streichholz,
n. ,
verbreitete bezeichnung für hölzerne streichgeräte nach den verschiedenen bedeutungen des verbs. 11)
in ältester und häufigster verwendung zu streichen D 3 c
für das walzenförmige holzgerät zum glatt- und abstreichen gefüllter gefäsze. seit frühnhd. zeit reich bezeugt, s. Götze
frühnhd. gl. (1920) 210; Diefenbach
gl. 281
a s. v. hostimentum; 281
b s. v. hostorium; 483
a s. v. radius; hostorium eyn streycholcz (1420)
lat.-dt. voc. 18
a Schröer; hestimentum, hesterium idem dicitur lignum cum quo adequatur mensura frumentorum voc. incip. teut. (1485) ee 6
a;
hostorium ein streyche oder streychholtz, als ein kornstreychen, darmit man das übermAesz abstreycht Frisius
dict. (1556) 635
b; Junius
nomencl. (1567) 362
b; Faber
thes. (1587) 392
a; 680
a; Calepinus (1598) 659
b; Hulsius-Ravellus (1616) 312
b; Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 2833;
Adelung 4 (1780) 816; Campe 4, 704.
mundartlich: strykholt Richey
id. Hamb. (1755) 295; striekholt
brem.-ns. wb. 4 (1770) 1067; schtrîkholt Damköhler
Nordharz 181
a; štrêichholz
luxemb. ma. (1906) 429; Fischer
schwäb. 5, 1848; trichholz Hunziker
Aargau 260; strîchholz
schweiz. id. 2, 1262: in welchen (
haufen hafer) er mit einem pferde reiten, und ein silbern masz, sampt einem streichholtz einem metal gleich ... für sich füren solte Faber
Saxonia (1563) 210
b; in dem vierten (
bilde) strich er (
Cupido) mit einem streichholtz über einen scheffel voll ungleich liegender körner Besser
schr. 2, 659
König; gleichwie
aber ein gewissenhafter und rechtschaffener hauswirth billig nur einerley maasz bey der einnahme und ausgabe des getreides haben soll, also ist auch nöthig, dasz seine streichhöltzer einerley, und wie ein lineal schnurgerade abgestossen sind
Noel Chomel öc. u. phys. lex. 8 (1757) 1710; der alte ... steht wohl später mit kreide und streichholz in der hand auf der diele, das getreide 'aufmessend' Allmers
marschenbuch (
31900) 1/2, 229.
in bildlicher verwendung: ich glaube, die christenliche kirchen, das die sey ein vngewisz zerstrewet versamlung in Sachsen, Hessen, und sonst wa die lehr nach dem streichholtz Luthers wirdt fürgetragen Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 2, M 7
a; damit sie mit eim viertheil oder eym par sester seelmessen vnd vigilien, vnd eym sack siben psalmen, sampt trei oder vier messen paternoster vnd aue Marien mit eim streichholtz glatt abgemessen, den seelen jm fegfeure ein presentz ... verehrn mögen Fischart
binenkorb (1588) 121
b; wiewol sein tod dennoch nicht ungerochen blieb, sondern den Pizarris bald hernach mit gleicher masz bemessen, und mit eben so blutigem streichholtz abgestrichen worden Francisci
d. hohe trauersaal (1665) 1, 1648.
obszön: ich pin ein stolzer wittib stolz und hab noch unten ein guot streichholz, damit ich ein frauen wol mag strafen, das sie mich an irem arm last slafen
fastnachtsp. 1, 347
Keller. im schweizerischen auch '
butterstreichmasz',
s. Bühler
Davos 4, 117
b;
schweiz. id. 2, 1262. —
zum abstreichen des überflüssigen lehms von der ziegelform, s. encycl. wb. 9 (1803) 61; Weber
allg. termin. öcon. lex. (1838) 573
b; Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 352; Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 281. 22)
zu streichen B 6,
für ein hölzernes gerät zur streichenden bearbeitung im bereiche des handwerks. bei der erzaufbereitung, '
eine etwan 1
halbe ellen langes und fast einer quer hand breites streich-holtz
oben mit einem runden loch oder däumling, vermittelst dessen der wäscher die schlämme von denen obern zwey planen, durch hin und her bewegen, vom reinen schlich oder ertzen sondert und also reiniget' Nehring
hist. polit. jur. lex. (1725)
anh. 76; Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 647;
Noel Chomel öcon.-phys. lex. 8 (1757) 1711; Richter
berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 470: aber den schlich des kupffers, die jm letzten faszboden seindt gelegen, werden herausz genommen vnd geschmeltzt, dasz aber ein jeglicher wäscher mit dem streichholtz hat hinweg genommen, das wirdt auff dem herdt, mit planen bedeckt, gewäschen Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 232.
