steinhart,
adj. ,
mhd. steinherte Lexer 2, 1165.
hart wie stein: Alberus a a 4
b; Frisius (1556) 755
b; Stieler
stammb. 772; Frisch 528. II.
im eigentlichen sinne. I@AA.
von anorganischen dingen. I@A@11)
im reiche der natur: der hohe ... steinerne, steinharte fels Treuer
dtsch. Dädalus 1, 527; dasz die erde ... st. ... wird
allg. dtsche bibl. 4, 296; der graben, so unten steinharten grund hatte
frantzös. Simpl. (1683) 1, 323; der rasenboden war st. H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 127; sie ... warf ... ein paar stücke steinharten torfes auf Fontane I 1, 75; gleich wie die sonn ein steinharts eysz zertreibt Fischart
w. 1, 379
Hauffen; hüpffende hagelstein, frost und steinhartes eysz Weckherlin
ged. 1, 402
lit. ver. I@A@22)
im dienste des menschen a)
häuserbau: es ist ein mit steinhartem mörtel überzogener würfel J. v. Müller
s. w. 6, 393; kaum hatte er sie (
die hostie) empfangen, so hub der steinharte grund vor dem altar an ... zu wanken br. Grimm
dtsche sag. 1, 235; in der steinharten lehmdiele Fontane I 1, 320. b)
gebrauchsgegenstände: (
er nahm) einen steinharten prügel
d. wohlgepl. priest. 150; die stühle sind st. Holtei
erz. schr. 35, 243; sie jammern mich ... auf ihrem steinharten schlafsopha Gaudy
s. w. 2, 86. c)
technik: (
die braun- und steinkohlenaschen haben die eigenschaft) mit kalkbrei gemischt ... fest und st. zu werden Liebig
chem. br. 305; das ... salz (
wird) ... in formen gegossen, wo es dann in steinharten ... stücken in den handel geht Muspratt-Stohmann 6, 962. I@BB)
von organischen gebilden. I@B@11)
pflanzenreich, von früchten und ihren theilen: man trocknet (
die kastanien) im rauch, dasz sie steinhart werden Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1711) 2, 173; nur dasz (
die frucht des weiszdorns) ... einen doppelten steinharten kern in sich hat v. Göchhausen
notab. ven. 207; warum hat doch gott den süszen kern in zwei schalen, eine gallbittere und eine steinharte, eingeschlossen? Chph. v. Schmid
ges. schr. 4, 12; da der ursprünglich steinharte samenkern ... in fasern zerschmolzen ist Peschel
völk. 159; spaltfrüchte glatt, glänzend,
st. v. Schlechtendal
flora v. Deutschland 19, 15. I@B@22)
thierreich: dann verkehrt es (
corallus) sich vom lufft, wird st. und ganz roht Paracelsus
op. 1, 933
Hus.; dann ir milch ... wird bald klötzlecht und st. Sebiz
feldb. (1579) 97; diese würmer ... mit ... breitem maul und steinharten zähnen Wimmer
dtsch. bod. 434. I@B@33)
mensch: mit starken klauwen ist es gewapnet, hat ein steinharte feste hant Heyden
Plinius (1565) 145; daher nach einer schlacht zwischen den Persern und Egyptiern jener hirnschädel gantz mürbe, dieser aber steinharte befunden worden ... sind Lohenstein
Arminius 2, 919; (
die grenadiere) ... hatten auf den gepuderten häuptern über den steinharten zöpfen hohe ... grenadiermützen sitzen Kerner
bild. 7; bald sind es (
die gehörsteine) feste, wirklich steinharte körper Sömmerring
menschl. körp. 6, 882.
von krankhaften gebilden: seine consistenz (
cancer eburneus) ist gewöhnlich sehr fest, knorpelhart, ja st. Sömmerring
menschl. körp. 8, 1, 291.
vereinzelt im sinne von steif: die kavalleristen sind auf den pferden st. worden G. Stephanie
d. j.
lustsp. 138. I@B@44)
nahrungsmittel: ich habe ein steinhartes mittagsmahl verzehrt
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 151; nichts zu essen bekamen sie als steinharte klösze
kind. u. hausm. (1812) 1, 357; da die knödeln schon st. werden Meisl
theatr. quodl. 2, 92; der käss ... war gemeinlich st. Grimmelshausen
Simpl. 286
ndr.; drum lasz ich steinharten kuchen sie belohnend oft versuchen Brentano
ges. schr. 5, 131; die würtz sind steinhart wie die griben H. Sachs 21, 43
K.-G.; an einer dieser steinharten ... bayerischen würste ... kauen G. Reuter
tränenh. (1909) 62; man neme honig, röste denselbigen, biss das er st. würt Sebiz
feldb. (1579) 525;
häufig mit brot
verbunden: sie bemühte sich eben, ein steinhartes stück brot ... zu zertheilen Langbein
s. w. 31, 20; brot ... war meist st. oder grau J. Gotthelf
ges. schr. 1, 137; beim verschlieszen der eier ... beleuchtete sie einen st. gewordenen laib brot Gutzkow
zaub. 1, 17; ein billigeres rauhes brot, welches sie so sparsam asz, dasz es zuletzt st. wurde G. Keller
ges. w. 3, 31; ein ungeheures stück steinharter pumpernickel Bahrdt
gesch. s. leb. 3, 264.
prädicativ mit backen
verbunden: das st. gebackene liebe brodt J. Riemer
maulaffe 83.
hier sei die einzige sonstige prädicative verbindung mit frieren
angereiht: erde, die st. mit scharfen spitzen gefroren ist Fr. L. Jahn
w. 1, 536
E.; als der st. gefrorene leib unten ankam, da ergab sichs, dasz er einen ... theil seiner gliedmaszen eingebüszt hatte Stratz
d. weisze tod 212.
