umstechen,
vb. 11)
trennbar. 1@aa)
mit der waffe um sich stechen: der riess wil in (
Siegfried, den der zwerg durch die nebelkappe unsichtbar gemacht hat) erstechen, kan in aber nit sehen, sticht umb H. Sachs 13, 356
G. — 1@bb) jem., eine sache umstechen
stechend zu boden werfen: auch ward die statpir (
geht auf den fichtenzapfen im Augsburger stadtwappen) an ainem stechen umbgestochen auff dem fronhoff, die wolt der vicari nimmer auffrichten lan (1438)
städtechron. 4, 323; umbgestochen, was auffrecht gestanden J. H. Meichszner
handbüchlin (1541) 10
a; do gieng es an ein striten unde an ein stechen sere, sie teten guote were ... do sprach Kunz Zolnäre, es läge hart und swäre, sie häten sie nach umbgestochen (1616)
histor. volkslieder 1, 187
Liliencron; bildlich: wie woll ich nicht der erste bin, der solchs sagt, sondern yn yhren schulen schreybt Card. Camera selbs ... warumb sticht nicht könig Heyntz den selben umb und leugt so offenbarlich, das ich alleyn das sage? Luther 10, 2, 246
W. — 1@cc)
so viel wie '
umgraben': eh das er (
der platz) umbgestochen oder umbgehackt und zu eynem platz für die junge setzlingen zugericht werde Sebiz
feldbau (1579) 312; will man einen neuen saffrangarten zurichten, soll man jetzt (
im märz) zu dungen anfangen, umstechen und bettlein machen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 112; der (
pfarrer) in seinem garten mit dem spaten ein blumenbeet umstach P. Rosegger
schr. I 12, 25; (
die schippe) dient zum umstechen und lockern des bodens Schönermark-Stüber
hochbaulex. (1902) 789; omstecha
die erde umbrechen Tobler
appenzell. 351
a;
dazu omstechschufla
grabscheit ebda; den garten umstechen
umgraben Martin-Lienhart
elsäss. 2, 572
a. — 1@dd)
einen haufen durch stechen umwenden, umschaufeln, umsetzen: von dem haverwender: (
er) schall den (
hafer) wenden unde ummesteken (1408)
bei Leibniz
scriptores rerum Brunsvicensium (1707) 3, 469; maltz ... mit umbstechen und fortarbeiten zu rechter zeit wohl in acht genommen (1625)
Neumarkter rechtsbuch 322; musz er auf dem kornboden alles fein rüstig halten und, so offt es nöthig, umstechen, stürtzen oder wenden
schles. wirthschafftsbuch (1712) 2; so musz man auch noch die misthauffen ... umrühren und umstechen, als wolte man sie durchgraben lassen, damit der mist desto besser verfaule Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 2, 19
b; der handel ist zugleich die schaufel, welche das gehäufte gold wie das getreide umsticht Hamann
schr. (1821) 1, 16; unter öfterem umstechen wurde das haufwerk (
kupfererz unter einwirkung schwefligsaurer dämpfe) drei wochen lang ausgelaugt Muspratt
chemie 1, 811;
dialektisch, vom aufgespeicherten getreide, s. Frischbier preusz. 2, 421
a; Schambach
Göttingen 241
b;
s. auch: emsteche Jensen
nordfries. 96;
bei einer breiartigen masse mehr wie '
umrühren': (
man sumpft den ton) ein, wobei man ... durch wiederholtes umstechen eine ... gute mischung zu erzielen sucht Karmarsch-Heeren 9, 362. — 1@ee) etwas umstechen
im sinne von '
es aufsuchen': stich den naschmarckt umb Scherffer
Grobianer (1640) 269;
vgl.umstoszen A 2
d. — 1@ff)
beim kupferstich, nochmals, anders stechen: dasz sie es ist, sieht man aus ihrem namen ..., der in unserer copie aus einem zu spät bemerkten versehen nicht umgestochen worden ist und also nur im spiegel richtig erscheint Lichtenberg
hogarth. kupferstiche (1794) 3, 175; herr Lavater müszte sich des mannes schämen und entweder dessen silhouette umstechen oder den text dazu umdrucken lassen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 3, 556. 22)
untrennbar. 2@aa)
um —
herum graben: den pfirrsichsteyn solt ... pflantzen und vergraben, darnach umbhauen oder umbstechen Sebiz
feldbau (1579) 346. — 2@bb)
etwas ringsum benähen (
s. auch bestechen 1): eine verbindbinde umstechen
trapentare l'orlo o l'estremo di una benda Kramer 2 (1702) 922
c; brüstgen ... seynd kurtze ... oberleiber mit ermeln ... sie seynd entweder mit lätzgen ... oder platt mit oder ohne spitzen umstochen Amaranthes
frauenzimmerlex. 270; in die ausgeleerten fächer (
hatte ich) rechenpfennige geschoben und mit seide von gleicher farbe sie umstochen O. Opitz
merkwürd. nachrichten (1752) 2, 44.