trutschel,
trütschel,
f. ,
selten m.; mundartlich obd. und md. (
vereinzelt nd.)
verbreitete bezeichnung für eine weibliche person, auch für ein kind. die deutung des wortes ist umstritten und schwierig; es mit Martin-Lienhart
elsäss. 2, 769
aus Gertrud
herzuleiten, erscheint abwegig, vgl. auch bad. wb. 579.
die von Lexer
kärnt. 73, H. Paul
dt. wb.3 549
b erwogene beziehung zu mhd. trût,
nhd. traut (
bzw. mhd. triuten,
vb., nhd. treuten)
würde sachlich nur für trutschel 1
möglich sein und die annahme einer frühen vokalkürzung nötig machen. jedenfalls ist trutschel 2
von trutsche
nicht zu trennen; bei beiden steht der begriff des dicken, plumpen im vordergrunde, sodasz sich die gleiche etymologie wie bei trutsche
empfiehlt. wie öfter ist auch hier das deminutivum eines scheltwortes zum kosenamen geworden, vgl. etwa Stalder
schweizer. 1, 310
und heutiges dickerle. -tsch-
in trutschel
als '
verdichtung'
von -sch-
in truschel (
s. unten 4)
aufzufassen (
so Lexer
a. a. o.)
scheitert an der gröszeren verbreitung der form mit -tsch-;
im gegenteil ist -sch-
in truschel
eher als eine erleichterung von -tsch-
zu begreifen, die sich wohl z. t. in anlehnung an ähnlich lautende dialektische wörter wie druschel,
f., '
dichtes laubwerk' (Vilmar
Kurhess. 1, 79), '
stachelbeere' (
bad. wb. 579
a,
rhein. wb. 1, 1506
s. v. droschel 1), '
drossel' (
ebda s. v. droschel 2, Kehrein
Nassau 1, 118)
herausgebildet hat. 11)
als kosende benennung; zunächst der geliebten, liebsten: o mein Ule Lapp, sag bald her! will die (
wirtin) mein holder drütschel sein? Hans Sachs 9, 124
K.-G.; hierher wohl auch: mein liebe Gredt, heb an und sing das new liedla, ich künts auch gern vom holder trüschl (
var. trüschel, trütschel) und morgenstern
ders. 14, 29; deiner lieben mutter, meiner herzallerliebsten trutschel, ... den heiszesten grusz und kusz von deinem ewig treuen vater Schubart
br. 2, 188
D. Fr. Strausz; vgl. auch: mein liebes trotscherlein, mein schätzlein Joh. Riemer
d. polit. hasenkopff (1689) 335
und oben truserlein
sp. 1429.
als deminutivum trutscherle,
n., '
brautjungfer, buhldirne' Reinwald
henneberg. 174; trutschelchen,
n., scherzhafte benennung eines mädchens, welches sich gern liebkosen läszt Kindleben
studentenlex. (1781)
bei Kluge
studentenspr. 131.
allgemein als kosewort für eine weibliche person, vgl. Schmeller-Fr. 1, 681,
namentlich deminutiv trutscherl,
n.: hab ja all mein lebittag kain so hübschs trutscherl mit mein augn gsechn, als die Gehrt jungfferer ist Schwabe
volleingesch. tintenfäszl (1745) 58; du gutes trutscherl, und suchst mich und grämst dich um mich, es kunnt mir was geschehen sein Rosegger
schr. III 2, 173;
vgl.trutscherl
rundliches, dralles mädchen oder kind, meist als kosewort in der bedeutung liebling gebraucht Unger-Khull
steir. 177; 'trutscherl
als ausdruck der liebkosung gegen ein kleingestaltetes hübsches frauenzimmer, das ist a liebes trutscherl' Loritza
id. vienn. 134; trutschəl, trutschál
zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines kindes Schmeller-Fr.
a. a. o.; trutschele,
n., zärtliche benennung eines kindes, einer geliebten Lexer
kärnt. 73; herzele, trutschele, mauschele klâns (
kleines), vour lauter freud heirat mer (
wir), gelt prauch mer kâns (
keins)
ebda; drutschel, trutschel,
f., zärtliche benennung einer lieben person, besonders eines dickbackigen kindes Kehrein
Nassau 1, 118;
in anderer lautform: trutzel
ein liebkosungswort, zuweilen auch ein scheltwort, was aber dann ein adjektiv, z. b. oll
bei sich hat Danneil
altmärk. 228.
