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überwallen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überwallen v.

Bd. 23, Sp. 628
überwallen, v. II. überflieszen, zu wallen I (s. u. th. 13, sp. 1269). I@AA. in trennb. verbindung, die schon mhd. überwiegt (s. mhd. wb. 3, 470a; Lexer handwb. 2, 1678), intrans. I@A@11) überwallen, gar voll seyn, allenthalben überlauffen Frisius 1044a s. v. praescateo; Wiederhold (1669) 352a; Dentzler (1716) 2, 298b. I@A@1@aa) vom strömenden wasser gesagt: secht, wie die wolckenbrüch herfallen und die wassergüss überwallen Hans Sachs 11, 419 K.; viel sach ich der quellenden prunnen mit frischem wasser überwallen 4, 166; der grosze ocean ..., der ... alle strömungen in sich aufnimmt, nie aber überwallet sondern alles umfasset B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 182 F. R. Hermann an Tieck 1, 349 Holtei. I@A@1@bb) von den strömenden thränen, bzw. vom auge gesagt, s. mhd. wb. a. a. o., ferner Ottokar steir. chr. 83 728; Roon denkw. (1892) 1, 181; vil ougen uberwielen mit zäher haisz und clar U. Füetrer Seifried 90 P. vom blute: Lexer a. a. o. und Neidhardt Fuchs 3573 B. I@A@1@cc) vom kochenden wasser: ebulire Niger Abbas 1827; übersieden Kramer (1702) 2, 1242a; der topf wallet über ebenda; ho ho! schüret nun das feuer gut, lasst den hafen überwallen von fett G. Keller ges. w. 6, 93. sodann eine speise ü., aufkochen lassen, s. Kramer a. a. o. I@A@1@dd) in weiterer verwendung vom licht u. ä. gesagt: wohin soll ich dann (am jüngsten tag) mich schmiegen, wenn das licht hoch überwallt? Cl. Brentano 3, 91; vom üppigen wachsen der pflanzen: die kappen soll man beständig darauf behalten, bisz dasz die schosz überwallen schles. wirthschaftsb. (1712) 231. entsprechend dem lat. abundare: was (von weizenkörnern) in guten grund gefallen, lasse fruchtend überwallen Cl. Brentano 4, 154; vgl. auch Uhland ged. 1, 402. hierher die verwendung des part. für abundans: schaut doch, wie sinnig sie geht ... auf dem gekrümmeten pfade des überwallenden rockens J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 235; Bodmer wagt sogar die wendung überwallende hügel Noah (1752) 7; 40, worüber Schönaich ästhetik in einer nusz (1754) 229 spottet, der aber das verbum miszverständlich als trans. faszt. I@A@1@ee) von starken gefühlserregungen, in der neueren sprache allgemein (vgl.aufwallen): in ihrer ... rede scheint die innere gluth eines stark bewegten gemüthes überzuwallen J. Schreyvogel ges. schr. (1829) 2, 2, 301; sein zorn wallt über Nestroy ges. w. 6, 93; Immermann 2, 70 Boxb.; das herz wallt über: kein herz so roh, das nicht bei seinem falle auf einen augenblick von mitleid überwalle Wieland w. 23, 21 (Oberon 7, 27); J. D. Falk satiren (1800) 2, 175; von edlem stolze M. Beer s. w. (1835) 590; vor entzücken Tieck schr. 5, 207; eine ... seele, die niemal in leidenschaften überwallt Schiller 1, 171 G.; in der liebe taumel Hölderlin 1, 101 L. besonders im part. überwallend; von überwallendem bekümmernüss und hertzeleid Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 84; vor überwallendem grimme Bürger 234a B.; in überwallenden gefühlen Iffland theatr. w. (1827/8) 4, 62; voll überwallenden, heroischen lebens Hölderlin 2, 144 L.; voll tiefer ü. rührung Fouqué alts. bildersaal 4, 44; W. H. Riehl culturgesch. nov. 103; Laube ges. schr. 15, 357; warum fühl ich alsdann im überwallenden herzen neue gedanken Klopstock Messias 4, 791; mein überwallend herz vor gott ergieszen Schiller 13, 287 G.; mit überwallendem herzen J. H. Voss Odyssee 306 B.; Tieck schr. 20, 281. I@A@22) hinüberströmen: kaum zog Aurorens hand die feuchte schattenhülle vom horizont hinweg, als ihres (= Dido) busens fülle ins gleichgestimmte herz der schwester überwallt Schiller 6, 385 G.; 1, 318. I@BB. in untrennb. verbindung: I@B@11) intrans. in bedeutung A 1; mhd. von strömenden thränen und von blutender wunde gesagt, wie in trennb. verbindung. nhd. ist der intrans. gebrauch der untrennb. verbindung selten, z. b. in bedeutung A 1 e: es überwallt dein herz, wenn deine lippe preist A. v. Klein Athenor (1807) 139. I@B@22) trans. etwas ü., es in strömender bewegung überdecken. I@B@2@aa) die flut überwallte die giebel