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symmetrie

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

symmetrie f.;

Bd. 20, Sp. 1393
symmetrie, f.; 'ebenmasz, gleichmasz, richtiges verhältnis'. zunächst als ausdruck der kunsttheorie im 16. jh. im anschlusz an lat. symmetria (gr. συμμετρία), namentlich nach dem vorbilde von Vitruv eingeführt; lexikalisch erst seit dem frühen 18. jh. gebucht, vgl. 'symmetrie eines gebäues, die geschicklichkeit und gleichförmigkeit aller theile desselben' Ludwig t.-engl. (1716) 1931; 'symmetrie wird die rechte proportion, übereinstimmung und gleichheit derer glieder des menschlichen leibes oder derer stücke eines gebäudes genennet, die sie entweder unter sich selbsten oder mit dem gantzen cörper und gebäude haben' Nehring lex. (1717) 921; 'symmetrie, die gleichförmigkeit, gleichmäszigkeit, übereinstimmung. die geschickte verhältnus der theile eines gebäudes untereinander selbst und gegen das gantze. ein ebenmasz' Gladow a la mode sprach (1728) 714; im 16. jh. stehen die lat. form und eingedeutschte formen noch des öfteren nebeneinander, vgl. symetria Joh. Herold (s. unten), simmetria Rivius Vitruv (1548) 102a, symmetriam (acc.) ebda 98b; aber symmetri ebda 102a, symmetrey Hans Blum V columnae (1596) vorr., symmetrei ebda, simmetri G. Braun beschreib. u. contrafactur (1572) b 1b; doch herrscht schon bei Rivius symmetri vor, seit dem 18. jh. ist symmetrie die übliche form; vgl. frz. symétrie (symmetrie 1529), engl. symmetry (simetry 1563) Murray 9, 2, 366. 11) im eigentlichen gebrauch, namentlich der bildenden kunst, insbesondere der architektur. 1@aa) allgemein das ebenmäszige verhältnis der teile eines körpers, eines kunstwerkes zueinander und zum ganzen, die harmonische übereinstimmung der teile eines ganzen, vgl. 'symmetrie, heiszt bey dem Vitruvio nach Philandri auslegung die geschickte verhältnis der theile eines gebäudes unter einander selbst und gegen das gantze' Wolff mathem. lex. (1716) 1342: auch die symetria, formung, ordnung, gestalt, masz und geberd am gantzen leib nach der leng und oberzwerch zeigt an, das sie in allem daz aller hüpscht ist Joh. Herold v. adel u. fürtreffen weibl. geschlechts (1540) c 1b; was aber die symmetri sey, haben wir droben etwas weitleufftiger im ersten buch gehandlet, doch wöllen wir zu besserm verstandt dises orts in kurtzen zum theil wider erholen und merck, das solchs wörtlein griechisch ist, dann im hat kein lateinischer namen gefunden werden mögen wie Plinius schreibt li. 34 cap. 8, daher im auch nit wol ein teutscher namen hat gegeben werden mögen, dann unser künstler nennens ein scharpffe, eygentliche proportionirliche oder wolgeschickte recht reimende messung, damit doch der verstandt solches wörtlein nit gnugsam eygentlich auszgetruckt werden mag, darumm wir in disem gantzen werke solche messung mit irem rechten eygnem namen die symmetriam nennen, und damit ich dir solches wörtleins eygenschafft auffs kürtzist eygentlichen erklere, so merck, das es ein gerade vergleichung und wolreimende schickung ist, theil gegen theilen, und herwiderumb aller theil gegen dem corpus Rivius Vitruv (1548) 98a; soltu mercken, dasz ausz der dicke des untersten theils des schaffts der seulen alle architectonische symmetri ersucht wird in allen maniren der columnen ebda 137a; dahär ist hernach sölche manier auch in andern gebeuwen hin und wider in stetten Achaje gebraucht worden (wiewol zur selben zeyt kein symmetrey oder teilung im brauch was) H. Blum V columnae (1596) vorr.; also hat der ursprung und erste erfindung der columnen zwyfachen underscheid gehabt, als die, so nach menschlichem cörper einer mannsperson blosz und ohn all zierd, und die, so nach weyblichem cörper reiner in der symmetrey gemachet wurden ebda; die symmetrie, damit die theile des hauszes und die gehörigen längen, breiten und höhen der theile nach ihren besonderen verhältnissen miteinander correspondiren mögen, ist allerdings auch in betrachtung zu ziehen H. v. Fleming t. soldat (1726) 32; (viele meinen, die natur werde in gartenanlagen) durch eine kunstvolle ordnung in der vortheilhaftesten symmetrie und eintheilung (übertroffen) Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 266; alle äuszere symmetrie ... schien (bei dem schlosz) dem bedürfnisz der inneren bequemlichkeit aufgeopfert zu sein Göthe 23, 6 W.; wenn ich meine sieben schlösser schleifen lasse, wenn ich diese Venus zerschlage, so ists symmetrie und schönheit gewesen. sieh da! das ist eure unsterbliche seele! Schiller 2, 183 G.in häufiger verbindung proportion und symmetrie: doch ist solche proportion und symmetri menschlicher corper vom hochberümpten und künstreichen maler Albrecht Dürer vast fleiszig in ein sonderlich buch in schrifft gestellt Rivius Vitruv (1548) 100a; zu augenscheinlicher anschawung der rechten proportion und symmetri ebda; bisz so lang die menschen zu bawen ein sichere manier, auch die rechte und ausz warer simmetri und proportion herflieszende kunst erfunden haben G. Braun beschr. u. contrafactur (1572) b 1b; er hatte ... ein sehr richtiges auge für proportion, symmetrie und dergleichen Herder 23, 110 S. 1@bb) im engeren sinne das gleichmäszige verhältnis zweier (oder mehrerer) gegenstände in bezug auf ein in ihrer mitte liegendes objekt, auf einen mittelpunkt, eine mittellinie, zu der sie in entgegengesetzten richtungen gleichartig hingeordnet liegen, vgl. 