tresenei,
f. ,
grobes, würziges pulver als leckerei und medicament; gemüse. form und herkunft. 11)
das wort ist nur auf continental-westgermanischem boden zu belegen: mnl. tresie, traitsye
zuckerwerk Verwijs-Verdam
mnl. wb. 8, 632;
mhd. tresenei, tresanei;
daneben formen auf -et: trisanet, drysenet;
mnd. trisanet, trisinet, treserye; Schiller-Lübben 4, 613
b;
nhd. überdies tresznei, tressei, dräseney, tres(e)net, tresset, triset (
vgl. auch driet
teil 2, 1409),
sowie im 18.
jh., wo die tradition abbricht, fast allgemein trisenet, trisinet. 22)
das bei Adelung
vers. 4, 1066, Lexer 2, 1516, Schiller-Lübben 4, 613
als ursprungswort genannte frz. trisenet
ist nicht nachzuweisen; auch die herleitung aus ahd. triso, treso '
schatz' (Woeste
westf. 274;
ebenso Alemannia 3, 134)
will angesichts des scharf ausgeprägten bedeutungsgehaltes '
pulver'
nicht als ausreichend erscheinen. lautlich und bedeutungsmäszig nahe liegt prov. trissar '
zerreiben, zerstoszen', trisson '
stöszel des mörsers' (Diez
et. wb. d. roman. spr. 693),
davon vielleicht eine ableitung *trissonat
als grundlage des nl.-dt. wortes. einen andern weg könnte zeigen mnl. dresene
glechoma hederacea, gundermann (
eine aromatische, als volkstüml. heilmittel gebrauchte pflanze);
spät-anfränk. dresna
edera nd. jahrb. 17, 83
a; 18, 137;
westfläm. dreesem de Bo-Samyn
westvlaam. id. 229
b. 33)
das geschlecht der auf -ei, -ie
endenden formen ist fem., die auf -et
endenden sind neutra (
s. u. die bel.)
; ausnahmen sind selten: trisenet,
f., Hulsius-Ravellus
teutsch-frz.-ital. 326.
die flexion ist im sg. für beide gruppen stark: gen. dye ... büchs ist tresznye vol
Schweiz. arch. f. volksk. 14, 249;
dat. to trezerye
gesch. d. herzöge v. Braunschw. u. Lüneb. 8, 245; von einem tryset Guarinonius
grewel 581;
acc. starke treseney
visirl. exorcist (1675) 46; ein liebliche dräseney H. Bock
kreuterb. (1587) 446
b;
der plural ist von tris(en)et
nicht, von tresenei
nur im dat. belegt: zu den ... dräseneien
ebda 332
b (
s. auch unter 2). 44)
das wort ist bei beginn des 19.
jhs. so gut wie ausgestorben: trisenet
gröblich gestoszene sachen Kinderling
reinigkeit (1795) 151; Campe
führt es trotz der notierung [] bei Adelung (1801) 4, 685
nicht mehr auf. auch litterarisch ist es im 19.
jh. nicht mehr belegt. in den maa. hat es sich in der bedeutung 1
gehalten, im westfälischen: trisêdüppen '
gewürztopf' Woeste 274
b und im schwäbischen: trisinettschnitte Fischer 2, 390.
die bedeutung 2
wird noch aufgeführt als trisonettpulver
bei Arends
volkstüml. namen der arzneimittel (1930) 266.
s. auszerdem B.
bedeutung. AA.
eine pulverförmige mischung aus gestoszenen vegetabilischen stoffen. A@11)
als naschwerk. A@1@aa)
in form eines wohl nur grob gestoszenen gemisches von verschiedenen, nicht völlig zu erschlieszenden, aber gewisz wechselnden, wohlschmeckenden gewürzen mit zucker: da kam ein kamerer on vil brachtes und bracht mir zucker und tressny und me des besten wynes daby Hans v. Bühel
königstochter 3278
Merzd.; 18 gulden ... umb worze und dreseny (1390)
dtsch. reichstagsakten 2, 363, 28; ausgeben zum tanz 10 sz. umb drysenet
chron. d. dt. städte 3, 344; vor tzugkir unde krude to trezerye myme gn. juncheren (1409)
gesch. d. herzöge v. Braunschw. u. Lüneb. 8, 245
anm. 2
Sudendorf; will man ein guoten lauttertranck haben, oder ein liebliche dräseney zuorichten, so muosz der canel allmal zuo forderst da seyn H. Bock
kreuterb. (1587) 446
b; es müssen schier die edle negelein allen confecten, träseneyen, pulver, latwergen, dräncken und dergleichen dienen
ebda 445.
