symbolik,
f. zufrühest (1768)
bei Herder
belegt (
s. u. 2 c). 11)
zu symbol B '
glaubensbekenntnis', '
bekenntnisschrift',
seit 1810
terminologisch für '
konfessionskunde': Phil. Marheineke christliche symbolik,
vgl. dazu Joh. Kunze symbolik (1922) 11. 22)
zu symbol D '
sinnbild, sinnvolles zeichen'
: zusammenfassend die anwendung von sinnbildern auf einem bestimmten gebiet wie im einzelnen der einer darstellung, einer ordnung innewohnende sinnbildliche gehalt selbst. 2@aa)
in rationaler festlegung, die traditionell gebundene zeichen- und bildersprache innerhalb der bildenden kunst oder wissenschaftlicher disziplinen: nur möchte den darstellungen an der Antoninischen bildsäule etwas mehr symbolik eingemischt seyn Heinr. Meyer
gesch. d. bildend. künste (1824) 3, 298; wie schön z. b. weisz er (
der verfasser) die symbolik der kirchenbaukunst nachzuweisen A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 52
Schücking; die, das universum ebenfalls umfassende, mathematische symbolik der Pythagoreer A. v. Humboldt
kosmos (1845) 3, 12; aller verirrungen einer astronomischen symbolik ungeachtet Ed. Gerhard
archäol. zeitung (1843) 1, 90; (
das werk) enthält eine neue symbolik der musikschrift. statt der bisherigen linien, intervalle, notenköpfchen und schwänzchen setzt er (
der verfasser) zahlzeichen Göthe IV 23, 197
W. 2@bb)
die mehr durch gefühl und erlebnis oder durch eine tiefere bedeutung bestimmte sinnbildlichkeit. auf religiösem gebiet: in der symbolik der ägyptischen priesterlehre Ritter
erdkde (1822) 1, 779; so ist also dieser christlichen symbolik der versuchungsbaum und der baum der erlösung im kreuze ein und dasselbe gewächs Görres
d. wallfahrt nach Trier (1845) 53; diese christliche symbolik (
des kreuzes, der krippe, des grabes, des kelches, des gewandes Christi) ... in der die kirche den unergründlich tiefen inhalt ihrer dogmen, mit der bedeutungsvollen äuszeren form, wie mit einem netzwerke umschrieben; und so den gröszten reichthum in engster fassung auf den gediegensten und kürzesten ausdruck gebracht
ebda 81; der dienst einer gottheit ..., die man als symbol der gebärenden und allernährenden kraft in der natur ansah. der mond ist ihr sinnbild am himmel ... die kuh ist ihr sinnlichstes ... gegenbild auf der erde. diese symbolik finden wir noch jetzt bei den Hindus ... wieder Böttiger
kl. schr. (1837) 1, 67.
terminologisch für die erörterung der verwendung von sinnbildern innerhalb einer bestimmten religion zuerst bei Creuzer symbolik und mythologie der alten völker (1810)
titel; vgl. religion in gesch. u. gegenw.2 5, 942.
allgemeiner: da das feld der menschlichen symbolik ungeheuer grosz und vielartig ist Herder 22, 322
S.; die quellen aller (
poetischen) fiktionen versiegten, indem man die mythologie unter die rubrik des aberglaubens verwiesz, und aus der natur die symbolik verschwand
Europa (1803) 2, 82
Schlegel; den in alter symbolik so häufigen gegensatz von licht und dunkel Ed. Gerhard
akad. abhandl. (1866) 1, 4.
auf den sinnbildlichen gehalt von handlungen gehend: (
eine darstellung,) welche die symbolik seiner gebräuche (
des freimaurerordens) in ein glänzendes licht stellte O. Jahn
Mozart (1856) 4, 602.
als mittel dichterischer gestaltung: die ernsten gedanken von kaiserherrlichkeit und welthoheit aber ... sind (
im latein. Antichrist) in einer szenischen darstellung von hoher symbolik und glücklichster erfindung vor die augen des publikums gebracht worden Scherer
lit.-gesch. 77; aber gern gesellt sich nun schon, wie bei Bierbaum, auch bei Liliencron jene leichte vertiefung und symbolik hinzu — man vergleiche, wie der ritt in 'zwei meilen trab' zuletzt den ritt durchs leben bedeutet und nicht ohne groszartigen schiusz dem torfahrtlicht der ewigen ruhe zustrebt Hans Naumann
d. dtsche dicht. d. gegenw.5 265. 2@cc)
in tiefster fassung vor dem gleichen geistigen hintergrund und in der gleichen bedeutung wie symbol D 4, symbolisch 3 c.
von einer durch die formkraft des seelischen gestalteten sinnlichen erscheinung: der durchschein, oder vielmehr das ertasten der seele im körper ist ganz plastisch; ... da starret der schenkel des Laokoon: und sein unterleib hölet sich zum innern ach! und seine adern schwellen von todesgift. das muszte der bildende künstler fühlen, wie es der sehende beobachter tastet ... eine symbolik! (1768) Herder 8, 106
S. von einer einzelnen erscheinung als repräsentation eines irrationalen höheren lebensgesetzes: das ist die wahre symbolik, wo das besondere das allgemeinere repräsentirt, nicht als traum und schatten, sondern als lebendig augenblickliche offenbarung des unerforschlichen Göthe I 42, 2, 151
W. in ausdrücklicher abgrenzung gegen den begriff der allegorie: die allegorie verwandelt die erscheinung in einen begriff, den begriff in ein bild, doch so, dasz der begriff im bilde immer noch begränzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei ... die symbolik verwandelt die erscheinung in idee, die idee in ein bild, und so, dasz die idee im bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe Göthe I 48, 205
f. W. speziell als darstellungsmöglichkeit innerhalb der bildenden kunst: folgendes sind beispiele von demjenigen, was die kunst nur auf ihrer höchsten stufe erreichen kann, von der symbolik, die zugleich sinnliche darstellung ist Göthe I 49, 191
W.; was man symbolik der kunst nennen kann, zeigt sich hier (
in der darstellung des Helios) in höchster vollkommenheit ... das angestrengte zügeln des zurückgelehnten fuhrmanns deutete die macht, der ausdruck der über den karnies wie über den horizont vordringenden zwei rosse das feuer der sonne an Welcker
alte denkm. (1849) 1, 76.