'symmetrie ... die Frantzosen brauchen es (das wort) auch vor die ähnlichkeit der seiten neben einem unähnlichen mittel, wovon unter dem wort eurythmia geredet worden' Chr. Wolff mathem. lex. (1716) 1343; sowohl von der gleichmäszigen anordnung der teile eines kunstwerkes, schöpfungen der natur (z. b. kristallen, blättern, blüten, animalischen körpern), wie auch in der geometrie, s. Klügel mathem. wb. 4 (1823) 855 (ebenso arithmetisch ebda 854) u. s. w.: unglaublich ist noch über diese menge, in welcher ordnung und gepränge in welcher symmetrie sie (die spiegel an den federn im rade des pfaus) sitzen Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 165; wie nennen wir diese wahlordnung einer mitte zu ihren beiden seiten? symmetrie. wir suchen sie bei jeder breite und finden sie mit vergnügen, die ganze eurythmie der baukunst ist auf sie gebauet Herder 22, 47 S.; wie er (der mensch) dasteht in seinem hohen eins! — wohlgestalt, ebenmasz, symmetrien durch alle formen und glieder Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 5; jedes wohlgebildete gesicht wird entstellt, wenn man die nase auf die seite biegt, und warum? weil die symmetrie gestört wird, auf welcher die gute bildung des menschen beruht Göthe 45, 259 W.; die symmetrie des bauches (einer geige) Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 5; sehen sie diese blume, sagte ich zum philosophen, es ist gar nicht möglich, dasz diese symmetrie mit diesen abgezählten punkten und zacken, diese weisz und roten streifchen, dies goldene krönchen in der mitte nicht vorher gedacht seien G. Keller ges. w. (1889) 1, 317; nur der philister schwärmt für absolute symmetrie H. Seidel ges. w. 1, 70; ungewöhnlich verengert 'gleichmäszige grösze': die strenge symmetrie (der auf gleiche länge gebrachten orgelpfeifen) benahm dem spiel nun alle harmonie Pfeffel poet. vers. (1812) 4, 26. 22) vielfältig erweitert und übertragen auf die gestalt anderer kunstformen und erscheinungen, in denen sich eine 'regelmäszigkeit, gleichartigkeit des aufbaus, harmonische gesetzmäszigkeit, äuszere und innere ordnung, ein gleichgewicht der teile' u. dgl. kundtut; noch in deutlichem bildzusammenhang mit 1 stehend: in der darstellung im tempel findet sich (bei einem bilde van Eycks) auch eine art von parallelism, der ohne mitte durch eine gegenüberstellung der charaktere bewirkt wird, eine geistige symmetrie, so gefühlt und sinnig, dasz man angezogen und eingenommen wird, ob man ihr gleich den maszstab der vollendeten kunst nicht anlegen kann Göthe 34, 184 W.; das verständnis und die wirkung der musik beruht wesentlich, wie dies von der architektur gilt, auf der eurythmie der verhältnisse; ist auch ein eigentlicher strenger parallelismus der einzelnen glieder nur unter gewissen verhältnissen anwendbar, so musz die symmetrie derselben doch dem gefühl des hörers stets gegenwärtig sein O. Jahn Mozart (1856) 4, 252; in freierer verwendung: der wahre weltweise sucht allemal das ganze zu übersehen. er betrachtet die welt im ganzen, er untersucht ihre vollkommenheit, die harmonie, symmetrie und zusammenordnung aller ihrer theile G. Fr. Meier betracht. (1757) 23; ein system, welches ... uns in der anscheinenden verwirrung der natur eine majestätische symmetrie, in der regierung der moralischen welt einen unveränderlichen plan zeigt Wieland Agathon (1766) 1, 264; sie bringen symmetrien in ihre reden Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 325; herr Rammler sucht ... auf eine ihm eigne art das ritornell durch die zweyte hälfte der arie einzuleiten und der symmetrie des schlusses mit dem anfange einen innern grund zu geben Gerstenberg recensionen 81 lit.-denkm.; die grelle symmetrie in der katastrophe der Schroffensteiner O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 348; nur der symmetrie wegen stellen wir dieses (diese ansicht) hier auf und ohne es weiter auszuführen Schleiermacher s. w. (1834) I 12, 642; schon der symmetrie wegen fügte ich dem heutigen morgengebetchen jetzt ein kurzes dankgebet bei, ohne den groszen weltherrn mit vielen oder lauten worten belästigen zu wollen G. Keller ges. w. (1889) 3, 68. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Symmetrīe

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Symmetrīe , (dreysylbig) plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, (viersylbig,) aus dem Griech. und Lat. Symmetria…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Symmetrie

    Goethe-Wörterbuch

    Symmetrie [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Symmetrie

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Symmetrie , griech.-dtsch., Ebenmaß; symmetrisch , gleichmäßig, übereinstimmend; symmetrische Vielecke , 2 Vielecke mit …

  4. Spezial
    Symmetrief

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Symmetrie , f симметрия , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit symmetrie

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symmetrie‑ als Erstglied (5 von 5)

Symmetrieachse

Meyers

symmetrie·achse

Symmetrieachse ( Deckbewegungsachse ), eine durch den Mittelpunkt eines Kristalls gelegt gedachte Gerade, um die herum eine derart symmetris…

symmetriegesetz

DWB

symmetrie·gesetz

symmetriegesetz , n. : bei den einfachen formen ist die lage der flächen gegen den mittelpunkt nach einem bestimmten symmetriegesetz geordne…