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unachtbar

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unachtbar adj. adv.

Bd. 24, Sp. 96
unachtbar, adj. adv. , mhd. unachtbære, gegentheil von achtbar; mnl. onachtbaer Verdam 395a; mnl. wb. 5, 202; nl. onachtbaar nl. wb. 10, 899. das mnd. bevorzugt unachtlik Schiller-Lübben 5, 14b. oberdeutsches p erscheint in der schreibung achtpar; nachklang der mhd. umgelauteten form ist achtper; im superlativ erhält sich alemannisch suffixales i: achtbarist; durch ekthlipsis fällt t: unachbar (Xylander) Wilmanns 1, § 158; Weinhold mhd. gr. § 193; al. gr. 138; Luzerner form únàΧpęr Staub-Tobler 1, 81; vilis .. vnachtbar Schöpper eiijc; unachtbar humilis, obscurus, inhonorus Schönsleder (1647) A 8b; unachtbar v. verächtlich, gering Kramer (1678) 1146a. literarisch lebt das wort bis ins 18. jh. Dentzler (1716) 321b; Steinbach 1, 5; Frisch 1, 8c; Adelung und Heynatz bekämpfen es: 'unachtbar und unachtbarkeit zwey im hd. ungewöhnliche wörter, welche von einigen als gegensätze von achtbar und achtbarkeit gebraucht werden' Adelung 4, 829; Heynatz 2, 510. mundartlich noch heute entwickelt Staub-Tobler 1, 81, deutsche mundarten 6, 402 und von J. v. Müller gebraucht. Campe verzeichnet unachtbar ohne jede einschränkende bezeichnung als adj. und adv. 5, 119a: 'nicht achtbar, keine achtung verdienend'. heute zieht man in der schriftsprache andere wörter vor und sagt etwa nur noch von nicht unachtbaren eltern, nicht unachtbarer herkunft u. dgl. 11) die hauptbedeutung ist passivisch: gering, unscheinbar, wenig schätzbar, unangesehen, unansehnlich, unwerth, werthlos, verachtet Staub-Tobler 2. synonym werden gebraucht: schlecht, schnöde, nider, gewöhnlich, klein, gering, thöricht, verworfen u. dgl.; nitsOellig, losz, vnschetzlich Schöpper. 1@aa) von personen: in prädicativen verbindungen: wie wol er vor wære pleich und unahtpære Heinrich von Neustadt von Gottes zukunft 3416; wann dise menschen seind diemtig vnd inwendig, vnd ausswendig klain vnd vnachtbar Tauler sermones (1508) XXVI C b; das alles wider die natur ist, das sich selbs ein mensch soll dermassen vnachtbar halten Paracelsus op. 2, 356; attributiv: wer puochin lab tregt, maint, das er ain unachtpern puolen hab und den nur behelt für müssig gan, bis er es gepessern mag Hätzlerin 171; ein unachtbar oder schlechter mensch Stainhöwel Esopus 102; vnd ist daʒ von schnöden nidern vnd vnachtbaren vättern vnd mütern ettwenn süne vnd kind geboren werden grosser eeren wert Niclas von Wyle translationen 305, 35; wrde ich billich vor einen vnachtbaren ritter gescholten Aymont (1535) d I b; jetzt ist es ein armes vnachtbares volck, von jedermann verlassen Seb. Franck chronicon 302b; gleicher mas auch müessen sich doch etlich veracht und unachtpar völker erheben Aventin 4, 58, 16; auch der sohn (Christus) vnachtbar leut zu seinen aposteln erwehlt Paracelsus op. 1, 366; unachtbar und achtbar formelhaft für alle; s. un III C 3, sp. 26: wie Gott durch mancherlei vOelcker, vnachtbar vnd achtbar, viel gewürckt hat 1, 366. 1@bb) von thieren und sachen, prädicativ: daʒ die wînreben sô gar unachtbære sind Berthold von Regensburg 49, 19; die sach mag sin zimlich, vnzimlich, zweyformig, vnachtbar oder wundersam Riederer rhetoric a VIa; es seind auch vor zeiten gewesen etliche lAender, die .. gar onachtbar worden seind Münster cosm. XLV; mancher hoffertiger narr .., wenn er zu einem wercke durchausz nicht geschicket noch tauglich ist .., so helt er es alsdenn für sehr schlecht und unachtbahr Rist rettungen (1642) D 8a. attributiv: vnser furwitzigkeit teg lichen würt angefochten ... in vil vnachtbaren cleinen torechten dingen Geiler von Keisersberg passion (1514) 54c; der do umb eyn sölche snöde vnachtbare war gibt so grosz edle gter bilger 53a; gar vndter vil vnachtbar stain leyt hy der schOen smaragd allain Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 129; die kleinen vnachtbaren fisch Gesner (1563) 3, 1; die vnachtbaren vnd vnedlen vOegel 2, 3; ein cleine unachtbare gaab Frey gartengesellschaft 4, 31; das ein vnachtbarer bach ... vom regen oder schneewasser gemehrt wirdt Xylander Polybius 224; das sie das gerähte und die geringen unachtbarn rossz dahinden lieszen Forberger (1574) 263a; doraus man clerlich vermerkt, wie aus cleinen unachtbarn funken und etwan aus schlechten geringen lichtbutzen grosse merkliche feur entbrinnen Fries Würzb. chronik 339a; an einem vnachtbaren ort .. geboren humili loco natus Stumpf Schwytzerchron. 14b; das unachtbare Europa bewegt nur hierdurch die welt J. v. Müller bei Sanders 1, 8c. 1@cc) von abstracten begriffen: vnd dartzuo sol dein leben also vnachtbar werden tzuo ainer affenhait vnd torhait Tauler sermones (1508) cxciiiib; vnd von ringer vnachtbarer vrsachen bluotet inen die nasz, der kyfel, zanfleisch oder kynnback Gersdorff wundarzney lxxiiii. 1a; ein schlAechte creatur von gantz vnachtbarer natur Manuel weinspiel 2931; vnd weil jr gleich mit wolthat vmb mein gering vnachtbar freundschafft geworben habt Seb. Franck sprüchwörter (1545) 1, 1. 22) activisch: fahrlässig, synonym mit hinlässig, wie achtlos Staub-Tobler 1, 81. 1b: darbei kan man auch abnemen, dass die wste vnd Oede des landts mehr des hinlessigen vnachtparen volcks schuld ist gewesen dann desz lands Seb. Franck chronicon 3b. heute schweiz. 'unachtsam auf das eigene äuszere, nachlässig, unrein lich im anzuge' deutsche mundarten 6, 402. 33) das adv. kommt im sinne von tölpelhaft vor: darumb wirt es verspott vnnd verlacht, dann sie gehnd lAeppisch, nAerrisch vnnd vnachtbar heraus Paracelsus op. 2, 178c. vgl. die heutige schweiz. ma. 'rücksichtslos gegen andere, grob, unwirsch, ungeschlacht, tölpelhaft' Staub-Tobler 1, 81. 1a. 44) superlativ: den aller unachtbarsten nemen Pauli schimpf und ernst 463; Galmy ... nit der unachtbarest was Wickram 1, 31, 22; das pflugeysen von dem vnachtbaristen (eisen) gemacht wirdt vnd mit dem schlechtisten fleisz Paracelsus op. 2, 256c; da etwan der vnachtbarest wstest esel die kOestlichsten maulthier erzeuget Gesner (1563) 495; so muoss sie ohne alle zweyfel nit die vnachtbarist .. gewesst seyn Stumpf Schwytzerchronik 481b; (es wird erfordert, dasz der poet) auch den gewöhnlichsten und unachtbarsten wahrheiten und umständen einen .. verwundersamen glantz beyzulegen wisse Breitinger critische dichtkunst 1, 295. 55) substantivierung: darumb demttiget euch alle oberen zuo hOeren vmb gottes willen die weiszheit gottes von den kleinen vnachtbaren von der welt, welchen der geist gottes geben ist 'ex eis, qui a mundo contemnuntur' oder 'contempti sunt' H. v. Cronberg 98. —
6540 Zeichen · 92 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unachtbar

