trauring,
m. ,
ehering, anulus pronubus. das wort ist im hoch- und niederd. belegt seit dem 16.
jh., in dessen ganzem verlauf, bis ins 17.
jh. hinein, es noch mit den älteren synonymen mahlring, mahlschatz (
s. d.),
auch gemahelring (
s. d.)
concurriert: symbolum mahlschatz oder traurinck St. Riccius
Terentii comoedia Andria (1586) 113; trawring und mahlschatz Irenäus (1589),
s. 1 c
β; trawring Saubert
currus Simeonis (1627) 119
und 123
neben gemahlring 123;
anello dello sponsalitio trawerring (
sic!), gemahlring Hulsius (1618) 2, 27
b.
in demselben umfang, in dem trauen,
vb., in der form treuen
erscheint (
oben sp. 1326),
steht auch neben trauring
eine form mit altem diphthong: schweiz. trüwring (1596
und 1662)
schw. id. 6, 1097
und 3, 840; treuwring (18.
jh.) 6, 1097; treuring Dentzler
clavis ling. lat. (
Basel 1716) 290
a;
schwäb. treuring (16.
jh.),
s. 3;
schlesisch trewring
M. Mylius
nomenclat. (1576) j 6
b; treuring Lohenstein
blumen (1680)
rosen 45; träuring Steinbach
dt. wb. (
Breslau 1734) 2, 263.
auf nd. gebiet trüggerinck
Soester nighe schrae 223
Emminghaus (16.
jh.)
für älteres truwevingeren Schiller-Lübben 4, 623; trewring Spee (1649),
s. 1 c
β;
in modernen mundarten: treuring
für trauring allgemein in der volkssprache Askenasy
Frankfurt 194 (
daher bei Brentano 3, 412
und unten 3); Schmitz
Eifel 232;
westfälisch (
daher treuring
bei A. v. Droste-Hülshoff,
s. 3) trüring Woeste 275; trüjerink Bauer-Collitz 105,
vgl. oben Soest; rheinisch träureng, trüreng
Elberfeld 164; troureng,
meist tröureng Leithäuser
Barmen 160,
vgl. oben Spee.
dagegen mit altem ū
im nd.: trouring
brem.-ns. 5, 114; truwrink Dähnert 496; trujerink Martin
Waldeck 278.
in den obd. maa. ist das wort anscheinend nicht heimisch: schweiz. id., Fischer, Martin-Lienhart, Schmeller
buchen keine modernen belege. literarisch vereinzelt dreisilbiges trauering Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 8, 396; Herder 25, 73
S., ebenso treuering,
s. 3. 11)
die mit dem worte verbundene vorstellung bezieht sich in erster linie auf bestimmung und verwendung des trauringes. 1@aa)
im engsten und eigentlichsten am tage der verlobung oder, weit häufiger, der hochzeit, insbesondere bei der feierlichen trauhandlung: hie las sie die trawringe einander geben und füge yhre beiden rechte hend zusamen Luther 30, 3, 77
W. (
traubüchl.),
danach in andern trauordnungen: hie lasse er sie ein dem andern die trawringe geben
kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 99; darauff eins dem andern die hand und trawringe zum warzeichen gegeben, die sie auch ... williglichen angenommen A. Machholdt
formularbuch (1559) 14
b; wie der doctor (
Luther als traugeistlicher 1536) in der copulation einen der trauringe unversehens fallen lassen v. Wedel
hausbuch 124 (
lit. ver.); reicht beyd einander hin den trauring Lohenstein
Sophonisbe (1680) 2, 42; mit der schüchternsten bescheidenheit nahm sie den trauring von meiner hand Schiller 2, 124
G.; den trauring, den kuchen, die hochzeitsgäste, kurz, alles hab ich besorget schon Kotzebue
sämmtl. dram. w. (1827) 2, 280;
in nicht ganz scharfem sprachgebrauch spricht man seit dem 18.