ein rundes holz zum walken der hüte, s. encycl. wb. 9 (1803) 61; Krünitz
öc. encycl. 175 (1840) 566; Beil
techn. wb. (1853) 583.
ein mit riemen versehenes holz zum abreiben des polierstahles der uhrmacher, s. encycl. wb. 9 (1803) 61; Jacobsson
techn. wb. (1781) 7, 473
a.
mit teer und sand überzogenes brett zum schärfen der sense, s. Adelung 4 (1780) 816; Weber
allg. terminol. öcon. lex. (1838) 573
b; Hupel
Lief- u. Ehstl. 230.
mit leder bezogenes holz zum abziehen des rasiermessers, s. Krünitz
öcon. encycl. 175 (1840) 567;
vgl. streichriemen. 33)
durch streichen entzündbares hölzchen; '
holzstäbchen mit rundem oder viereckigem querschnitt, deren eines ende mit einer durch reibung entzündlichen masse überzogen ist'
gr. Brockhaus (1928) 20, 713
b;
allgemein im md. u. nd. sprachgebiet neben älterem schwefelholz, schwefelhölzchen, -hölzlein,
s. teil 9, 2396,
und vorwiegend süddt. zündholz
teil 16, 562 (
vgl. aber strixheltsl Martin-Lien hart
els. 1, 333
a).
über die geographische verteilung von streichholz, schwefelholz
und zündholz
s. Kretschmer
wortgeogr. (1918) 503
und vor allem die karte und die wortliste streichholz
bei Mitzka
dt. wortatlas, bd. 3 (1954): zum überflusz fanden sich in seinen (
des vermutlichen brandstifters) taschen mehrere schachteln voll streichhölzer Spielhagen
s. w. (1877) 3, 313; man zeigte sich sehr ängstlich gegenüber den früher so bewunderten streichhölzern Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 130; das ... spielen der kinder mit streichhölzern, ... hantieren mit benzin, sind dinge, die anlasz zu ... bränden bieten
hdwb. d. staatswiss. (1898) 3, 854; einmal ertappte sie ihn, wie er die katze angebunden hatte, und ihr mit einem streichholz das fell anzünden wollte A. Supper
auf alten wegen (1928) 114; ein streichholz flammt auf und streckt sich nach der kerze aus Ernst Wiechert
d. todeskandidat (1934) 24; (
er) malte mit einem abgebrannten streichholz ein zelt auf das tischtuch Kluge
Kortüm (1938) 80; (
er) hält eine zigarre in der hand und versucht mehrmals vergeblich ein streichholz anzuzünden Hauptmann
d. ges. werk I 5 (1942) 31.
oft als bild geringer festigkeit und stärke, wobei einer übermäszigen gewalt gegenüber ohnmächtige dinge mit streichholz (-hölzern)
verglichen werden: aber diese tanks sind ... die vernichtung ... vor ihrer kolossalen wucht werden unsere arme zu strohhalmen und unsere handgranaten zu streichhölzern Remarque im
westen nichts neues (1929) 277; ich sah die stämme von flöszen ... wie streichhölzer zerknicken E. Strausz
Hans u. Grete (1934) 8. 44)
zu streichen A 6,
bei einem wasserbau angebrachte hölzer, s. Benzler
deich- u. wasserbau-lex. (1792) 2, 201; Jacobsson
technol. wb. (1781) 7, 473
a; Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 743. —