stacket,
staket,
n. lattenzaun. 11)
verbreitung und form. 1@aa)
das wort ist eine roman. ableitung aus dem roman. stacca,
das aus dem deutschen staken
entlehnt ist. nicht ganz so deutlich ist, aus welcher sprache das wort ins deutsche gekommen ist. am nächsten liegt es, an ital. stacchetta
zu denken, doch spricht dagegen das fehlen des wortes im oberdeutschen; und so wird man es von altfranz. estachet(t)e, -kete, -quete Godefroid 3, 587
herleiten müssen, obwol dies in der bedeutung weniger genau stimmt (
seil zur einhegung des turnierplatzes; pfahl, ziel).
vgl. Wachter 1579. Adelung. Kinderling 225.
Weigand 2, 790. Kluge
6 375
a. 1@bb) stacket
scheint sich vom Niederrhein aus verbreitet zu haben. es findet sich zuerst in G. van der Schuerens
Teuthonista (
Köln 1477,
clevische mundart): staeckette,
palata, vallum; stackette of hamey,
fescennina. 254 (373
a Verdam),
auch: gelent, staecket. 108 (115
a); hamey off staecket. 115 (139
b).
heute holl. staket,
n., oder staketsel,
n., staketting,
f., vgl. Franck 953: staecket.
vel staecketsel.
sepimentum, septum, vallum, palatio, pedatio, sepes palata: sudetum, crebrisurus. Kilian.
mnd. stacket, sticket
in Oldenb. urk. von 1544
und 1567. Schiller-Lübben 4, 349
b f. älter sind
die hochd. belege. zuerst als die stekat, stekate
in Frankf. urk. von 1501
und 1502,
s. Dief.-Wülcker 861,
was eigentlich als besonderes wort zu rechnen ist. (steckade
auch bei Stieler,
s. 2,
a.)
deutlich liegt stacket
vor in der Magdeb. historia des '
möllenvogtes' Seb.
Langhans (1524,
abschr. v. 1601): der radt der Altenstadt hat itzt neulich uber alle andere angefangene gebew zwene newe stakeht im stadtgraben bey S. Ulrichs thore, eins unden am walle im graben und das ander recht oben uff dem walle angefangen.
d. städtechron. 27, 191, 2.
weitere belege aus dem 16.
jahrh. s. unten. in den wörterbüchern seit Comenius (1657). 1@cc)
die schreibung schwankt zwischen ck
und k;
erstere, die der aussprache besser entspricht, herrscht in den ältern belegen durchaus. staket (
crebrisurum, sepimentum ligneum)
zuerst bei Schottel 1420,
ferner bei Ludwig, Wachter, Frisch
und in den neuesten wörterbüchern; beides neben einander haben Stieler
und Campe,
alle andern stacket.
in der litteratur kommt staket
erst im 19.
jahrh. vor. diese schreibung soll vielleicht die betonung der ersten silbe (
die immer kurz ist)
verhüten, oder auch den zusammenhang mit staken
herstellen. 1@dd)
weitere schwankungen der form finden sich selten. 1@d@aα)
verdumpfung des a
zu o
im hess., s. Vilmar 401;
so schon im 16.
jahrh. bei Hans Staden,
s. unten 2,
b. (
vgl. stocket?) — sticket
in der Oldenb. urk. v. 1544. 1@d@bβ)
in neuerer zeit begegnet zuweilen scheinbare verschiebung des k
zu ch: stachete
neben stackete
bei Moerbeek (1768) 320
c,
s. Weigand 2, 790; stachet, ein, ein gegitter. Kindleben
studenten-lex. (
Halle 1781) 181;
auch bei Jacobsson 7, 418
b.
jetzt mundartlich in Salzungen šdachêde,
f., auch preusz. stachêt
neben stakêt,
s. unten g. 1@ee)
das geschlecht ist, der herkunft gomäsz, zunächst das fem. so in den ältesten belegen. doch ist bald und überall das neutr. herrschend geworden, wol unter einflusz des synonymen gitter (gatter).
