vil vnachtbar stain leyt hy der schOen smaragd allain Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 129; die kleinen vnachtbaren fisch Gesner (1563) 3, 1; die vnachtbaren vnd vnedlen vOegel 2, 3; ein cleine unachtbare gaab Frey
gartengesellschaft 4, 31; das ein vnachtbarer bach ... vom regen oder schneewasser gemehrt wirdt Xylander
Polybius 224; das sie das gerähte und die geringen unachtbarn rossz dahinden lieszen Forberger (1574) 263
a; doraus man clerlich vermerkt, wie aus cleinen unachtbarn funken und etwan aus schlechten geringen lichtbutzen grosse merkliche feur entbrinnen Fries
Würzb. chronik 339
a; an einem vnachtbaren ort .. geboren
humili loco natus Stumpf
Schwytzerchron. 14
b; das unachtbare Europa bewegt nur hierdurch die welt J. v. Müller
bei Sanders 1, 8
c. 1@cc)
von abstracten begriffen: vnd dartzuo sol dein leben also vnachtbar werden tzuo ainer affenhait vnd torhait Tauler
sermones (1508) cxciiii
b; vnd von ringer vnachtbarer vrsachen bluotet inen die nasz, der kyfel, zanfleisch oder kynnback Gersdorff
wundarzney lxxiiii. 1
a; ein schlAechte creatur von gantz vnachtbarer natur Manuel
weinspiel 2931; vnd weil jr gleich mit wolthat vmb mein gering vnachtbar freundschafft geworben habt Seb. Franck
sprüchwörter (1545) 1, 1. 22)
activisch: fahrlässig,
synonym mit hinlässig,
wie achtlos Staub-Tobler 1, 81. 1
b: darbei kan man auch abnemen, dass die wste vnd Oede des landts mehr des hinlessigen vnachtparen volcks schuld ist gewesen dann desz lands Seb. Franck
chronicon 3
b.
heute schweiz. '
unachtsam auf das eigene äuszere, nachlässig, unrein lich im anzuge'
deutsche mundarten 6, 402. 33)
das adv. kommt im sinne von tölpelhaft vor: darumb wirt es verspott vnnd verlacht, dann sie gehnd lAeppisch, nAerrisch vnnd vnachtbar heraus Paracelsus
op. 2, 178
c.
vgl. die heutige schweiz. ma. '
rücksichtslos gegen andere, grob, unwirsch, ungeschlacht, tölpelhaft' Staub-Tobler 1, 81. 1
a. 44)
superlativ: den aller unachtbarsten nemen Pauli
schimpf und ernst 463; Galmy ... nit der unachtbarest was Wickram 1, 31, 22; das pflugeysen von dem vnachtbaristen (
eisen) gemacht wirdt vnd mit dem schlechtisten fleisz Paracelsus
op. 2, 256
c; da etwan der vnachtbarest wstest esel die kOestlichsten maulthier erzeuget Gesner (1563) 495; so muoss sie ohne alle zweyfel nit die vnachtbarist .. gewesst seyn Stumpf
Schwytzerchronik 481
b; (
es wird erfordert, dasz der poet) auch den gewöhnlichsten und unachtbarsten wahrheiten und umständen einen .. verwundersamen glantz beyzulegen wisse Breitinger
critische dichtkunst 1, 295. 55)
substantivierung: darumb demttiget euch alle oberen zuo hOeren vmb gottes willen die weiszheit gottes von den kleinen vnachtbaren von der welt, welchen der geist gottes geben ist '
ex eis, qui a mundo contemnuntur'
oder '
contempti sunt' H. v. Cronberg 98. —