umschleichen,
vb. 11)
trennbar, langsam kreisen: si (
die steine) zugen abent und morgen orolei mit mit listen so verborgen, kunst der richen daz oug nie kunde erkiesen ir umbeslichen, und giengen doch ir zirkelzeichen schone
jüng. Titurel 356;
schon früh übertragen '
umschweife machen': waz touc langez ummesleichen? H. v. Hesler
apokalypse 16 550
Helm. untätig herumbummeln: vermeynet die gwaltigen reichen, so in dem müssiggang umbschleichen und führen ein unnützes leben H. Sachs 16, 437
G.; ihr (
jünger) solt studiren, predigen ... und nicht wie die welt ledigen, spatziren und umbschleichen Ringwaldt
evangelia d 4
b;
fast wie '
sich damit abgeben': die mit bösen practick umbschleichen, den bösen leid ich bey mir nicht H. Sachs 18, 391
G.; gewöhnlich vom lauernden herumschleichen des feindes: als der slange slichet al umbe und güsset sin vergift Tauler
predigten 282
Vetter; dasz er sich stelens gar nicht schembt, dieblich umbschlich, frembds guts gerembt Schade
satiren u. pasquille 1, 124; wie ein löw alle augenblick umbschleicht und sucht, wen er verschlick H. Sachs 6, 202
K.; die wächter sind ... desz sathanas engel, die allezeit listig umbschleichen und auff die gläubigen acht haben D. Sudermann
geistreiche lehren (1622) 20
b; ists doch erschrecklich, in welcherlei gestalt alles der böse feind umschleicht, um die armen menschen zu fangen Alexis
Roland von Berlin (1840) 3, 134; wenn dieser mensch noch lange umschleicht um mein haus und hof P. Rosegger
schr. I 15, 156;
daher auch: von wegen der umbschleichenden manicheischen ketzerei S. Franck
chronica zeytbuch (1531) 278
a; die (
plage) da im finstern und bey tag verderbet und umbschleichet Ringwaldt
handbüchlein B 12
a; erbsünd wird in heiliger schrifft beschrieben als ein tödlich gifft, ein böse lust, unreine seuch, so ins menschen natur umbschleich G. Stör
geistl. schimpff und ernst (1602) 21; als das perfide Judaswort umschlich: Deutschland will keine eroberungen Kürnberger
siegelringe (1874) 153. 22)
untrennbar, um etwas herum schleichen. 2@aa) die sonne umschleicht ... die gantze erde
il sole gira insensibilmente ... tutta la terra Kramer 2 (1702) 568
a: er umschlich bey tag und nacht diese kloster mauren
Reinicke fuchs (1650) 42; was herr Schorn wie die kaze den heiszen brei umschleichend beschnuppert hat Voss
antisymb. (1824) 2, 340; bald darauf stahl ich mich aus der thür und umschlich leise und behutsam mein haus Hebbel
w. 8, 193
Werner; ein jäger, der ein längst umschlichenes wild verfolgt Holtei
erzähl. schr. 1, 188; der gauner, nachdem er ihn drei tage lang umschlichen und beobachtet Justi
Winckelmann 2, 2, 433;
der uneigentliche gebrauch geht sehr weit: schnel sie (
Maria) der gottlich glancz umbschlich H. Folz
meisterlieder 79, 36
Mayer; er band eben die ranken des weinstockes auf, der in viele arme getheilet das ganze haus umschlich Sonnenfels
ges. schr. (1784) 4, 236; eine entzükende fahrt, besonders wenn der goldne abendduft die schöne Rigi umschleicht J. H. Meyer
mahlerische reise (1793) 5; was mir die saiten umschleicht, ists wehmuth? grafen Stolberg
ges. w. (1820) 2, 265. 2@bb)
schleichend einer sache aus dem wege gehen: ich war so glücklich, die schildwachten zu umschleichen
neue schauspiele (1771) 1, 5;
übertragen '
umgehen, meiden': mit murren befolgen sie sie (
die verordnungen) oder suchen sie zu umschleichen G. Merkel
die Letten (1797) 74; wer mit hündischem sinn das recht verschweiget, der umschleicht mit dem unrecht bald auch das recht E.
M. Arndt
schr. für und an s. l. Deutschen (1845) 1, 255; alle späteren philosophen ... sie (
die ernste bedenklichkeit) lieber fein leise umschlichen haben, als wäre sie nicht vorhanden Schopenhauer
w. 3, 446
Gris.; wobei er die gesetze nur insofern berücksichtigte, als sie ihm nützten, im falle des gegenteils aber sie zu umschleichen suchte Pichler
gesch. aus Tirol 1, 51.