sturzel,
m. ,
truncus, auch stürzel,
ferner in ähnlichen bedeutungen storzel, störzel (
teil 10, 3, 445)
und sterzel.
zur wurzel *stt '
steifes, starres, trockenes',
zu der auch sterz '
schwanz', sterzen '
emporragen; aufwärtsrichten',
und 2sturz
truncus (
sp. 690)
gehören, vgl. H. Schröder
in idg. forsch. 18, 519; Walde-Pokorny 2, 630;
in der bedeutung '
truncus'
entsprechen norw. stert, start,
engl. start,
mhd. sterz,
bair. starz.
seit dem 14.
jh. bezeugt (
s. u. 3),
heute besonders in md. mundarten, s. Bernd
Posen 301; Hertel
Thür. 240; Jecht
Mansfeld. 109; Sartorius
Würzburg 119; Follmann
lothr. 511; Martin-Lienhart 2, 616; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 586; Wenisch
nordwestböhm. 2, 89. 11)
unteres ende, rest von pflanzen, '
strunk, stiel': krautstengel, sturtzel
caulis Junius (1567) 128
b; in alles volck da kam ein graus, den salvenstock den grub man aus, eine kröte lag unter der salven wurtzel, die hat vergifft des krautes sturtzel
Frankfurter liederb. 350
Bergmann; ich glaub, er hab heilsame wurtzel mit samt dem kraut, stengel und sturtzel dem weyb gehalten für die nasen H. Sachs 14, 256
K.-G.; also ist ... die meynung entstanden, ob würde der mittlere sturtzel unter den rebenzaseln vom teufel stets abgebissen, auf dasz der mensch der wurtzel grosze kraft nicht theilhaftig werden könne J. G. Schmidt
rockenphil. (1706) 2, 11.
unteres oder restliches ende der getreidehalme: stoppel, stumpel
und sturzel
stipula Stieler (1691) 2225; sie ... traten die stürtzel oder stoppeln mit den füszen in den erdboden hinein G. Opitz
merkwürd. nachr. (1748) 1, 147; so soll man das geringste getrAeide nicht weit davon in feine runde schober setzen, und dasselbe wohl aufeinander, dasz die ähren hinein, die stürtzel heraus kommen, einlegen
schles. wirtschaftsbuch (1712) 160; (
weizen) wird von der hitze, die den sturtzeln schädlich ist, bleich Zincke
ök. lex. (1744) 3178. '
baumstumpf': also bistu minne zart, ein boum uz nutzes wurzeln gewachsen ab den sturzeln
minneburg in mhd. wb. 2, 2, 646;
so besonders in jüngerer zeit: sie (
die mistel) kann im boden nicht gleich andern pflanzen wurzeln, nur nahrung saugen aus baumästen oder sturzeln Rückert
ges. poet. w. 8, 432; (
die weide) zerrissen in drei stücke, die trotz der trennenden lücke doch fuszen auf einem sturzel und saugen mit gleicher wurzel E. Ortlepp
lieder eines polit. tagwächters 155; aus diesem ... durcheinander von ... sturzeln und schlamme ... wieder herauszukommen Brehm
thierleben 6, 490;
bildlich: ach, die ganze sumpfige gegenwart voll sturzeln und egeln hatt er mit einem fusze seitwärts weggestoszen Jean Paul 15-18, 109
Hempel; '
wertloser stumpf': doch neulich, als ich nach ihm (
dem röschen) sah, stand nur ein trockner sturzel da, und nicht einmal ein keim zur frucht
F. Rochlitz
für ruhige stunden 1, 151; ob er da nicht recht thöricht handeln würde, wenn er einen alten dürren stürtzel ergreifen und ihnen damit zu leibe gehen wolte J. Chr. Edelmann
bereitete schläge (1738) 12. 22) '
stumpf'
in weiteren anwendungsgebieten: da wurde ihm die andere hand durch den hencker auch abgehauen, und der sturzel in eine aufgeschnittene henne gesteckt Ettner
unwürd. doctor (1697) 949; ehe er davon bliebe, ehe lieffe er auf den sturtzeln fort, wenn er keine beine hätte Chr. Weise