oft synonym mit confect: man sol auch kainerlay trysanet oder confect, notwein oder ansinggelt geben (
Nürnberger policeiordn.)
chron. d. dt. städte 3, 423
a; ain zwehel strackt er über tisch und satzt darauf ein schlaftrunk frisch, confect und ander tresanei
zimmr. chron. 4, 245
Barack; trisanet oder confect (1485) Siebenkees
materialien zur Nürnb. gesch. 2, 462; die tresneien und confect Wurstisen
Pauli Aemilii histor. (1572) 2, 156.
oft auch in verbindung mit wein Schumann
nachtbüchl. 93; 160
lit. ver.; wein, bier und driessney (
a. d. j. 1608)
bei Diefenbach-Wülcker 876.
übertragener gebrauch ist selten; in der composition: nun ist ein junger mann dir, gleichfalls junges kind, ein dorn in deinen augen, ein alter aber ists, aus dem dein auge kan das liebestrieseneth mit vollem schlunge saugen Hoffmannswaldau
u. a. ged. 5, 7
Neukirch. eine beliebte verwendung war das aufstreuen und rösten auf brot, vgl. A. Schultz
dt. leben im 14./15.
jh. (1892
gr. ausg.) 500: dye ander büchs ist tresznye vol, die sol man an dem morgen essen vff gebeytem brot im bad gesessen
badschenkenged. (15./16.
jh.)
Schweiz. arch. f. volksk. 14, 249; wer ein wenig von einem ringen tryset auf die brotschnitte strewen wil Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 581. A@1@bb)
daher bedeutet tresenei (
vor allem in der form trisenet)
auch die gewürzte, geröstete, in wein getauchte brotschnitte selbst (
vgl. driet
teil 2, 1409):
des rosties à l'Hippocras (
gewürzter wein) Stör
dict. frç.-all. (1663) 2, 491;
panis imbutus Falerno Aler (1727) 2, 1921
a; Steinbach
dt. wb. 2, 1380
c; Adelung
vers. 4, 1066; Schrader
dt.-frz. 2, 1384;
vgl. schwäb. trisinettschnitte Fischer 2, 390; 'trisinet
heiszt, wenn man gebähete semmelschnitten mit gestoszenem zucker und gewürz bestreuet, mit wein begeust und bey gebratenen türckischen hänen, capaunen ... mit aufsetzet' Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 2043. A@1@cc)
eher eine gebrauchsform von a)
als eine besondere bedeutung ist die anwendung im sinne von '
gewürz für gekochte speisen': er möchte erzürnet zu starke treseney und gewürtz hinein (
in die suppe) thun
der visirliche exorcist (1675) 46; folgt allerhand gute dreseney und sonst allerlei gewürz
koch-, gewürz- und confectbuch (16.
jh.)
in Scheibles antiquariat 1, 86.
immer mit der gemengevorstellung: 'trisanet, trisenet
ein aus gewürz zusammengemengtes [] pulver zu abwürzung der speisen'
verzeichn. d. gebräuchlichsten ... wörter (1748) 181.
