supplement,
n. ,
ergänzung; im zeitalter des humanismus aus dem lat. übernommen: '
der anhang, die ersetzung des mangelnden' Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1929; Campe
wb. z. erkl. (1801) 631
b;
dazu supplieren (
s. d.). 11)
nachtrag, zusatz, ergänzungsschrift, anhang zu einer abhandlung, einem buch, einem literarischen werk. das supplement
ist für sich allein unvollständig und bruchstückhaft; durch seine anfügung soll ein an sich geschlossenes und abgerundetes schriftwerk von meist umfänglicher entstehungs- oder erscheinungsdauer auf den inzwischen erreichten stand der forschung gebracht und sachlich bis auf den tag des druckabschlusses vervollständigt werden: zu end des bestimten fleschenbüchleins stund für ein ... historisch supplement ... eyn kleyn anhänglin vnd tractetlin Fischart
Garg. 42
ndr.; so hab ich mich auch dasselbige supplement aus dem lateinischen in
[] unsere sprache zu versetzen bemühen lassen Casp. Ulenberg
kurtze chron. (1586)
vorr. 3
a;
krasz bildhaft: damit er auch wie ein schwalbennest am hausz an doctor Geszners bibliotheck oder ins suppliment zugeflickt werde Fischart
Garg. 273
ndr.; die neigung zur wiederholten anflickung von nachträgen ironisierend: dan das supplement supplementi chronicorum meld
ebda 373.
dieser gewöhnlichste gebrauch ist bis ins 20.
jh. hinein üblich: herr
d. Weiszmann schreibt also in dem supplement seiner kirchen-historie Zinzendorf
περὶ ἑαυτοῦ (1747) 152; hr. Kollar, von dem die supplemente, der halbe und beinahe der beste teil des buchs herrühren Herder 5, 273
S.; nachdem sie schon abgedruckt war, erhielten die Philadelphen noch einige papiere ..., woraus diese lücken ergänzt werden konnten. dieses supplement war daher dem zweiten bande angehängt Forster
s. schr. 5, 325; so sehen wir in den meisten neueren verfassungen ... die zahllosen gesetze, verordnungen und supplemente zu den verordnungen graf Stolberg
ges. w. (1820) 3, 137;
vgl.supplementband.
seit dem 18.
jh. auch freier, ohne die beschränkung auf druckwerke, '
ergänzung'
zu einem in sich geschlossenen ganzen, das dadurch in einzelheiten bereichert, nicht wesenhaft gewandelt oder berichtigt wird: die geschichts-wissenschaft des scharfsinnigen Chladenius ist blosz als ein nützliches supplement unserer scholastischen oder akademischen vernunftlehre anzusehen Hamann
schr. 2, 19
Roth; supplement zu Schillers 'glocke' Göthe I 4, 239
W.; er würde supplemente zum fache des altertums liefern
ebda IV 8, 61; diese werke waren wie wunderbar geniale supplemente zu dem groszen epos der antike Justi
Winckelmann 2, 2, 255; zu diesen sechs gruppen müssen noch einige kleinere als supplement hinzukommen H. Brunn
kl. schr. (1898) 3, 237. 22) das supplement
ist ein selbständiges ganzes. nur unter einem bestimmten übergreifenden gesichtspunkt erscheint es als eine art ergänzung zu einem in sich gerundeten ganzen. in dieser neuen, höheren ganzheit gehören ursprüngliches werk, ding oder sache und supplement
als gleichwichtige und wesensnotwendige bestandteile zueinander: das supplement
ist nicht mehr dem werk untergeordnet wie in 1,
sondern steht gleichwertig neben ihm. diese bedeutung entwickelt sich seit dem 18.
jh., angeregt durch 1: der prolog zeiget das schauspiel in seiner höchsten würde, in dem er es als das supplement der gesetze betrachten läszt Lessing 9, 210
M.; solche documente ihres daseyns sind mir wo nicht eben so lieb als ein portrait, doch gewisz als ein wünschenswerthes supplement oder surrogat desselben Göthe IV 23, 6
W.; wenn jeder mensch nur als ein supplement aller übrigen zu betrachten ist
ders. 31, 279
W.; ich habe immer gesehen, dasz unsere grundsätze nur ein supplement zu unsern existenzen sind
ebda 23, 238; vielleicht ist die kunst sogar ein nothwendiges correlativum und supplement der wissenschaft? Nietzsche
w. (1895) I 1, 102;
wunderlich im sinne von '
ersatz': ... der junge Schach ... liesz auf allen fall sich an des herzens platz auf seinen neuen purpurlatz ein supplement von silberfäden sticken Pfeffel
poet. versuche (1812) 3, 114.
gern von selbständigen und oft umfänglichen briefnachschriften, die mit dem briefinhalt sachlich nichts zu tun haben: dies ist ein supplement zu dem brief an Wilhelmine, den ich eben endigte, weil der bogen aus war — oder jener eines zu diesem — wie du wilst Caroline 1, 91
Waitz; hier kommen noch einige supplemente H. v. Kleist 5, 53
E. Schm. sachlich scharf zugespitzt in den naturwissenschaften: bisweilen ist ein unvollkommener rippenknorpel gleichsam als supplement zur vorigen (
rippe) umgekehrt und liegt mit dem stumpfen ende am mittleren brustbeine Sömmerring
bau d. menschl. körpers (1839) 2, 143. 33)
in der mathematik spät zum festen fachbegriff entwickelt für einen bogen oder winkel, der einen anderen zu [] 180°
ergänzl. als supplementum
seit dem 17.
jh. belegt bei Tropfke
gesch. d. elem.-math. 4
3 (1940) 71
; seit anfang d. 18.
jh. daneben auch supplement: wann zwey winckels ... einander gleich seynd, so seynd ihre complement ... auch einander gleich wie auch ihre supplement Ph. Naudé
gründe d. meszkunst (1706) 60;
ebda 61; man pflegt die ergänzung eines bogens zu einem halben eirkel oder die ergänzung eines winkels zu zween geraden auch des bogens oder des winkels supplement zu nennen J. A. Segner
vorlesungen über d. rechenkunst u. geometrie (1747) 741;
geläufig erst seit ende des 18.
und im 19.
jh., s. Klügel
math. wb. (1803) 1, 522; 4, 849; Oken
allg. naturgesch. (1839) 1, 77; Ehrenberg
baulex. (1840) 813;
vgl. supplementwinkel Tropfke
a. a. o. 70.