steinhaufen,
m.,
nebenformen: -hauf
und -haufe,
vgl. th. 4, 582;
hinzuzufügen: -huff
gemma gemm. (1508) f 4
a;
pl. -heuffe G. Braun
beschr. u. contr. 5, 17
a.
unregelmäszige und planlose oder zufällige anhäufung von steinen. 1)
allgemein: acervus Diefenbach 9;
congeries 142
b;
mucchio di pietre Hulsius (1618) 239
a. ihr hausz ..., dafür ein grosser st. lag Hertzog
schiltw. a 5; darbey sehet ihr auf den bergen etliche
st. v. Birken
ostländ. lorb. 114; ich konnte die st., welche darneben aufgeschüttet waren, nicht begreifen Göthe II 9, 145
W.; er ... warf die armbrust unter einen st. Arnim
w. 3, 320; sie lag hinter einem aufgeschichteten st. Fontane I 1, 252; eine nebenwirkung können sie (
sprenggeschosse) haben, wenn sie auf ... st. ... treffen v. Alten
handb. 4, 175.
bildlich: der chaotische st. eurer lebenstage rolle euch nie unter die füsze Jean Paul 11/14, 438
H. in beziehung zu steinbruch gesetzt: was für sich selbs herauss dringt, ... macht auss ihm selbst st., wie dann die steinbrüch seind Paracelsus
op. 2, 58
Hus.; wie aber die steinmetzen an einen andren st. ... kamen Micrälius
Pommerland 2, 200.
etwas wertloses: ein ungeschickter ... findet bissweilen ... einen schatz ... oder alte st. A. Olearius
verm. reis. beschr. (1696)
pers. ros. 24. 2)
hindernis a)
für das wachstum der feldfrüchte: da man noch grosze reuten und st. findt Mathesius
Sarepta (1571) 16
a; man findet hin und wieder im felde grosze st. Prätorius
anthr. plut. 2, 207; ein theil der ebene war mit unzähligen st. ... bedeckt G. Forster
s. schr. 2, 434; (
die kinder) begaben sich dann auf einen streifzug in den wilden acker, da derselbe mit seinen unkräutern, stauden und st. eine ungewohnte wildnis darstellte G. Keller 4, 79. b)
auf einem wege, besonders einen berg hinauf: haben ihnen vielleicht die st. ängstlich gemacht, über die wir kraxeln müssen? Nestroy
ges. w. 4, 48; nachdem sie über kalkhügel und st. gegangen Stifter 2, 61; sie schlug mit ihrem wanderstabe ... nach den st. in ihrem wege Raabe
schüdd. 2, 44.
aber auch von den steinen gesagt, die am rande der strasze für spätere ausbesserungen aufgeschichtet sind: wir fanden unter den zur erhaltung der chaussee aufgestapelten st. mehrere ammonshörner fürst Pückler
briefw. 2, 103; ich ... wartete dann auf einem st. der landstrasze Laube
ges. schr. 1, 240. 3)
steinerne untiefe im wasser: mit netzen bekommt man sie (
spitzfische) nicht, sondern nur mit angeln, die man ... auf die st. niederläszt Oken
nat. 6, 100; der Coppermineriver ..., der ... überall mit wasserfällen, sandbänken und st. gleichsam abgedämmt ist G. Forster
s. schr. 5, 93; wenn der kahn nicht etwa wieder in jene verwünschten st. läuft Moltke
schr. u. denkw. 1, 81. 4)
grenzmal, merk- oder wahrzeichen: maceria (
umfriedigung) Diefenbach 341
b;
scorpio (
spitzer st. als grenzzeichen) Corvinus
fons 749; bei den kirchen pflegt man auff die wegscheitten sewel oder steinshauffen zu stellen Menius
spr. Salomo (1526) 136; Laban sprach: dieser st. sei heute ein zeugniss zwischen mir und dir!