für ein kind: wenn sie (
die mutter) ... bewirkt, dasz sie der kleinen keinen von den drei namen giebt, ... so werde ich die kleine trutschel darum nicht weniger mit meiner pathensorge umschwärmen G. Freytag
briefe an s. gattin3 93
Strakosch; vgl. drutschel zärtlicher name für ein liebes, dickes kind Reuting
Höchster ma. 13; trutschel, trutscherle,
n., liebes kleines kind Blumer
nordwestböhm. 32; trutschrl,
n., bezeichnung für liebenswürdige kleine, oft auch für dicke kinder Neubauer
Egerländer ma. 52; trutscherl, trutschel,
n., liebkosende benennung der kinder Schöpf
tirol. 762; trutscherle,
n., kosewort für kleine kinder Martin-Lienhart 2, 769; trutscharle,
n., zärtliche benennung für hübsches kleines kind K. Reiser
sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 742. 22)
dialektisch besonders verbreitet in mehr oder weniger abschätzigem sinne für eine dicke, plumpe, unbeholfene auch ungeschickte, einfältige, dumme, alte frauensperson; gelegentlich in literarische sprache übernommen: dieser Hector, eine kleine, runde dickstämmige figur, hatte ein noch kleineres, dickeres, unförmlicheres weibchen, eine streng gebietende, leicht zu erzürnende trutschel Wieland
in: Fr. v. Raumer
histor. taschenbuch 10 (1839) 380; gegen sein (
Romeos) fräulein ist (
Petrarcas) Laura nur eine küchenmagd, Dido eine trutschel (
a dowely), Kleopatra eine zigeunerin, Helena und Hero metzen und lose dirnen
Shakespeare (1797) 1, 67; wenn du die dicke trutschel nimmst und das schöne fräulein ... fahren läszt W. Hauff
s. w. (1890) 3, 145;
deminutiv: verheiratet ihn ... an ein alt trutschelchen, das keinen zahn mehr in den kiefern hat J. H. Voss
Shakspeares schauspiele (1818) 3, 353;
mundartlich ist bei trutschel
die abschätzige vorstellung dicke, plumpe frau im allgemeinen herrschend, doch mischt sich häufig auch der begriff des dicken, drallen und dabei doch hübschen, beweglichen, gutmütigen hinein, der wohl von 1
ausgeht und besonders auf kinder bezogen wird, vgl. z. b. drutschel
dicke weibsperson Loritza
id. vienn. 36; trotschel, trutschel, trutschle,
f., '
dickleibigte, plumpe weibsperson' Stalder
schweizer. 1, 310; ... was? du strohlshex, du dolle; i wurr dich, trutschel du, recht durchkurranze solle Arnold
pfingstmontag (1816) 42,
ebda 197
erklärt als '
gutmütig dummes geschöpf'; du dumme trutschel Martin-Lienhart
elsäss. 2, 769; trutschel '
kleines dickes munteres frauenzimmer', '
einfältige, hoffärtige person', '
faules, plumpes mädchen', '
die schwerfällige, dicke', '
dickes, unförmiges weib'
bad. wb. 579; trutschel,
f., '
dickes, plumpes, gutmütiges weib', '
dickes, aber bewegliches weib',
deminutiv trutscherle,
n., '
kleines dickes, munteres mädchen', '
einfältiges, auch altes mädchen', '
dicke, jedoch hübsche, liebwerte weibsperson' Fischer
schwäb. 2, 429,
dazu trotschele '
rundbackiges kind'
ebda; drutschel,
f., dicke, schwammige person Ruckert
unterfränk. 44; trutschl,
f., eine allzu kleine, aber dicke frauensperson, trutschela
kosebezeichnung für molliges kind ebda 185; drutschel
kurze, runde, fleischige weibliche person Schön
Saarbrücken 52; drutschel
kleines frauenzimmer Autenrieth
pfälz. 37; trutšl
verächtliche bezeichnung einer beleibten frauensperson Meisinger
Rapp. 208; trutschel
dickes frauenzimmer Schön
Saarbrücken 213; trutschel