so schon bei Hans Staden (1557),
auch Comenius
sprachenth. giebt das stacket
im reg. indessen kommt das fem. hie und da immer noch vor: die stackete
im neuen teutsch-frantz.-lat. dict. (1669) 321
a und bei Rädlein (1711) 833
a, stachete, stackete
bei Moerbeek (1768) 320
c,
s. Weigand 2, 790; stackete (die,
plur. stacketen)
vacerra. Steinbach 2, 652; stakete
bei Wachter 1579
und Frisch 2, 316
a;
in der litteratur: so wandelt er gemach am wiesensaum und ordnet sinnend — er bemerkt es kaum — an der stakete, wo sie niederschwanken, des wilden weines fessellose ranken. Isolde Kurz
ged.2 141.
heute als fem. in Salzungen, s. g, und in Liv- und Esthland (stakete,
auch stankete). Hupel 226. 1@ff)
als plur. wird dagegen auch zum neutr. die form stacketen
festgehalten. so in der ältern sprache durchaus (
ganz vereinzelt scheint bei Langhans stakeht
als plur. zu gelten, s. b),
in der litteratur noch bei Schiller, J. Paul, Brentano,
und in der volkssprache noch heute. nur Adelung
setzt stackete
an. in diesen formen (
wie im fem. stackete)
ist die länge des e
zweifellos, sie wird auch für den sing. staket
ausdrücklich bezeichnet bei Campe
erg.-wb. (stakēt
oder stackēt),
sowie bei Vilmar 401
und Frischbier 2, 360
b,
vgl. die schreibung stakeht
bei Langhans
unter b. dagegen wird im nd. allgemein kurzes e (
im wechsel mit i)
gesprochen (stacketten
schon in der Oldenb. urk. v. 1567),
und so auch im hd. auf norddeutschem boden. der plur. dazu, der nicht sehr üblich ist, lautet entweder stacketen
oder es wird stackets, stackette
gebildet. —
mit der pluralbildung hängt es zusammen, dasz die ältern zusammensetzungen durchgängig staketen-
aufweisen, während jetzt solche mit staket-
gebildet werden, s. unten. 1@gg)
mundartlich ist das wort besonders im nd. üblich als stakett Strodtmann 380
a. Stürenburg 261
a, stakkett Dähnert 457
a. ten Doornkaat Koolman 3, 297
a,
daneben sta(c)kitt Richey 287. Schütze 4, 184 (
so auch um Goslar),
auch noch weiter entstellt zu kastett, kastitt. Danneil 208
a.
auszerdem nur in den nördlicheren mitteld. mundarten: hess. stockêt Vilmar 401,
in Salzungen šdachêde (-aede). Hertel
Salzunger wb. 44.
sprachsch. 233,
in der provinz Sachsen stacket Bruns 23
b,
in Preuszen stakêt, stachêt,
n. Frischbier 2, 360
b (
in den ostseeprovinzen s. Hupel
uuter e). Popowitsch 322
kennt stacket (
neben stackenzaun)
als sächs. benennung für lattenzaun. (
fehlt in Handschuhsheim Lenz 67
a.) 22)
bedeutung. 2@aa)
allgemeine definitionen: crebrisurum, ein stacket, da immer ein pfal an dem andern steht. Corvinus
fons lat. 652
a; staket,
n. steccata, it. palizzata, palificcata, palancata. Kramer
dict. 2, 904
a; staket, das,
crebrisurum, sepimentum ligneum, it. sudes praepilatae aut ferratae, alias steckaden,
et pallisaden,
vacerrae. Stieler 2161;
daneben stacket, das,
vacerra, roborarium, sudes praepilatae. nachsch. 29
a. 2@bb)
in der ältern zeit als eine befestigung oder verschanzung zum zweck kriegerischer vertheidigung oder belagerung, aus dicken pfählen (
gewöhnlich mit eisernen köpfen)
bestehend; vgl. Schueren unter 1,
b, Stieler
unter 2,
a: sepimentum militare, ein stacket von pfälen. Corvinus
fons lat. 589
b;
vallum, ein wall oder pollwerck,
propr. von pfälen, ein stacket. 704
b; mit staketen verschantzen,
fortificare di palizzate ò palificcate, palancate; palancare. Kramer
dict. 2, 904
a; stacketen,
lat. sudes praeferratae seu praepilatae, s. pallisaden. Apin.
