trallje,
f.,
gitter; plur. gitterstäbe, mnl. tralie, traelge,
mnd. trallie,
nnl. tralie,
norw. traler, traleverk,
dän. trall(i)er, tralverk,
schwed. trall;
aus mlat. tralia, trelia, trela du Cange 8, 164
c,
wohl durch vermittlung des ndl., im 15.
jh. entlehnt. später, wie die häufigere schreibung traille
zeigt, s. z. b. Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 367; Immermann
w. 18, 130
B., an das französische treille angelehnt, das das gleichstämmige treillage '
gitterwerk',
besonders als kunstwort des gärtnergewerbes (Wollf
mathem. lex. [1747] 1329;
allgem. haush.-lex. [1749] 3, 542
u. ö., auch Hügel
Wiener dial. 167)
geliefert hat. das wort ist auf nd. u. md. bodenzuhause und reich bezeugt: ten Doornkaat-Koolman 3, 428,
brem.-niedersächs. wb. 5, 95, Richey
id. hamb. 311, Brendicke
Berl. volksdial. 184, Frischbier
preusz. wb. 1, 408, Hupel
dtsch. spr. i. Lief- u. Ehstland 240, Sallmann
beitr. z. dtsch. ma. i. Estl. 28; Köppen
Dortmund 60,
Elberfeld. ma. 164, Woeste
westfäl. 273, Bauer-Collitz
waldeck. 105
a, Hönig
Kölner ma. 182, Müller-Waitz
Aach. ma. 247, Wegeler
Kobl. ma. 77, K. Chr. L. Schmidt
westerw. id. 262, Christa
Trierer ma. 70, Gangler
Lux. umgangsspr. 457, Follmann
dtsch.-lothr. ma. 99, Kehrein
Nassau 1, 407
u. ö. formen ohne j
erscheinen schon im 16.
jh., als trahle, thrale
bei Ercker,
s. u., als trārl, trall(ing), trall(wark)
in heutigen maa. vgl. Jensen
nordfries. spr. d. Wiedingharde 638, C.
F. Müller
Reuterlex. 140
und Schütze
holst. id. 4, 247;
literarisch (tralle)
bei Liliencron
und Tim Kröger
s. u. der mlat. collective sing. trelia '
cancelli, clathri, transenna' du Cange
a. a. o. erscheint so auch als deutsches wort in den ältesten glossierungen,
vgl. gerra en ysern tralye (
a. d. 15.
jh.),
gerrae eyn ysern gerempze of tralye ante chorum (
a. d. j. 1507)
bei Diefenbach
gloss. 261
b;
cancellus trallye
voc. Strals. (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 4, 605; tralge (
a. d. j. 1507)
bei Diefenbach
gloss. 94
b neben glossierungen wie eysengitter
a. a. o., schranke, gremmecz Diefenbach 94
b;
vgl. traelie
clathrus, cancellum Kilian 565;
zumeist aber im plural trallyen '
stäbe die ein gitter bilden',
vor allem an brücken, fenstern, thüren u. dgl.: und leten ock grote stark yserne trallyen dar vor (
vor die neue accisebude) maken
Rostocker chronik 55
Schröter; in der zit wart vil korntz heimlichen uis Coelne gevoirt ind nachts durch die trailgen lanx den Rin uisgestalt. so wurden nuwe stein ind trailgen gemacht, dat me zo verhoeden
chron. d. dtsch. städte 14, 803 (
Cöln a. d. j. 1499); der sall und will Joachim Schmidt de schlengen (
eisenbeschlag der thür) und trallien uthbreken (
a. d. j. 1541)
erbbücher d. stadt Riga 284; 6 stuck eisern trallin aus den fenstern geschlagen
inventar v. 1546
in chroniken von Hessen u. Waldeck 2, 357; (
das gemach) war ... mit einem ... stacket, dessen tralgen von ... golde ..., unterschieden Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 245; (
er hatte) das gemach mit einer doppelten, eisenbeschlagenen thüre ... und die fenster mit zollstarken traillen rüsten lassen Immermann 18, 130
Boxb.; vgl. traillen '
eiserne dünne stäbe, die zum verschlusz von öffnungen dienen' Helfft
wb. d. landbaukunst 367; '...
auch schmale pfosten und bretter vor einer öffnung, ingleichen die eine gallerie ausmachen' Hupel
dtsch. spr. in Lief- u. Ehstl. 240;
für die stäbe der chorschranke: sie sieht den greis am hochaltar unklar durch goldne trallen Liliencron
s. w. 7, 152;
als roststäbe in schmelzöfen: setze den tiegel in einen windtofen, der ... unter den eysern thralen vorn gegen dem windtloch schüssig gemacht sey, ... dasz man auch die thralen darausz nemmen ... könne Ercker
beschr. aller mineral. ertzt 77
a; setz den tiegel ledig inn den windtofen, eine gute zwerchhandt höher dann die eysern trahlen ligen
ib. 22
b.
der plural als collectivvorstellung '
gitter': die fenster sind gläsern und hölzern und ... mit tralien (gegitter) oder schrankwerk verwahret Comenius
sprachenthür (1657) § 550
Docem., vgl. cancelli, gatter, tralien
thes. lat. germ. (1687) 150; des mogols gemach und erhobener thron, vor welchem ein kleiner platz mit güldenen trallinen umgeben Olearius
verm. reisebeschr. 63;
phraseologisch bedeuten die trallien
das gefängnis: wollet ihr
nicht in güte, so müsset ihr in ungüte, oder ihr werdet in die trallien kommen Volckmar 40
dialogi 216;
vgl. nicht kümmert ihn des beutels lehre, die traillenkammer schreckt ihn nie G. A. v. Maltitz
streifzüge 188;
auch mundartlich: ten Doornkaat-Koolman 3, 428;
die eigentliche bed. '
gefängnisgitter'
bei Frischbier 1, 408; Köppen
Dortmund 60; Leithäuser
Barmer ma. 159; Leihener
Cronenb. wb. 124.
im singular ist die collective bedeutung '
gitter'
in jüngerer sprache verzeichnet bei Schrader
dtsch.-frz. 2, 1374; Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. 151,
und in einem theil der dial. wbb.; bes. als '
treppengeländer' Sallmann
neue beitr. z. ma. i. Estl. 42, Askenasy
Frankf. ma. 112, Pfister
nachtr. zu Vilmars id. v. Kurhessen 297, Fr. Hofmann
niederhess. wb. 240,
auch bei Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 773;
vgl. auch tralje '
chorschranke' Mothes
baulex. 4, 364;
hierher auch schweinetralle: vor einem mit der sogenannten schweinetralle versehenen wagen Tim Kröger
novellen (1914) 2, 151.