strichpunkt,
m., strichpünktlein,
n., deutsche bezeichnung für semikolon; bereits Steinhöwel
beschreibt ein semikolonähnliches gebilde: ain sOellich pünctlin oder túpflin mit ainem besicz gezognen strychlin also'. (1473)
de claris mulieribus 312
lit. ver., doch bezeichnet strychlin
hier lediglich das kleine, linienartige gebilde (
s. strichlein 1 a).
in einer ähnlichen formulierung bei Gueintz
dürfte strichlein
dagegen bereits als terminus für '
komma'
aufzufassen sein (
vgl. strichlein 1 b): ein strichlein mit einem pnctlein
sprachlehre (1641) 120.
die auf diese weise vorbereitete zusammenrückung zum kompositum begegnet zuerst bei Schottel: das strichpnctlein hat seine benahmung, weil es von einem striche und einem pnctleine oder tippel gemacht wird
sprachkunst (1641) 527,
entsprechend haubtspr. (1663) 670; da sind beystrichlein, strichpünctlein, doppelpuncte Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) 412; das strichpünctlein (;) semicolon
ders., poet. trichter (1647) 1, 119; von dem strichpünctlein
ders., secretarius (1656) 1, Nnn 4
a; strichpünktlein Bellin
hochdt. rechtschr. (1657) 92; es wird auch das strichpünktlein, ob schon nach einer ziemlich langen erzehlung, gebrauchet, wenn die worte: als, so, demnach ... darauf folgen Stieler
sprachkunst (1691) 33.
daneben die form strichpunkt,
die das diminutivum verdrängt und überdauert: man setze den strichpunct da, wo entweder ein neu prädicat zu demselben subjecte; oder ein neu subject zu demselben prädicate gesetzet wird Gottsched
sprachk. (1762) 108 (
in der ersten aufl. [1748] 61
lediglich: semikolon ..., [
das man] mit einem punctirten strichlein schreibet); der strichpunct
ein von einigen für das fremde semikolon versuchtes wort, weil es aus einem striche
oder komma, mit einem darüber gemachten puncte
bestehet Adelung 4 (1780) 827; das semicolon oder der strichpunct Adelung
lehrg. d. dt. spr. (1782) 2, 793; der strichpunkt
le point et la virgule Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
b.
das kompositum wird aber als gewollte, künstliche bildung empfunden und hat dieses merkmal wohl bis heute behalten. Adelung
nennt es a. a. o. '
ein versuchtes wort',
es wird ausdrücklich als '
vorgeschlagene'
bildung gekennzeichnet (
encycl. wb. [1793] 9, 66),
und Campe
meldet bedenken an: '
eine zweideutige benennung, weil das ausrufzeichen auch aus einem striche und punkte besteht' (
wb. 4 [1810] 713
b).
dagegen erklärt Heynatz
das wort für '
ziemlich allgemein angenommen' (
antibarb. 2 [1797] 458)
und es bleibt als '
deutscher ausdruck für semikolon' (Heyne
wb. 4, 874)
bestehen, ohne das fremdwort semikolon zu verdrängen ('...
das aber bis jetzte noch keine allgemeine gültigkeit oder annahme erhalten hat, obgleich es vollkommen dasjenige ausdrückt, was semikolon sagen will' Krünitz
öcon. encycl. 175 [1840] 675).
die angabe 'strichpunkt
hat sich trotz seiner mängel durchgesetzt' (Pfaff
kampf um dt. ersatzwörter [1933] 52)
ist dahingehend einzuschränken, dasz das wort überall dort anstelle von semikolon
verwendet wird, wo deutsche ausdrücke bevorzugt werden; vgl. aus neuester zeit: werke verschiedener autoren sind durch strichpunkt ... getrennt Leisi
d. heut. englisch (1955) 15.