südland,
sudland,
n. ,
nach süden, im süden gelegenes land, älter süden-, süderland (
s. d.),
vgl. ags., me. suþland, suðland Bosworth-Toller 939;
suppl. 715; Stratman-Bradley 592; southland Murray 9, 1, 1, 484;
anord. suðland
und suðrland Fritzner
ordb. 3, 595.
auf festländischem boden seit dem frühen 15.
jh. bezeugt, mnl. zuijtlant
austria (15.
jh.)
bei Diefenbach
gloss. 63
b,
vgl. Suutbeverlant Verwijs-Verdam 7, 2450;
mnd. seit 1405
belegt, s. u. 1.
ein lauteignes hd. *sundland
fehlt. vereinzelt in gloss. d. 15.
jh. suotland (
md.)
austria Diefenbach 63
b.
im hd. schrifttum als sud-, südland
erst seit der zweiten hälfte des 17.
jh. nachzuweisen, häufig in übersetzungen aus dem holländischen. 11)
allgemein im sinne von süd 1 a
ein im, nach süden gelegenes land, bzw. südlicher teil eines landes, vgl. sudland terra australe Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1037
b; Adelung 4, 498
a.
ohne beziehung auf ein bestimmtes land: allerley von sud benahmte orte und sachen ... als sudland (
beispielbildung) Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 9;
ut borealia prius quam Australia (
sc. Europae)
describamus sudland R. Capel
nordland (1678) 153
u. reg. im ältesten zeugnis als adverbialer genetiv '
südlich': de sdlandes tom Stighte van Paderborne werd wonet (1405)
Eversteiner urk.-b. 433
Spilcker. südküste einer hafeneinfahrt: de vort wil segelen vor de stede, de sal laten dat dordendel waters to den sudlande unde dat twedel van deme water to den nortlande
seebuch 8, 16
Koppmann; ebenso: holdet de marke ... dat gy den torn up de hörne seen benorden dat hus, ... so möge gy ant südtland nicht miszdhon
de seekarte ost und west tho segelen (1571) a 4
a; c 4
a u. ö. ohne den appellativen charakter zu verlieren nähert sich das wort oft einer geographischen benennung: de setten wil under Hillige landt (
Helgoland) ... de kame Hilliglandt nicht neger denn 10 vadem, so lange alse gy den mOennick vnd dat hoge kliff seen vnd segelt den fry na dem südlande tho
seekarte (1571) a 8
a; o hochland und o südland! was ist auf euch geschehn! (
schottisches volkslied) Herder 25, 382
S. Oberägypten ... welches bei den Kopten ... den namen Maris
d. h. südland führt Ritter
erdkde (1822) 1, 705. —
formale eindeutschung von Sudawen,
doch nicht notwendig mit dem deutschen sud
in beziehung gesetzt, ist Sudland
in den littauisch. wegebericht. von 1401-1404: (
die grenze verläuft) vort von dem mittag in den obent mit der heren lande von Prusen, Sudlant (
südlich Tilsit) und Schalwenlant (
Schalauen nördlich Tilsit) genant und der heren wiltnisse vormittelz des flises Memel genant, vort von dem obende kegen di mitternacht mit der salczensee
scriptor. rer. Pruss. 2, 709. 22)
im ferneren süden gelegenes land, vgl. süd 2 b: wir wollen tragen wie Rollo trug auf südlands acker den nordlandspflug (
von Norwegen aus gesehen) graf Strachwitz
ged. (1850) 47; schon Homer kennt die frommen Aithiopen in fernem südlande E. Littmann
Abessinien (1935) 11.
so besonders von Südeuropa spec. von Italien und den übrigen Mittelmeerländern, der im 19.
jh. überwiegende gebrauch des worts (
s. auch unten 5
sowie südländer
und südländisch 3)
im gegensatz zum 17.
und 18.
jh., vgl. unten 3
und Adelung,
der diesen wortinhalt noch ausdrücklich als nicht üblich ablehnt 4, 498
a: ob zwar die südländer (
Indien, Egypten, Griechenland, Italien) die frostigen gegen nord verkleinerlich hielten, so rühmten doch diese den reichthum ihrer ... flüsse Lohenstein
Arminius 2, 306
b; wenn vor unendlichen güssen die kraniche zogen in südland und dem Achaier die saat raubeten hinter dem pflug Voss
ged. (1802) 3, 140; von allen andern deutschen stämmen, die einst ... über die Alpen und die Pyrenäen nach den europäischen südländern stiegen ... ist keiner bei seiner sprache und sitte geblieben L. Steub
drei sommer in Tirol 2, 229; (
die Germanen) zwischen fremden, im verdorbenen südland, über ehrlosen haussklaven G. Freytag 17, 247; was thuts so grosz, dasz ihr mal flausen macht? es ist die art des südlands, spaszhaft sein Tieck
schriften (1828) 3, 469 (
Fortunat II 5, 4). 33)
im engeren sinne von tropischen ländern, '
von einem auf der südlichen hälfte der erdkugel gelegenen lande' Adelung 4, 498: die sonne ... ist ... denen an dem mittleren gürtel der erdkugel liegenden sudländern mehrmals nicht wenig beschwerlich Lohenstein
Arminius (1689) 2, 169
a.