gloss. 508; '
in der befestigungskunst, eine reihe palisaden, mit welcher ein offener raum vor dem zugange verwahret wird.' Adelung. Jacobsson 4, 245
a. Krünitz 167, 641.
so in den belegen des 16.
jahrh. (
vgl. Langhans
unter 1,
b): auch sein sie (
die wilden eingebornen in Brasilien) geneygt festungen umb jre hütten zumachen, die ist so: sie machen eyn stocket umb die hütten her ausz palmen beumen, die spalten sie von eynander. das stocket ist wol anderthalb klaffter hoch, machens dick das keyn pfeil hindurch mag kommen, ... und umb das stocket her machen sie noch eyn ander stocket, von grossen hohen reydeln, aber sie setzen die reydel nicht hart bei eynander, nur das eyn mensch nicht kan hindurch kriechen. und es haben etliche den gebrauch, das síe die köpffe derer so sie gessen haben, uff die stocketen stecken, vor den eingang der hütten. Hans Staden
hist. u. beschr. eyner landtschafft der wilden (
Marb. 1557) p 3
af.; also gehets wenn gott mit in kriegszrethen sitzt, und im anzug ist, und im födersten glied stehet, und ein gute sach, als ein feste wagenburg oder stacket umb das heer geschlagen ist. Mathesius
Sar. 22
b; hiemit sag ich hat unser gott die liebe obrigkeit schmücken, unnd gleich als mit eim stacket umbschrencken wöllen. 47
b; es geschahe von dem ordensvolck grosse kegenwehr, sie fielen offters aus, und scharmützelten mit den Preussen, zerrissen und verbranten jnen die polwerck, stacketen und plockheuser. Schütz
beschr. der lande Preussen (1599) 29
b; die stadt (
Murten) beschantzt und beschosz er (
herzog Karl v. Burgund) hefftig und feindlich, so auch das schlosz, so aber in der stadt und am see auff einem felsen gelegen, dasz sie, weil sie der mauren merertheils entblöszt, wider mit stacketen und schlechten zäunen, alles mit mist, erden und holtzwellen hinderschütten, auszgefüllet. Kirchhof
wendunm. 3, 51
Österley (4, 45);
in neuerer litteratur ganz vereinzelt: zwischen beyden staketen blieb noch ein raum von mehr als sechshundert schritten auszufüllen. Schiller 9, 51 (
belag. Antwerpens); über die schiffe hinweg wurden grosze mastbäume gelegt, welche .., mit planken überdeckt, eine ordentliche strasze bildeten, auch, wie die staketen, mit einem geländer eingefaszt waren. diese schiffsbrücke, davon beyde staketen nur eine fortsetzung ausmachten, hatte, mit diesen zusammen genommen, eine länge von zweytausend vierhundert schritten.
ebenda. zur erklärung der sache und der bezeichnung vgl.: so wurde von beyden entgegenstehenden ufern aus ein gerüste in den strom hinein gebaut, wozu man die maste von den gröszten schiffen gebrauchte. ... dieses gebälke, welches fest und sicher auf dem grunde des wassers ruhte .., war mit planken bedeckt, welche eine bequeme strasze formierten. ... diese
estacade, wie man sie nannte, lief von beyden entgegenstehenden ufern ... in den strom hinein. 43. (
auf diese verwendung ist wol stack
von einflusz gewesen, s. das. 1.) —
vgl. unten f. 2@cc)
später dient das stacket
nur der einfriedigung, umhegung und absperrung eines raumes oder platzes. so wol schon in den belegen des 17.
jahrh., die nicht besonders deutlich sind: sobald das eher (
weizenähre) sich gespitzet, müssen die stachlichten speltzen, wie stacketen sich in die runde umbher machen, damit die körnlein von dem raub der vogel geschützet bleiben. J.
M. Meyfart
das himml. Jerus. (1630) 2, 47; schlieszlich ist auch diese pfort mit taffelwerck umbgeben, gleich den fliegeln ein jeder ort hat sein stacket daneben. Thom. Schröer
fried-ehren-thron (1620) E 2
b (
am rande: stacket umb desz friedes ehrenpfort).
s. auch Olearius
unter e. 2@dd)
jetzt als zaun um höfe und gärten: 'stacket,
wird ein von latten zusammengesetztes gatter genennet, welches man einen hof oder andern abgesonderten raum damit zu schliessen daselbst anleget.'
