trosz,
m. , '
gepäck, bagage',
auch das dazugehörige '
gesinde'
; allgemeiner '
schar, gefolge, anhang'; '
troszknecht'.
seit dem mhd. bezeugtes lehnwort, das zurückgeht auf frz. trousse,
afrz. torse, tourse,
f., eine postverbale bildung zu afrz. tourser,
trosser '
aufladen',
s.trossen und die dort genannte literatur. dem frz. worte entsprechendes femininum läszt sich nur vereinzelt nachweisen: na der trosse (16.
jh.)
Hamburg. chron. 440
Lappenberg; weniger sicher ist trossula tross
e (15.
jh.) Diefenbach
gl. 599
a.
das masc. trosz
ist seit dem 16.
jh. gesichert, sieh unten 1; 2; 2 a
u. b;
der wortstamm findet sich seit dem 13.
jh. eingedeutscht in trosseriemen,
s. unter 1. trosz 1-4
flektiert stark; ein plural ist bei der kollektiven verwendung von 2
und 3
nicht belegt. schreibung mit anlautendem d
ist bis zum ende des 17.
jhs. neben gewöhnlichem trosz
allgemein; gelegentlich mit epithetischem t trost G. Schrager
Salustius (1565) 92
a; H. v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 274.
die frühest bezeugte bedeutung von trosz
entspricht (
wie im engl. und nl.)
der des frz. trousse '
aufgebundener gegenstand, bündel',
s. Gamillscheg 870
b, 849
a;
zur verbreitung im romanischen s. Diez
5 1, 321;
im mlat. tritt es seit dem 12.
jh. auf, zuerst auf frz. boden, s. du Cange-Henschel 8, 195
a;
als entlehnung ferner im engl. truss
seit dem 13.
jh. (Murray 10, 1, 429
f.)
und mnl. tros(se), torse Verwijs-Verdam 8, 597
f.; 731
f. aus dem deutschen ist entlehnt schwed. tross,
dän. tros,
s. Hellquist 2, 1010
a, Falk-Torp 1287. 11)
gepäckstück, bes. pferdegepäck eines einzelnen, felleisen, mantelsack, wie trossen 1
nur bis ins 16.
jh. hinein bezeugt: sagmarius ein soumrosz oder ein troszrosz, das ein trosz tregt
gemma gemm. (1508) y 3
d; die vorrider quamen mit
den watsecken und trossen
md. hs. von Pontus und Sidonia (15.
jh.)
bei Lexer 2, 1526; sy liessend iren trosz abladen
Haimonskinder 48, 2
Bachmann; sin trosz ufbinden
ebda 48, 6;
colligere sarcinas dicuntur milites iren trosz zesamen läsen, ir ding einpacken Frisius
dict. (1556) 1181
a.
zufrühest im 13.
jh. in trosseriemen '
riemen am packsattel': er sol ouch rinken geben ... zu trosseriemen
ordensb. der brüder vom dt. hause st. Marien zu Jerusalem 71
Schönhuth. 22)
die bagage, der gepäckzug eines heeres: impedimenta exercitus der trosz, kriegstrosz Dasypodius (1536) 174
b.
zu dem sonst auszerhalb des deutschen nur für ital. trozzo
nachgewiesenen bedeutungswandel gegenüber 1
vergleiche man dieselbe entwicklung bei bagage,
s. H. Schulz
fremdwb. 1, 69. 2@aa)
in allgemeiner sachvorstellung im 16.
jh. öfter neben plunder (
s. d.): herzog Born blündret allen der feint plunder und trosz Aventin 5, 167, 15
L.; sie flöheten ihren trosz und plunder eilend Cyr. Spangenberg
mansfeld. chr. (1572) 128
a.
gewöhnlich werden das lastvieh und die fahrzeuge mit einbegriffen; so entspricht in den Haimonskindern trosz
dem frz. le chariage, les sommiers: (
Allard und Guchart übernahmen die vorhut) und staltend den trosz amitten 46, 17
B. daher öfter verbindungen wie: drosz und wagen Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) k 1
a; do fuern trosz und wegen har, brachten speis, pulver, kuglen dar Thurneysser
archidoxa (1575) l 1
b; trosz und geschütz Stumpf
Schweizerchron. (1606) 28
b; und weren wir noch zu zogen basz hin, da die bruck gemachet was über den Pol (
Po) mit schiffen, so hett man das geschütz und allen trosz hie diszhalb das wasser ergriffen Hans Birker
bei Liliencron
histor. volksl. 3, 398;
selten jünger: trosz und geschütze polterten an den häusern vorbei H. Zillich
zwischen grenzen u. zeiten (1936) 427.
