stichling,
m. 11)
personen. a) '
kämpfer im turnier',
nur in ält. sprache: der ist ain guotter stichling gewest, der hat begert mit ainem Schwaben zuo stechen (
Augsb. ca. 1526)
chr. d. dt. st. 23, 35, 2. b)
die aus lumpen gefertigte, beim rennstechen als ziel gebrauchte menschliche figur Vilmar
verm. aufs. (1855) 1, 21. c)
mit obszönem einschlag '
uneheliches kind, bastard',
vgl. spurius hurenkind, banckhart, bastart, desse vatter man nit weiszt, stichling Frisius (1556) 1238
a; Aler (1727) 2, 1836
b: do fromer lüten kinder hindergeschlagen werden, die vor den selbigen stichlingen nit mögen ... fürkommen (1521) Schade
sat. u. pasqu. 3, 60; ausz was vrsach aber haben etlich die stichling so lieb? darumb dasz man sagt: semper bastardi sunt addictissimi Marti Fischart
Garg. 36
ndr.; eis, qui è virginibus ante nuptias geniti fuerant, partheniis stichling oder liebkinder Besold
thes. pract. (1697) 1, 607
b. d)
kundensprachl. '
schneider' Avé-Lallement 4, 158. c)
zu sticheln 4, '
verleumder, stichler': bittend, sie wollen ... dieses büchlein wider alle nasweisen klüglinge und auffgeblasene stichlinge ... beschützen und handhaben J. Tröster
das alt u. neue teutsche Dacia (1666) 93. 22)
tiere. 2@aa)
verschiedene gruppen kleiner fische, z. b. gasterosteusarten (
stachelflosser):
spinacia stichling
voc. rer. Augsburg (1468)
bei Diefenbach
n. gl. 345
b; die stichling oder sticherling, welche die weiber ihren männern gerne kochen, wenn sie des vorigen tages trunken gewesen, sind
auch kleine bachfischlein Coler
hausb. (1640) 508;
gast. aculeatus Adelung 4, 367; Krünitz 173, 716; in der Kieler bucht bauen ... die stichlinge keine nester, sondern legen die eier in dickichte von wasserpflanzen
M. v.
d. Borne
hdb. d. fischzucht (1886) 99; Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 404.
weiterhin barsche (
stachelflosser),
perca fluviatilis im 2.
bzw. 3.
jahre: foetus adhuc novus tener, heurling,
vocatur, id est hornus,
paulo maior, sed intra primum adhuc annum, tränle.
secundo anno, egle,
tertio stichling.
postremo reeling, bersich,
et quod inusitatus est, banserle Bas. Faber
thes. (1587) 1033
b; Frisius (1556) 972
b;
perchia, pesca stichling, persig Hulsius (1618) 2, 288
a;
M. Kramer 2 (1702) 919
b;
für die heutige mundart Fischer
schwäb. 5, 1752.
auch die goldbrasse, sparus auratus (
stachelflosser): steykelynch
sparus gloss. (15.
jh., ndrhein.)
bei Diefenbach
gloss. 544
c;
dazu dentex stichling, sticheling (
md. und obd. voc. d. 15.
jh)
bei Diefenbach
gloss. 173
c.
ferner aphya, leuciscus agassizi (
edelfische): meergründel, stichling
aphya H. Decimator
thes. (1615);
acalephe, acicula, aphya Stieler (1691) 2158; Steinbach (1734) 2, 698.
die in ält. glossaren mannigfach wechselnden lat. bezeichnungen ermöglichen nicht immer klare zuordnung zu einer bestimmten species: sticheling, ein kleinfisch
turonilla aforus voc. teuth. (
Nürnbg. 1482) ff 3
a;
turonilla est paruus piscis, ein stychling
gemma gemmarum (
Straszburg 1508) c 8
a;
columbi Th. Golius
onomast. (1579) 299;
orena: voc. ex quo (15.
jh., md.)
bei Diefenbach
gloss. 400
a;
stox: dict. lat.-germ. (15.
jh., md.)
ebda 554
b;
silerca: voc. rer. (15.
jh., obd.)
u. dict. lat.-germ. (15.
jh., md.),
beides bei Diefenbach
gloss. 553
c.
