stockig,
stockicht,
adj. ,
bisweilen auch mit umlaut stöckig: brüchig und stöckig Hohberg 3, 330
a,
auch noch vereinzelt bei Göthe
und fast durchgehend bei Hebbel (
s. die belege unten). 11)
entsprechend 1stock,
m., 1
truncus, caudex, im übertragenen sinne stockig,
klein, aber kräftig gebaut; von untersetztem, gedrungenem wuchs Unger-Khull
steir. wb. 579
a; da
s is
t e stöckiger Martin-Lienhart
elsäss. wb. 2, 586
b;
vgl. auch oben stocker 1. 22)
entsprechend 1stocken
verb. iii 1
u. 2.
dickflüssig, geronnen, erstarrt usw.: meine tinte ist stockig geworden, ich musz morgen neue kaufen J. Burckhardt
briefe an einen architekten 43. das beste ist, dasz der könig selbst offene und freie gesinnung und äuszerung liebt, aber es wird doch zeit darauf gehen, ehe das stockige blut in den adern wieder in flusz kommt Wilhelm Grimm im
briefwechsel mit Dahlmann und Gervinus 2, 56; die englische gentry ... hat sich von je aus den unteren volksklassen in ihrem stockigen blut wieder auffrischen lassen Gutzkow
werke 8, 42; es war sein auge, seine presence, die das blut wieder umrührt, wo es stockig ward Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 142;
vgl. auch: er (
der gute wein) ist schwer und stockicht im leibe Ayrenhoff
werke 6, 19;
in der küche: rühre zwei oder drei zerklopfte gantze eyer mit siedender fleischbrühe an, streue muscatenblüh, ... lasz es sieden, dasz die eyer etwas stockicht und die brüh lauter werden Hohberg 3, 4
a —
von glotzaugen, welchen der eigentliche glanz mangelt: er glotzte unter schwer herabhängenden augenwimpern träge und unbeweglich zu ihnen herüber. Anna Boje ... sah, dasz seine augen ganz stockig und talgig waren. das herz schlug ihr vor bangigkeit bis an den hals Frenssen
Hilligenlei 246. 33)
unter dem sich kreuzenden einflusz von 1stock,
m., 7
und 1stocken
verb iii 6
in der bedeutung '
störrig, halsstarrig, widerwillig, widerhaarig',
gleichsam '
nicht von der stelle sich bewegen wollend' stöckig,
störrig Martin-Lienhart
elsäss. wörterb. 2, 586
a; stockig
anstatt störrig
gerügt allgem. deutsche bibliothek 6, 2, 217.
bisweilen auch von pferden (
entsprechend 1stocken
verb. iii 6 b): hier mein pflegesohn ist ein stöckiges pferd Rückert
werke 11, 449. 3@aa)
von personen: zunächst von einem, der mit der sprache stockt,
nicht damit herauskommt, wenig redselig ist: der fische sprache reden, heisst stumm oder stockicht seyn, nicht reden wollen Treuer
deutscher Dädalus 1, 545;
dann mit weiterem herausstellen der unlust: Peter, ein stockiger maulaffe (
von einem verdrieszlichen bedienten, der nur widerwillig seine pflicht thut) Möser
werke 2, 261; da die andern viel stockiger waren, fieng's mir an zu verlaiden, und ich jagte sie in die schule Bräker
schriften 1, 267;
denn: aber zu stockig, ist zu stockig 1, 170. sie klagte ..., mit ihrem manne sei nichts anzufangen, der bleibe ein stockiger feldwebel Auerbach
schriften 18, 20; er kann nie sich über seinen freund erzürnen, seinen feinden nie verzeihn. gefällig und wieder stockig ohne gleichen Göthe 12, 235
Weim.; vgl. dazu: ich war meist zu lebhaft oder zu still, und schien entweder zudringlich oder stöckig, je nachdem die menschen mich anzogen oder abstieszen 26, 314
Weim. als eine weitere steigerung unten verstockt
adj. (
th. 12, 1
sp. 1761
ff. unter verstocken
verb.),
doch hat unser wort demgegenüber immer eine stark schillernde färbung behalten, besonders unter dem einflusz von 1stocken
verb. iii 8,
so mit beziehung auf das genialisch gebundene: lange hab ich mir vorgesetzt, ihnen etwas zu schicken und zu sagen, es ist aber kein stockigerer mensch in der welt als ich, wenn ich einmal ins stocken gerathe Göthe iv 4, 226
Weim.; ich bin nur dann fruchtbar, wenn die natur unfruchtbar ist, im herbst und winter; in der besseren jahreszeit bin ich stöckig Hebbel
briefe 2, 108