neben bagage,
von dem es in rein militärischem sinne heute gewöhnlich abgelöst ist: der unnötige tros und pagage (
ist) in expeditione bellica hinderlich Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 421
b; bei der bagage, beim trosz ... zu verweilen (
ist) zugleich gefährlich und schmählich Göthe 33, 61
W. 2@bb)
auch die begleitmannschaft des gepäckzuges wird unter trosz
mit einbegriffen und das ganze als besondere formation von anderen heeresteilen unterschieden: der trosz verzug hinden mit dem viech, wart von weiten gesehen, sams auch reiter wärn Aventin 4, 509, 6
L.; kanstu nit im vorzug sein, so ziehe im trosz hinach Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 44
a; es soll auch im velde aller trosz zwischen dem nachtraben und dem rechten haufen in guter ordenung beisammen bleiben
dt. hofordnungen d. 16. u. 17. jhs. 2, 45
Kern. trosz
bezeichnet dann auch das begleitpersonal für sich betrachtet: trosz ... (
heiszt) das seltsame wüst und gottlos gesindlein, welches den kriegsleuten ihren plunder nachträgt ..., in summa mit einem kurzen nahmen hurn und buben Kirchhof
wendunmuth 2, 315
lit. ver.; troszbuben
qui etiam dicuntur der trosz Stieler 2335; izo ist des trosz oft so vil, als etwo schir des haufen ist Aventin 1, 252, 8
L. nach Adelung
versuch 4, 1077
beginnt trosz
in dieser bed utung zu veralten; doch findet es sich noch heute durchaus in der alten verwendung für die marschformation der bagage: es ist eine alte geschichte, dasz eine armee um so langsamer marschiert, je gröszer der trosz ist W. Beumelburg
Mont royal (1936) 159;
ferner mit archaisierendem beiklang gern in historischen und kulturgeschichtlichen beschreibungen früherer epochen, vgl. den kopf der trosz-
composita. 33)
schar, gefolge, anhang. die allgemeine bedeutung '
schar'
ist eindeutig erst mit dem 18.
jh. faszbar (
s.b
und c),
kann aber auch schon in den frühesten belegen vorliegen: wa lügin laufen allermeist, da ist bei got kein heiliger geist. ... wölt ir die gantz welt reformieren und wölt den lügentrosz umb fieren Murner
lutherischer narr 2095
Merker; vgl.torentrosz Fischart 3, 35, 35
K. —
im sinne von '
gefolge, anhang',
afrz. torse, tourse '
suite, poursuite'
entsprechend (
s. Godefroy 7, 776
c),
tritt es aber nur gelegentlich mit überwiegen dieses sinngehalts auf: fürstentrosz
stipatio et comitatus principum, gall. la suite Stieler 2335;
sonst noch bei Fischart: on dise het sie (
die allegorische gestalt des podagras) noch ain andern trosz (
weiter unten dafür hofgesind), die lehen von ir trugen, von epicurern, winholden 3, 28, 23
H.; doch kann dem worte trosz
noch bis heute neben der vorwaltenden allgemeineren vorstellung einer schar schlechthin der begriff der gefolgschaft oder hörigkeit anhaften. 3@aa)
mit dem begriff der gefolgschaft oder hörigkeit; bei aufzählung der gefolgsleute der allegorie der schönheit heiszt es: man sagt, dasz das gesicht mit larven überdecket des bleykamms falscher gott der schönheit letzten trosz zusammt des rosentuchs gefärbtem gotte schlosz Joh. E. Schlegel
w. (1761) 4, 54;
gern archaisierend: und nieder steig ich zum gefechte, zurücke bleibt der knappen trosz, ich gebe scheidend die befehle Schiller 11, 279
G.; des morgens mit dem frühesten steigt Eberhard zu rosz, gen Stuttgart fährt er wieder mit seinem reisgen trosz Uhland
ged. 1, 289
E. Schm.-H.; ähnlich Körner 2, 164
H. u. a. öfter kehrt von einer menge untergebener wieder trosz der diener
u. ä.: geschäftig schwärmt hervor der diener trosz A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 223,
vgl. dienertrosz teil 2, 1114, bediententrosz Rückert
w. (1867) 11, 463; unwillig sah er sich ... mit dem übrigen trosz der sklaven in eine klasse gesetzt A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 3, 99; der trosz von beamten K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. 2, 161; der unnütze trosz von kinderbedienung Fr. Meinecke
Boyen 1, 70;
so von den negern der schutztruppe: der farbige trosz Hans Grimm
volk ohne raum 2, 28.
uneigentlich: den groszen nicht noch ihrem trosz rührt meine not den sinn R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 103; so erzählen sie mir doch einmal einen zug, eine tatsache, wodurch sich ihr geistvoller fürst von dem trosz seiner hofleute auszeichnet W. H. Riehl
Eisele und Beisele (1848) 157.
in redensartlichen wendungen wie im trosse (
einer geistigen bewegung) mitlaufen
u. ä.: manche kleine leute, die nur im trosse des jungen Deutschlands mitliefen Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. (1897) 4, 433; eine richtung, die ... im trosse der neuromantiker einherzog W. H. Riehl
musikal. charakterköpfe (1899) 1, 327. 3@bb)
schar schlechthin, ohne die vorstellung von gefolgschaft, anhang; öfter mit abschätzigem beiklang, s. oben lügen-, torentrosz: ... kränkt das die majestät, wenn man der toren schwarm frei unter augen geht und mit dem Juvenal die geiszel darf ergreifen, so oft der dichter trosz will auf den Pindus streifen Hagedorn
versuch 66
ndr.; von den narren, die das heiligtum des ruhms betreten, heiszt es: stolz ging der trosz hinein, beschämt kam er zurück, nicht einer durfte dort verweilen Ramler
fabellese (1783) 3, 291;
ohne wertende note, von kriegerischen scharen: lang trotzte Maria dem feindlichen trosz Platen 1, 13
Redlich; dem ungeheuren trosz (
dem heereszuge der Perser) diente Hippias ... zum wegweiser K. Fr. Becker
weltgesch. 2, 68.
