streifig,
streificht,
adj. ,
gestreift, zu 4streif;
ahd. striphahten
virgatis (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 713, 16
St.-S.; mhd. strifeht;
die nhd. wörterbücher verzeichnen bis ins 18.
jh. nur streificht
neben vereinzeltem streiflich (
s. d.);
erst Adelung 4 (1780) 819
hat als regelform streifig. streificht
findet sich in der literatur des 19.
jhs. nur noch in spuren. zu den formalen abweichungen von streificht
in frühnhd. zeit (streffecht, strifot, straiphot
usw.)
und zu seiner weiterbildung streifichtig (streffechtig, stripechtich
usw.)
vgl. Diefenbach
gl. 554
c; 556
c;
nov. gl. 351
a; Schiller-Lübben 4, 437; Schmeller-Frommann 2, 811.
auf nd. boden begegnet neben verbreitetem stripig (
nördl. Rheinland, Westfalen, Schleswig-Holstein, Waldeck, Göttingen, Mecklenburg, Altmark, Preuszen)
vereinzelt auch striperig
s. Westermann
Baden (krs. Verden) 77; Böning
Oldenburg 109.
mhd. begegnet ein vereinzeltes streichecht,
s. mhd. wb. 2, 2, 688.
zu streifig '
gebildet, schriftgelehrt'
bei S. Brant
vgl. oben 1streifen
sp. 1260. streifig
geht entweder auf die form eines gegenstandes oder —
seltener —
auf seine farbige streifung. 11)
von kleidung und gewebe; zum mhd. vgl. mhd. wb. 2, 2, 689: auch ensullen kein frawennamen keinerleye kogelin dragen, die da sint stryffechte adir geteilet adir gestücket (
kleiderordn. Frankfurt/M. 1356)
bei Senkenberg
selecta juris et historiarum 1, 36;
sagulum virgatum ein streiffichts oder streiffigt gebremtes schützenröcklein Corvinus
fons lat. (1646) 727; ja wann der sammetpeltz oder die streifichte kappe reden könte Chr. Weise
erznarren 74
ndr.; sie machen auch einen streiffichten zeug, von halb seide und halb baumwolle Mandelslo
morgenl. reisebeschr. (1696) 38
Olearius; streifichter taffet
etc. taffetà vergata Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1007
b; hier sieht man das wunderbare lockere gewebe vieler tausend fasern in diesem holze, welches nach der länge recht streifigt geht, wie ein streifigter zeug
anmuth. gelehrsamk. 4, 310
Gottsched; sie kleidete sich blos in streifige leinwand S. v. la Roche
frl. v. Sternheim 222
lit.-denkm.; in meinem streifigten schlafrock und mit der groszen troddelmütze auf dem kopf Unger
Julchen Grünthal (1784) 78; rasch nun verliesz er den stuhl, und bedeckte das haupt mit der müze, warm, von streifichter woll', und hob aus dem winkel die leuchte J. H. Voss
ged. (1802) 1, 179; zerschlitzt barette mit und ohne federn und bunte gefärbte, streifige filzhüte (
der landsknechte) W. Raabe
s. w. I 4, 4. 22)
mannigfach bei beschreibungen aus dem reiche der natur; von der zeichnung der tiere: citharoedus ... hat streimen vom schwantz bisz an kopff wie seyten vff der harpffen, ... der ist streifficht Alberus
dict. (1540) q 2
a; es befindet sich auch umb der stadt Kaschan eine andere arth schädliches ungezieffers, ... bey zwey zoll lang, gesprenckelt und streifficht Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 261; kein kleines, streifiges schnecklein ... blieb unbemerkt Ch. v. Schmidt
ges. schr. (1858) 1, 86.
ganz üblich in der botanik: ein runder stengel, streiffecht, grün und schwank Tabernämontanus
kräuterb. (1687) 813; hülsen ..., welche auswendig weiszgrau, streifficht und mit einem kleinen stiel versehen sind Hohberg
georg. cur. 3, 1 (1715) 501; die kelchblätter (
der tulpen) streifig und fleckig Göthe II 6, 449
W.; von ... streifichten blättern des türkischen weizens
musenalmanach (
Hamb. 1785) 6; der wurzelstock (
treibt) äste ... hellbraun ... und streifig Schlechtendal
flora v. Deutschl. (1880) 26, 75.
in der zusammenrückung: die hülsen (
der platterbse) streifig-aderig Röhling
Deutschl. flora 5 (1839) 142; der stengel ... streifig-gefurcht Schlechtendal
flora 29, 343.
in der mineralogie, vgl. streifig
gestreift, faserig P. Gerhard
Siegerländer bergmannsspr. (1922) 165: (
d. edelstein) sieht so streifigt aus, als ein seidener zeug
anmuth. gelehrsamk. (1751) 4, 310
Gottsched; marmor mit streifichten adern Bodmer
d. Noah (1752) 409; ein streifiges quarzgestein Göthe IV 31, 787
W.; die mehr streifichten (
steine) gehen in die porphyrarten über Knebel
literar. nachlasz (1835) 2, 203; fettglanz ... die farben schmutzig, mitunter streifig und wolkig Oken
naturgesch. (1839) 1, 315.
von der erdschichtung: im nordosten die streifige pyramide der alpspitze Barth
Kalkalpen (1874) 587; streifige, geröllbedeckte bänder
ebda 98. 33)
von licht und schatten, besonders als atmosphärischen erscheinungen: das sanftere roth des streifichten westens (
am abend) Zachariä
poet. schr. (1772) 2, 178; plötzlich schosz Aurora ... mit purpurnem fittich durch den streifichten himmel
ebda 2, 16; die oberen wolken streifig und wollig Göthe I 30, 5
W.; nebel schwanken streifig empor aus Eurotas heil'ger fluth Göthe I 15, 1, 203
W.; die leisen stunden fliehn, und streifig dunckel (
flacky darkness) bricht im osten sich
Shakespeare 9 (1810) 194; der Christus, der so ruhig daliegt und nun alles überstanden hat, — dazu die herrliche farbenpracht und der dunkele, streifige himmel — es ist ein bild, das mit fortreiszt und spricht Mendelssohn-Bartholdy
reisebr. (1861) 32; die gebrochenen augen starren anklagend und leer hinauf ins streifige cirrusmeer Liliencron
s. w. (1896) 7, 100; nur hie und da schien ein wenig dunkles blau aus dem streifigen gewölk L. Richter
lebenserinn. (1909) 523.
vom schweif des kometen: an des schwerts spitzen und seiten, seind drei grosse sterne gestanden, von welchem sich, ein breiter wolckenfarber streiffiger schwantz, weit auszgestrecket Megiser
annales Carinthiae (1612) 1353. 44)
von den leuchtenden farben in feld und flur: verlasz noch nicht die anmuth der streifichten landschaft Zachariä
tageszeiten (1756) 20; wie blitzt die streifichte wiese von demantähnlichen tropfen E. v. Kleist
s. w. (1760) 2, 43; o, welch ein frohes gewühle belebt das streifichte land! wie lieblich lächelt die anmuth aus wald und büschen herfür
ders., w. 1, 178
Sauer; kaum lacht so die streifige flur im blumigen frühling Eschenburg
beispielslg. (1788) 3, 301; ein streifiges band (
der tulpen) von feuerfarbe, zitronengelb J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 347; zinnoberroth erschien das gras der au! ... doch grüngelb streifig jeder tropfen thau Immermann
w. 15, 87
Boxb.