ähnlich unscharf zuweilen im liter. gebrauch: einer der kaufft allweg die schlechtesten vnd wolfeilsten fischlin vff dem marckt, die er finden mocht, als stichling, milling, vnd der gleichen Pauli
schimpf u. ernst 391
Oest.; so ettwenn bliecken oder stichling dorinn (
im fischgarn) bliben hangen Geiler v. Keisersberg
post. (1522) 3, 70
a; die stichling, plicken und die alten orphen und pirsing solt du bhalten H. Sachs 4, 272
lit. ver.; der fischer sagt: selmling, grundling, stormling, miling, stichling Schottel (1663) 95; es war ... ein stichling so grosz, als hier zu lande der gröszte lachs ist (1696) Chr. Reuter
Schelmuffsky 37
ndr.; wir fingen fingerlange stichlinge Paulsen
a. m. leben (1909) 77.
verschiedentlich verwendung in sprichwörtl. redensarten: hier stain wy fische, sagte der stickelinck tho dem snoecke ('
hecht') (1487)
nd. jb. 16, 22;
ähnlich Tappius
adag. (1545) F 1
b; ein stichling ist ein könig, ein lachs ein herr, ein karpff ein schelm (
u. s. w. für viele fischarten) Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, y 5
a; de stekelinge venkt, de venkt ôk vische Tunnicius
sprichw. 277, 581
Hoffm. 2@bb)
ein rebschädling: der stichling, ein graszwurm ... wird verhütet, wo man die räbmässer ... wetzet Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 27
b; die grüenen stichling, so die reben zerstechend
N. Manuel
ablaszkrämer 449
Bächtold; der stichling, ist ein graszwurm, welcher die new schissenden augen an den weinstöcken verderbet
M. Bapst v. Rochlitz
artzneibuch (
o. j., ca. 1600) 375. 2@cc)
vereinzelt motacilla flava, die gelbe bachstelze: Adelung 4, 367. 33)
sicyos angulata, eine gurkenart: Schkuhr
bot. hdb. (1791) 3, 303;
vgl. auch Holl
wb. dt. pflanzenn. (1833) 364
b. 44) '
stachel von tieren und pflanzen',
nur mhd. bezeugt: culex ... daz ist ain würmel groczer dann ain gemaineu vlieg. daz hât ainen stichling in dem mund sam ain pfeifen Konrad v. Megenberg
b. d. nat. 299, 10; von den scharpfen stichelingen der disteln
ebda 183, 29. 55)
kundensprachl. a) '
nadel': suppenschöpper oder löffel, stichlinge oder nadeln Prätorius
bericht v. Katzenveite (1665) f 8
b; v. Grolman
wb. d. spitzbubenspr. 69
a. b) '
zaunpfahl': Ostwald
rinnsteinspr. 148. c) '
gabel': Fischer
schwäb. 5, 1752. 66)
dass. wie stichelei 1,
im ält. nhd. sehr verbreitet: stichling eines stocknarren vom cardinal in Engellandt Luther
tischr. (1573) 239
a; ist ein sprichwort bei den Deudschen: er hat mir stichling zu fressen geben,
de homine mordaci P. Albinus
meiszn. land u. bergchron. (1589) 315; nun lieszen wir es an stichlingen nicht ermangeln Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 212;
neuerlich wieder aufkommend: als überschrift einer witzecke kleiner stichling
der angriff 5. 11. 1936. 77)
weiterbildungen sind zahlreich, meist fachsprachlich zu 2 a:
stichlingsfang: P. ... erzählt von einem manne ... der ... täglich 4 schilling mit stichlingsfang verdienen konnte Brehm-P.
tierl. 8, 174;