öcon. lex.2 2794; 'stacket,
palis, ist eine verzäumung eines gartens, hofes, oder andern platzes, mit gerade aufgehenden nicht gar starken hölzern, die oft oberwärts mit zierlichen köpfen versehen, mit ölfarbe angestrichen sind, und zwischen sich einen raum von 2
bis 3
zoll zum durchsehen lassen.' Eggers 2, 967,
lattenzaun Jacobsson 7, 419
a,
vgl. 2, 562
b,
sowie Adelung. Krünitz 167, 641.
es besteht in der regel aus schmalen gesägten latten, die auf querlatten angenagelt sind. so durchweg im nd., s. besonders Richey 287. Dähnert 457
a. Stürenburg 261
a. ten Doornkaat Koolman 3, 297
a (= stakenwark).
vgl. auch stakenzaun.
belege: hat denn irgend ein paradies so weite und niedrige stacketen — so dasz jeder vorbeigehende hineinsehen kann — als ihres (
der liebenden)? J. Paul
Titan 3, 29; es liefen immer ein paar prächtige pfauen im hofe herum, die wir oft halbe stunden lang durch die stacketen beguckten. Mörike
ges. erz. 92; einer groszen mauer wegen, die das gärtlein von den zwei übrigen seiten umgab, konnten die diebe dann nicht so leicht entkommen, wenn einige ... die gartenthüre und das biszchen staket zwischen haus und scheune besetzt hielten. Ludwig 2, 506; auf den schmalen steinhof, der durch ein stacket von dem garten getrennt war. Storm 2, 167; nun ist da ein stacket frei geworden, vor dem die schönsten unkräuter üppig aufgewuchert sind. P. Heyse
kinder der welt 1, 115; (
ich) kenne das gärtchen vorn mit dem spitzen stacket, und die laube schräg mit latten benagelt. Schmidt v. Werneuchen
ged. 8; so war mein garten auch in der ganzen gegend berühmt, und jeder reisende stand und sah durch die rothen stacketen. Göthe 40, 262 (
Herm. u. Dor. 3).
im bilde: so standen meine hoffnungen, als nun am vorabend ihrer erfüllung mich ein alter diener des hauses, herr Schwab, der buchhalter, an dessen originalitätsstaketen alle reben, geisblatt- und bohnenlauben unserer phantasie hinangerankt waren, enttäuschte. Brentano 5, 11. 2@ee)
durchgehends ist ein staket
von holz (
vgl. Schottel
unter 1,
c = Stieler 2,
a),
specieller: roborarium ein stacket von eichenen pfälen. Corvinus
fons lat. 550
a.
das gilt sowol von dem früheren bollwerk wie von dem heutigen lattenzaun. ganz vereinzelt auf ein metallenes gitter angewandt: durch diese gieng man zu einem mit langen silbern gitterwerck abgesonderten gemach. ... es war ... zu hinterst ... abermahl mit einem dicken stacket, dessen tralgen (
stäbe) von klaren golde rund gedrehet, unterschieden. ... die thür am güldenen stacket war verschlossen. Olearius
reisebeschr. 245
b. 2@ff)
gewöhnlich bezeichnet stacket
das ganze pfahl- oder lattenwerk, doch kommt es zuweilen auch für das einzelne glied vor; pfahl: stakete,
stipes in terram defixus. Wachter 1579; stakete,
f. ein teutsches wort mit italiänscher endung, ein stück von einem baum, so man mit dem untern theil in die erde gräbt, und den ober-theil zuspitzt, dient meistens zum bevestigen der wälle, und andere werke zu besetzen,
stipes cuspidatus. Frisch 2, 316
a.
in Liv- und Estland pfahl, latte. Hupel 226.
in Preuszen bedeutet stakêt 1)
einen gewachsenen oder geschnitzten zaunstab; 2)
einen zaun aus lattenstäben, wofür gewöhnlich stakêtenzaun. Frischbier 2, 360
b. (
umgekehrt ostfries. stake auch für stacket,
s.stake 3,
b; dithm. stack,
s. das. 2.)