erznarren 219
ndr.; ein kind, an dessen linker seite man nur den stürzel von dem oberarm sahe
Alemannia 18, 42; wenn diese schaufeln ungleich, ausgefressen und stumpf sind, mehr sturtzeln als ganzen zähnen gleich sehen
allgem. haush.-lex. (1749) 3, 794; denn wenn die hare verrissen werden, so giebets gröszer schmertzen und stechen solche sturtzeln sehrer, thun auch den augen viel mehr schadens als wenn sie lang sein Bartisch
augendienst (1583) 197; wehrte er sich mit dem degen in der faust, bis selbter mitten entzwey sprang; wormit er aber nicht lebendig in der Römer hände käme, schnitt er ihm mit dem übrigen stürtzel die gurgel ab Lohenstein
Arminius 1 (1689) 811
b. 33) '
stummel; stehengebliebenes ende; auswuchs, knorpel': es soll auch keiner seinem nachbahren zu dorf oder veld über die gesetzte stein und markung überzäunen noch viel weniger die sturzel oder den boden des zauns wie man es nennet seinem nachbahren zu entwenden (1712) Wintterlin
württ. ländl. rechtsqu. 1, 89; sich, und schaw nu an, ... wie die sturtzeln von den rutten in den striemen und wunden sich eingefressen Butschky
trostbächlein (1626) 193; stürzel, schenkel, knoten '
die beym abschneiden des knotholzes zurückgebliebenen enden' Nemnich
wb. d. naturg. 583;
besonders im weinberg die vorjährigen enden der reben',
s. Weber ök. lex. (1829) 587: du snit abe sine (
des weins) sturziln und pflanztis sine wurziln; des hat er lusticliche irvullit daz ertriche Nic. v. Jeroschin 310
Strehlke; das weich räbschosz so alle jar härfür schüszt,
item räbblatt oder kabiszstürtzel Frisius (1556) 245
a; stirzel an trauben, stirtzlen oder stengel gewinnen Maaler (1561) 389
b;
in mancherlei anwendungen: es hat aber solchs nüszlein allerley ungleiche und rauhe stürtzel, fast wie schupen W. Spangenberg
anmüt. weiszheit lustgarten (1621) 616;
s. Jakobs knie hatten stürtzel vornen von vil beten Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 30
b; die sturzeln um diesen kopf zeigen sich in der scheide der laus durch verschiedene reihen kleiner häkgen, die sich in die haut einklammern J. Fr. Titius
bedrachtung ü. d. natur (1783) 2, 95. 44) '
stütze, stützgestell',
wahrscheinlich der bedeutung '
truncus, pfahl'
direkt entsprechend, s. auch 2sturz 4: '
untersatz zum klöppelsack' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 586;
an der käsepresse: stürzel '
bei der alten einfachen hölzernen hebelpresse unter den unterstützungspunkt des hebelbalkens und auf den laddeckel gestellter holzstab' Martiny
wb. d. milchwirtschaft (1907) 124;
am spinnrad: (
die mägde) holten einige stürzel (gestelle, auf die der rocken gesteckt wurde) aus der kammer A. Langer
der prozeszgeist (1911) 111; weil wir dann nun seind bey dem grab, so mustu gar balt steigen nab und rausz reichen, was drinnen ist, ... dann der stein ist erhaben schon, und ein stürtzel darunter thon, das du gar wol kanst kriegen nein Ayrer
dramen 2357
Keller. 55) '
vogelschwanz',
wohl aus sonst gebräuchlichem sterz, sterzel (
s. d.),
etwa unter anlehnung an die bedeutung '
ende'
von stürzel: der kropf und der stürtzel oder burtzel eines vogels
le gavion et le crouppion d'un oiseau Duez
nomencl. 29;
s. auch Götze
frühnhd. 212.