M. Mendelssohn
ges. schr. 7, 73; über der wasserscheide ist die gränze der Welschen und der Teutschen mit st. abgemarkt Görres
ges. br. 1, 156; der gipfel ... trägt kein vermessungssignal, wohl aber einen
st. v. Barth
nördl. Kalkalp. 252 (
s. unten steinmann); die stammesgrenzen (
sind) durch st. markiert Ratzel
völk. 2, 78; st. (
triangulationspunkte) v. Alten
handb. 3, 567. 5)
kultmal: Hermes war für beide erfindungen das symbol, und ein heiliger steinhaufe war das bild der ... rede Creuzer
symb. 1, 26; die Mongolen verehren die scheidegebirge, richten daselbst st. und gebetflaggen auf Ritter
erdk. 1, 79. 6)
grabmal: in disem grab und st. Schaidenreiszer
Odyss. 6
Weidling; er hält sie (
die pyramiden) für grabmäler und leitet den ursprung von ... st. her
allg. dtsche bibl. 86, 13; Herder 14, 78
S.; im walde ... ist ein st. sein (
des mönches) grab Laistner
nebels. 46; das grab wird durch einen st. ... bezeichnet Ratzel
völk. 2, 458. 7)
schanze, barrikade: über steynhauffen ... ist man gestigen inn die statt Carbach
Titus Livius 239
r; die Türcken ... trangen ... mit gewalt und aller macht über den vorgemeldten st. hernach Dannhauer
cat.-milch 3, 160; da starrte mir ein hoher st., eine barrikade, entgegen Laube
ges. schr. 16, 110; es fanden sich leute ..., die hinter den st. der barrikaden vorschossen Ruge
briefw. u. tag. 2, 35; dem feind entgegen, der am abhang des hügels hinter st. verschanzt lag Herwegh
br. 197. 8) a)
aufenthalt für thiere: zwischen ... st. hüpfen sie (
steinmerlen) am boden herum nach kleinen käfern Naumann
vög. 2, 1, 355; er (
weiszschwanz) nistet ... in st. Oken
allg. nat. 7, 44; wohl um auf die verborgenheit der eidechse unter st. und erde zu deuten Welcker
alte denkm. 1, 410. b)
standort von pflanzen: sich windende gewächse bestimmte die natur, um an st. ... sich zu schlingen Hirschfeld
gart. 4, 51; vor jedem der alten st., die mit brombeer überrankt auf der öden fläche zerfallen Gaudy
s. w. 13, 54; Jakob stolperte über einen mit hollerbusch und brennesseln bewucherten st. Rosegger I 1, 190. 9)
schutt, trümmer: a heap of rubbish or rubble Ludwig 1853; da man endtlich einen krebs ... funden hatte unter dem geschütt und st. Nigrinus
hex. 38; die gegend ist mit st. und schutt bedeckt Babo
schausp. 159; in tiefer bergschlucht ... liegt ein stein- und schutthaufen Holtei
erz. schr. 5, 189.
überaus häufig von verfallenen oder zerstörten mauern, gebäuden und städten; rovinazzo st., verfallene mawr Hulsius 2, 343
a. aber inwendig nit ein statt, sunder ein stainhawff vol vervallens und ödes gepews Alt
buch d. cronick. (1493) 77
b; was ist er (
der tempel Salomos) jetzt? nichts dann ein ellender steinhauff Paracelsus
op. 2, 248
Hus.; als were es keine kirch, sondern ein wüster steinhauff Luther
bib. 7, 382
Binds.; der keiser machet die statt der erden gleich und fur mit einem pflug darin her ... zum zeichen, das sie ein ewiger steinhauff bleiben solt Gholtz
leb. bild. (1557) y 3
b; der steinhauff eines verfalnen alten thurms Stumpf
Schweizerchr. (1606) 458
b; Bela ... kame in Hungarn und begunte das land aus den st. wieder aufzurichten v. Birken
Donaustr. 142; das von der gantzen statt fast nichts anders als ein stainhauffen überbliben v. Brandis
tirol. adl. 118; in wenigen stunden ist die statt ein st.
theater d. Deutschen 15, 471; der nachen war zertrümmert und seine hütte darneben ein st. Nicolai
literaturbr. 2, 374; ihre tempel sind schutt, ihre bildsäulen st. Herder 14, 142
S.; das geschrei des schakals, der unter den st. des altertums sein wildes grablied singt Hölderlin
ges. dicht. 2, 67
Litzm. mit verben verbunden: machen: eine stadt
etc. zu einem st. machen
ridurre una città etc. in un monte di pietre cioè incendiarla, incenerirla e distruggerla Kramer 2, 950
c. sie haben auss Hierusalem steynhauffen gemacht Luther 10, 2, 418
W.; und ward ... die alte wolerbaute ... stadt Bardewick angezündet und zum st. gemachet Danckwerth
Schleswich u. Holstein (1652) 217
a; der ort ... ward ... in die lufft gesprenget und zu einem st. gemachet v. Chemnitz
schwed. kr. 2, 334; Boleslaus ... machte die hauptstadt ... zu einem st. S.
F. Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. 2, 56; das letzte erdbeben, welches ... das prächtige Lissabon zu einem st. gemachet Gottsched
d. neueste 9, 653.
verwandeln: ich sehe schon zum voraus dein ganzes haus in einen st. verwandelt Holberg
dän. schaub. 3, 119; eine stadt nach der andern in einen st. verwandelt (
durch krieg) Cramer
nord. aufs. 3, 461; ein versengender blitzstrahl ... verwandelte mein vaterhaus in einen st. Meisl
theatr. quodl. 6, 119.
werden: Hierusalem, die werde statt, durch tyranney und Judas rath ein steinhauff solte werden J. Jonas
bei Wackernagel
dtsch. kirchenl. 3, 44; weissagt auch der prophet Micha, Zion wurdt geackert wie erden, die statt zu eim steinhauffen werden H. Sachs 11, 7
K. - G.; sein haus ... wird zu einem st. G. L. Hartmann
fluchspiegel (1672) 229; so fällt das gantze haus, thut einen starken fall, und wird ein steinhauff draus Wieland
w. I 1, 3
akad.; dieser pallast werde ein st.!
theat. d. Deutsch. 4, 105.
fallen, stürzen u. ä.: nu itzt aber habe ichs komen lassen, das feste stedte würden fallen in einen wüsten st.
2. Könige 19, 25; in einem augenblick waren ganze lange gassen voll häuser ... in einen st. zusammengestürzt Hebel
w. 2, 81
B.; zu groszen st. zusammengesunken ... Kagenfels Scheffel
ges. w. (1907) 3, 234.
liegen: dasz der berg Sion wie ein acker gepflügt ward, Jerusalem wie ein steinhauff darnider lag G. Braun
beschr. u. contr. 4
reg. + + + +
b. 10)
bauwerk, namentlich ein solches, das durch grösze oder pracht kalte bewunderung erregt: der clockerthurm bin ich genant ... wie wol ich nur ein steinhauff bin, zwingt mich doch des evangelisten sin Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 111
ndr.; grosse gebäu ein jederman heutiges tags zum pracht wil han; solche steinhauffen kosten viel H. Braun
decas XIII
u. XIV (1617) 83; sie ... setzten dann ihre reise zu jenen berühmten pyramidalischen st., den denkmälern alter ägyptischer pracht und thorheit, fort A. G. Meiszner
skizz. 2, 15; die ägyptischen pyramiden, ... so ungeheure st. Heinse 4, 122
Sch. bildlich: man folge den erpressungen und kriegen nach, durch welche die künste Etruriens, Griechenlands und Ägyptens nach Rom kamen: so wird man den st. der römischen pracht vielleicht als die höchste summe menschlicher gewalt und grösze anstaunen Herder 14, 197
S. daher meist in wegwerfendem sinne: also schwätzet man auch in den st. (
kirchen, städten) vom mantel und opffer Christi ... und mordet doch unterdessen ... die kinder Christi Jac. Böhme
schr. (1620) 2, 200; in die tempel aber begehrten sie kein götzenbild ... zu setzen, weil das unbegreifliche ihres eigenen gottes nicht ... von einem st. verschlossen werden könnte Lohenstein
Arminius 2, 366
a; warumb soll man so viler leben ... verschwenden wegen eines st. (
festung) Abr. a
s. Clara
Judas 2, 131; zu was, schrien sie, taugt denn nun das grosze gebäude? kommt, verlasst den unbrauchbaren st. Lessing 1, 201
M.; wo sind diese künstlichen symmetrischen st., die der thörichte mensch durch seinen stolz aufrichtet und palläste nennt? Wieland I 2, 330
akad.; (
der palazzo Pitti) ist ein entsetzlicher regelmäsziger st. ohne alle grazie, leichtigkeit und schönheit Heinse 7, 17
Sch. besonders oft von groszen städten: Lyon ist ein gar groszer st. 7, 53; die stadt (
Paris) ist ein wüster unregelmäsziger st. Tieck
schr. 6, 49; eine stadt ..., dieser gleichsam als eine mumie und erstarrung des lebens in die ewigkeit hinausblickende st. E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Dtsch. 2, 114; alle blüthe (
in Frankreich) drängt sich in die ungeheuern st., woraus die hauptstadt gebildet wird Görres
ges. schr. 2, 374; mich zöge es mehr in das schöne gebirgland als in die heide von Berlin und in die st. darauf J. Grimm
br. mit Dahlmann u. Gervinus 1, 402; ich begreife eigentlich kaum, ... warum ich mich habe überreden lassen, zwei tage in diesem gradlinigen st. (
Brüssel) hier zuzubringen Bismarck
br. an s. braut u. gattin 356.
daher einfach gleichbedeutend mit stadt in der sprache des niederen volkes: Ostwald
rinnsteinspr. 148; v. Train
chochemer loschen 121
c.
vereinzelt von einer ungeheuren bildsäule: was will dieser grosze st. sagen? Herder 8, 305
S. —