trinkstube,
f. ,
seit dem 14.
jh. bezeugtes wort. spätmhd. öfter mit kompositions-e dryngkestoben (
Frkft. 1353), drinkestuben, trinkestube (
Straszb. 1362, 1392),
s. d. belege unten. 11)
ursprünglich die nicht öffentliche versammlungs- und beratungsstätte der geschlechter, zünfte oder gesellen, in der auch gelage und tanzveranstaltungen abgehalten wurden, später auch der abgesonderte trinkraum höherer schichten, der honoratoren. ihr heutiges gegenbild haben sie in den häusern studentischer verbindungen. seit dem 15.
jh. werden sie allmählich eingeschränkt, im 17.
jh. verfallen sie. s. Alemannia 4, 47; Ch. Schmidt
Straszb. gassen- u. häusernamen 9: eine adelige trinkstube (1332)
ebda 41; item man ist auch uff denselbin tag übirkomen, daz man keyne dryngkestoben ensal machen an des rades wiczsen und willen (
statuta Francofurt., 1353)
bei Senckenberg
selecta juris 1, 23; donoch brach man den herren ire drinkestuben abe, die do worent gebuwen uf die almende (1362) Fritsche Closener
Straszb. chron., in städtechron. 8, 125; item die kneht nit gewalt haben z den maistern (
den wollenwebern) in die trinkstuben zu gänd, die maister sehent si danne gern und gunnent ine das (
Konstanz 1386)
zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 9, 143
Mone; der gros rat hat geseczt, das aller antwerk knecht, pfaffenknecht und die nender knecht trinkstuban ... ab sin süllent, und das si fúrbas hin kain trinkstubun ... nit haben sond (
Konstanz 1390)
ebda 17, 61; dieselbe missehelle dar rüeret von der ducher alte trinkestube wegen (1392)
bei G. Schmoller
d. Straszb. tucher- u. weberzunft 14; der fünft kast (
röhrbrunnen) was auf dem Perlach vor der herrn trinkstuben (
Augsb. 1416)
städtechron. 5, 145; vor Henman Moser ... der ze Brugg uff der gesellen trinkstuben zu gericht sitzt, erscheint die erber frow Adelheit Cristinerin (1421)
Aargauer urk. 2, 15; eine trinkstube der gartner (1437) Ch. Schmidt
Straszb. gassen- u. häusernamen 61; der mürer trinkstube (1504)
ebda; und fingen an, dosz die hantwerk aigen trinkstuben, tentz und zusamenberueffung wolten haben (
Nürnb., ende d. 15.
jh.)
städtechron. 3, 129; yede zunfft oder zech hat ain besunder haws und trinkstuben, dorinn sy trinkhen und essen und ir kurtzweil treyben sommer und wintter Lad. Suntheim in:
württ. vierteljahrsh. (1884) 129; bey der trinckstuben der ratherrn H. Sachs 9, 530
lit. ver.; under der schneider trinckstuben S. Franck
chron. Germ. (1538) 209; (
die geldgierigen ärzte und apotheker) werden rathsherren, werden burgermeister ..., gehnd auff die öber trinckstuben Paracelsus
chir. 629
Huser; zu Constantz am Bodensee auff der metzger trinckstuben Kirchhof
wendunmuth 1, 192
lit. ver.; das wyngewerb hatt ouch sin eigne zunfft, gsellen- oder trinckstuben ... ghept Renward Cysat § 85
Brandstetter; nobiles antiqui Halae Suevorum habebant proprium symposiorum locum ... trinckstuben ... quo neminem admittebant nisi esset ex antiqua familia Crusius
annales Suevici 3, 546; auf den trinkstuben soll das (
sonst verpönte) spielen ... erlaubt und unverboten seyn (1616)
bei Schmeller-Fr. 1, 670; ... seynd die ... stände verursacht worden, selbst auch auf der trinckstuben zusammen zu kommen und ihre conferenzien anzustöllen (1669)
ebda; im ausgehenden 17.
jh. noch lexikalisch: trinkstube
locus, in quo honoratiores conveniunt Stieler 2216.