jh. vom wechseln der trauringe
und meint damit das wechselseitige geben (
s. oben Luther
und die darauf folgenden belege): welche (
hand) ich nach verwechselten trauringen in die meinige fügte J. G. Schnabel
insel Felsenburg 202
Ullrich; davon aber hat noch keiner, den ich den ehelichen trauring wechseln sah, etwas wissen wollen v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 328. 1@bb)
als äuszeres zeichen verheirateten standes: da sie ir braut- und trawring ... zu ehren nach irem stande tragen Mathesius
Sarepta (1571) 49
a; ich sehe einen trauring an eurer hand, und so vermuth ich, dasz ihr nach eurem gatten heiszet Holtei
erz. schr. 12, 119; dasz ich mich nicht noch einmal umdreh, und dir den ring zeig, den ich von dir am finger trag zum trauring Miller
Siegwart 2 (1777) 519; betrachte einmal, wie ich (
deine frau) mir ... im laufe der zeit den trauring weggearbeitet habe, blosz damit du ganz ungestört deinen narrheiten nachlaufen ... konntest W. Raabe
Horacker (1876) 158. 1@cc)
in weiterer anwendung. 1@c@aα) trauring
soviel wie ehestand: sie, die in ihrem sinn dem trauring abgesagt Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 404; (
Penelope) hätte ihren zepter theilen müssen, sobald sie einen andern trauring angenommen hätte Schwabe
belustigungen (1741) 1, 562; wie denn manche mädchen blosz darum keinen mann bekommen, weil sie zu hastig nach dem trauringe fragen Arnim 9, 269
G.; keine andre wunde, als die der trauring heilen kann Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 2, 112. 1@c@bβ)
der trauring,
vom ehering her übertragen, als symbol in geistlichen treueverhältnissen: die h. Agnes sol im auff disz alles zur antwort geben haben: weiche von mir, du ursacher und reitzer der sünden ..., dann ich bin schon von einem andern beliebet worden ... mit seinem trawring hat er mich vermählet, der vil edler ist dann du an geschlecht und würden H. Fabricius
auszug bewerter historien (1592) 56; es wird auch die ... selige braut Christi den schönen, herrlichen trawring und mahlschatz ... an jren henden oder fingern haben Irenäus
spiegel des ewigen lebens (1589) I i 1
a; Kronhelm gieng es durch die seele, als sie der welt auf ewig absagte ... und dann als eine braut Christi ... den trauring anlegte Miller
Siegwart (1777) 281;
metaphorisch: weil wir aber versichert sind, dasz sie (
die trübsale) ein kennzeichen der kinder gottes und ein trauring des herrn Jesu, den er seiner braut gibt Scriver
seelenschatz (1737) 1, 370
a;
mit unklarer vorstellung: die gantze welt ist ein trewring, das edelgestein im trewring ist Jesus ... mit diesem trewring seind alle unsere seelen gott vertrawet Fr. Spee
güld. tugendbuch (1649) 527. 1@c@gγ)
feierlich-symbolische handlungen, die dem anlegen des trauringes
gleichstehen: (Blanka schneidet dem leichnam eine locke ab und wickelt sie um den finger:) das ist der trauring, den ich meinem kummer geben will, mich nicht von ihm zu scheiden Leisewitz
Julius von Tarent 113
ndr.; so sey dieser kusz der trauring, den wir einander auf die eh geben H. L. Wagner
kindesmörderin 22
ndr.; als zeichen der verbundenheit über den tod hinaus: zum andern leg ich auch hinab deinen trawring zu dir ins grab W. Spangenberg
in: griech. dramen 1, 125
Dähnhardt; ähnlich: ich denk, ich steck ihr (
der toten) den ring wieder an den finger. ich mag ihn nicht, weils ein trauring ist, der ist heilig Miller
Siegwart (1777) 520. 22)
art und beschaffenheit des traurings. 2@aa)
äuszerer wert und äuszere beschaffenheit: trauring ist ein von gold meistentheils gantz schlecht gearbeiteter ring mit der braut nahmen, tag und jahrzahl von innen bezeichnet Amaranthes (1715) 2037; so liesse er ihr einen güldenen trauring, in welchem sein nahme nebst der jahrzahl stunde, ... verfertigen Melissus
