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überreichen

mhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überreichen v.

Bd. 23, Sp. 465
überreichen, v. , mhd. überreichen Lexer handwb. 2, 1650; mnd. overreken Schiller-Lübben 3, 273. AA. untrennbare verbindung. A@11) auslangend etwas überdecken, überspannen: künig Lotharius mit den seinen inen nacheilendt, erschlug sie erbärmlicher weisz nider, niemandt verschonende, sonder alles, so die lenge seines schwertes überreicht, erstach und schlug er S. Franck Germ. chron. 334b; ein kleines zimmer ... welches zwei männer mit ausgestreckten armen überreichen konnten Justi Winckelmann 2, 1, 176; man nimmt einen langen bindfaden, der ein grosz stück desz wassers überreichen kann das edle fischbüchlein 31. in weiterer verwendung: die läger mit geschütz überreichen (= im schuszbereich haben und dadurch beherrschen) Fronsperger kriegsb. 1, H 4a. A@22) über etwas hinausreichen, schon im 12. jahrh., s. Lexer handwb. a. a. o. A@2@aa) in eigentlicher bedeutung: an höhe, länge, breite jem. oder etwas ü., z. b.: er ü. euch mit dem kopf, er ist kopfs gröszer als ihr Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2066; die streusz ... überreichen mit ihrer höhe einen reuter Heyden Plinius (1565) 399; der hohe berg Olympus, der ... die wolcken und lüfft überreichen sol Stumpf Schwytzerchron. (1606) 7a; wer ist der lang und starcke mann dort in der Griechen läger gut, so andre überraichen thut? Spreng Ilias (1610) 34a; wen du an dein herz schlieszest, der betet, deine arme aber überreichen ihn, sie reichen in den himmel und holen den segen herab Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 404; kommt die lava an einen gegenstand, der sie am voranschreiten hinderte, so steigt sie an demselben empor, bis sie ihn überreicht und umgeben hat C. Friedrich vierzig jahre 2, 171. A@2@bb) in bildlicher u. übertragener verwendung: über etwas hinausreichen, darüber hinausgelangen, zeitlich oder abstract; es übertreffen: anteire, antecellere Stieler 1589; unser werck können nicht helffen zur seligkeit: denn legt man sie in die quer, so sind sie zu schmal, legt man sie in die leng, so sind sie zu kurtz, und überreichen weder die höhe noch die tieffe unser sünd Petri d. Teutschen weiszheit (1604—05) 2, Vv 4b; (er) meint, syn witz gott überreych Th. Murner narrenbeschwörung 161, v. 57 neudr.; das ungeheure ... überreicht unsre fassungskraft Göthe I 24, 181 Weim.; jem. in, auch an etwas ü., z. b. einen in einer kunst weit überreichen Kramer teutsch-ital. dict. (1702) 2, 307b; so sorge, wie du mich an treu wollst überreichen David Schirmer poet. rosengepüsche (1650) 140. temporal für überleben (ungewöhnlich): sie (Klytämnestra u. Ägisth) wissen, dasz auch ihre stunde kommt, die sie nicht überreichen werden Zelter an Göthe 4, 283. A@33) übergeben, überliefern; nach Adelung 4, 767 mit der nebenbedeutung des feierlichen, zeremoniellen. in dieser bedeutung erst vom 15. jahrh. an litterarisch belegt, in den wbb. seit dem 17. jahrh. regelmäszig gebucht, in der neueren schriftsprache ganz allgemein, aber fast immer in eigentlicher, nicht übertragener bedeutung gebraucht. vereinzelte fälle abgeleiteten gebrauchs s. u.; in den südl. maa. nicht üblich (part. überreicht der Lutherbibel erklärt das Basler neue testam. [1523] mit überantwortet, gegeben, s. Kluge von Luther bis Lessing 89). A@3@aa) überantworten Sattler (1617) 346; rendere, dare Kramer teutsch-ital. dict. (1702) a. a. o.; so ein schichtmeister oder zechenvorsteher sein rechnung ... gethan und überreicht hat (a. 1515) bei Lori bergrecht 172; sage ym zu, über zwen odder drey tage dieselbige (waare) zu überreychen Luther 15, 307 Weim.; (es) werden scepter und reichsapfel von zwei abgesandten Karl dem groszen überreicht Drescher in Steinhöwel de claris mulieribus 304; den schlüssel des kastells ü. Ranke 40/41, 406; einen ehrendegen Dahlmann gesch. d. franz. revolution (1845) 77; man soll den regenten und der obrigkeit die supplicationes und brieff nicht mit zitternden händen überreichen Lehmann florilegium politicum (1662) 3, 250; ein gesuch um anstellung ü. jahrb. der Grillparzergesellsch. 