seit dem 18.
jh. nur noch in der rückschau auf eine veraltete einrichtung, s. J. v. Müller (1810) 20, 181; Gutzkow
ritter v. geist (1850) 1, 190; W. H. Riehl
gesch. aus alter zeit (1863) 1, 8;
handwb. d. staatswiss. 7, 1022. 22) trinkstube
ist vereinzelt auch die trinkveranstaltung, die zusammenkunft derer, die eine eigene trinkstube kaben: dann wo das (
das verbot von trinkstuben) von ymandt überfaren wurde, so sollen der, in desz haus oder wonung sollich drynckstuben also gehalten were, so offt er das überfaren hett, funff phundt neuer haller zu pusz geben (15.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 115
Baader; convivarium drinckstube Niger Abbas 37; drinckstub der menner
symposium Alberus (1540) u 2
a. 33)
öffentliche gaststube, wirtshausstube. auch mnd. drinkstave
öffentliche trinkstube, krug. vereinzelt scheinen ältere belege schon dieser bedeutung zuzugehören: und darumb so git der camrer (
des klosters Münster) den erbern lúten zu Sygoltzhein uff die trinkstube alle jare zu sant Martins tag zwen Múnster kese (1407)
weistümer 4, 218; von etlichen jungen gesellen Demetrij, die ungefer ausz der trinckstuben gangen waren Carbach
Livius (1551) 423
a; da nuhn Linius mit den seinen ... den tag auf der trinckstuben (
museum) gewesen ... war Xylander
Polybius (1574) 375.
hauptsächlich seit dem 17.
jh., in dem die ursprüngliche bedeutung abwelkt: loggia publica gemeiner saal oder trinckstuben Hulsius (1618) 2, 230
a; trinckstube
stuffa da bere, cìoè taverna publica Kramer 2 (1702) 1017
c; was sol ich sagen von denen vollen wüsten krügen, welche nacht und tag auff den trinckstuben sitzen und in schenckhäusern liggen Albertinus
hauspolizey (1602) 1, 109
a; bier- und weinhäuser, sauffplätze und trinckstuben Meyfart
christl. erinnerung (1636) 214; ich fragte ihn, irgend ein würthshausz oder trinckstube nächst hierbey wäre, da mann einkehren und sich erfrischen könne Moscherosch
gesichte (1642) 281; ehe einer magister in potando wird oder gar auff der trinckstube in doctorem promoviren kan Prätorius
phil. colus (1662) 99; wie wir unlängst in einer namhafftigen stadt auf die trinckstube gehen wolten Chr. Weise
erznarren 158
ndr.; in allen bier- und weinkellern und auf allen trinckstuben Thomasius
kleine teutsche schrifften (1707) 2, 440; er liesz sich, da es schon anfieng in der trinkstube an gästen lichte zu werden noch einen becher firnewein zum schlaftrunk zapfen Musäus
volksmährchen 2, 101
Hempel; es sitzen noch zweyhundert in der trinkstub. wenn du dich zeigst und einen becher leerst auf ihre gesundheit, sind sie alle dein Schiller
Demetrius, in schr. d. Götheges. 9, 32; hierzu kam noch, dasz die trinkstube voll rekruten steckte Matthison
schr. (1825) 5, 72; in gemeinen trinkstuben Tieck (1828) 17, 179; kegelbahnen und trinkstuben Immermann 20, 201
Boxberger; die glocke ..., welche den schlusz aller trinkstuben und wirtschaften gebot G. Keller (1889) 6, 365. 44)
derbheiten: das geschehen ist in der werden reichstatt Poppingen, do die bauren an die zeün, mit urlaub, vor der lieben trinckstuben, das issz ein scheiszhausz, hofieren, das ich selb gesehen, auch darbey gewesen bin
M. Lindener 182
lit. ver.; als sie nun den inhalt des eyds nachsprache und bald zu dem ende kame, entwischte ihr unversehner weis aus ihrer hintern trinckstuben ein groszer, grober, pommerischer und knallender wind Abele
künstl. unordnung (1670) 2, 334.