übertäuben,
v. ,
vereinzelt ohne umlaut: übertauben, übertaubt (
hist. volkslieder 4, 431
L.; B. Waldis
psalter 75
a). 11)
trans., durch geräusch taub machen, übertönen, sodann weiter (16.
u. 17.
jahrh.)
durch schreien jem. wozu zwingen, ihn überwinden. 1@aa)
aures obtundere Steinbach 2, 799; Heynatz
synon. 1, 535
a; dieweil aber mir diese widwe so viel mühe machet, will ich sie retten, auff das sie nicht zu letzt kome und überteube (
die ausgaben vor 1525: beteube) mich
Lucas 18, 5; Fischart
jesuiterhütlein v. 914; des richters ohr durch schreyn ü. Hoffmannswaldau
u. a. D. ged. 7, 244; J. E. Schlegel 1, 36; Hamann
schr. 4, 350
R.; Göthe 15
1, 224
W. in der sprache der gegenwart, die den gebrauch d. verbums auf b)
u. c)
einengt, obsolet geworden. 1@bb) ein geräusch übertäubt ein anderes: tosen des wassers, das alles übertäubte Stifter
s. w. 2, 250; (
die trommel ist dazu da,) das geschrei der verwundeten zu übertäuben Gutzkow
ges. werke 4, 268.
von der gehörsempfindung auf die geschmacksempfindung übertragen: damit der essig ... den üblen beigeschmack ... übertäube Naumann
naturgesch. d. vögel 9, 655. 1@cc)
bildlich: die stimme der pflicht ü. Göthe 25
1, 53
W.; gewissen und vernunft durch zoten ü. Miller
Siegwart2 (1777) 564; ein gefühl,
besonders schmerz, angst ü. Jean Paul 7—10, 647; Göthe IV 5, 56
W. ungewöhnlich: der seltsame anblick übertäubte alle gefahr (
jedes gefühl für die gefahr) A. v. Arnim 2, 70. 1@dd)
der bedeutung '
betäuben'
sich nähernd: die fülle meines glücks übertäubte mich Tieck
schr. 16, 318. 1@ee)
aus 1 a)
entwickelte sich bei Luther
u. a. die bedeutung jem. durch schreien, bzw. überschreien zu etwas zwingen, ihn überwinden (
wofür das Basler bibelgloss. ertrucken, tempfen
setzt, s. Kluge Luther-Lessing2 91): darwider (
gegen die sünden d. Sodomiter) hat der fromme Lot teglich predigt ... aber es hat nichts geholffen, sonder ist von yhn überteubt worden, das er hat müssen stil stehen und dem ubel nicht kunden radten Luther 14, 47
W.; ir meinet in mit ewerm langen gewesch zu überteuben, das er euch gebe, was ir bedürffet 32, 418
W.; ich hab mit dem text ... alle meine widersecher überteubet und erleget
tischreden (1568) 2
a Aurifaber; 14, 49
W.; vom satan überteubet 30
2, 519
Weim.; damit wir ... das ... fleisch dempfen und überteuben lernen Mathesius
Sarepta (1571) 131
b; Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 1020;
engl. komödianten 132
Tittmann; auff, meine seele, nimm in acht, wie embsig dein verderben wacht, lasz dich mit nichten übertäuben S.
Dach 443
Ö. 22)
selten absolut für '
taub, betäubt, fühllos werden': so es (
dein verlangen) ... versagt wird, übertaube nicht und murre nicht Comenius
jan. IV
ling. (1644) 282
b; das herz übertäubt Herder 15, 150; alle sinne wirbeln taumlich, gräszlich übertäubt das ohr Göthe 15
1, 243
W. —
übertäublich, adj., was übertäubt werden kann: ein nicht übertäubliches gefühl nötigt mich, an meinem alten glauben fest zu halten Wieland 31, 201. —