uhrwerk,
selten uhrenwerk (Stumpf
Schweizerchron. 229
b),
n. 1)
stundenmesser, synonym mit uhr 2,
doch nur von automatischen räderuhren, nicht von sonnen-, sanduhren u. ä. gebraucht: horologium Diefenbach
gloss. 280
b; Hulsius-Ravellus (1616) 363
a; Kramer
dict. (1702) 2, 1189
b; 1361
a; '
die uhren, so durch eigene bewegung die stunden anzeigen, werden eigentlich uhrwercke
genannt'
haushalt. lex. (1728) 981;
Noel Chomel 8, 2189. a) uhrwerck in einem thurn,
clockwork Ludwig
teutschengl. lex. (1716) 2205; er liesze ... im thurn des fürstlichen palasts ain ... uberausz schönes u. machen Dreyfelder
hist. desz hauses Est (1580) 190; D. Federman
Niderlands beschr. (1580) 140; Fischart
glückh. schiff 26
ndr.; Garg. 274
ndr.; das alte u. im thurm ... schnurrte und surrte, und wenn es eine stunde anschlug, dröhnte es ... Auerbach
schr. 14, 18; G. Keller 5, 31; 2, 180. b)
standuhr, taschenuhr: der könig aus Persia sande dem keiser ... ein horologium (oder uhrwerck) von messeng
M. Dreszer
sächs. chron. (1596) 50; welcher (
saal) mit allerhand muschlen, bildern, spiegeln, uhrwerken ... ausgezieret war Harsdörfer
gesprächsp. (1641—49) 5, 312; Prätorius
glückstopf (1669) 275;
Karl I (
auf dem schafot): nehmt ihr, weil auf der welt ich nichts mehr geben kan, disz kettlin, Thomlisson, disz uhrwerck, Hacker, an! Gryphius
trauersp. 466
P. da ein sichres gefühl noch treu, wie am uhrwerk der zeiger, auf das wahrhaftige nur, nur auf das ewige wies Schiller 11, 69
G. verengt für das räderwerk der uhr, im gegensatz zum zifferblatt, zeiger, eventuell dem pendel: ein zeiger, von der bewegung des uhrwercks umbgetrieben Harsdörfer
gesprächsp. (1641—49) 2, 21; Nicolai
reise (1788) 1, 279; Muspratt (1896) 5, 668. 2)
in weiterer verwendung für automat: automatum Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 318
a; Hederich (1729) 2393; Steinbach (1734) 2, 978; hydraulica, das seind u., so mit wasser gericht und getrieben werden Rivius
Vitruvius (1575) 607; A. v. Humboldt
kosmos (1845) 2, 452; drumb sie (
die Deutschen) auch vieler sinreicher wercker erste erfinder sindt, als der trückerei, geschütz ... compassen und allerlei uhrwercken
M. Quad
enchiridion cosmogr. (1604) 61; welcher (
künstler) eine wiege, so durch u. getrieben würde, machen solle
alamod. technol. interim (1675) 96; A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 872; welcher (
walfisch) vermittelst eines uhrwercks fort für fort den rachen aufsperrte Lohenstein
Arminius 2, 434
a; ein u. ..., welches nach ablauf der bestimmten zeit funken schlagen und ... das schiff in brand stecken konnte Schiller 9, 56
G.; E. Th. A. Hoffmann 14, 152
Gr.; Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 135; sie haben etwas von den mechanischen figuren, die, so lange das u. in ihrem innern geht, erstaunenswerte bewegungen machen O. Ludwig
ges. schr. (1891/92) 5, 350. 3)
wie uhr (
s. o. 2
e)
häufig zum vergleich dienend und sodann auch in bildlicher verwendung. a) sintemal die feldarbeyt wie eyn urwerck im gang gehen musz Sebiz
feldbau (1579) 559; (
die weibernärrischen priester sind) wie die uhrwerke: wie sie die weiber richten, so gehen sie
d. wohlgeplagte priester (1695) 165; das mechanisch-philosophische system behauptet, dasz das ganze weltall nach ... unveränderlichen gesetzen so wie ein u. regiert werde Jung-Stilling
s. schr. (1835—37) 6, 388; W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 48; meine chöre sind aufs schönste eingerichtet, das geht wie ein u. Zelter
an Göthe 5, 136; mit dem gleichmasz eines uhrwerks ohne hast und rast T. Kröger
eine stille welt 150; Fontane I 6, 170; unaufhaltsam wie ein u. lief sie (
Mignon) ihren weg Göthe 21, 183
W.; (
menschen) gleichen uhrwerken, welche aufgezogen werden und gehen Schopenhauer 1, 416