öfter von einherziehenden haufen: hunde bellen durch die schatten, und es folgt der jäger trosz Tieck
schr. (1828) 9, 152; zuerst der hexen trosz voran auf gabeln und auf besen Brentano
ges. schr. 2, 158; Peter, der mahnwirt, ging (
bei einer wallfahrt) stets ein wenig abseits vom trosz Rosegger I 2, 254.
poetisch: die löwin scheut den trosz der meute nicht Immermann 17, 253
Boxberger; vgl. v. Strachwitz
ged. (1850) 246; dreihundert pferde je drei und drei zogen heut an mir vorbei. zur musterung trappelte rosz um rosz, ein unabsehbarer, ein brauner trosz
in der Liller kriegszeitung auslese (1915) 2, 257. 3@cc)
in uneigentlicher, abschätziger verwendung hat sich eine bedeutung '
gemeiner haufe, groszer haufe'
breit entfaltet: ... ist irgend eine kunst, in welcher thorheit, zanck, verwirrung, hasz und dunst und wahn und vorwitz herrscht, so ist es in den schulen, wo bader und balbier mit Meditrinen (
göttin der heilkunst) buhlen. ... doch was des pöbels trosz aus unvernunft begeht, verschmerzt Hygäa noch, weil hier kein schimpff entsteht Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 382; und garnichts davon weisz der trosz der brotstudenten Bürger 372
b Bohtz; bei den Deutschen wird das ideelle gleich sentimental, zumal bei dem trosz der ordinären autoren und autorinnen Göthe
gespräche 3, 96; der trosz der leser capirt ihn (
einen aufsatz) nicht Görres
ges. briefe (1858) 3, 283;
unter anlehnung an a: kaum wird eine neue bahn eröffnet, so stellt sich auch gleich der zahllose trosz der nachtreter ein
Europa (1803) 2, 10.
selten in unpersönlichen bezügen: der trosz unserer öffentlichen schulen gibt uns ... nichts Pestalozzi (1819) 5, 215; (
Reuchlins) Henno steht ... weit über dem trosse lateinischer und deutscher komödien W. Scherer
gesch. d. dt. lit. (1928) 193.
ungebräuchlich auch bei abstrakten: über einen groszen trosz von einwürfen der sogenannt-ungläubigen hat uns Deutschen eine schöne muse weggeholfen Herder 24, 96
S.; wohl dem, der ... den ganzen unwürdigen trosz von vorurteilen ... für das hält, was sie sind — menschensatzungen und tand Hippel
lebensläufe (1778) 2, 244; befreit vom trosz aller huldigung H. Steguweit
stelldichein der schelme (1937) 10. 44)
eine mundartliche eigenart liegt in der rheinischen verwendung des wortes trosz
für einen haufen gemüse, auch ein groszes stück fleisch vor, s. Müller-Weitz
Aachener ma. 249, Rovenhagen
Aachener ma. 148
a: linsensuppen mit einem trosz grünen krautes überhäuft Iffland
briefe 1, 124
Geiger. 55) '
troszknecht',
auch für einen trägen, ungesitteten menschen gebraucht; vgl. trosser, troszler;
stark und schwach flektiert. 5@aa)
troszknecht: drü fenlin musz ich uf werfen ... dem fuszvolk eins und eins den rossen, das dritt wir geben unsern trossen Murner
lutherischer narr 2175
Merker; zu disem mal (
haben die Goten) 80 tausent Römer erwürgt und 60 mal tausent trosz, köch, sudler, holz- und wasserträger S. Franck
chron. Germ. (
augst 1538) 9
b; drossen, die bei dem hauffen bleiben (1582)
bei Schmeller-Fr. 1, 675.
auch für den knecht einer einzelnen person: und hat mein herr ein knecht oder trossen G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 8
Bieling. hierher wohl schon: zwenzic tusent belagen tot, darzu dannoch eilifhundert, derselben sint uz gesundert sechshundert doch uf den rossen, die ander zal mite trossen
buch der Maccabäer 9802
Helm (
als übersetzung von 2.
Macc. 10, 31:
interfecti sunt autem viginti milia quingenti et equites sescenti). 5@bb)
übertragen verwendet in abschätziger bedeutung: meiner schmähsüchtigen widersacher general, für den er sich ausgab, und mich nur für einen trosz hielt J. Scheffler
ecclesiolog. (1677)
vorr. b 1
b.
mundartlich '
träger, ungesitteter mensch',
s. Schmeller-Fr. 1, 675, Kehrein
Nassau 1, 118; ein ehrenmann beleidigt damen nicht. ... hausbackner trosz! mein degen zeigt den weg Immermann 16, 433
Boxberger.