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unachtbar und

  2. modern
    Dialekt
    unachtbar

    Schweizerisches Idiotikon

    unachtbar Band 1, Spalte 81 unachtbar 1,81

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unachtbar

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unachtbar 3 Analysen

un- + achtbar

unachtbar leitet sich vom Lemma achtbar ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+acht+-bar unacht+-bar

unachtbar‑ als Erstglied (4 von 4)

unachtbarhêⁱt

MNWB

unachtbar·heit

° unachtbarhêⁱt , f. : Missachtung, „ Ffurder leth syne gnade seggen, dat syner gnaden breve mit unachtbarheyt unde vorsmahinge worden entfa…

unachtbarhēt

KöblerMnd

unachtbarhēt , F. nhd. Missachtung Q.: Schl-H.-L.-UB. 4, 287 E.: s. un... (1), achtbarhēt W.: s. nhd. Unachtbarkeit, F., Unachtbarkeit, DW 2…

unachtbarkeit

DWB

unachtbar·keit

unachtbarkeit , f. , gegentheil von achtbarkeit, das im gegensatz zu unserm wort trotz Adelung 1, 152 noch nicht so ganz veraltet ist. im üb…

unachtbarlich

DWB

unachtbar·lich

unachtbarlich , adj. adv. , mit lich zusammengesetztes unachtbar Wilmanns gr. 2, 481 , gegentheil des mhd. ahtbærlîche Lexer 1, 30 ; nachtra…