in bildlicher verwendung: glübd ist gegen guotten wercken zuo schätzen als zucker gegen coriander, der davon lieblichen wirt ... und trAesseney gegen aim schlechten muosz Keisersberg
predigen teutsch (1508) 85
d. A@22)
medicinisches pulver; diacalamentum confect oder treseney von katzen- o. bergmuntzen (1694) Diefenbach
gl. 179
a;
triffera (
medic. statt tryphera) tressei
var. triszeny (1493)
ebda 596
a; trisenet
tragema, tragea Calvisius
thes. lat. serm. 797 (
im cap. '
de medicina'); trisenet, triet
tragea in off. Weismann
lex. bipart. (1698) 2, 380; trisenet aus der apoteck Aler
dict. (1727) 2, 1921
a;
pulvis medicus Frisch 2, 338
b; Adelung
vers. 4, 1066: triet, triseney, oder treseney heisset griechisch tragema ... und bey unseren artzten tragea Wirsung
artzneybuch, register s. v. triet; die medici hetten mier gären geholfen mitt lassen (
aderlasz), trAesznien, was aber alles umbsunst Platter 69
Boos; treseney ist zu jetziger zeit bey unseren artzten also in brauch kommen, dasz man die vermischten pulver mit zucker, die wir treseneyen nennen, tragemata heiszet Tabernämontan
kreuterb. (1588)
register s. v. triseney.
sachlich oft dasselbe wie 1: byren küten gebraten möchte ich in auch woll geratten, gesprengt mit zucker süsse woll, oder treszney, die man sol in der appotecken machen (
als mittel gegen die pest)
tractat contra pestem (
Straszb. 1500) d 3
b; (
sie) hat ihr trisinettlein und gestüp auff ire essen gestrewet, damit die leut ir krafft in der schüssel und schalen suchten Mathesius
Sarepta (1571) 10
a. A@2@aa)
an ein bestimmtes pulver wird auch hier meist nicht gedacht, sondern nur an die pulverförmige consistenz: ein gut träszeney zum haubt: nim ymber ... muscatnusz ... zucker ... und mach ein pulver dorusz Gersdorff
wundarzn. (1526) 30
b; tresenei
wird so zum inbegriff des medicin. pulvers (
ähnlich wie pulver
teil 7, 2217): ein gar köstlich trisenet, zu vorkommnung vieler hauptkrankheiten (
aus einer receptsammlung) v. Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1, 197
a. A@2@bb)
daneben die specialisierung '
magenpulver', '
abführmittel' (
vgl. auch Schiller-Lübben 4, 613): ein magewurtz oder dreseny Hier. Braunschweig (1509)
bei Ch. Schmidt
els. 358; (
man mag das süszholz) under andere artzney brauchen, sonderlich zu den magenpulvern und dräseneien H. Bock
kreuterb. (1587) 332
b; sie machen auch ein köstliche träsenei ..., vermischen zucker darzu so viel, dasz man es niessen mag, für den magen Tabernämontan
kräuterb. (1687) 1167; trisenet
pulvis aut tragema laxativum Frischlin
nomencl. (1591) 219; die alten verstunden eigentlich darunter (
unter tresnei) nur grob zerstossene pulver aus gewürzen ... zur stärkung des magens, zu beförderung der däuung ... heutzutage aber verstehet man darunter alle zarte süsze magenpulver
onomatol. med. compl. (1755) 1291; (
den wundärzten) soll neben den äuszerlichen mitteln auch wundtränck ..., aber keine purgationen, julep, träseney ... einzugeben zugelassen sein
corps der chirurgorum (1757
Straszb. stadtarchiv). BB.
mundartlich übertragen auf '
gemüse, frucht, specereiwaren': treszenei
auf brachäckern gezogenes gemüse (
zehntordnung von 1742) Bauer-Collitz
waldeck. 177; tresenîe
gartengewächse aller art wie kohl, steckrüben, runkelrüben, das gemüse Schambach
Götting. 234; dräsenei
runkeln, kohlrabi Hertel
Thür. 84;
gemüse, nichtgetreide, specereiwaren (
in Kaberg am Inselberge)
sprachwart 1 (1866) 379: im Cölnischen am Rhein war sehr gute zeit anno 1463, und wolfeil an frucht und anderer treseney
Frankenl. chron. bei Frisch 2, 385
c.
dazu treseneiland land, auf dem ein deputat von gemüse gebaut werden darf Schambach 234; Hofmann
niederhess. wb. 241. —