Wossidia
Swinägel m. Igel 1.
eig.: erinaceus suillus 'Schwyngel' Chytr. 364;
Swinegel Mi 90
b; Swinägel, Pl.
-s Schmidt Gad. 3, 173; Giese Tiern. 20; Swinägel ist das herrschende Wort für den Igel, im SO neben Stachelswin, -schwin, Tachel-,
von denen aber auch im ganzen Lande Streubelege auftreten; vereinzelt stehn Hunn'-, Tunägel D. WA. 13, 3. Weitere Belege: dor satt de Swinägel achter 'n Duurnbusch Bri. 3, 22; Rdaa. beziehn sich auf sein Stachelkleid: büst ok tau 'n Snider tau bruken as de Swinägel tau 'n Oorswisch WaWaren@JabelJab; StaStargard@NeustrelitzNStrel; dortau passen as de Swinägel tau 'n Schötteldauk überhaupt nicht HaHagenow@LankLank; ... taum Snuwdauk Neese Leb. 12; einen Swinägel tau 'n Handdauk nähmen einen unpassenden Menschen mit etw. beauftragen RoRostock@KühlungsbornKühl; dit is ok ne Arbeit, dei kümmt glik achter 't Swinägellusen PaParchim@BurowBur; auf seine ziemlich langsame Fortbewegung: de düren Prisen bringt de Has', de billigen de Swinägel RoRostock@KlockenhagenKlock; wenn dat Kuurn billiger ward, dat Order bringt de Swinägel LuLudwigslust@ConowCon; auf das Märchen vom Wettlauf zwischen Hasen und Igel: all wedder dor, seggt de Swinägel bei Besuchern gesagt RoRostock@MüritzMür; dat kümmt up den Versök an, seggt Swinägel to 'n Hasen Hoef. 172; auf seine kurzen, krumm erscheinenden Beine: alles kann de Swinägel verdrägen, œwer nich, wenn einer von scheiwe Bein räd't PaParchim@PlauPlau; weitere: Fett flütt baben, wenn 't ok man von 'n Swinägel is SchöSchönberg@WarnowWarn; Beispielsprw.: dat is 'n schönen Warmbrauder, säd' de Diern, dor hadden s' ehr 'n Swinägel int Bedd' packt HaHagenow@GammGamm;
vgl. unt.; im Vgl. von schlecht gepflügtem Acker: dat süht ut, as wenn de Swinägel dor wäuhlt hett RoRostock@GresenhorstGres; und in Anlehnung an solche mit dem Swin vom Schmutzfink: du sühst ut as 'n Swinägel StaStargard@NeubrandenburgNBrand; bildl. von diesem: du Swinägel! Wi; in hd. Form: du Schweinigel! zum Hunde gesagt WaWaren@PenzlinPenzl; vom schlechten Menschen: dei Swinägel hett sin eigen Kinner arwlos maakt Schmidt Gad. 3, 173; Schelte: ick würd' ... so bös up den ... Swinägel Bri. 2, 192; derb-lustige Wechselrede beim Einanderzutrinken: proost Swinägel! — Schönen Dank Oorskägel! GüGüstrow@GülzowGülz; über einen, dem mit proost zugetrunken wird: dat hett ok 'n echten Swinägel drapen HaHagenow@RedefinRed; bildl. auch der Stein, auf den die Sense trifft:
Swinägel, wat schriest Ro Rostock@LangsdorfLangsd; Swinägel, hadd'st di nich mellen künnt Carlsthal; von einem, der bei großer Hitze ermüdet, heißt es: de Swinägel steckt em Börg; vom Bezechten: denn' hett de Swinägel unnerkrägen StaStargard@WulkenzinWulk; hüt willn wi den Swinägel eins lopen laten wollen tüchtig tanzen WaWaren@Groß FlotowGFlot. Brauchtum, Volksglaube, Schabernack der Knechte: wi hebben de Dierns ok 'n Swinägel int Bett sett't Ha Hagenow@BelschBelsch; SchwSchwerin@Groß WelzinGWelz; öft.; ein Swinägel steckt in der letzten Garbe WiWismar@GoldebeeGold; Pa Parchim@SteinbeckSteinb; ein zur Kornmiete getragener Swinägel soll diese vor Mäusefraß schützen Ma; auf einem Swinägel reiten kinderlose Ehemänner nach dem
Fischbarg WiWismar@PoelPoel; in einer Hexensage dreiht 'n Swinägel de Hex den Kopp üm Wi; der Teufel verwandelt sich in einen
Swinägel Bri. 5, 140; Krankheitsbehandlung: Ausschläge werden geheilt, wenn man die Leber eines Swinägels mit Honig und Essig einnimmt Wo. Sa. 2. übertr. a. bei mangelhaftem Pflügen Stehngebliebenes: bi dat Brakhaken kem dat jo nich up einen Swinägel an MaMalchin@LuplowLupl; dee haakt Bedreigers un Swinägels PaParchim@DobbertinDobb; dor hett hei all wedder 'n Swinägel maakt Gü Güstrow@KritzkowKritzk. b. Schlackestück im Schmiedefeuer: mak dat Füer rein, dor is 'n Swinägel in HaHagenow@GallinGall. c. kleines Branntweinfaß Wi Wismar@PepelowPep; dunn würd ... en Swinegel upleggt, en groten Zier. Plaugf. 184.
d. Hilfsmittel des Schneiders, um Kleidungsstücke vor dem Bügeln damit anzufeuchten: 10 bis 15 cm lange Dokecken, mit einem Band zusammengebunden Gü. e. ein von zwei Mann an Querhölzern vorn und hinten gezogener Grobhobel: mit 'n Swinägel warden Bräd' toierst mit afhubelt RoRostock@WarnemündeWarn; Swinägel un Zwimänner, denn' trecken twei Mann Wa; langer Hobel, von einem Mann bedient Pa Parchim@GoldbergGoldb; Syn. Schinnerknecht 2;
vgl. Sass 11.
f. in Sta@ öft. Bezeichnung für die kleine Hungerharke:
Schwinägel Blume 72; den Swinägel trecken Wa; Syn.
s. Hungerhark (
Bd. 3, 869), dazu Swindüwel. g. Wiesenegge SchwSchwerin@GodernGod. h. die mit Zapfen versehene eiserne Walze auf der Dreschmaschine, die die Garben nach dem Einfüttern weiterbefördert: Schwinägel (Sta Stargard@BallinBall) Blume 72. i. Weidenknorren mit Zwinge, der zur Steinbeförderung dient (StaStargard@GalenbeckGal) Blume 72. k. das untere Seitenbrett beim Dungwagen, über das der Dung abgestoßen wird SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev. l. Posaune Heim. 9, 66; Tuba Wo. Sa.
m. wie Swinägelsknop LuLudwigslust@GüritzGür. — FN.: Swinägel, Swinägelbarg, Swinägelslock, 'Schweinigelsoll'. — Mnd. swînegel. — Dä. 479
a; Da. 219
a; Kü. 3, 366; Me. 4, 1005.