bildlich im sinne von hieb- und kugelfest: ey wie wirdts ihnen thun so zorn, weil wir sein stainhart gefrorn
das Fadingerlied (1626)
in Görres
hist. pol. blätt. 33, 951. IIII.
in übertragener bedeutung. II@AA.
mitleidlos, ohne erbarmen. II@A@11)
allgemein von personen: steinherten liuten begunde von sinin leichin ir herter muot so weichin Rudolf v. Ems
weltchr. 19949; wann ich wenet ainen sun und guoten burger geboren haben, so hab ich ainen unsäligen, stainherten fynd ... überkommen Steinhöwel
de cl. mul. 190
lit. ver.; noch sind wir so st. Luther 32, 462
W.; dis ist der schreckliche gorgonenscheitel, der die leut stainhart macht und eitel Fischart
w. 1, 419
Hauffen; der richter ist von natur ein unbarmhertziger steinharter mensch Herberger
hertzpost. 2, 500; welches den sonst steinharten und unbarmhertzigen Hannibal selbsten erbarmet Francisci
d. alleredelste pferd (1670) 213; der steinreiche, steinharte amtmann ist der vater? Iffland
theatr. w. 8, 136; (
die lateinische sprache) ist ... eine lapidarsprache für das steinharte Römervolk Heine 4, 226
E.; den steinharten geldmenschen erweichte er (
der brief) nicht Holtei
erz. schr. 24, 32; die, welche sich verfluchen, weil sie ... st. ... bleiben wollen Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 281. II@A@22)
vom gesichtsausdruck: die fremden männer ... setzten sich ... um den steintisch, wo die harzlichter ... ihre ernsthaften, steinharten gesichter ... beleuchteten Heine 7, 506
E.; das glatte, lächelnde gesicht des offiziers war plötzlich st. geworden H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz 187. II@A@33)
mit abstracten verbunden, die sich auf sinnesart, gemüt u. dgl. beziehen: dieses land (
Sachsen) hat seinen nahmen von den inwohnern ... etliche von ihrer steinharten natur Uffenbach
atl. min. (1609) 416; weil dein gemüth zu diser frist steinhart und unbeweglich ist Spreng
Ilias 218
b; so haben auch diese (
Dominikaner) ... manche steinharte gemüter erobert Abr. a
s. Clara
mercks Wien 35/36; thränen im auge, weinzart, — und gesinnungen st. Rückert 11, 532. II@A@44)
besonders oft mit herz
verbunden: ein steinhartes hertz
cuore di pietra Kramer 2, 950
c; zum andern, dass nicht sey steinhert dein hertz, dem worte zugespert H. Sachs 15, 330
K.-G.; oftmals sind unsere herzen so st., das sie mit den zehen geboten nicht können gewonnen ... werden Mathesius
pred. v. d. wage gottes q 1
a; wann gott das steinharte und kalte menschliche hertz ... erweichet Dannhauer
cat.-milch 6, 95; ihr steinhartes hertze und verbitterte worte solten mich wol bewegen, auch die unschuld ... zu ermorden Ziegler
as. Banise 524; (
er) schosz den liebespfeil so scharf schnurab, als sollt er hunderttausend steinharte herzen spalten Herder 25, 113/4
S.; wär doch mein herz steinhart wie Eduard seins
Shakespeare 9, 38; der alte Vertua ... vermochte euer steinhartes herz nicht zu erweichen E. T. A. Hoffmann 8, 227
Gr.; ma.: sein herz ist stanhart
idiot. austr.2 112. II@A@55)
vereinzelt: do ist er (
Adam) und alles sin geschlecht in im ze steinhärtem tod gestorben Zwingli
dtsche schr. 1, 183. II@BB.
schwer: im kalender steht heut ein steinharter werktag Rosegger II 15, 32. II@CC.
fest, unerschütterlich. II@C@11)
in lobendem sinne: aigentlich und gewis ist die kirch ... gegrundt auff Christum und das felsig steinharte bestendig bekenntnis des ... glaubens Chrosner
serm. v. d. heil. christl. kirchen 63. II@C@22)
häufiger in tadelndem sinne mit dem unterton des verhärteten: doch würde das steinharte böse ... für sich allein nicht ... gegrundt ... brauchbar sein Herbart
w. 2, 121; ein steinharter, unbezwinglicher ernst Tieck
schr. 1, 23; jetzt musz man bei jeder erkenntnis über steinharte verewigte worte stolpern Nietzsche 4, 51. II@DD.
verstockt, schwer belehrbar: wann ein obrigkeit will die gemüther der untergebenen völlig einnemmen, auch biszweilen stainharte köpff Abr. a
s. Clara
Judas 4, 253; o du steinharter kopf! Immermann 16, 385
B. ohne verstand: da secht ihrs, dasz unsere auszlegung richtig und schlichtig, ewers Calvini aber dagegen unleidlich, ungereimbt und st. C. Vetter
der lutherischen schräckengast (1599) c
a. II@EE.
durch verbindung mit ähnlichen zusammensetzungen verstärkt, vgl. comp.-typ. II 4: da ist ... ein stock- und st. hertz Luther 32, 322
W.; das stein- und eisenharte herz Bucholtz
Herkul. 457; zuschlag sie wollenweich, so bleibet doch der sinn stael-, stein- und eysenhart Rachel
sat. ged. 20
ndr.; o ihr stain- und bainharte gemüther! Abr. a
s. Clara
Judas 1, 174.