Salinde (1718) 188; der trauring ist werth gewesen 45 thlr. v. Schweinichen
denkw. 540
Österley; indem der greis ihm die beiden thalerstücke hinreicht, erblickt auf einmal der husar an dessen finger den goldenen trauring und sucht sogleich mit gewalt sich davon zum eigenthümer zu machen Matthisson
schr. 6, 251; das jungferngold ist zu fein, ... um zu trauringen verarbeitet zu werden v. Brinckmann
filosof. ansichten (1806) 35; die hand, die mit dem silbernen trauringe geschmückt war Auerbach
dorfgesch. (1871) 6, 11; zwei silberne trauringe, die sie bei lebzeiten getragen Fontane
ges. w. I 2, 452; trauringe nach belieben enger oder weiter zu machen v. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 238;
ohne beziehung auf einen träger: er machte ein kleines kästchen auf, wo ein paar trauringe drinne liegen Bettine
Günderode (1840) 2, 298. 2@bb)
die erwähnung des eingravierten datums läszt den symbolgehalt des traurings, seine bedeutung als erinnerungszeichen, stärker hervortreten: unsre trauringe werden vom 14. octbr. datiert Göthe 4, 19, 209
W.; ich verheirathete mich, wie mir mein trauring sagt, den ich in diesem augenblick abziehe, am 26sten may mit meiner braut Hebbel
tagebücher (1903) 3, 150. 2@cc)
tragart: dieser mittelfinger hat einen artigen nachbar. ein trauring würde ihm wohl nicht übel stehen Gottschedin
in: samml. v. schauspielen (
Wien 1764-69) 5, 63; (
sie) steckte ihn (
den ring) an die linke, wo trauringe getragen werden Arnim 11, 237
G.; in Padua aber pflegt man den trauring an der linken hand zu tragen C.
F. Meyer
nov. 2, 85; die ehherrn sollten künftig die trauringe statt auf dem finger in der nase tragen C. D. Grabbe 2, 32
Blumenthal. 2@dd)
auch die äuszeren eigenschaften des traurings
werden gern allegorisch ausgedeutet: solche anzeigung unzertrennlicher liebe der eheleute ... wird auch durch die trawringe, die kein ende noch keinen bruch haben sollen, zu verstehen gegeben H. Roth
catechismipredigt 2 (1573) 692
a; siehe, hier haben wir unsern trawring (
einen bibelvers), daran fünf schöne, köstliche edelgestein verfasst sind J. Saubert
currus Simeonis (1627) 123; die liebe ist demuth, der trauring prangt mit keinem juwel Jean Paul
werke 15/18, 301
Hempel. 33)
die einigen mundarten eigene form mit altem diphthong (
s. oben)
erscheint als treuring
auch in der literatursprache. doch wird sie, je später sie hier erscheint, desto mehr als ein compositum von treue,
nicht von trau-,
empfunden: wie ein breutigam seiner hochzeiterin zur trew und bestettigung seiner zugesagten trew einen trewring gibt
beleg des 16.
jh. bei Fischer
schwäb. 6, 1774; er zog den treuring von der hand, und ach! zerbrach ihn mir Bürger 16
a Bohtz (1773),
ähnlich 34
b (1776); die treuring habt ihr gewechselt Voss
Luise, erste fassung (1784)
in: DNL 49, 49
Sauer; ihm, dem ich den treuring gab auf immer, (
wirst du) mich nicht abspenstig machen können Kosegarten
rhapsodien 1 (1800) 120; zur treue kam richtig der treuring zurück Tiedge
werke (1823) 6, 129,
auch 6, 113; 6, 151; heilge frau ..., gerne will ich denn an deinem schrein meinen treuring opfern, er ist klein, nur von silber, aber fleckenrein A. v. Droste-Hülshoff (1898) 1, 323
Schücking; treuering: dein wort und treu geb ich dir nicht, gebs nimmer wieder dir, bis du mich führst zur kirch hinan mit treuering dafür Herder 5, 188
S.; winke nur, winke nur, sind gar leichte, leichte wink, bis den finger drücket der goldne treuering Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 452. —