bis zu den gröberen bedeutungen, die sich den oben herangezogenen beispielen wieder nähern, aber doch nicht völlig entsprechen: seinen Homer? ja ich glaube fast, was mancher studirt, ist sein Homer: der gesprächige erfahrungsvolle alte, verstellt und verzerrt durch das brechende mittel des stockigen unerfahrnen krafthasen, der ihn studirt G. Chr. Lichtenberg
verm. schriften 4, 139; (
im schauspiel) alte vermagerte, ja lahme frauen, statt der lustigen dirnen, liebhaber, steif und stockig über alle begriffe Göthe iv 23, 327
Weim.; unsre guten landsleute sind in manchen andern stücken stockicht und vernagelt genug Fr. Schlegel
an Aug. Wilh. 559; gute und vernünftige Preuszen sehen dies (
dasz der erwerb Sachsens ein gewinn für Preuszen sei) zum theil anders an; es giebt aber auch noch viel stockichte und französisch glatte und harte darunter, die mir die fatalsten sind Jacob Grimm
jugendbriefe 420. 3@bb)
von eigenschaften: stockige art; stockiges wesen (
s. auch unten das subst. stockigkeit);
sogar: (
sie) durch stöckige bornirtheit noch unter ihren wirklichen standpunct in der welt hinab drücken Hebbel
werke i 11, 63; (
fehler der poeten), dasz sie den derben, gründlichen menschen, mit denen sie es (
im bürgerlichen trauerspiele) ... zu thun hatten, allerlei übertriebene empfindeleien oder eine stöckige bornirtheit andichteten, die sie als amphibienhafte zwitterwesen, die eben nirgends zu hause waren, erscheinen lieszen
tagebücher 2, 325. 44)
entsprechend 2stock,
n. m., stockig,
gewöhnlich mit umlaut stöckig,
von gebäuden in zusammensetzungen einstöckig, zweistöckig
usw. ein mehrstöckiges gebäude. 55)
entsprechend 3stock,
m. und 3stocken
verb. 5@aa) '
durch feuchtigkeit schlecht, verdorben, dumpf': stockige wäsche; (
sie) hing solche (
wäsche) einige tage auf linien, damit sie nicht zu feucht weggelegt und stockicht werden möchte Möser
werke 1, 205; auch die wäsche ist stockig Adelung; stockige wände; in ihre dumpfen, stockigen, wenn auch eben erst ganz frisch mit sand bestreuten stuben Gutzkow
werke 5, 136;
vgl. die zung' ist in solchen fällen ventilator in einem stockigen zimmer Hippel
lebensläufe 2, 181; der keller ist auch wirklich nicht hoch genug ...; alles wird stockig und multrig Fontane i 6, 385 — stockige luft
u. s. w.: übler, stockiger geruch erfüllte die zimmer Laube
schriften 3, 218; (
übertragen:) in der stockigen luft dieses binnenländischen stilllebens Treitschke
deutsche geschichte 1, 20; doch was konnten die tüchtigen aus dem norden berufenen gelehrten hier leisten in der stockigen luft dieses napoleonischen satrapenlandes 1, 359. 5@bb) stockiges holz,
wenn es den mulm hat: er (
der buchenbaum) dauret sonsten nicht so lange als eine eiche, maszen derselbe vom wetter leichtlich ... brüchig und stöckig wird Hohberg 3, 330
a; das risternholz pflegt am allermeisten in denen hecken als ein dreischlichtes und stockigtes holtz gefunden zu werden Göchhausen
notabilia venatoris 203; die spechte meiszeln ... die larven der holzinsekten aus dem stockichten holze Naumann
naturgeschichte der vögel Deutschlands 1, 87; stockig werden: das in der rinde aufbewahrte holz wird früher stockig Behlen 5, 714. —
auch stockiger klee,
der mit stock
behaftet ist (
vgl. 3stock,
m.): die krone des stockigen klees ist schwarz, die wurzel welk, zäh, trocken Schwerz
prakt. ackerbau 439 — stockiger zahn: nach zähnen, die ... hie und da sehr hohl und stockig waren Gutzkow
werke 4, 212 —
von verdorbenen genuszmitteln: stockiges ei; stockige früchte; äpfel, die alle stockig, weintrauben, die unreif sind Gutzkow
werke 5, 268;
bildlich: einige recht verstockte und schon stockig gewordene hofleute Caroline 2, 332; stockiges Berlinerleben Pückler
briefwechsel 12; eine reihenfolge der unerquicklichsten, dürrsten, stockigsten erörterungen Gutzkow
werke 10, 138.