der häuser Hilpert 2, 648c; steinblöcke werden von den wellen umtanzt, umwühlt und auch überwallt Rosegger Alpensommer (1908) 2; sünderglöckel 293. von thränen: sie wirft sich auf die ... leiche, die ihrer zähren strömung überwallt Gries Ariosts ras. Roland (1804 ff.) 3, 31; I@B@2@bb) von lichterscheinungen, nebel, wolke u. ä.: ein strahlenhimmel ... überwallet ihn Jean Paul 3, 44; H. v. Chézy erzähl. u. nov. (1822) 1, 90; kein marmorbild glänzt mehr, vom opferduft der weihrauchwolke festlich überwallt Matthisson schr. 1, 168; Immermann 13, 91; (es) war schon der koog von tiefer dämmerung überwallt Storm w. (1899) 7, 225; mit nebeln überwallt Fr. v. Heyden d. wort der frau15 124. I@B@2@cc) in weiterer verwendung, wobei der begriff der bewegung etwas zurücktritt: die freie stirn von blonder locken fluth verschwendrisch überwallt Deinhardstein ges. dram. w. 4, 110; die brust ... vom langen bart überwallt Viebig d. schlaf. heer (1904) 1, 130; Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 122; W. H. Riehl gesch. v. Eisele u. Beisele (1848) 92. ungewöhnlich: betrug und tand überwallet das arme geschöpf von der wiege an Pestalozzi s. schr. 11, 88; das mit krieg überwallte land E. G. Happel hist. mod. Europae 367a. wallend überschweben: über überwallt er (der thronhimmel), wolkenkränze bildend, unsrer königin haupt Göthe 151, 206 W. (Faust 9172). I@B@2@dd) von blutwallungen, gefühlserregungen (meist mit dem nebensinn des plötzlichen, heftigen): schwindel und hitze überwallten mich Kürnberger nov. (1862) 3, 47; den brigadier überwallte der zorn Gutzkow ges. w. 4, 414; P. Heyse dramat. dicht. 29, 30; ein plötzlich weh Mörike w. 1, 33; G. Keller 3, 89; da überwallen mich wieder die gedanken an dich, so warm und schmerzlich süsz Lenau an S. Löwenthal 154 F. I@B@33) über etwas hinaus wallen, strömen: aus den schranken schwellen alle sennen, seine ufer überwallt das blut Schiller 1, 210 G. I@B@44) als forstwirthsch. term. von der narbenbildung bei bäumen, s. Ratzeburg waldverderbnisz (1866) 1, 43; els. reflex. sich überwallen, vernarben, s. Martin-Lienhart 2, 811. mit umlaut: das der järling ... wachs und bald die schnittwunden überwell (obducat) Österreicher Columella 1, 218. s. u. überwallung. I@CC. subst. inf.: das aufsteigen und überwallen der flüssigen lava A. v. Humboldt kosmos 4, 296; zärtliches überwallen der liebe Gutzkow zauberer v. Rom 9, 231; leidenschaftliches Scherer lit. gesch. 551. IIII. vorüberziehen, zu wallen II (s. u. th. 13, sp. 1287): wenn man bei der ruhigen betrachtung der zeit ... dies so vor sich überwallen läszt, ... E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. D. 1, 348. —
6725 Zeichen · 242 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    über wallen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    über wallen BMZ Gudr. Greg. Trist. Kindh.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überwallen

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Überwallen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, wallend überlaufen, über das gesetzte Ziel der Höhe wallen. 1. E…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überwallen

    Goethe-Wörterbuch

    überwallen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    überwallen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    überwalle n [ìwərwàlə Geberschw. ] wieder zusammenwachsen, verwachsen, bei einer Quetsch- oder Schnittwunde in der Baumr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberwallen

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Zerlegung von ueberwallen 2 Komponenten

ueber+wallen

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Cotta, M. (2026). „ueberwallen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ueberwallen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ueberwallen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ueberwallen/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ueberwallen". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ueberwallen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_ueberwallen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„ueberwallen"},
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