Gr. b) last uns ... das u. des leibes der menschen und thiere gleichsam zergliedern und inwendig hineinschauen Ch. Thomasius
einl. z. d. vernunftlehre (1691) 98; allem ansehen nach bist du heut nit recht aufgeraumt. aus dem zeiger des gesichts schliesze ich leicht, dasz dein inwendiges u. musz verruckt seyn Abr. a
s. Clara 19, 180;
mercks Wien (1680) 26; er hielte dafür, die götter hätten das hertz in den menschlichen leib zu einem u. gesetzt Lohenstein
Arminius 1, 139
a; wenn die seele sich vom leibe absondern will und das u. unsers cörpers in seiner bewegung aufhört v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 4 § 13. das u. der organe ... verstehen Ramler
einl. in d. sch. wiss. (1758) 2, 7; dieser freie ... geist ist in das starre unwandelbare u. eines sterblichen körpersgeflochten Schiller 4, 36
G.; u. der sinne,
u. ä. für mechanismus: der derbe rausch, den du mir beigebracht, bestellet (=
bringt zum stehen) mir das uhrwerk meiner sinnen P. Fleming
dtsche ged. 1, 463
L.; J. G. Albini
trauriger cypressenkrantz (1650) A 2
a; Angelus Silesius
cherub. wandersm. 1, 189; H. A. v. Ziegler
in dtsch. nat. lit. 36, 339, 70; schlaf, schlaf, es wachet doch das uhrwerck im gehirne H. v. Hoffmannswaldau
u. s. w. ged. (1697—1727) 2, 108; der ordentliche bau, das uhrwerk deiner glieder streckt wie ein cedernbaum den wohlgesetzten leib Günther
nachlese (1742) 174; wenn schnell das uhrwerk stockt, das in ihm (
d. menschen) denkt und fühlet Lessing 1, 258
M.; 1, 240; wer kann dem uhrwerk traun, das uns im herzen pikt? Göckingk 1, 248; das primum mobile, so das u. meiner seelen treibt Gottsched
dtsch. schaubühne (1741
ff.) 3, 310; und so hilft thierische empfindung das innere u. des geists, wenn ich so sagen darf, in den gang bringen Schiller 1, 152
G.; neugefundene räder in dem unbegreiflichen u. der seele 3, 530; Wieland I 1, 66
ak. ausg.; das uhrwerk meiner seele war aus dem tact gewichen Hebbel
w. 5, 10
W.; das u. seines verstandes ist aufgezogen Gutzkow
ges. w. (1872
ff.) 7, 200. c) kommen sie (
Göthe) nur bald, damit das u. der gesellschaft wieder in ordnung kommt C. Herder im
Göthejahrb. 8, 31; morgens ..., wenn noch das rege u. des geschäftigen lebens mit allen seinen gewichten stillstand H. v. Chézy
erzähl. u. nov. (1822) 2, 49; das u. der haushaltung geht und schlägt vortrefflich, wie du es aufgezogen Jean Paul
briefw. 325
N.; es war in ihr ein ... talent, das u. des hauses im regelmäszigsten gange zu erhalten Immermann 18, 141
B.; das rostige u. eines kleinen deutschen hofes Thümmel
reise 7, 92; Eichendorf
s. w. (1864) 2, 144; beweistümer, dasz das eiserne u. der gerechtigkeit noch aufgezogen war und seinen dienst that G. Keller 8, 324; u. der natur, der welt
u. ä.: weil ... die leute die räder, so zu sagen, in dem u. der natur anschauen und in denselben eine gewisse nothwendigkeit antreffen, vergessen sie des werckmeisters Chr. Weise 3
hauptverderber (1673) 47; menschlichkeit und weiszheit, die hier das u. des staates in bewegung sezen Schubart
br. 1, 86; Schiller 1, 189
G.; 9, 159
G.; das herrlich ineinandergefügte u. des staats Jean Paul
w. 32, 27
Hempel; die welt ... ist ein groszmächtiges u. Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711), 673; diese gewichte ... treiben das lebende u. der welt Herder 7, 100
S.; das u. unsrer himmels- u. erdkräfte 13, 424
S.; Göthe IV 5, 57
W.; der gang der jahreszeiten ist ein u., wo ein guckguck ruft, wenn es frühling ist Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 378; nichts kommt uns unerwartet, weil wir voraus den gang des groszen uhrwerks (
sc. der natur) wissen Novalis
schr. 4, 18
M.; als gott vater auf den einfall kam, diesen spielball erde ... in das u. universum zu schleudern Alexis
ruhe u. s. w. (1852) 1, 165. 4)
als name einer turnübung, s. Fr. L. Jahn
w. 2, 50
E. —