2, 6; geschenke Göthe I 41I, 174 Weim.; glückwünsche B. Mayr päckchen satiren 35; ein glas wasser G. Freytag ges. werke 5, 196; einen brief Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 163; ich komme langsam, dir ein werk zu bringen, und zaudre noch es dir zu überreichen Göthe I 10, 120 Weim. verengt für widmen: dero gegenwärtiges büchlein in gnädigen schirm zu überreichen Zinkgreff apophthegmata (1628) 93; nimm, weiser Friederich, mit holden augen an, was dir ain treuer knecht zum opfer überreichet Weichmann poesie der Niedersachsen 2, 13. bildlich und in abgezogener verwendung selten: A@3@a@aα) ich überreiche dir dieses mein getreues teutsches hertz J. Rist d. friedejauchzende Teutschland (1653) 43; dieweil des höchsten hand dir so ein liebreich kind ... zur gattin überreicht Günther ged. 468; ich soll das vertrauen, welches eine sterbende mutter in mich gesetzt, anwenden, um ihr kind dem elende zu überreichen? Gottl. Stephanie d. jüng. lustsp. 339, 12. A@3@a@bβ) vermitteln, verleihen: (durch die herzader wird) der frucht in muotterleib der athem und leblich geyst mitgetheylt und überreycht W. H. Ryff anatomi (1541) J 4b; sie sprach, herr diesen söhnen mein, die gnad doch überreiche, das sie marschalck und cantzler sein Ringwaldt evangelia b 6b. BB. in trennbarer verbindung: B@11) etwas über etwas hinweg, z. b. über den tisch reichen Adelung a. a. o. B@22) in bedeutung A 3 vereinzelt: wy wir ... slossir stethe ..., den genanthin unsern libin ohemen von Sachsin vortzeychnt und ubirgereycht und vor funftczigk tawsint guthe ungerische goldin ... gegebin haben (a. 1472) lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 214; welche summa er uns an barem guten groben gelde wol zu dancke bezalet, ... und übergereicht hat A. Machholdth formular (1560) 74c.
5800 Zeichen · 136 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    überreichenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    über-reichen swv. tr. über etw. hinausreichen. die hôhisten berge, die dehain ouge mag überraichen Erinn. 973.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überreichen

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Überreichen , verb. reg. 1) Überreichen, als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben, ich reiche über, übergereicht, über z…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überreichen

    Goethe-Wörterbuch

    überreichen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    überreichenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    über-reichen schw. : 'übergeben', -rääche [ LU-Opp LA-Gommh ]. Rhein. IX 20 . —

  5. Spezial
    überreichen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    über|rei|chen vb.tr. dé (dá), surandé (-dá), conferí (-rësc), sporje (sporj, sport), presenté (-tëia). ▬ jdm. eine Besch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberreichen

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Ableitung von ueberreichen

ueberrein + -chen

ueberreichen leitet sich vom Lemma ueberrein ab mit Suffix -chen, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von ueberreichen 2 Komponenten

ueber+reichen

ueberreichen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — ueberreichen kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „ueberreichen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ueberreichen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ueberreichen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ueberreichen/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ueberreichen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ueberreichen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_ueberreichen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„ueberreichen"},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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