dickes, unbeholfenes mädchen lux. ma. 444; drudschel
kleines rundliches mädchen, von gröszeren ön dögg (
dicke) drudschel Christa
Trier 73; trutschel
dickes, gemütliches frauenzimmer Rovenhagen
Aachen 148; en gEcke trutschel
ein albernes frauenzimmer Hönig
Kölner ma. 183; trutschel
alte jungfer Buchrucker
Elberfelder ma. 165, Leithäuser
Barmer ma. 161; drutschel
liebkosungswort für dickes, wohlaussehendes mädchen (
nicht volkstümlich) Crecelius
oberhess. 306; trutschel
ein dickes, fettes kind weiblichen geschlechts, auch bisweilen eine dicke weibsperson Schmidt
westerw. 271; trudschel
dicke, plumpe oder unbeholfene weibsperson Reinwald
henneberg. 173; drutschel
rundliche volle person Hertel
Thür. 85; trutšl
langsame person Hentrich
Eichsfeld 30; trutschel
eine wohlgenährte und daher quabbelige, weibliche person Anton
Oberlausitz 13, 20; truutschel
einfältige frauensperson Schultze
nordthür. 32; die (das) trutschel
halb scherzhafte benennung einer wohlgenährten weiblichen person, eines derben mädchens Bernd
Posen 324;
deminutiv trutsk
el
e,
f., altes weib Bauer-Collitz
waldeck. 105
b; trutschel, dicke trutschel
wohlbeleibte person Trachsel
berlinisch 58; drutšl
dicke frauensperson Teuchert
neumärk. 145;
vgl. auch 3trusel. 33)
appellativ in der 2.
hälfte des 18.
jhs. für '
hausiererin',
besonders '
Tiroler hausiererin',
vgl.trutschel hausierengehende Tyrolerin Chr. Fr. Schrader
dt.-frz. wb. (1781) 2, 1390: unter unsern bauern, hirten, jägern, bergleuten, handwerksburschen, kesselführern, hechelträgern, bothsknechten, fuhrleuten, trutscheln, Tyrolern und Tyrolerinnen cursiret wirklich eine erstaunliche menge von liedern (
volksliedern) Bürger
w. 321
b Bohtz; wenn mit leisen hutfilzsöckchen meine braune trutschel geht, und ihr rothes büffelröckchen um die dicken schinken weht, über zäune, steg und brücken jeden ausgeschlagnen tag, humpl ich dann auf beiden krücken ihr mit sack und packe nach Hölty
ged. 205
Halm; es mag wohl seyn, dasz ... lieder, wie sie die trutscheln singen, unserm ... landvolk behagen
allg. dt. bibl. 59, 409; trutschel
herumziehende Tyrolerinnen Reinwald
henneberg. 173;
deminutiv: trutschelchen
Tyrolerinnen, die mit allerlei galanteriewaaren handeln Kindleben
studentenlex. (1781)
bei Kluge
studentenspr. 131; und sollte ich auch als ein tyrolertrutschelgen mit ihnen durch die halbe welt ziehen
die bunte reihe (1764) 23. 44)
im gleichen anwendungsbereich wie bei 1
und 2
erscheint auch die form truschel,
namentlich im md., vgl. druschel name einer dicken weibsperson, doch nur im scherze Loritza
id. vienn. 36; druschel,
n., dickes kind Schön
Saarbr. 52; truschel,
f., scheltname, plumpes unbehülfliches frauenzimmer Spiesz
henneb. 260; druschel
verächtliche weibsperson Kehrein
Nassau 1, 118; druschel
kosewort für kleines, rundes volles mädchen Vilmar
Kurhess. 79; druschel
eine ziemlich starke, kleine frauensperson Andreä
volksspr. in d. umgegend Erfurts in: sprachwart 1 (1866) 299; druschel
plumpe bauerndirn Hertel
Thür. 85; truschel (trunschel)
dickes mädchen, rundliches persönchen Müller-Fraureuth 1, 256; truschel, druschel
scherzend für ein weibsbild, oft selbst für die liebste Weinhold
schles. 100
b;
auch truschke
geliebte, auch brautjungfer (
schles.)
zs. f. dt. philol. 20, 492: die alte truschel will noch einmal heiern E. v. Taura
d. ring d. kaiserin (1864) 2, 80.