stättegeld,
n. 11)
platzgebühr auf einem jahrmarkte, budenzins, vgl. stallgeld (2),
sp. 621, standgeld,
sp. 763
und unten stellgeld, stättelöse. Brinckmeier
gloss. dipl. 2, 575
a;
vgl. Gangler
stadtrechtsalterth. 140. 336. 346.
im älteren hd. auch statgeld, s. Lexer
mhd. handwb. 2, 1148:
dacia, datia, daria (
quod dant mercatores de locis in quo vendunt ...) stat-, stayt-, stet-, stalgelt, -geld. Dief.
gloss. 165
a (
aus d. 15.
jahrh.); es sal auch ein zentbüttel einem stadtbüttel uff iglichen marckt und kirberey beholffen sein statgelt zu sameln.
weisth. 3, 532 (
von Lohr am Main 1425).
das wort ist über das nd. und mitteld. gebiet verbreitet und geht vielleicht vom nd. aus, worauf die form des ersten gliedes hinzudeuten scheint. mnd. stedegelt Schiller - Lübben 4, 373
a: stedegelt hebben de heren binnen Oldenborch up dem kerkhove, up dem marckede und up der straten, wor dat se stad, van kremeren und van wantsnideren.
quelle s. ebenda. so im nd. noch später, s. brem. wb. 4, 1013. Dähnert 456
a (städe-geld);
ostfries. stäägeld, '
stättezins für buden, pferde etc. auf dem markte'. Stürenburg 259
a, stêgeld ten Doornkaat - Koolman 3, 304
b;
auch preusz. stêdegeld '
zins für eine stelle, auf der waren feil gehalten werden'. Frischbier 2, 365
a. (
im hd. mundartlich nicht bezeugt.) —
im hd. ist das wort (
in der gewöhnlichen umgelauteten form stetgelt)
im 15.
bis 16.
jahrh. verbreitet: dacia, Denmark ader stet gelt.
mittellat.-hd.-böhm. wb. 87
Diefenb. (
von 1470); durch ydern fromden und inwoner, wem das ebent mit allirley kouffmanschatz, gewande, korssenwercke, kremereye, spitzereye, pfennigwert und wahre, die man ungeverlich zu buden gehandeln mag ... frei unbeswert und ane uffsasze uff redelich und treglich stetegelt und budengelt.
Magdeb. urk. v. 1463
bei Dreyhaupt
Saal-creys (1749) 1, 152; doch uszgesloszen die burgere unser aldenstad Magdeburg, die von yrer wahre, kouffmanschatz und kremerie stetegelt zegebene nicht vorpflicht sein sollen.
ebenda, s. auch Haltaus 1738; die helffte desz stetgeldes, vonn den gewant pudenn, die sie setzen sollenn am jarmarcke uff Margarethe.
urk. der burggrafen v. Leisnick vom jahre 1485
s. ebenda; und sollen dem radte ... dieienigen so sich obberurtes marckts kunfftigen mit kauffen und verkauffen, ... gebrauchen werden, ein billiges und ziemliches stedte geld unweigerlich geben und entrichten.
Magdeb. urk. v. 1560
ebenda; in sant Endris mess, so unser ainer will fail haben neben aim frembden, gleich ain guldin stettgelt geben, darinnen wir uns beschwert vermainen, zwey stettgelt ain jar zu geben, hierumb unser beger, uns ... halben tail nachlassen und an aim halben guldin gnug sein und die frembden in altem stettgelt bleyben lassen.
quellen zur gesch. des bauernkr. aus Rotenburg an d. Tauber s. 129 (
vom jahre 1525); es sollen alle kremer und ander, so doch burger sein, in der gewonlichen jarmess in iren selbst hewsern fail zu haben macht haben, und man sie mit ainichem stettgelt zu begeben nit betrangen. 181; hast auf geschlagen ain markt und schragen: trau got, du werdest das stetgelt nit haben. Schade
sat. u. pasqu. 2, 184, 305.
dann folgt eine längere pause in der bezeugung des wortes, die nur durch einen autor unterbrochen wird: (
der verkäufer) sich des stättegeldes weigerte. Riemer
polit. stockf. 215; in meinung nicht nur das stättegeld, sondern auch die straffe vor gegebene ungehorsame worte zu erholen.
ebenda; das stättegeld betrug sich alleine auf 3. g. die straffe ungerechnet.
ebenda. —
in den nhd. wörterbüchern erst seit Frisch (1741): stätte-geld,
locarium, was ein krämer auf den jahrmarkt für seine stelle gibt, wo er feil haben darf. 2, 321
c (
mit verweis auf Pomarii Magdeb. chron.);
locarium, pensio pro locis et statiunculis, ad exponendum et vendendum concessis. Haltaus 1737,
vgl. Scherz Oberlin 1560; 'das stättegeld, ...
an einigen orten, diejenige abgabe, welche diejenigen, welche etwas zu verkaufen haben, für ihre stätte
oder stelle an die obrigkeit entrichten; das standgeld,
nieders. stedegeld.' Adelung,
vgl. Jacobsson 7, 427
a (stätegeld
unter standgeld).
neuere belege: die verödete markthalle an der Karlsstrasze kam darum nicht auf, weil z. b. gemüsehändlerinnen, die bisher 2 sgr. stättegeld auf freiem markte zahlten und etwa 1 thlr. einnahme hatten, in der markthalle 1 thlr. miethe für den tag entrichten sollten.
neue preusz. zeit. 1872,
nr. 102,
s. 2
d; der stadtsäckel (
Alt-Berlins) war immer gar ansehnlich gefüllt durch die einnahme aus .. dem ertrag des stadtforstes, des zolls, der niederlage, der stätte- und platzgelder, der gewerkhäuser, buden- und markzinses. L. Hesekiel
Nürnberger tand 1, 125. 22)
im ältern nd. auch für grundzins. Schiller-Lübben 4, 373
a,
vgl.stätte 2,
h, ε: we(re) ok yement, dede in synen erve hadde rente, lifftucht edder stedegelt unde des vorsweghe.
Bremer stat. v. 1433,
s. ebenda und brem. wb. 4, 1013; städe-geld
grund-geld, markt-geld'. Dähnert 456
a.