in noch engerer bedeutung und am ende des 17.
und im 18.
jh. am häufigsten gebraucht von auf der südlichen erdhälfte dem südpol am nächsten liegenden ländern, z. b. von dem südlichen ende von Südamerika: dieses sudland (
in der holl. quelle zuyderlandt v.
d. Bosch [1676] 27
a) nennete Magellanes Tierra del Fuego (Feuerland)
M. Kramer
leben und tapffere thaten (1681) 37; diese terram australem oder sudland
ebda; vornehmlich von ländern im südlichen teile des stillen ozeans gelegen, die heute südseeländer
heiszen, '
wohin z. b. Neu-Guinea u. a. m. gehören' Adelung 4, 498; '
als Neuholland, Neuseeland, Neuguinea u. s. w., welche man unter dem namen des fünften erdteiles zusammenfaszt' Campe 4, 747
a,
vgl. auch südwelt.
so vor allem von dem groszen festlande, das man in den südlichen breiten des stillen ozeans bis zum südpol suchte, vgl. den namen Australien: Abel Tasman ... segelte ... von Batavia ab und lieffe durch die strasze Sunda nach dem südlande zu
M. Kramer
leben (1681) 565; ob nun gleich Neuseeland von 1643-1768 ohne widerrede für einen theil des festen südlandes galt, so blieb dennoch in diesem ganzen zeitraume Tasmans entdeckung ohne folgen G. Forster 5, 73.
so ist denn im 17.
und 18.
jh. das (grosze) unbekannte sudland
eine häufige verbindung: Hawkins, als er nach der seestrasze Magellanes zu segelte und seinem vermuten nach noch funfzig meilen bis zum festen Americkschen lande zu segeln hatte, fiel auf vierzig staffeln nach der sudseite des mittagsstriches zu mit einem westwinde vor das unbekante sudland O. Dapper
Amerika (1673) 650; entdeckung von der terra australi incognita oder unbekandtem sdland (
durch Abel Tasman)
M. Kramer
leben (1681) 563;
Chomel 8 (1757) 2211; die unbekannten südländer
les terres australes inconnues Chr. Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 746
b.
vgl. noch: über dem grossen sudlande ... daselbst und über der strasze des Magellan noch soviel länder als in der neuen welt ... Lohenstein
lobschrift (1679) e 4
a;
im 19.
jh. noch nachklingend: er schwor es sei das reiche Indien, das unbekannte grosze südland, das damals alle abenteurer suchten Eichendorff
s. w. 3, 232. 44)
vereinzelt vom himmelsgewölbe der südlichen erdhälfte: wie viel unausleschliche sternen hätte man auf den schiffarthen in dem sudlande des himmels kennen gelernet Lohenstein
Arminius (1689) 1, 266
b. 55)
die zahlreichen südlands-composita sind alle jung (19.
jh.),
fast nur im literar.-poet. gebrauch; sie beziehen sich fast ausnahmslos auf Südeuropa, zumeist auf Italien, vgl. oben 2,
und erweisen auch von dieser seite her, ebenso wie der gebrauch von südländer
und südländisch (
s. u.),
diese beziehung als die heute im vordergrund stehende bedeutung der südland-
gruppe; vgl. z. b. -blume,
übertr. mädchen aus Südfrankreich Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 221; -geil,
auf Indien zielend A. Ulitz
narrenkarosse (1916) 160; -himmel Gaudy 19, 9; -kehle v. Sallet
s. schr. 4, 341; -lied Strachwitz
ged. (1850) 137; -luft v. Sallet 4, 318; -masze,
der spanischen poesie Fouqué
lebensgesch. (1840) 262; -nacht Gaudy 21, 65; -reise Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 11; 64; -rose graf Strachwitz
gedichte (1850) 102; -trieb Fel. Dahn
ged. (1908) 228; -sturm
carneval Gaudy 11, 517; -wanderer H. Stieglitz 317; 318; -wind E. v. Schönaich-Carolath
ged. (1905) 23; -zypresse
ebda 22.